„Sozialpsychologische Aspekte der Abhängigkeit von Designerdrogen und Möglichkeiten sozialpädagogischer Intervention“


Bachelorarbeit, 2010
51 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

1 Begriffsbestimmung
1.1 Sozialpsychologie
1.2 Designerdrogen- synthetische Drogen
1.3 Sozialpädagogik

2 Abhängigkeit nach ICD- 10

3 Jugendalter aus der entwicklungspsychologischen Perspektive und dem gesellschaftlichen Wandel
3.1 Historischer Wandel der Pubertät
3.2 Zeitliche Abgrenzung der Jugendphase
3.3 Entwicklungsaufgaben des Jugendalters
3.4 Gesellschaftlicher Wandel und Problemstellungen

4 Jugendkultur Technoszene

5 Trias der Abhängigkeit
5.1 Mensch
5.2 Mittel
5.3 Milieu

6 Neurobiologischer Erklärungsansatz von Abhängigkeit

7 Sozialpädagogische Interventionsformen
7.1 Primärprävention
7.2 Sekundärprävention
7.3 Tertiärprävention

8 Schlussbetrachtung

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Methamphetamin- Crystal http://www.michaelshouse.com/blog/wp-content/uploads/ 2009/08/crystal-meth.jpg verfügbar am: 10.05.2010

Abb. 2: verschiedene Formen von Ecstasy http://thefreshscent.com/wp-content/uploads/2008/10/ecstasy-pill- collage-i2007h0004.jpg verfügbar am 01.07.2010

Abb. 3: Furcht vor Arbeitslosigkeit nach sozialer Schichtzugehörigkeit im Zeitreihenvergleich Jugendliche im Alter von 12 bis 25 Jahren (in %) Shell Deutschland Holding (Hrsg.) (2006): Jugend 2006. Eine pragmatische Generation unter Druck. Frankfurt am Main: Fischer, S. 76

Abb. 4: Belastung im Problembereich " Schule und Beruf" nach Altersgruppen http://www.neuburg-schrobenhausen.de/export/download.php?id=1161, verfügbar am 23.06.2010

Abb. 5: Zufriedenheit mit dem eigenen Körpergewicht www.neuburg-schrobenhausen.de/export/download.php?id=1161 verfügbar am 23.06.2010

Abb. 6: Problembelastung bei den 16- 18- Jährigen http://www.neuburg-schrobenhausen.de/export/download.php?id=1161 verfügbar am 23.06.2010

Abb. 7: Trias der Abhängigkeit http://www.polizei.bayern.de/content/3/7/5/9/0/sucht2_TSGdy.jpg verfügbar am 29.06.2010

Einleitung

I ch sehe den Abhängigen als Sucher; allerdings einen mißgeleiteten.

Der Süchtige ist ein Mensch auf der Suche nach Lebensfreude,

vielleicht sogar auf der Suche nach einer transzendenten Erfahrung –

und ich möchte betonen, daß diese Art der Suche außerordentlich positiv

ist. Der Süchtige sucht zwar am falschen Ort, aber er strebt nach etwas sehr Wichtigem, und wir können es uns nicht leisten, dieser Suche keine

Beachtung zu schenken.

Deepak Chopra, Wege aus der Sucht

Für Eltern ist das Erleben der Geburt und das Aufwachsen ihres Kindes wohl eine der schönsten Erfahrungen. Kinder geben ihren Eltern das Gefühl eine „richtige und komplette Familie“ zu sein. Sie wirken wie ein Spiegel ihrer Selbst in Bezug auf ihren Charakter, Verhaltensweisen usw. In späteren Jahren, als Jugendliche, wird es jedoch für viele Eltern meist schwierig, denn da beginnt die Zeit des Loslassens. Die meisten Jugendlichen gehen dabei ihren Weg hin zu einem autonomen Leben. Einige Hingegen schaffen das jedoch nicht allzu problemlos und geraten in eine Abhängigkeit.

