Die Finanzmarktkrise - Bank-Run und Regulierung des Bankensystems


Seminararbeit, 2009

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis :

Titelblatt

1. Einleitung

2. Bank Run
2.1 Begriff „Bank Run“
2.2 Grundmodell von Diamond / Dybvig (1983)
2.3 Der Depositenvertrag
2.3.1 Bank Run im Modell von Diamond und Dybvig im Gleichgewicht
2.4 Auswirkungen eines Bank Run
2.5 Stabilisierungsmöglichkeiten
2.5.1 Einlagensicherung
2.5.2 Aussetzung der Rückzahlung

3. Ziele und Aufgaben der Regulierung von Banken
3.1 Systemschutz im Bezug auf ein Bank Run
3.2 Einleger bzw. Gläubigerschutz
3.3 Effizienzverbesserung

4. Fazit

III. Mathematischer Anhang

IV.Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen der vorliegenden Seminararbeit wird die Thematik „Bank-Run und Regulierung des Bankensystems“ bearbeitet. Zunächst wird der Bank Run mit seinem theoretischen Hintergrund dargestellt. Dazu wird das allgemeine Modell von Douglas W. Diamond und Philip H. Dybvig (1983) vorgestellt. In diesem Modell wird die Aufgabe von Banken als Finanzintermediär erklärt. Im weiteren Verlauf wird die Fragestellung erläutert, wie es im Modell von Diamond und Dybvig im Gleichgewicht zu einem Bank Run kommen kann. Das weitere Vorgehen beschäftigt sich mit dem Depositenvertrag und dessen Gleichgewichten. Ebenfalls werden Möglichkeiten erörtert, die der Stabilisierung dienen, um einen Bank Run zu verhindern. Der nächste Schritt der Bearbeitung gilt den Zielen, Aufgaben, Organisation und Regulierung von Bankensystemen vor dem Hintergrund des Bank Runs. Als letztes wird die Organisation des Bankensystems im Hinblick auf dessen Wahrscheinlichkeit für einen Bank Run beschrieben.

2. Bank Run

2.1 Begriff „Bank Run“

Ein Bank Run oder Bankenpanik, wird damit beschrieben, dass eine große Anzahl von Anleger ihre Depositen bei einem Finanzinstitut kurzfristig auflösen. Dieses pessimistische Verhalten der Anleger wird ausgelöst durch eine schlechte Ertragslage, die für die Bank in Zukunft avisiert wurde. Es gibt zwei verschiedene Arten von Bank Runs. Die Gründe für einen solchen Bank Run können fundamental oder spekulativ sein. Bei einem fundamentalen Bank Run lösen schlechte Ergebnisse der Bank den Bank Run aus, da geduldige Anleger in Zukunft ein schlechteres Ergebnis der Bank befürchten. Der spekulative Bank Run wird durch einen einzelnen Anleger ausgelöst, der plötzlich veränderte Erwartungen über das Abhebeverhalten der übrigen Einleger und rechnet damit, dass alle anderen geduldigen Einleger ihre Einlagen vorzeitig auflösen.1 Kommt es zu einer Kettenreaktion solcher Bank Runs bei mehreren Banken kann dies erhebliche volkswirtschaftliche Schäden verursachen.

