Die Einführung eines Zusatzbeitrags für die gesetzliche Krankenversicherung ist eine der zentralen Neuregelungen der jüngeren Reformen im deutschen Gesundheitswesen. Seine Einführung hat zahlreiche Implikationen sowohl für das Gesundheitssystem insgesamt, als auch für die gesetzlichen Krankenkassen und ihre Mitglieder. Im Folgenden gilt es, die Auswirkungen aus Sicht der Krankenversicherungen zunächst theoretisch zu analysieren, um im weiteren anhand verfügbarer empirischer Eindrücke Anhaltspunkte für die Bestätigung der hergeleiteten Ergebnisse zu finden. Ziel ist es, herauszufinden, ob und ggf. wann sich eine Einführung des Zusatzbeitrags für eine gesetzliche Krankenversicherung rentiert.
Im zweiten Kapitel werden zunächst die Grundlagen der Betrachtung gelegt. Im Kapitel 2.1 erfolgt die Darstellung der Funktionsprinzipien der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland. Davon ausgehend werden in Kapitel 2.2 der demographische Wandel und der medizinisch-technische Fortschritt als Einflüsse gekennzeichnet, welche sowohl die Einkommens- als auch die Ausgabenseite des Systems massiv unter Druck setzen. Kapitel 2.3. stellt anschließend den Zusatzbeitrag als Reformansatz vor, mit dem versucht wird, über einen Wettbewerbsmechanismus für einen Ausgleich dieser Einflüsse zu sorgen.
Im dritten Kapitel werden die Auswirkungen der Einführung eines Zusatzbeitrags analysiert. Dabei geht es darum, Wirkmechanismen und deren Abschätzung seitens der Geschäftsleitungen einiger durch den Zusatzbeitrag betroffener Krankenkassen nachzuvollziehen. Kapitel 3.1 betrachtet dabei die Einnahmesituation der Versicherungen, 3.2 die Auswirkungen auf die Mitgliederzahlen und 3.3 den technisch-organisatorischen Zusatzaufwand als Folge der Zusatzbeitragserhebung. Kapitel 3.4 geht über die Kalkulation der Krankenkassen hinaus und zieht empirische Belege für die vorangehend angestellten Betrachtungen teilweise aus den Erfahrungen nach der Einführung des Zusatzbeitrags hinzu.
Schlussendlich erfolgt in Kapitel 4 die Zusammenfassung der Erkenntnisse und ein Ansatz, die Frage nach dem Nutzen des Zusatzbeitrags für die Krankenversicherungen zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Skizzierung der gesetzlichen Krankenversicherung
2.1. Wesentliche Merkmale der GKV
2.2. Wichtige Probleme durch technische und demographische Änderungen
2.3. Der Zusatzbeitrag als Reformansatz
3. Kritische Würdigung der Auswirkungen des Zusatzbeitrags
3.1. Einnahmesteigerungen als Kalkül der Krankenkassen
3.2. Abwanderungen von Kunden aufgrund des Zusatzbeitrags
3.3. Technisch-organisatorischer Aufwand aufgrund der Einführung des Zusatzbeitrags
3.4. Empirische Anhaltspunkte zu den Auswirkungen des Zusatzbeitrags
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die Auswirkungen des kassenindividuellen Zusatzbeitrags auf die gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland. Ziel ist es, unter theoretischen Aspekten und anhand empirischer Daten zu untersuchen, ob und unter welchen Bedingungen sich die Erhebung eines solchen Beitrags für die Krankenkassen rentiert.
- Funktionsprinzipien und Finanzierung der GKV
- Herausforderungen durch demographischen Wandel und medizinisch-technischen Fortschritt
- Kalkulationsmodelle der Krankenkassen für Zusatzbeiträge
- Analyse der Abwanderungsbewegungen von Versicherten
- Technisch-organisatorischer Verwaltungsaufwand
Auszug aus dem Buch
3.3 Technisch-organisatorischer Aufwand aufgrund der Einführung des Zusatzbeitrags
„Krankenkassen lassen säumige Zahler pfänden“ titelt die Financial Times am 8.3.2011. Betrachtet wird wiederum die DAK. In dem Artikel heißt es, dass 220.000 Mitglieder den Zusatzbeitrag in Höhe von 8 € noch nicht gezahlt hätten. Das seien 5% der Mitgliederzahl von 4,5 Millionen.