Meine Beweggründe für die Bearbeitung und Auseinandersetzung mit dem oben genannten Thema beruhen auf persönlichen Erfahrungen. Da ich in der Technoszene meine Jugend verbracht habe und diese Szene auch jetzt noch einen großen Bestandteil meines Lebens darstellt, habe ich viele Freunde gehabt, die in eine Abhängigkeit von synthetischen Drogen geraten sind. Für die meisten stellte der Drogenkonsum von Designerdrogen nur eine Phase dar, die sie dann mit Aufnahme einer Ausbildung, Arbeit oder Studium wieder beendeten. Jedoch habe ich Bekannte, die selbst nach zehn Jahren noch keinen Schlussstrich ziehen konnten. Erst vor kurzem bekam ich die erschütternde Nachricht, dass ein guter Bekannter aufgrund der Folgen seiner Abhängigkeit Selbstmord begangen hat, welcher auch der Grund und die Motivation, dieses Thema zu bearbeiten, war.

Dabei stand die wesentliche Frage im Vordergrund, warum ein Jugendlicher überhaupt in eine Abhängigkeit gerät? Warum es gerade in dieser Entwicklungsphase zu einem gesteigerten Risiko kommt? Und welche Hilfen hierzu in Deutschland angeboten werden?

Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt vor allem auf entwicklungspsychologischen Aufgaben im Jugendalter, unter Einbezug des gesellschaftlichen Wandels und Ursachenmodellen, wie es zu einer Abhängigkeit kommen kann. Leider ist es an dieser Stelle sehr schwierig, den sozialpsychologischen Blickwinkel beizubehalten und kann nur bedingt berücksichtigt werden.

Vorab möchte ich darauf hinweisen, dass sich diese Arbeit nur auf Jugendliche im Alter von 12- 25 Jahren, beider Geschlechter und allen Sozialschichten bezieht. Zudem werde ich die Jugendkultur Technoszene um ein Vielfaches mit in diese Arbeit integrieren. Da ich aus persönlichen Erfahrungen erlebt habe, dass der Drogenmissbrauch zwar in eine Abhängigkeit führen kann und als beunruhigend erachtet, jedoch nicht zwingend als höchstproblematisch eingeschätzt werden muss, beruht diese Arbeit ausschließlich auf dem Begriff der Abhängigkeit. Des Weiteren werde ich mich nur auf synthetische Drogen beziehen und nur kurz den Mischkonsum anreißen. Keine Berücksichtigung bei sozialpädagogischen Interventionen fanden hierbei andere Hilfesysteme, wie Ärzte und Polizei.

Diese Differenzierung habe ich gewählt, weil die Erarbeitung der Thematik zu weitläufig geworden wäre.

1. Begriffsbestimmung

1.1 Sozialpsychologie

„Die Sozialpsychologie ist die empirische Wissenschaft vom individuellen und kollektiven Erleben und Verhalten in Abhängigkeit der jeweiligen sozialen Situation. Sie erforscht die allgemeinen Gesetzmäßigkeiten menschlichen Verhaltens im sozialen Kontext“ (Fachgruppe Sozialpsychologie, http://www.sozialpsychologie.de)

Sozialpsychologisch werden die psychologischen Einflüsse einer Person unter dem Aspekt ihrer sozialen Bedingtheit betrachtet. Die Interaktion zwischen dem Individuum und seiner Umwelt. In diesem Diskurs geht es vor allem um Risikofaktoren, welche ein Verhalten oder ein Faktum darstellen, die negative Folgen begünstigen

Im Folgenden sollen die psychosozialen Risikofaktoren von Jugendlichen im Alter von 13- 25 Jahren in den sozialen Bereichen wie Schule, Familie und Peer- Group untersucht werden. Problembereiche, die eine negative Auswirkung auf das Individuum in Bezug auf eine Drogenabhängigkeit haben können, aber nicht zwingend Auswirkungen haben müssen

1.2 Designerdrogen- synthetische Drogen

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung definiert „Droge“ wie folgt: „Drogen sind chemische Wirkstoffe, die auf das zentrale Nervensystem wirken und die Stimmung, das Verhalten, die Wahrnehmung und das Denkvermögen beeinflussen können. Der Begriff „Droge“ umfasst insbesondere alle zu Rauschzuständen oder Abhängigkeit führenden Pharmaka, einschließlich synthetisch hergestellter Verbindungen (Designerdrogen) und Alkohol.[1] Im engeren Sinne wird der Begriff Droge allerdings nur auf psychoaktive Substanzen verwendet, die durch das Betäubungsmittelgesetz verboten sind“. (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), http://www.drugcom.de) Bezug nehmend auf die durch das Gesetz verbotenen Drogen, können diese kategorisiert werden in biogene und Voll- und halbsynthetisch hergestellte Drogen.

