Grundsätzlich kann in Bezug auf Migration in der Europäischen Union zwischen interner Migration innerhalb der EU von Bürgern der Mitgliedstaaten (Freizügigkeit der Unionsbürgerinnen und -bürger) auf der einen Seite und der Migration nach oder in Europa durch Nicht-EU-Bürger (sog. Drittstaatsangehörige ) auf der anderen Seite differenziert werden. Betrachtet wird vorliegend sowohl die legale als auch die illegale Einwanderung von Drittstaatsangehörigen in die Mitgliedstaaten der Europäischen Union, also die Migration von Drittstaatsangehörigen sowohl in die Europäische Union als auch innerhalb der Europäischen Union. Die reine Binnenwanderung von Bürgerinnen und Bürgern der Europäischen Union innerhalb der Europäischen Union wird im Rahmen dieser Arbeit keiner näheren Betrachtung unterzogen.
Zunächst sollen der Terminus der Migration geklärt und die historischen Wurzeln der europäischen Migration näher beleuchtet werden. Anschließend werden die Formen der europäischen Migration in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und die allgemeinen Gründe für Migration, also die Triebkräfte, die Menschen zur Migration motivieren, dargestellt.
Im Anschluss erfolgt eine Definition des Begriffs „Asyl“ sowie eine Darstellung der Fluchtbewegungen innerhalb Europas bzw. nach Europa. Anschließend wird die sog. Genfer Flüchtlingskonvention als Grundlage des internationalen Flüchtlingsschutzes näher beleuchtet. Dies soll dazu dienen, die Entwicklung der Asyl- und Einwanderungspolitik der Europäischen Union bis heute nachvollziehen zu können.
Vor diesem Hintergrund stellt die vorliegende Arbeit, ausgehend von den historischen Grundlagen, nationalstaatliche Versuche der Steuerung der Einwanderungs- und Asylpolitik in ausgewählten Mitgliedstaaten der Europäischen Union, namentlich in Deutschland, Frankreich und Großbritannien in ihren Grundzügen dar. Anschließend wird die Entwicklung der Asyl- und Einwanderungspolitik der Europäischen Union seit Gründung der Europäischen Gemeinschaften bis zum Vertrag von Lissabon im Dezember 2009 und der Verabschiedung des sog. Stockholmer Programms dargelegt und erläutert sowie der Stand der zunehmenden Integration in diesem Politikbereich bewertet. Abschließend wird die Notwendigkeit eines Gesamtkonzepts in der Asyl-und Einwanderungspolitik der Europäischen Union vor dem Hintergrund der Berücksichtigung nationaler Besonderheiten im Bereich der Asyl- und Einwanderungspolitik dargestellt und kritisch diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1 Grundlagen
1.2 Aktuelle Relevanz der Thematik
1.3 Methodik und Zielsetzung
2. Migration in Europa
2.1 Migration
2.1.1 Begriffsdefinition
2.1.2 Historische Wurzeln
2.1.3 Formen der europ. Migration in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
2.1.4 Gründe für Migration
2.2 Asyl in der Europäischen Union
2.2.1 Begriffsdefinition
2.2.2 Fluchtbewegungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
2.2.3 Die Genfer Flüchtlingskonvention
2.3 Zusammenfassung
3. Asyl- und Einwanderungspolitik in ausgewählten Mitgliedstaaten der EU
3.1 Einwanderung in die EU: Daten und Fakten
3.2 Asyl in der EU: Daten und Fakten
3.2.1 Entwicklung der Anzahl der Asylantragsstellungen seit 1990
3.2.2 Aktuelle Hauptherkunftsstaaten der Asylantragsteller
3.3 Deutschland
3.3.1 Historische Grundlagen
3.3.1.1 Einwanderung nach Deutschland
3.3.1.2 Asyl in Deutschland
3.3.2 Asyl- und Einwanderungspolitik
3.3.2.1 Leitlinien der Einwanderungspolitik
3.3.2.2 Leitlinien der Asylpolitik
3.3.2.3 Eckpfeiler der Integrationspolitik
3.4 Frankreich
3.4.1 Historische Grundlagen
3.4.1.1 Einwanderung nach Frankreich
3.4.1.2 Asyl in Frankreich
3.4.2 Asyl- und Einwanderungspolitik
3.4.2.1 Leitlinien der Einwanderungspolitik
