ERP-Systeme haben sich zu unternehmensweiten Anwendungssystemen entwickelt, die das Rückgrat der gesamten Informationsverarbeitung in Unternehmen darstellen. Unter diesem Aspekt gewinnen die Themen Auswahl, Einführung und Integration massiv an Bedeutung. Die Auswahl des richtigen ERP-Systems erfordert umfangreiche Maßnahmen, die oft unterschätzt werden. Neben vorbereitenden Maßnahmen, wie die Ermittlung von Zielen, das Aufstellen von Anforderungen und die Marktrecherche, ist es notwendig die Anbieterpräsentation vorzubereiten, durchzuführen und zu bewerten. Weiterhin müssen die notwendigen Vertragsverhandlungen gründlich geplant werden. Dies gilt nicht nur für Großunternehmen, sondern insbesondere auch für mittelständisch geprägte Unternehmen. Denn aufgrund ihrer organisatorischen Struktur und der häufig geringen Ressourcenausstattung kann die Wahl des falschen ERP-Systems existentielle Folgen haben. Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die besonderen Anforderungen und Limitierungen mittelständischer Unternehmen an ein ERP-System aufzuzeigen. Darauf aufbauend soll ein systematisches Auswahlverfahren konzipiert werden, welches es mittelständischen Unternehmen ermöglicht, die Auswahl eines passenden ERP-Systems systematisch und effizient durchzuführen. Die erstellten Tools, Checklisten und Entscheidungshilfen, richten sich dabei gezielt an mittelständische Unternehmen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 BEGRIFFSDEFINITIONEN
2.1 ENTERPRISE-RESSOURCE-PLANNING-SYSTEME
2.2 MITTELSTÄNDISCHE UNTERNEHMEN
2.2.1 Quantitative Einordnung
2.2.2 Qualitative Einordnung
3 ANFORDERUNGEN DES MITTELSTANDS AN ERP-SYSTEME
3.1 TECHNOLOGIE
3.2 SOFTWARE-ERGONOMIE
3.3 ANPASSUNGSFÄHIGKEIT UND ERWEITERBARKEIT
3.4 BETRIEBS- UND FINANZIERUNGSKONZEPTE
4 SYSTEMATISCHES AUSWAHLVERFAHREN
4.1 DIE PHASE DER SOFTWAREAUSWAHL
4.2 PROJEKTORGANISATION
4.3 FEHLERVERMEIDUNG
4.4 PROJEKTVORBEREITUNGEN
4.4.1 Risikoanalyse
4.4.2 Projektbeteiligungsstrategie
4.4.3 Projektbudgetierung
4.5 ZIELDEFINITION & ZIELFINDUNG
4.6 SPEZIFIKATION UND KLASSIFIZIERUNG DER ANFORDERUNGEN
4.6.1 Anforderungen an Anforderungsspezifikationen
4.6.2 Gliederung der Anforderungsspezifikation
4.6.3 Vorgehen zur Aufstellung Anforderungsspezifikationen
4.7 VORAUSWAHL VON SYSTEMANBIETERN
4.8 ANBIETERBEFRAGUNG
4.9 ANBIETERPRÄSENTATION
5 VERTRAGSVERHANDLUNGEN
5.1 FREMDE ALLGEMEINE GESCHÄFTSBEDINGUNGEN
5.1.1 Akzeptieren fremder AGB
5.1.2 Verhandeln fremder AGB
5.2 EIGENE AGB ENTGEGENSTELLEN
6 FAZIT
7 AUSBLICK
8 FORMULARKATALOG
8.1 PROJEKTORGANISATION
8.2 FEHLERVERMEIDUNG
8.3 RISIKOANALYSE
8.4 SITUATIONSANALYSE
8.5 BETROFFENHEITSANALYSE
8.6 BETEILIGUNGSPLANUNG
8.7 PROJEKTBUDGETIERUNG
8.8 ZIELDEFINITION
8.9 ANFORDERUNGSKATALOG
8.10 ANBIETERDATEN
8.11 ANBIETERANGABEN
8.12 ANBIETERBEWERTUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die speziellen Anforderungen und Limitierungen mittelständischer Unternehmen bei der Auswahl eines ERP-Systems zu identifizieren und ein systematisches Auswahlverfahren zu konzipieren, das eine effiziente Entscheidungsfindung ermöglicht.
- Grundlagen der ERP-Systeme und Definition des Mittelstandes
- Anforderungen mittelständischer Betriebe an ERP-Technologien und Software-Ergonomie
- Systematisches Phasenmodell zur ERP-Auswahl und Fehlervermeidung
- Strategien zur Anbieterbefragung, Präsentation und Vertragsverhandlung
Auszug aus dem Buch
3.2 Software-Ergonomie
Software-Ergonomie ist eine Teildisziplin der Ergonomie. Ergonomie ist eine angewandte, wissenschaftliche Disziplin der Analyse und Optimierung menschlicher Tätigkeiten und Leistungen, unter Einbeziehung subjektiver und objektiver Faktoren und Prozesse. Die Ergonomie hat zum Ziel, die Arbeitsbedingungen und Werkzeuge an den Menschen anzupassen. Man spricht auch von der Humanisierung der Arbeit. Gegenstand der Software-Ergonomie ist demnach die Anpassung und Optimierung der Arbeitsbedingungen bei der Mensch-Computer-Interaktion an die sensomotorischen und kognitiven Fähigkeiten sowie Prozesse des Menschen /WAN 93 S.1/.