Im Bereich der biogenen Drogen unterscheidet man zusätzlich noch in pflanzliche und tierische Drogen. Zu den pflanzlichen Drogen zählen unter anderem Cannabis und Pilzdrogen wie der Kubanische Täuschling mit seinen halluzinogenen Inhaltstoffen. Eine tierische Droge ist beispielsweise das Gift der Erdkröte.

Unter die halbsynthetisch hergestellten Drogen fallen Kokain- Crack, Heroin und LSD, da diese aus pflanzlichen Grundstoffen bestehen und chemisch aufbereitet werden. Zu den vollsynthetisch hergestellten Drogen zählt man Amphetamine, Methylamphetamine und MDMA. Im heutigen gesellschaftlichen Kontext werden Designerdrogen als voll synthetisch hergestellte, psychotrope Substanzen bezeichnet, welche in illegalen Laboren hergestellt werden und man demzufolge die Inhaltsstoffe als Konsument nie genau analysieren kann.[2] Diesbezüglich spricht man überwiegend von synthetischen Drogen. Die von Jugendlichen meist konsumierten synthetischen Drogen sind Methamphetamine, Amphetamine und MDMA.[3]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Crystal

Amphetamine, in der Drogenszene auch „Speed“ und „Pepp“ genannt, haben durch das Freisetzen von Dopamin und die anregende Wirkung im zentralen Nervensystem eine aktivierende und euphorisierende Wirkung. Ängste werden vermindert die Redelust und das Selbstbewusstsein wird gesteigert. Hunger sowie

Müdigkeit bleiben aus. Diese Drogen werden als „Wachmacher“ und Leistungssteigerer benutzt dienen der Gewichtsreduktion. Methamphetamine, auch „Crystal“ oder „Ice“ genannt, haben eine ähnliche Wirkung wie Amphetamine, jedoch ist diese um ein vielfaches größer und hat eine wesentlich längere Wirkung, zum Teil bis zu 30 Stunden. Gerade Crystal wird als die gefährlichste unter den aktivierenden illegalen Drogen eingestuft, da diese eine ausgesprochen hohe Giftigkeit für die Nervenzellen darstellt. Zu den Risiken zählen massive Schlaf- und Kreislaufstörungen, Magenschmerzen und sogar Magendurchbruch, ebenso möglich sind Zahnausfall, Paranoia, Entzündungen der Haut („Speedpickel“) und Organblutungen. Der chronische Konsum kann außerdem Hirnblutungen und Schlaganfälle mit plötzlichen Lähmungen verursachen. Tierexperimentelle Untersuchungen haben gezeigt, dass Methamphetamin eine hohe neurotoxische Wirkung hat, also das Gehirn somit nachhaltig schädigen kann. Forscherinnen und Forscher gehen sogar davon aus, dass Methamphetamin die toxischste (giftigste) Substanz unter den Amphetaminabkömmlingen ist. Diese Droge besitzt außerdem ein enorm hohes Abhängigkeitspotential.[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Ecstasy

