Bei dem biblischen Text, um den es in dieser exegetischen Arbeit geht, handelt es sich um die
Seligpreisungen aus dem Lukas - Evangelium (Lukas 6, 20-23). Die Weherufe (VV 24-26)
gehören förmlich und inhaltlich zwar unmittelbar zu den Seligpreisungen, sie bedürfen jedoch
einer eigenen exegetischen Arbeit. In dieser Arbeit soll sich auf die Verse 20 bis 23
beschränkt werden. Besonderen Wert lege ich auf die Versexegese, da hier am einfachsten auf
verschiedene Sachverhalte eingegangen werden kann, die in den anderen Punkten keinen
Platz bzw. keine Formulierung fanden.
Ich lege meiner Exegese die Übersetzung aus dem Schürmann - Kommentar1 zugrunde, da
der Text inhaltlich wie sprachlich dem griechischen Urtext sehr nahe kommt.2 Danach lautet
der zu bearbeitende Text wie folgt:
20 a Und er richtete seine Augen auf seine Jünger und sprach:
b Selig (ihr) Armen; denn euer ist das Königreich Gottes!
21 a Selig, die (ihr) jetzt hungert; denn ihr werdet gesättigt werden! b Selig, die (ihr) jetzt
weint; denn ihr werdet lachen!
22 Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und wenn sie euch ausschließen und
schmähen und euren Namen als einen schlechten ausrufen um des Menschensohnes willen.
23 a – Freut euch an jenem Tage und hüpft; b denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel! –
c Denn gleicherweise taten den Propheten ihre Väter.
1 Schürmann, 326
2 S. u. Übersetzungsvergleich
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Übersetzungsvergleich
II. Begriffsklärung
III. Gliederung
IV. Literarkritik
V. Motivgeschichte
VI. Formkritik
VII. Redaktionskritik
VIII. Versexegese
IX. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel einer exegetischen Auseinandersetzung mit den Seligpreisungen nach Lukas 6, 20-23, wobei insbesondere die methodische Versexegese zur Erschließung der lukanischen Perspektive angewandt wird.
- Exegetische Analyse von Lukas 6, 20-23 unter Einbeziehung des historischen Kontextes
- Vergleichende Untersuchung verschiedener Bibelübersetzungen hinsichtlich ihrer Präzision
- Untersuchung der literarkritischen und formgeschichtlichen Hintergründe des Textes
- Erarbeitung der lukanischen Redaktionsintention und der Bedeutung der Verheißungen
Auszug aus dem Buch
VIII. Versexegese
20 In diesem Vers wird die sowohl nach Lukas als auch nach Matthäus erste Rede Jesu im großen Komplex der sogenannten Berg- bzw. Feldpredigt eingeleitet. In den VV 17-19 werden die sich vorzustellenden Voraussetzungen geklärt. Man erfährt, dass Jesus nicht nur zu seinen Aposteln spricht, sondern zu einer großen Schar seiner „Jünger“ und einer großen Menge des Volkes aus dem ganzen Umland. „Die folgende Unterweisung soll also nach der Meinung des Evangelisten speziell von der Gemeinde der Christusgläubigen gehört werden, die von der als ,hörwillig’ (V 17) und somit immerhin ansprechbar vorgestellten Volksmenge umgeben ist. Die Jüngerunterweisung Jesu ist zur Welt hin offen gedacht; die Kirche ist keine sich abschließende Sekte.“
21 In V 21a verkündet Jesus die alte Verheißung an die Hungernden Jes 49, 10 als sich erfüllend. Das Heil Gottes erscheint als das allen Hunger stillende Mahl, wobei man den Hunger, wie schon mehrfach erwähnt, nicht als geistigen Hunger und die Sättigung nicht als spirituelle Sättigung verstehen darf. Ebenso real sehen muss man die Not der Weinenden, denen in V 21b das eschatologische Lachen angekündigt wird, „das für den Tag verheißen ist, da ‚Jahwe Zions Gefangene heimführt’ (Ps 126, 2 M)“. Hier ist nicht nur das Lachen als Ausdruck von Freude gemeint, „sondern das befreiende Lachen, wenn plötzlich die Augen aufgehen und alle Bedrängnis mit ihren dämonischen Täuschungen als ein ‚lächerlicher’ Irrtum erkannt ist.“
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in den biblischen Text und Begründung des gewählten exegetischen Fokus auf Lukas 6, 20-23.
I. Übersetzungsvergleich: Gegenüberstellung verschiedener Übersetzungen, um die sprachliche Genauigkeit und interpretatorische Einflüsse zu prüfen.
II. Begriffsklärung: Untersuchung zentraler Begrifflichkeiten wie „selig“ und „arm“, um ihr Verständnis im lukanischen Kontext zu schärfen.
III. Gliederung: Darstellung eines strukturellen Modells der Perikope zur Verdeutlichung des inneren Textaufbaus.
IV. Literarkritik: Synoptischer Vergleich mit Matthäus 5, um den Ursprung und die redaktionelle Herkunft der Texte zu erörtern.
V. Motivgeschichte: Verknüpfung der Seligpreisungen mit prophetischen Vorbildern des Alten Testaments, insbesondere Jesaja.
VI. Formkritik: Bestimmung der literarischen Gattung und des „Sitz im Leben“ der Makarismen.
VII. Redaktionskritik: Analyse der lukanischen Quellennutzung und der Intention hinter der Textbearbeitung.
VIII. Versexegese: Detaillierte exegetische Auslegung der Verse 20 bis 23 unter Berücksichtigung des lukanischen Kontextes.
IX. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse zur Bedeutung der Seligpreisungen für die damalige Gemeinde und ihre heutige Relevanz.
Schlüsselwörter
Seligpreisungen, Lukas-Evangelium, Exegese, Makarismen, Armut, Menschensohn, lukanische Redaktion, biblische Hermeneutik, Gottesreich, Verheißung, Feldpredigt, Urtext, neutestamentliche Wissenschaft, Jüngerschaft, Hoffnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit bietet eine fundierte exegetische Analyse der Seligpreisungen im Lukas-Evangelium (Lukas 6, 20-23).
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Neben einer Übersetzungskritik stehen die Begriffsdefinitionen, die literarkritische Herkunft und die formgeschichtliche Einordnung im Zentrum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erschließung der lukanischen Perspektive auf das verheißene Heil und dessen Bedeutung für die damalige Gemeinde.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Die Arbeit bedient sich der historisch-kritischen Exegese, insbesondere durch Literar-, Form- und Redaktionskritik.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Vordergrund?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Struktur des Textes, der Herleitung aus dem Alten Testament und einer systematischen Versexegese.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren den Text?
Wichtige Charakteristika sind die Begriffe „selig“, „arm“ und der „Menschensohn“ als zentraler Hoheitstitel.
Warum wird gerade der Schürmann-Kommentar als Vergleichsgrundlage gewählt?
Die Übersetzung nach Schürmann wird aufgrund ihrer inhaltlichen und sprachlichen Nähe zum griechischen Urtext als präziser eingestuft.
Welche Bedeutung kommt dem vierten Makarismus (V. 22) zu?
Der vierte Makarismus dient der Adressierung der verfolgten Gemeinde und stellt eine Brücke zur apostolischen Erfahrung dar.
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- Robert Stenzel (Author), 2002, Die Seligpreisungen - Exegese zu Lukas 6, 20--23, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17213