Die Seligpreisungen - Exegese zu Lukas 6, 20--23


Hausarbeit, 2002

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Übersetzungsvergleich

II. Begriffsklärung

III. Gliederung

IV. Literarkritik

V. Motivgeschichte

VI. Formkritik

VII. Redaktionskritik

VIII. Versexegese

IX. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Anhang
I Übersetzungsvergleich
II Synoptischer Vergleich

Einleitung

Bei dem biblischen Text, um den es in dieser exegetischen Arbeit geht, handelt es sich um die Seligpreisungen aus dem Lukas - Evangelium (Lukas 6, 20-23). Die Weherufe (VV 24-26) gehören förmlich und inhaltlich zwar unmittelbar zu den Seligpreisungen, sie bedürfen jedoch einer eigenen exegetischen Arbeit. In dieser Arbeit soll sich auf die Verse 20 bis 23 beschränkt werden. Besonderen Wert lege ich auf die Versexegese, da hier am einfachsten auf verschiedene Sachverhalte eingegangen werden kann, die in den anderen Punkten keinen Platz bzw. keine Formulierung fanden.

Ich lege meiner Exegese die Übersetzung aus dem Schürmann - Kommentar[1] zugrunde, da der Text inhaltlich wie sprachlich dem griechischen Urtext sehr nahe kommt.[2] Danach lautet der zu bearbeitende Text wie folgt:

20 a Und er richtete seine Augen auf seine Jünger und sprach:

b Selig (ihr) Armen; denn euer ist das Königreich Gottes!

21 a Selig, die (ihr) jetzt hungert; denn ihr werdet gesättigt werden! b Selig, die (ihr) jetzt weint; denn ihr werdet lachen!

22 Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und wenn sie euch ausschließen und schmähen und euren Namen als einen schlechten ausrufen um des Menschensohnes willen.

23 a – Freut euch an jenem Tage und hüpft; b denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel! –
c Denn gleicherweise taten den Propheten ihre Väter.

I. Übersetzungsvergleich

Folgende Übersetzungen wurden zum Vergleich herangezogen: die revidierte Lutherübersetzung von 1984 (a), die Übersetzung aus dem Kommentar von Heinz Schürmann[3] (b), die Interlinearübersetzung von Dietzfelbinger (c) und die „Hoffnung für alle“ – die Bibel in heutigem Deutsch (d).[4] Verglichen, aber aus zeitlichen Gründen nicht in die graphische Darstellung zur Erfassung der Details aufgenommen, wurde auch mit der Elberfelder Übersetzung.

Auffällig ist, dass einzig die „Hoffnung für alle“ nicht mit den anderen Übersetzungen verglichen werden kann, da sie vor allem sprachlich sehr stark vom Urtext abweicht. In dieser Übersetzung sind häufig schon Interpretationen vorgenommen, die mit Vorsicht zu betrachten sind.[5] So steht zum Beispiel in V 22 „...weil ihr zu mir gehört“, während in allen anderen Übersetzungen in der 3.Person von „Menschensohn“ oder „Sohn des Menschen“ die Rede ist. Zwar ist „Menschensohn“ an dieser Stelle als Selbstbezeichnung Jesu gebraucht[6], allerdings ist es immer auch ein Hoheitstitel und sollte nicht einfach umschrieben werden.

Die folgenden Verweise auf Bibelstellen beziehen sich, soweit nicht anders angegeben, auf die Schürmann – Übersetzung.[7] Zwar ist mir der Luthertext sprachlich vertrauter, aber die Übersetzung nach Schürmann ist sprachlich genauer[8].

II. Begriffsklärung

Zunächst bedarf das viermal vorkommende Wort „selig“ einer näheren Untersuchung, da es die zentrale Rolle in dieser Perikope spielt. Es ist ein Wort, das in unserem heutigen Sprachgebrauch kaum noch vorkommt und somit leicht missverstanden werden kann. Auch die zum Beispiel in der Elberfelder Übersetzung gebrauchte Wendung „glückselig“ bereitet kaum weniger Probleme.