Der Wirkstoff MDMA wird meistens in Form von Pillen auf den illegalen Markt gebracht, auch genannt Ecstasy, Pillen oder Murmeln und wird oral mit etwas Flüssigkeit eingenommen. MDMA ist ebenfalls in kristalliner Form erhältlich, welcher ähnlich wie „Crystal“ zuerst zu Pulver zerrieben und anschließend nasal eingenommen wird. Nach Einnahme dieser „Glücklichmacher“

wird der Botenstoff Serotonin im Körper ausgeschüttet, welcher ein übermäßiges Glücksgefühl zur Folge hat. Dementspchend spricht man auch oft von „Liebespillen“. Dabei Entstehen Gefühle wie, gerade genannt, das Empfinden von Glücks- und Liebesgefühlen, ein Gefühl der Nähe zu anderen Menschen, Offenheit, Mitgefühl und Akzeptanz Anderer, das Gefühl der Entspannung und Hemmungen werden bei bleibender Erhaltung einer geistigen Klarheit vermindert. Des Weiteren hat Ecstasy ebenfalls die stimulierenden Effekte der Ursprungssubstanz Amphetamin: Die Konsumenten fühlen sich wach und aktiviert. Zusätzlich entstehen ein gesteigertes Körperempfinden und optische Wahrnehmungsveränderungen.[5] Seitens der Risiken sind Herzrasen, Ansteigen der Körpertemperatur und Austrocknung, Depssion, massive Angstzustände (Horror- Trip), psychotische Störungen, Nieren- und Leberversagen, Kreislaufkollaps und, verursacht durch das „Nichtwissen“ der Inhaltsstoffe, Tod zu nennen.[6]

Wie daraus ersichtlich wird, bestehen bei dem Konsum von synthetischen Drogen erhebliche Gefahren, sowohl auf der psychischen, als auch auf der physischen Ebene. An dieser Stelle sollte nochmals die noch höhere Gefahr genannt werden, die des Nichtwissens über die genauen Inhaltsstoffe der konsumierten Drogen, da diese in illegalen Laboren hergestellt werden und die Herstellung keiner Überwachung obliegt.

1.4 Sozialpädagogik

Eine genaue und feststehende Definition für Sozialpädagogik lässt sich auf Grund des noch sehr jungen Arbeitsfeldes nicht geben. Mollenhauer definierte Sozialpädagogik wie folgt:

„Sozialpädagogik wird damit der Begriff für eine Theorie spezieller Sozialisationshilfen für die Bewältigung der im Laufe der lebenslangen Sozialisation auftretenden Konflikte, Hilfen, die sowohl auf eine Änderung des Individuums, eine Erweiterung seiner kognitiven, emotionalen und psychomotorischen Kompetenzen zielen, als auch auf die Beseitigung der diesem Konflikt zugrunde liegenden, häufig system- immanenten Ursachen.“ (Universität Magdeburg, www.uni-magdeburg.de, zit. n. Mollenhauer o. J.)

Das bedeutet, dass die Sozialpädagogik eine unterstützende Maßnahme ist, die auf eine Verhaltensänderung abzielt, indem sie die Ressourcen des Einzelnen aufgezeigt, bestärkt oder neu sucht. Dabei steht neben dem Individuum selbst auch seine Umgebung im Visier der Betrachtung. Denn nur durch eine komplexe Einbeziehung aller Lebensumstände lassen sich adäquate Hilfestellungen aufzeigen. Die Schwerpunkte liegen hierbei in der Einzelfallarbeit, der sozialen Gruppenarbeit und der Gemeinwesenarbeit. Je nach Fall und Bedarf werden diese drei Methoden einzeln oder in Kombination eingesetzt.

Sozialpädagogik wird als außerschulische Erziehung gesehen, die als Ziel die weitestgehende Autonomie eines jeden hat..[7] Sozialpädagogisches Handeln könnte als methodisches Vorgehen verstanden werden, um eine Person zur Selbstständigkeit zurück zu führen.

2 Drogenabhängigkeit und Klassifikation von Suchtstörungen nach dem ICD- 10

Um den Begriff der substanzbezogenen Abhängigkeit genauer verstehen zu können bedarf es im weiteren Verlauf dieser Ausarbeitung einer genaueren Differenzierung und Unterscheidung der Begriffe Suchtstoffkonsum, Suchtmittel- Missbrauch, Drogenabhängigkeit, Toleranz, Drogensucht und letztlich der Entzugserscheinung.