3.4.2.2 Leitlinien der Asylpolitik
3.4.2.3 Eckpfeiler der Integrationspolitik
3.5 Großbritannien
3.5.1 Historische Grundlagen
3.5.1.1 Einwanderung nach Großbritannien
3.5.1.2 Asyl in Großbritannien
3.5.2 Asyl- und Einwanderungspolitik
3.5.2.1 Leitlinien der Einwanderungspolitik
3.5.2.2 Leitlinien der Asylpolitik
3.5.2.3 Eckpfeiler der Integrationspolitik
3.6 Zusammenfassung
4. Asyl- und Einwanderungspolitik der Europäischen Union
4.1 Entwicklung ab Gründung der Europäischen Gemeinschaften bis 1990
4.2 Die Asyl- und Einwanderungspolitik seit 1990
4.2.1 Der Vertrag von Maastricht
4.2.2 Der Vertrag von Amsterdam
4.2.3 Der Vertrag von Nizza
4.2.4 Der Vertrag von Lissabon
4.3 Verabschiedung von Programmen
4.3.1 Das Programm von Tampere
4.3.2 Das Haager Programm
4.3.3 Das Stockholmer Programm
4.4 Maßnahmen im Bereich der Asylpolitik
4.4.1 Aufbau eines Gemeinsamen Europäischen Asylsystems
4.4.2 Gesetzgebung der Europäischen Union durch Verordnungen
4.4.2.1 Dublin-II-Verordnung
4.4.2.2 EURODAC-Verordnung
4.4.2.3 Europäisches Unterstützungsbüro für Asylfragen (EASO)
4.4.3 Harmonisierung nationaler Vorschriften durch Richtlinien
4.5 Maßnahmen im Bereich der Einwanderungs- und Migrationspolitik
4.5.1 Visapolitik
4.5.1.1 Bedeutung der Visapolitik
4.5.1.2 Gesetzgebung der Europäischen Union durch Verordnungen
4.5.2 Migrationspolitik und legale Einwanderung
4.5.2.1 Entwicklung einer gemeinsamen Migrationspolitik
4.5.2.2 Harmonisierung nationaler Vorschriften durch Richtlinien
4.5.3 Illegale Einwanderung und Grenzsicherung
4.5.3.1 Schengener Grenzkodex
4.5.3.2 Kleiner Grenzverkehr
4.5.3.3 Europäische Grenzschutzagentur
4.5.3.4 Harmonisierung nationaler Vorschriften durch Richtlinien
4.5.3.5 Rückübernahmeabkommen der Europäischen Union
4.6 Übergreifende Maßnahmen zwischen der EU und den Mitgliedstaaten
4.6.1 Rahmenprogramm für Solidarität und Steuerung der Migrationsströme
4.6.2 Gegenseitige Information
4.6.3 Gemeinschaftsstatistiken über Wanderung und internationalen Schutz
4.6.4 Europäisches Migrationsnetz
4.7 Zusammenfassung und Bilanz der bisherigen Integrationsschritte
5. Etablierung eines europäischen Gesamtkonzepts
5.1 Notwendigkeit eines Gesamtkonzepts
5.1.1 Die EU als ein Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts
5.1.2 Gewährleistung eines einheitlichen Asylverfahrens in der EU
5.1.3 Beachtung des Grundsatzes der Solidarität unter den Mitgliedstaaten
5.1.4 Berücksichtigung der demografischen Entwicklungen
5.2 Notwendige Bestandteile des Gesamtkonzepts
5.2.1 Ausbau eines europäischen Resettlement-Programms
5.2.2 Beachtung des Subsidiaritätsprinzips
5.3 Zusammenfassung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Masterarbeit untersucht die Notwendigkeit eines kohärenten Gesamtkonzepts für die Asyl- und Einwanderungspolitik der Europäischen Union. Dabei wird analysiert, wie nationale Steuerungsversuche in ausgewählten Mitgliedstaaten (Deutschland, Frankreich, Großbritannien) mit der europäischen Entwicklung harmonieren und welche Herausforderungen durch die demografische Entwicklung und Migrationsströme entstehen.
- Historische Analyse der Migrationsbewegungen nach Europa seit dem 20. Jahrhundert.
- Vergleich der nationalen Ansätze in Deutschland, Frankreich und Großbritannien.
- Untersuchung der europäischen Asyl- und Einwanderungspolitik vom Vertrag von Maastricht bis Lissabon.
- Bewertung des europäischen Mehrwerts bei der Steuerung von Migration und Asyl.
- Diskussion über die demografische Notwendigkeit einer gesteuerten Einwanderung.
Auszug aus dem Buch
2.1.4 Gründe für Migration
Die Ursachen für Migration sind vielschichtig und Ergebnis eines überaus komplexen Verhaltensmusters von Menschen, so dass die Erklärung mit einem allgemeingültigen Modell nur schwer möglich ist.