2.2 Grundmodell von Diamond / Dybvig (1983)

Ein alt bewährtes Modell zum Thema Bank Runs stammt von US Amerikanischen Ökonomen Douglas W. Diamond und Philip H. Dybvig (1983). Sie führen das Bestehen von Banken darauf zurück, dass diese Einlagen ausgeben, die eine höhere Liquidität besitzen als die Kredite, die mit diesen Einlagen finanziert wurden. Das bedeutet, dass die Banken die ökonomische Funktion erfüllen, illiquide Anlageformen in liquide Anlageformen umzuformen, die einen konstanten Ertrag abwerfen. Das Modell von Diamond und Dybig hat drei Perioden ( T = 0,1,2 ), ein einziges homogenes Gut und eine Kontinuum von Individuen, die in Periode 0 jeweils mit einer Einheit des Gutes versehen sind. Es wird die Annahme getroffen, dass Investitionen in t = 0 in einen risikolosen Produktionsprozess erst in t = 2 Rückflüsse von R > 1 abwerfen. Wird die Produktion in t = 1 unterbrochen, kann nur der Input aus t = 0 zurück gewonnen werden, da die Liquidationskosten im weiteren Sinne den zusätzlichen Gewinn entsprechen. Das bedeutet, eine langfristige Investition wirft einen höheren Ertrag ab, als mehrere nacheinander folgende kurzfristige Investitionen.2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 : Technologie im Modell von Diamond und Dybvig (1983)

Die Investoren sind in t = 0 noch identisch. Sie erfahren dann in t = 1, als private Information, von welchem Typ Investor sie sind. Daraus ergeben sich zwei Typen Investoren. Typ 1 erzielt nur Nutzen, wenn er in t = 1 konsumiert. Typ 2 dagegen erzielt nur Nutzen, wenn er in t = 2 konsumiert. Im folgenden werden die typenabhängigen Nutzenfunktionen dargestellt:3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus der in t = 0 getätigten Investition erhält der Typ i in t die Gütermenge [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], um sie dann zu konsumieren, wobei der Konsumzeitpunkt vom Typen abhängig ist. Ist [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], dann hat der Typ 2 Investor einen Teil Investitionsprojektes bereits in t = 1 liquidiert. Er hat diesen Teil bis t= 2 gelagert und dann zusammen mit den Rückflüssen aus t = 2 konsumiert. In der Gleichung (2) beschreibt ρ die Ungeduld des Investors vom Typ 2 und dieser Parameter liegt im Intervall ]1/ R ,1].4 Man könnte ρ auch als Diskontfaktor bezeichnen.5

Im Zeitpunkt t = 0 ist die Gesamtheit der Investoren eine bekannte und fixe Größe. Der Anteil der Investoren vom Typ 1 an der Gesamtheit beträgt α ∈ [0,1] . Ebenfalls stellt α die Wahrscheinlichkeit dar, dass der Investor Typ 1 ist. Des weiteren herrscht in t = 0 eine Risikosituation, da die Investoren ihren eigenen Typ nicht kennen. Bei Einzelbetrachtung werden Investoren des Typs 1 im Zeitpunkt t = 1 bindend ihre Einlagen zurückfordern, während den Investoren des Typs 2 die Möglichkeit gegeben wird ihre Einlagen bereits in t = 1 zurückzufordern oder erst in t = 2 mit dem zusätzlichen Zinsertrag. Typ 2 wird so handeln, dass er erst in t = 2 konsumiert da,[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] folgt R > 1. Das bedeutet, dass Typ 1 keine Verzinsung des eingesetzten Inputs erzielen kann. Die beiden Konsumenten sind risikoavers und wollen lieber ein gleichartiges Konsumniveau erreichen. Im Zeitpunkt t = 0 werden die beiden Individuen eine Investitionsentscheidung treffen mit dem Ziel, den Erwartungswert zu maximieren.6 Die Vorraussetzung dafür ist, dass der Typ beschrieben seine Einlage nicht zurückfordert.

Dies kann man formal folgendermaßen darstellen :

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In dieser Funktion sind jedoch der Konsum von Typ 1 in t = 1 ([Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]) und der Konsum von Typ 2 in t = 2 ([Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]) unbekannt. Umso höher der Konsum der beiden Typen gewählt wird, desto höher ist der Erwartungsnutzen der beiden Typen. Es muss jedoch noch eine Nebenbedingung eingehalten werden, da jeglicher Konsum aus den Rückflüssen der Produktion finanziert werden muss :