Suchtstoffkonsum

Der Begriff Suchtstoffkonsum beschreibt einen relativ unproblematischen oder kontrollierten Suchtmittelgebrauch, der die Lebensweise eines Menschen lediglich begleitet und nicht selbst Lebensweise eines Menschen geworden ist.[8]

Suchtmittel- Missbrauch

„Missbrauch meint einen übermäßigen Konsum, häufige Überdosierungen aber auch strafbare Handlungen unter Suchtstoffeinfluss.“ (Jugend hilft Jugend, http://www.jugend-hilft-jugend.de).

Eine weitere Definition von Suchtmittel- Missbrauch lautet: „Der trotz negativer Folgen fortgesetzte Konsum einer Droge ohne die Merkmale der Drogenabhängigkeit.“ (Grabowski, J., van der Meer, E., 2001, S. 691)

Drogenabhängigkeit

Um eine Suchterkrankung medizinisch einordnen zu können, bedarf es einer Klassifikation. Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD, engl.: International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) ist das wichtigste, weltweit anerkannte Diagnoseklassifikationssystem der Medizin. Es wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegeben. Die aktuelle, international gültige Ausgabe (engl. revision) ist ICD-10, Version 2006. Das System arbeitet mit dem Komorbiditätsprinzip, welches eine diagnostische Verschlüsselung von Krankheiten im Sinne eines klinischen Gesamtbildes bedeutet. Nach ICD- 10 wird die Abhängigkeitserkrankung in den Diagnoseschlüsseln F10 bis F19 aufgelistet. In dieser Ausarbeitung geht es zum größten Teil um den Diagnoseschlüssel F 15, der im Folgenden noch aufgelistet wird.

Bei dem Auswerten von Fachliteratur über den Abhängigkeits- und Suchtbegriff wurde deutlich, dass es bis heute weder eine einheitliche Definition, noch eine genaue Abgrenzung dieser beiden Begriffe gibt. Der Suchtbegriff wurde 1964 von der Weltgesundheitsorganisation zugunsten des Begriffs „Abhängigkeit“ aufgegeben. Meist wird heute Sucht und Abhängigkeit synonym verwendet.[9] Jedoch differenzieren einige Suchtexperten diese beiden Begriffe, worauf nach der Begriffsbestimmung von Abhängigkeit noch einmal eingegangen wird.

