Wenn Bullying in der Klasse stattfindet, so ist das nicht unbedingt nur ein Problem zwischen zwei Schülen, nämlich dem Täter und dem Opfer. Bullying unter Schülern kann als eine Art kollektive Aggression bezeichnet werden, wobei nahezu die gesamte Klasse in gewisser Weise involviert ist. Demnach reagieren Mitschüler also auf Bullying; und zwar auf unterschiedlichste Art und Weise. Wie genau, das wird nun im nächsten Kapitel anhand zweier Studien näher erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorstellung der Studien von Salmivalli et al. sowie Schäfer/ Korn
3. Ergebnisse der Studie
3.1. von Salmivalli et al.
3.2. von Schäfer und Korn
4. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Bullying in Schulen nicht als isoliertes Problem zwischen Täter und Opfer, sondern als komplexen Gruppenprozess, an dem verschiedene Mitschülerrollen beteiligt sind. Ziel ist es, mittels des Participant Role Ansatzes zu analysieren, wie Schüler in den sozialen Kontext von Bullying-Situationen eingebunden sind und welche Verhaltensweisen dabei identifiziert werden können.
- Analyse des Participant Role Ansatzes in Schulkassen
- Untersuchung verschiedener Mitschülerrollen (Täter, Opfer, Verteidiger, Assistenten, Außenstehende)
- Vergleich der Studienergebnisse von Salmivalli et al. mit Schäfer/Korn
- Zusammenhang zwischen Bullyingrollen und sozialem Status
- Bedeutung der Gruppendynamik für Interventions- und Präventionsmaßnahmen
Auszug aus dem Buch
2. Vorstellung der Studien von Salmivalli et al. sowie Schäfer/Korn
Bei der Studie von Salmivalli handelt es sich um die Originaluntersuchung an der 573 finnische Schüler der 6. Jahrgangsstufe teilnahmen um sich selbst und ihre Mitschüler bezüglich Bullying einzuschätzen. Etwas später erschien eine Adaptation dieser Studie durch Schäfer und Korn, in der 4 sechste Klassen aus zwei Münchner Hauptschulen befragt wurden (bestehend aus 40 Schülerinnen und 59 Schülern). Die verschiedenen Mitschülerrollen wurden in diese folgenden untergliedert: Opfer, Täter, Verteidiger des Opfers, Außenstehende, Assistenten bzw. Verstärker des Täters.
Die Untersuchungen wurden mittels Fragebögen durchgeführt, das so genannte Participant Role Qestionnaire. Diese Befragungen waren anonym, demnach sollten die Schüler statt ihres Namens in die entsprechenden Spalten eine Codenummer eintragen, anhand derer die Fragebögen ausgewertet werden konnten. Außerdem wurde in der deutsche Untersuchung vorab der Begriff „schikanieren“ erklärt. Nämlich: „Schikanieren ist ein Verhalten, in dem einer Schülerin bzw. einem Schüler immer wieder absichtlich körperlicher und/oder psychischer Schaden zugefügt wird, z.B. indem über sie/ihn Witze gemacht werden, sie/er nie mitspielen darf, aus der Gruppe ausgeschlossen wird, ihre/seine Sachen weggenommen und/oder kaputt gemacht werden, sie/er beschimpft, oder sogar geschlagen wird. Es ist nicht schikanieren, wenn zwei raufen oder streiten, die gleich stark sind.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert Bullying als kollektive Aggression, die über die dyadische Beziehung zwischen Täter und Opfer hinausgeht und die gesamte Klasse betrifft.
2. Vorstellung der Studien von Salmivalli et al. sowie Schäfer/ Korn: Dieses Kapitel erläutert die methodische Grundlage der untersuchten Studien, insbesondere das Participant Role Questionnaire und die Einteilung in verschiedene soziale Rollen innerhalb einer Schulklasse.
3. Ergebnisse der Studie: Die Ergebnisse präsentieren die Verteilung der Rollen in den jeweiligen Studien und analysieren die Selbsteinschätzungen der Schüler sowie den Zusammenhang zum sozialen Status.
4. Schlussbetrachtungen: Das Fazit betont, dass Präventionsmaßnahmen bei Bullying auf die gesamte Gruppe ausgerichtet sein müssen, da das Phänomen als Gruppenprozess verstanden werden muss.
Schlüsselwörter
Bullying, Participant Role Ansatz, Schulkultur, Gruppendynamik, Täter-Opfer-Dynamik, soziale Akzeptanz, Schikanieren, Mitschülerrollen, Pro-Bullying, Anti-Bullying, Schulpsychologie, soziale Zurückweisung, Viktimisierung, Prävention, Intervention
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Bullying als komplexem Gruppenprozess in der Schule, wobei der Schwerpunkt auf dem sogenannten Participant Role Ansatz liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind die Mitschülerrollen (Täter, Opfer, Verteidiger, Verstärker, Außenstehende), der soziale Status innerhalb der Klasse und die Wahrnehmung von Bullying durch die Beteiligten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, dass Bullying nicht nur ein individuelles Problem zwischen zwei Schülern ist, sondern dass fast alle Mitglieder einer Klasse in unterschiedlichen Rollen in diesen Prozess involviert sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine vergleichende Analyse zweier Studien (Salmivalli et al. sowie Schäfer/Korn), die das Participant Role Questionnaire zur Datenerhebung nutzten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der verwendeten Studien, die Auswertung der Rollenverteilungen in verschiedenen Schülergruppen und die Analyse des sozialen Status der Schüler in Abhängigkeit von ihrer Rolle.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Bullying, Participant Role Ansatz, Gruppendynamik, soziale Akzeptanz und Prävention charakterisieren.
Warum ist der Verteidiger-Rolle ein hoher sozialer Status zuzuschreiben?
Die Studie deutet darauf hin, dass die Verteidiger oft Schüler sind, die aufgrund ihrer stabilen sozialen Position oder Beliebtheit keine Angst haben müssen, selbst zum Opfer zu werden, wenn sie einschreiten.
Welchen praktischen Schluss zieht die Autorin für die Schulpraxis?
Da Bullying ein Gruppenphänomen ist, sollten Interventions- und Präventionsmaßnahmen nicht nur auf die einzelnen Täter oder Opfer fokussieren, sondern die gesamte Klasse miteinbeziehen.
- Quote paper
- Alida Ziehm (Author), 2009, Bullying als Gruppenprozess (der Participant Role Ansatz), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172196