Für den Mittelstand ist die Ergonomie einer Software von besonders hoher Relevanz, weil unzureichende bzw. fehlende Software-Ergonomie weitreichende Folgen für das Unternehmen haben kann:
physische und psychische Beeinträchtigungen der User
hoher Schulungs- und Einarbeitungsaufwand
Herausbildung „nicht ersetzbarer Experten“, die die unnötig komplizierten Systeme bedienen gelernt haben
Die Systeme arbeiten entgegen der natürlichen bzw. gewohnten Arbeitsweise
Verschiebungen in der Relevanz von Arbeitsvorgängen
Aufspaltung von Tätigkeiten in für sich genommen unsinnige Teile
Herausbildung geistiger Fließbandarbeit
Verschwendung menschlicher Denkfähigkeit und Flexibilität
Diese Auswirkungen haben nicht nur zur Folge, dass die User massiv beeinträchtigt werden, sondern reduzieren auch zwangsläufig die Effizienz der Benutzer in Ausübung ihrer Tätigkeiten. Sie erzeugen so unnötige Kosten und Frust in der Anwendung des Systems /HER 05 S. 7/.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Definiert die Relevanz der ERP-Auswahl für mittelständische Unternehmen und umreißt das Ziel der Arbeit zur Konzeption eines systematischen Auswahlverfahrens.
2 BEGRIFFSDEFINITIONEN: Legt das einheitliche Verständnis für ERP-Systeme und die quantitative sowie qualitative Abgrenzung mittelständischer Unternehmen fest.
3 ANFORDERUNGEN DES MITTELSTANDS AN ERP-SYSTEME: Analysiert die spezifischen Bedürfnisse hinsichtlich Technologie, Ergonomie, Anpassungsfähigkeit und Finanzierungskonzepten in KMU.
4 SYSTEMATISCHES AUSWAHLVERFAHREN: Beschreibt das Phasenmodell zur Softwareauswahl, von der Projektvorbereitung über Anforderungsdefinition bis hin zur Anbieterpräsentation.
5 VERTRAGSVERHANDLUNGEN: Erläutert Strategien zum Umgang mit fremden AGB und die Möglichkeiten der Vertragsgestaltung nach der Anbieterauswahl.
6 FAZIT: Fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit einer methodischen, aber auch durch Menschenverstand geprägten Auswahlentscheidung.
7 AUSBLICK: Diskutiert künftige Entwicklungen im ERP-Markt, insbesondere die wachsende Bedeutung von Servicemodellen und neuen Bedienkonzepten.
8 FORMULARKATALOG: Bietet praktische Vorlagen zur Unterstützung der verschiedenen Phasen des Auswahlprozesses.
Schlüsselwörter
ERP-Systeme, Mittelstand, KMU, Softwareauswahl, Anforderungsspezifikation, Systemanbieter, ERP-Einführung, Software-Ergonomie, Risikoanalyse, Projektmanagement, Investitionsschutz, Prozessoptimierung, Vertragsverhandlungen, SaaS, Unternehmenssoftware.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die systematische Auswahl von ERP-Software, speziell angepasst auf die Bedürfnisse und begrenzten Ressourcen mittelständischer Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition des Mittelstandes, spezifische Anforderungen an moderne IT-Systeme, das systematische Phasenmodell der Softwareauswahl und die Gestaltung von Vertragsverhandlungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist die Konzeption eines rationalen und effizienten Auswahlverfahrens, welches mittelständischen Unternehmen hilft, eine fundierte ERP-Entscheidung zu treffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein strukturiertes Phasenmodell herangezogen, das durch praktische Formulare und Checklisten ergänzt wird, um Theorie mit der Praxis der Unternehmensführung zu verknüpfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bedarfsanalyse des Mittelstandes, das detaillierte Phasenmodell der Auswahl (Anforderungen, Marktübersicht, Anbieterpräsentation) sowie die rechtliche Absicherung durch Vertragsverhandlungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen ERP-Systeme, Mittelstand, Softwareauswahl, Anforderungsspezifikation, Risikoanalyse und Projektbudgetierung.
Warum ist Software-Ergonomie für den Mittelstand so wichtig?
Aufgrund der geringen Personaldecke und der hohen Arbeitsintensität führt mangelnde Ergonomie schnell zu Ineffizienz, Überlastung und Frust, was den Unternehmenserfolg gefährden kann.
Welche Rolle spielen AGB bei der ERP-Beschaffung?
AGB dienen als Visitenkarte des Anbieters. Da sie oft einseitig gestaltet sind, müssen sie kritisch geprüft und ggf. verhandelt werden, um den Schutz des Kunden sicherzustellen.
- Arbeit zitieren
- Oliver Große Gehling (Autor:in), 2010, Konzeptionierung eines systematischen Auswahlverfahrens für ERP-Systeme unter Berücksichtigung der besonderen Anforderungen mittelständischer Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172210