Es bestehen viele Definitionen für den Begriff der Abhängigkeit. Die wohl gebräuchlichste und weltweit anerkannte Definition kommt von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und beschreibt Abhängigkeit als „Ein psychischer, manchmal auch physischer Zustand, der auf die Interaktion eines lebenden Organismus und einer Droge zurückzuführen und durch bestimmte Verhaltensweisen und andere Reaktionen charakterisiert ist. Diese schließen immer den Zwang ein, die Droge kontinuierlich oder periodisch zu nehmen, um ihre psychischen Wirkungen zu erleben und manchmal, um die unangenehmen Folgen des Verzichts zu vermeiden.“ (Jaffe, J.; Peterson, R.; u. a., 1981, S. 11) Nach dem ICD- 10 spricht man von einer Abhängigkeit, wenn mindestens 3 der folgenden Kriterien innerhalb eines Jahres aufgetreten sind. Ein Starker Wunsch oder eine Art Zwang, Substanzen zu konsumieren, zudem verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Substanzkonsums, oder ein körperliches Entzugssyndrom, der Nachweis einer Toleranz, Fortschreitende Vernachlässigung anderer Interessen zugunsten des Substanzkonsums und anhaltender Substanzkonsum trotz Nachweises eindeutiger schädlicher Folgen (körperlich, psychisch, sozial)[10] Des Weiteren findet sich im ICD- 10 eine Unterscheidung der Ursachen für psychische Störungen und Verhaltensstörungen. Unterschieden wird in den Substanzen: Alkohol (F 10), Opioide (F 11), Cannabinoide (F 12), Sedativa oder Hypnotika (F 13), Kokain (F 14), andere Stimulanzien, einschließlich Koffein (F 15), Halluzinogene (F 16), Tabak (F 17), flüchtige Lösungsmittel (F 18) und mutiblen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Sustanzen (F19).[11] Zudem wird Drogenabhängigkeit nach dem ICD- 10 in körperliche und psychische Abhängigkeit kategorisiert. Eine körperliche Abhängigkeit kann durch das Zuführen von Stoffen, die der Körper selber produziert, entstehen. Bei vielen Suchtmitteln und Wirkstoffen könnte man davon ausgehen, dass sie die Produktion oder die Ausschüttung verschiedener körpereigener Stoffe unterstützen. Durch das regelmäßige Zuführen dieser künstlichen Stoffe vermindert der Körper die eigene Produktion. Dies sind Botenstoffe wie zum Beispiel Endorphin, Dopamin und Ephedrin, welche als Reizvermittler (Neurotransmitter) im Gehirn arbeiten und sich auf verschiedene Einflüsse und Reize, denen der Körper ausgesetzt ist, wirken. Die körperliche Abhängigkeit ist also die Folge einer Gewöhnung des Körpers an die regelmäßige künstliche Zufuhr eines dieser – auch körpereigenen produzierten – Stoffe welche wiederum eine Toleranz zur Folge hat.[12] Der Begriff Toleranz meint das Gewöhnen einer Substanz an den Körper, so dass eine immer höhere Dosis der Droge eingenommen werden muss, um die gleiche Wirkung zu erzielen, wie beispielsweise nach dem erstmaligen Konsum.[13] Eine psychische Abhängigkeit „beinhaltet ein unwiderstehliches, maßloses Verlangen nach der weiteren Einnahme der Droge, um Unlustgefühle zu vermindern und Wohlgefühl herzustellen“ (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), http://www.drugcom.de) und meint das Verhältnis zwischen einem Menschen und einer bestimmten Substanz und die Art der individuellen Erfahrungen die dadurch gemacht werden. Psychotrope Substanzen können dazu benutzt werden, über die Veränderungen psychischer Prozesse (wahrnehmen, denken, fühlen) auch eine Veränderung des eigenen Verhältnisses zur Realität zu entwickeln. Besteht bei einer Person beispielsweise eine psychische Erkrankung, kann diese durch den Konsum von Drogen und der chemischen Entwicklung von Endorphinen im Gehirn als weniger belastend wahrgenommen werden. Wird diese „verschobene“ Konstruktion der Realität als angenehm empfunden, besteht ein erhöhtes Risiko psychisch abhängig zu werden. Ein weiteres Merkmal einer psychischen Abhängigkeit besteht darin, dass der ganze Lebensalltag darauf ausgerichtet ist, sich Drogen zu beschaffen, wobei wiederum soziale, familiäre und berufliche Interessen stark vernachlässigt werden. Von „Kokain“ und „Speed“ kann man ausschließlich psychisch abhängig werden, obwohl bei diesen Drogen nach mehrmaligem Konsum eine Toleranzentwicklung entsteht.[14] Von daher ist zusammenfassend zu sagen, dass die Unterscheidung von seelischer und körperlicher Abhängigkeit nicht klar getrennt werden kann.

Drogensucht

Nach diesem kurzen Überblick des Abhängigkeitsbegriffes lässt sich nun auch der Suchtbegriff aus der Sicht von Suchtexperten genauer beschreiben. Allgemein ist vorerst die Herkunft des Wortes zu klären. Sucht stammt vom mittelhochdeutschen „siech“ ab, was soviel bedeutet wie „krank sein“ oder „krankhaftes Verlangen“. Wenn Suchtexperten von dem Begriff Sucht spchen, wird darunter der „krankhafte Endzustand der Abhängigkeit eines Menschen von einem Stoff, einem Genussmittel oder einer Verhaltensweise gemeint. Der Mensch ist in diesem Zustand nur noch bestrebt, sich das Suchtmittel mit steigender Dosis zuzuführen. Enthaltsamkeit vom Suchtmittel ist nicht mehr möglich und führt zu allen möglichen sogenannten „Entzugserscheinungen“. Sein Ziel im Endzustand ist es nicht mehr, die „berauschende“ Wirkung des Stoffes zu erreichen, sondern nur noch die Verhinderung oder Beendigung der Entzugserscheinungen herbeizuführen.[15] Entzugserscheinungen bedeuten bei dem Ausbleiben von anhaltendem Konsum einer Droge körperliche und seelische, negative Zustände. Auf der körperlichen Ebene kann dies Unruhe, Schweißausbrüche, Zittern, Schwächegefühl, Gliederschmerzen, Magenkrämpfe, Muskelzittern, Brechreiz, Kreislaufstörungen, Tränenfluss, massive Temperaturschwankungen bis lebensbedrohliche Zustände mit schweren Krampfanfällen und akuten Geistesstörungen sein. Psychische Entzugserscheinungen sind gekennzeichnet durch Unruhezustände, Angst, depssive Verstimmungen, Selbstmordgedanken und das Verlangen nach weiterem Konsum. Die psychische Entwöhnung von einer Droge kann Monate bis Jahre dauern.[16]