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Nebenbedingung besagt, dass von jeder in t = 0 investierten Gütereinheit, die Gruppe der Typ 1 Investoren in t = 1 genau [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Güter erhält. Der Rest an Gütern bleibt bis t = 2 in der Produktion investiert und der Rückfluss beträgt [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] für jedes in t = 0 investierte Gut. Dieser Rückfluss steht den Investoren des Typs 2 zu, die einen Anteil an den Gesamtinvestoren von 1− α ausmachen. Umso größer der Konsum der Typ 1 Investoren, desto kleiner ist der Konsum der Investoren vom Typ 2.7

Durch Hilfe des Ansatzes von Lagrange8 ergibt sich folgender optimaler Konsumplan9 :

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Unter der Annahme, dass ρ R > 1 und dem abnehmenden Grenznutzen ergibt sich, dass für den optimalen Konsumlevel [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] gilt.10 Das Optimum an Erwartungsnutzen für alle Individuen in t = 0 wird folglich dann erreicht, wenn die Investoren von Typ 1 in t = 1 einen Aufschlag auf ihre Rückzahlung erhalten und die Investoren des Typs 2 im Gegenzug auf einen Teil der möglichen erreichbaren Ertrags verzichten.

2.3 Der Depositenvertrag

Beim Depositenvertrag wird ein Finanzintermediär (eine Bank) eingeführt, der keine Absichten hat Gewinne zu erzielen. Das Ziel des Finanzintermediärs ist zwischen den beiden Investoren von Typ 1 und Typ 2 eine effiziente Risikoverteilung anzubieten. Das bedeutet, dass die Investoren ihr Geld nicht mehr direkt in eine Technologie investieren, sondern das Geld dem Finanzintermediär geben. Dieser wiederum investiert die Einlagen in die Produktionstechnologie. Entsprechend diesem Depositenvertrags erhält jeder Anleger einen Betrag von r 1> 1, wenn er seine Einlagen in t = 1 abziehen möchte. Im Zeitpunkt t = 2 wird der Finanzintermediär liquidiert und alle restlichen Anleger bekommen nun entsprechend Ihres Anteils an den Gesamteinlagen einen Anteil am Liquidationserlös.

Den Hintergrund eines Depositenvertrags werde ich im Folgenden genauer beschreiben. In t = 1 bezeichnen wir die Auszahlung pro Einheit der Einlage als V 1 und in t = 2 als V 2 . Der Anteil der Einlagen der in t = 1 abgezogen wird bezeichnen wir als f. Die Menge der Einlagen die bereits vom Einleger j abgehoben wurden wird als [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] definiert.

[...]


1 Vgl.Dietrich/Vollmer (2005) S.225 .

2 Vgl. Diamond/Dybvig (1983 ) S.401ff.

3 Vgl. Diamond/Dybvig (1983 ), S.401ff.

4 Vgl. Hartmann-Wendels, T./Pfingsten, A./Weber, M., (2007) S.210.

5 Vgl. Ibel (2001), S.80.

6 Vgl. u.a. Burghof (1998), S.54 .

7 Vgl. Hartmann-Wendels, T./Pfingsten, A./Weber, M. (2007) S.210.

8 Ansatz von Lagrange im Mathematischen Anhang explizit erklärt

9 Vgl. Diamond/Dybvig (1983 ), S.401ff.

10 Vgl. Diamond/Dybvig (1983 ), S.401ff.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Finanzmarktkrise - Bank-Run und Regulierung des Bankensystems
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig  (Institut für Finanzwirtschaft)
Veranstaltung
Seminar für Finanzwirtschaft / Die Finanzmarktkrise
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V172191
ISBN (eBook)
9783640920136
ISBN (Buch)
9783640920037
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bank - Run, Depositenvertrag, Finanzkrise, Regulierung des Bankensystems, Modell Diamond Dybvig
Arbeit zitieren
Timo Schrand (Autor), 2009, Die Finanzmarktkrise - Bank-Run und Regulierung des Bankensystems, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172191

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