„Luther hat zwei in ihrer Grundbedeutung recht verschiedene Wörter mit ‚selig’ übersetzt. Das eine (griech.) ‚makários’ bedeutet: glückselig oder ‚glücklich zu preisen’. So ist der Ausdruck wiederzugeben in den Seligpreisungen der Bergpredigt: ‚O glücklich die, welche…’. [...] Ein anderer Ausdruck steht im griechischen Text überall da, wo Luther übersetzt: ‚selig machen, selig werden’. Dieses Wort (sózein) bedeutet: erretten, im Passiv errettet werden.“[9]

Demnach bedeutet dies für die Seligpreisungen zum Beispiel: „Glücklich zu preisen seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer.“ Diese Wendung macht den Inhalt des Wortes „selig“ viel transparenter und klarer verständlich.

Der zweite Begriff, den ich für wichtig halte, ist der Begriff „arm“ (V 20a), von dem uns heute ebenfalls das notwendige Verständnis fehlt. Als arm werden heute zumeist die materiell wenig begünstigten bezeichnet. Der Begriff bei Lukas geht aber über dieses rein materielle Verständnis hinaus:

Unter den Armen werden in der Seligpreisung (Luk.6,20) verstanden die an Besitz, gesellschaftlicher Geltung, Bildung Geringen. Sie standen unter dem Druck der führenden Kreise und waren nicht nur von den Wohltaten der Kultur, sondern auch von aller tieferen religiösen Erkenntnis abgeschnitten. Diese war ein Monopol der studierten Leute und ihres geistigen Anhangs geworden und war dadurch so verknöchert, dass sie dem schlichten, ursprünglichen Verstande unzugänglich war. Diesen Elenden, Unterdrückten wird die Botschaft zugerufen, dass die Gottesherrschaft ihnen den völligen Wandel ihrer Lage bringt. „Den Armen wird das Evangelium gepredigt“ (Matth.11,5). Ihnen, denn sie sind die Empfänglichen, Dankbaren, während die an Vermögen, Ansehen, Bildung, frommer Erkenntnis Reichen satt, selbstzufrieden und unempfänglich sind. Natürlich sind das große Linien, die Jesus zieht. Ausnahmen gab es, wie wir wissen, auf beiden Seiten. Mit den geistlich Armen (Matth.5,3) sind nicht Minderbegabte gemeint, sondern Leute, die in göttlichen Dingen sich arm, leer und unwissend fühlen, weil sie erkennen, dass sie es sind. Solchen können die großen Geheimnisse von oben offenbart werden (Matth.11,25). Den „Unmündigen“ (d.h. Menschen ohne Mund, die nicht immer etwas zu meinen haben) wird das Verborgene enthüllt; sie sind gewürdigt Träger der göttlichen Weisheit zu sein, weil sie nicht ihr Fündlein hineinmengen. Die geistlich Armen sind wie die Orgel, die „keine einzige Weise in sich hat, sondern ganz darauf angelegt ist, sich die Töne vom Meister eingeben zu lassen“. Die Weisen und Klugen gleichen der „Drehorgel, die alle Melodien schon fertig in sich trägt und darum eine neue Musik weder aufnehmen noch wiedergeben kann“. Sie können keine tauglichen Instrumente abgeben für das göttliche Spiel (1.Kor.1,26.27; Joh.9,39).[10]

Zum lukanischen Verständnis von „arm, hungernd und weinend“ vgl. auch Schürmann, S. 327.

[...]


[1] Schürmann, 326

[2] S. u. Übersetzungsvergleich

[3] Schürmann, 326

[4] Siehe Anhang 1 Übersetzungsvergleich

[5] Natürlich ist auch jede andere Übersetzung eine Interpretation des jeweiligen Übersetzers!

[6] Vgl. Schürmann, 33462

[7] S. o. Einleitung

[8] Siehe Anhang 1 Übersetzungsvergleich

[9] Luther, 161

[10] Luther, 12f

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Seligpreisungen - Exegese zu Lukas 6, 20--23
Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin  (Religions- und Gemeindepädagogik)
Veranstaltung
Exegetischer Grundkurs
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
16
Katalognummer
V17213
ISBN (eBook)
9783638218382
Dateigröße
384 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Seligpreisungen, Exegese, Lukas, Exegetischer, Grundkurs
Arbeit zitieren
Robert Stenzel (Autor), 2002, Die Seligpreisungen - Exegese zu Lukas 6, 20--23, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17213

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