In dieser Ausarbeitung wird der Begriff der Abhängigkeit synonym mit dem Begriff der Sucht verwendet.

3 Jugendalter aus der entwicklungspsychologischen Perspektive und dem gesellschaftlichen Wandel

In der heutigen Gesellschaft ist es für die meisten Menschen klar, dass es Säuglinge, Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren gibt. Dabei kann man die meisten Entwicklungsstadien genau voneinander abgrenzen, mit der Ausnahme des Jugendbegriffes. Dabei stellt sich die Frage, was genau die Jugendphase aus macht? Wie wird dieser Begriff definiert? Und welche Entwicklungsaufgaben werden an Jugendliche gestellt?

An erster Stelle ist zu sagen, dass der Begriff der Jugend nach Scherr (2009) kein klar definierter wissenschaftlicher Begriff ist, sondern ein Wort aus der Alltagssprache. Diese bezeichnet eine Übergangsphase zwischen der Lebensphase der Kindheit und dem Erwachsenenalter. Es werden Annahmen über bestimmte Verhaltensmuster und Eigenschaften erstellt, die als jugendtypisch gelten.[17] Jedoch kann man nach Scherr (2009) die Phase der Jugend begrenzen als eine zeitlich abgrenzbare Lebensphase Heranwachsender, beider Geschlechter und aus allen sozialen Schichten.[18]

Da es bis heute keine eindeutige Definition gibt, stellt sich nun die Frage wie genau die Phase der Jugend von anderen Lebensphasen in der heutigen Gesellschaft abgegrenzt wird? Vorab jedoch ein kleiner historischer Diskurs.

3.1 Historischer Wandel der Pubertät

Noch im 19. Jahrhundert gab es lediglich das Kindheitsalter und das des Erwachsenenalters. Der Eintritt in das Erwachsenenalter begann durchschnittlich im Alter von 14 Jahren und mit Aufnahme einer Erwerbstätigkeit. Der Eintritt der Pubertät lag bei einem Alter der Menarche bei 16 Jahren und bei Jungen im Alter von circa 18 Jahren. Ab den 1950 er Jahren konnte erstmalig eine Übergangsphase zwischen dem Kindheitsalter und Erwachsenenalter festgestellt werden. Dabei lag der Eintritt der Menarche bei einem Mädchen im Durchschnittsalter von 15 Jahren, bei Jungs der Anfang der Pubertät bei circa 17 Jahren. Die Jugendphase endete mit einem Alter von circa 18 Jahren.[19] In der heutigen Zeit wird ein erheblich jüngeres Einstiegsalter in die Pubertät festgestellt. Bei Mädchen tritt die erste Menarche oftmals schon in einem Durchschnittsalter von 12 Jahren ein.[20] Bei Jungen tritt die Phase der Pubertät in einem Durchschnittsalter von circa 14 Jahren ein. Ein entscheidender Grund hierfür könnte in der besseren Ernährung durch die Konsumgesellschaft gesehen werden, wobei es noch weitaus mehrere mögliche Gründe gibt.