Migrationsbewegungen sind das Ergebnis einer Vielzahl zusammenhängender Ursachen und Zwänge kultureller, politischer, wirtschaftlicher, religiöser, demografischer, ökologischer, ethnischer oder sozialer Art. Sie sind das Produkt des Zusammenspiels gesellschaftlich struktureller Faktoren auf der einen und persönlich individueller Faktoren auf der anderen Seite.
Einen Ansatzpunkt zur Erklärung des Phänomens bildet das sog. Push-Pull-Modell, das die Druckfaktoren („push“) des Herkunftsstaates der Migranten, also die Faktoren, die diese zur Emigration bewegen, den Anreizfaktoren („pull“) des Zielstaates, also jenen Faktoren, die die Migranten zur Immigration anreizen und motivieren, gegenüberstellt. Als zentrale „Push-Faktoren“ können Konflikte, die Auflösung und/oder der Zerfall von Staaten, Naturkatastrophen oder andere Umweltprobleme, Diskriminierung, politische Instabilität und eine schlechte wirtschaftliche Situation betrachtet werden. Demgegenüber wirken die „Pull-Faktoren". Hierzu gehören eine Nachfrage nach Arbeitskräften, eine positive wirtschaftliche Situation, eine demokratische Staatsführung mit politischer und sozialer Stabilität sowie eine Reihe weiterer Gründe, insbesondere historischer Art (z.B. die enge Beziehung zu einem europäischen Staat aufgrund der Kolonialgeschichte) und persönliche Beziehungen im jeweiligen Zielstaat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Vorstellung des Themas und der Forschungsfrage im Kontext der europäischen Integrationsprozesse.
2. Migration in Europa: Theoretische Klärung der Begriffe Migration und Asyl sowie historische Analyse der Migrationsströme im 20. Jahrhundert.
3. Asyl- und Einwanderungspolitik in ausgewählten Mitgliedstaaten der EU: Detaillierte Darstellung der nationalen Strategien und historischen Entwicklungen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien.
4. Asyl- und Einwanderungspolitik der Europäischen Union: Analyse der europarechtlichen Entwicklung durch die Verträge von Maastricht, Amsterdam, Nizza und Lissabon sowie die Erläuterung der verschiedenen EU-Programme.
5. Etablierung eines europäischen Gesamtkonzepts: Diskussion über die Notwendigkeit und Bestandteile eines abgestimmten Konzepts unter Berücksichtigung von Solidarität und demografischer Entwicklung.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der europäischen Migrationspolitik und Ausblick auf künftige Herausforderungen.
Schlüsselwörter
Asylpolitik, Einwanderungspolitik, Europäische Union, Migration, Integrationspolitik, Drittstaatsangehörige, Migrationsströme, Grenzschutz, Dublin-Verordnung, Visapolitik, Schengener Abkommen, demografischer Wandel, Menschenrechte, Solidarität, Gemeinschaftspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und warum die Entwicklung eines übergreifenden Gesamtkonzepts für die nationalen Steuerungsversuche im Bereich der Asyl- und Einwanderungspolitik der EU notwendig ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen Migrationstheorien, die historische Entwicklung der Einwanderung in Europa, nationale Ansätze ausgewählter Mitgliedstaaten sowie die schrittweise Europäisierung dieser Politikbereiche.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu analysieren, wie die Asyl- und Einwanderungspolitik innerhalb der EU angesichts unterschiedlicher nationaler Traditionen und demografischer Herausforderungen wirksam gesteuert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine rechtswissenschaftliche und politikwissenschaftliche Analyse, gestützt auf Dokumentenanalysen (Verträge, EU-Verordnungen) und statistische Daten von Eurostat und UNHCR.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Einwanderungs- und Asylhistorien von Deutschland, Frankreich und Großbritannien sowie die Entwicklung der EU-Kompetenzen durch verschiedene Verträge und Programme wie Tampere oder das Stockholmer Programm.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Asylpolitik, Einwanderungspolitik, EU-Recht, Migration, Grenzschutz und demografischer Wandel.
Warum ist das Thema für die heutige EU so relevant?
Da die EU einen Binnenraum ohne Binnengrenzen darstellt, hat die Migrationspolitik eines Staates direkte Auswirkungen auf andere, was ein koordiniertes europäisches Vorgehen zwingend erforderlich macht.
Welche Rolle spielen die demografischen Entwicklungen in der Arbeit?
Die Arbeit betont, dass aufgrund der alternden Gesellschaft und sinkender Geburtenraten in Europa die gesteuerte Einwanderung zukünftig ein entscheidender Faktor für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Mitgliedstaaten sein wird.
- Arbeit zitieren
- Christian Kaschner (Autor:in), 2010, Ist die Entwicklung eines Gesamtkonzepts bei nationalen Steuerungsversuchen im Bereich der Asyl- und Einwanderungspolitik der Europäischen Union nötig?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172211