Da die Erhebung nicht über den Arbeitgeber, sondern direkt von den Versicherten erfolgt, besteht ein dementsprechend hoher Verwaltungsaufwand. Die Krankenkassen müssen für jedes Mitglied ein internes Beitragskonto für den Zusatzbeitrag einrichten. Jedes Mitglied muss separat angeschrieben werden, um von der Einführung des Zusatzbeitrages informiert zu werden und um die Möglichkeit der Überweisung oder Abbuchung eingeräumt zu bekommen. Das Verschicken der Briefe bedeutet deutlich mehr Organisations-, Druck-, Porto- und Personalkosten als ohne Zusatzbeitrag. Zusätzliche Kosten entstehen, wenn zwar in der Folge seitens des Versicherten eine Einzugsermächtigung erteilt wurde, aber aufgrund von Lastschriftenrückläufern weitere Maßnahmen notwendig werden. Diese müssten dann in der Beitragsabteilung wieder entsprechend verbucht werden. Hinzu kommen Gebühren im Zahlungsverkehr, die von den betroffenen Kreditinstituten erhoben werden. Die Rücklastschrift muss dem Mitglied inklusive der Bankspesen erneut schriftlich mitgeteilt werden. Wenn im Gegensatz dazu keine Einzugsermächtigung erteilt wurde, sondern eine Überweisung gewünscht ist, jedoch keine Zahlung durch das Mitglied erfolgt, werden, z.B. bei der DAK, die die Mitglieder erst telefonisch und dann schriftlich informiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Zusatzbeitrags im deutschen Gesundheitssystem ein und definiert das Ziel der Arbeit, die Auswirkungen aus Sicht der Krankenkassen zu untersuchen.
2. Skizzierung der gesetzlichen Krankenversicherung: Das Kapitel erläutert die Grundlagen der GKV, inklusive der Herausforderungen durch demografische Entwicklungen und technologischen Fortschritt, sowie die Einführung des Zusatzbeitrags als Reformansatz.
3. Kritische Würdigung der Auswirkungen des Zusatzbeitrags: Dieser Hauptteil analysiert Einnahmekalkulationen, Kundenabwanderungen, organisatorische Aufwände und liefert eine empirische Betrachtung der Auswirkungen auf die Versichertenzahlen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen, bewertet das Instrument Zusatzbeitrag hinsichtlich seiner Effizienz und leitet Handlungshinweise für die Krankenkassen ab.
Schlüsselwörter
Gesetzliche Krankenversicherung, GKV, Zusatzbeitrag, Gesundheitsfonds, Krankenkassen, Demographischer Wandel, Medizinisch-technischer Fortschritt, Mitgliederabwanderung, Versichertenstruktur, Verwaltungsaufwand, Sozialausgleich, Wettbewerb, Finanzierung, Kostensteigerung, Gesundheitswesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Einführung des kassenindividuellen Zusatzbeitrags in der gesetzlichen Krankenversicherung und dessen Auswirkungen aus der Perspektive der Krankenkassen.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Finanzierung der GKV, die Auswirkungen demografischer und technischer Faktoren auf die Kosten sowie die organisatorischen und strategischen Konsequenzen der Zusatzbeitragserhebung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es zu analysieren, ob und unter welchen Bedingungen die Einführung eines Zusatzbeitrags für eine gesetzliche Krankenkasse ökonomisch sinnvoll ist.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse der Funktionsmechanismen der GKV, kombiniert mit einer Auswertung aktueller empirischer Daten und Fallbeispiele aus der Praxis.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich dem Einnahmekalkül der Kassen, dem Risiko der Kundenabwanderung, dem hohen administrativen Verwaltungsaufwand sowie einer empirischen Betrachtung von Mitgliederstatistiken im Kontext von Zusatzbeiträgen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Zusatzbeitrag, GKV, Versichertenstruktur, Wettbewerbsinstrument und Verwaltungsaufwand.
Warum haben Krankenkassen mit jüngerem Versichertenbestand laut Arbeit ein höheres Abwanderungsrisiko?
Die Arbeit stellt dar, dass jüngere Versicherte preissensibler reagieren, während ältere Versicherte bei ihrer Kassenwahl stärker auf spezielle Gesundheitsangebote für chronische Erkrankungen achten.
Welchen Einfluss hat der Verwaltungsaufwand auf die Rentabilität des Zusatzbeitrags?
Laut Arbeit ist der Verwaltungsaufwand so hoch, dass ein Viertel der zusätzlichen Einnahmen allein für die Deckung der Kosten der Erhebung und Verwaltung aufgebracht werden muss.
Welche Rolle spielt die DAK in dieser Untersuchung?
Die DAK dient als primäres Fallbeispiel für eine Krankenkasse, die einen Zusatzbeitrag eingeführt hat, und liefert konkrete Daten zu Mitgliederverlusten und operativem Aufwand.
- Arbeit zitieren
- Carolin Ahrens (Autor:in), 2011, Kritische Bewertung des Zusatzbeitrags aus Sicht der Krankenkassen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172125