3.2 Zeitliche Abgrenzung der Jugendphase

Aus der entwicklungs- und persönlichkeitspsychologischen Sicht ist das Eintreten der Geschlechtsreife, der sogenannten „Pubertät“, nach Hurrelmann (2007) wohl der wichtigste Gesichtspunkt des Eintritts von der Kindheitsphase in die Jugendphase. Dies stellt einen tiefgreifenden Einschnitt in die Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen dar, sowohl in der Verarbeitung körperlicher und psychischer Anforderungen, als auch Anforderungen aus der Umwelt.[21] „Der gesamte Körper ist in anatomische, physiologische und hormonale Veränderungen einbezogen, was umfassende Auswirkungen auch auf der seelischen und sozialen Ebene hat.“ (Hurrelmann, K.; 2007, S. 26)

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Eintrittes in das Jugendalter stellt die Phase der Adoleszenz dar. Diese meint den Übergang vom Kindheitsalter in das Erwachsenenalter. Während sich die Phase der Bildung der Geschlechtsreife überwiegend auf körperlich hormonelle Veränderungen bezieht, versteht sich der Begriff der Adoleszenz als ein Lebensabschnitt der Entwicklung unter psychischen Aspekten, irgendwie auch des Fühlens und Denkens und muss demnach von dem Begriff der Pubertät unterschieden werden. Bernfeld (1938) beschreibt die Phase der Adoleszenz als „die Anpassung der Persönlichkeit des Kindes an die Pubertät.“ (Müller- Bülow, B.; Münster 2001, S. 17, zit. in: Remschmidt, ebd., S. 2) Und Blos (1962) nennt „die Pubertät ein Werk der Natur, die Adoleszenz aber ein Werk des Menschen.“ (Müller- Bülow, B.; Münster 2001, S. 17, zit. in: Blos, 1962, S. 149)

[...]


[1] Vgl. Schmidt, G., Algeier- Föll, R.; 2003, S. 30

[2] Vgl. Köhler, T.; 2008, S. 102

[3] Vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, http://www.bzga.de

[4] Vgl. Thomasius, R.; u. a. 2009, S.492

[5] Vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), http://www.drugcom.de

[6] Vgl. Sauer, O; Weilemann, S. ; 2001, S. 44 ff.

[7] Vgl. Hiller/ Schröder o. J., http://www.gk12if1.ziemke-koeln.de

[8] Vgl. Jugend hilft Jugend, http://www.jugend-hilft-jugend.de

[9] Vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), http://www.drugcom.de

[10] Vgl. Thomasius, R.; u. a. 2009, S.11

[11] Vgl. Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information, http://www.dimdi.de

[12] Vgl. Jugend hilft Jugend, http://www.jugend-hilft-jugend.de

[13] Vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), http://www.drugcom.de

[14] Vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), http://www.drugcom.de

[15] Vgl. Friedrichs, J.; 2002, S.22

[16] Vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), http://www.drugcom.de

[17] Vgl. Scherr, A., 2009, S. 17

[18] Vgl. ebd. S. 17

[19] Vgl. Universität Jena, http://dtserv2.compsy.uni-jena.de

[20] Vgl. Hurrelmann, K.; 2007, S. 17

[21] Vgl. ebd., S. 26

Ende der Leseprobe aus 51 Seiten

Details

Titel
„Sozialpsychologische Aspekte der Abhängigkeit von Designerdrogen und Möglichkeiten sozialpädagogischer Intervention“
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta  (Institut für Soziale Arbeit, Bildungs- und Sportwissenschaften)
Note
2,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
51
Katalognummer
V172149
ISBN (eBook)
9783640919147
ISBN (Buch)
9783640919406
Dateigröße
1027 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aspekte, abhängigkeit, designerdrogen, möglichkeiten, intervention“
Arbeit zitieren
Romy Diezel (Autor), 2010, „Sozialpsychologische Aspekte der Abhängigkeit von Designerdrogen und Möglichkeiten sozialpädagogischer Intervention“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172149

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: „Sozialpsychologische Aspekte der Abhängigkeit von Designerdrogen und Möglichkeiten sozialpädagogischer Intervention“


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden