Das Wesen des Bösen bzw. des Dämonischen im Verhältnis zum Wesen des Guten in Dostojewskijs „bei Tichon“


Essay, 2009

6 Seiten


Leseprobe

Im Folgenden soll das Wesen des Bösen bzw. des Dämonischen in seinem Verhältnis zum Wesen des Guten in dem Kapitel „Bei Tichon“ aus Fjodor Michailowitsch Dostojewskijs Roman „Die Dämonen“ untersucht werden. Dazu ist es natürlich unabdinglich zunächst eine Inhaltsangabe des besagten Kapitels vorzulegen, um den Leser darüber in Kenntnis zu setzen, mit welchem Sachverhalt sich im Folgenden überhaupt auseinandergesetzt wird. Auf eine Einordnung des Kapitels in den Gesamtzusammenhang des Romans soll in diesem Fall verzichtet werden, da eine Solche, aufgrund der weitest gehenden Eigenständigkeit des Kapitels, besonders im Hinblick auf das in diesem Essay behandelte Thema, nicht zwingend notwendig ist. Darauf aufbauend soll anschließend zunächst die Auffassung von „Gut“ und sein Verhältnis zum Bösen im besagten Kapitel herausgestellt werden, um eine Basis für die weiteren Untersuchungen zu schaffen.

Im Anschluss daran soll dann das Dämonische als ein Teilaspekt des Bösen bei Dostojewskij behandelt werden, um davon direkt zum Wesen des Bösen überzuleiten, Verbindungen zwischen den Dreien ausfindig zu machen und letzten Endes ein Fazit über das Verhältnis der Drei zueinander zu ziehen.

Das besagte Kapitel gliedert sich in drei Teile. Im Ersten sucht der umtriebige und lasterhafte Nikolaj Wsewolodowitsch Stawrogin, Sohn einer reichen Generalleutnantswitwe, in einem Kloster in der Nähe von Sankt Petersburg den bereits im Ruhestand befindlichen Bischof Tichon auf, um Diesen ein von ihm selbst aufgesetztes Schreiben, in Welchem er seine bisher verübten Schandtaten, Verbrechen und moralischen Verfehlungen offen legt, vorzulegen. Dies tut er mit dem Zusatz, dass er jenes Schriftstück bereits hundertfach gedruckt haben lasse und beabsichtige es nach der Begutachtung sowohl den Behörden als auch der Presse sowie einigen seiner Bekannten zu übergeben, damit diese es veröffentlichen und ihn gegebenenfalls zur Rechenschaft ziehen. Des Weiteren berichtet er von Halluzinationen, in denen er ein geisterhaftes Wesen vor sich sieht oder es zumindest fühlt. Zu beiden Fällen möchte er die Meinung Tichons einholen. Der zweite Teil besteht dann nahezu ausschließlich aus dem Inhalt des Schreibens und somit den Verbrechen Stawrogins, welche relativ detailgetreu beschrieben werden. Dabei steht aber ein besonders niederträchtiges Vergehen im Vordergrund. Stawrogin bekennt sich schuldig die noch minderjährige Tochter seiner Vermieter namens Matrjoscha zum Selbstmord gedrängt zu haben. Zunächst beschreibt er den Genuss, den er empfindet, als sie von ihrer Mutter vor seinen Augen gezüchtigt wird und dies aufgrund eines angeblichen Diebstahls eines Federmessers aus Stawrogins Wohnung, welches er allerdings wieder findet und verschwinden lässt, auf das die Bestrafung fortgesetzt wird. Anschließend vergeht er sich sogar sexuell an ihr, was große seelische Wunden in dem Kind hinterlässt und in Folge dessen es sich schließlich, unter Beobachtung Stawrogins, umbringt. In Folge dieses Vorfalls kämpft Stawrogin dann mit Gewissensbissen, die ihn schlussendlich dazu verleiten jenes besagte schriftliche Geständnis, dass seine Taten dokumentiert, aufzusetzen und vervielfältigen zu lassen.

Der dritte und somit letzte Abschnitt des Kapitels beschreibt die Reaktion Tichons auf das Schreiben so wie seinen, damit verbundenen, Ratschlag an Stawrogin. So rät er ihm sich einem Einsiedler anzuschließen und diesem im geheimen zu dienen, um Buße zu tun und sich selbst verzeihen zu können.

Aus dieser kurzen Inhaltsangabe lässt sich die Vermutung aufstellen, dass Dostojewskij mit Stawrogin eine literarische Figur erschaffen wollte, die seine Auffassung von „Böse“ verkörpert und widerspiegelt. Dies tut er, unter Anderem, indem er das für ihn „Gute“ dieser gegenüberstellt, um einen Gegenpol zu konstruieren, welcher das Böse als solches überhaupt erst erkennbar macht. Außerdem sieht er in diesem Guten eine Art Heilungsmöglichkeit oder Wiedergutmachung für das Böse. Grundsätzlich ist allerdings zunächst einmal festzuhalten, dass Dostojewskij das Gute, sprich den Gegenpol zum Verhalten Stawrogins, in einer christlichen Lebenseinstellung- und führung, welche in diesem speziellen Fall aufgrund des Schauplatzes des Kapitels in der Nähe von Sankt Petersburg und somit im heutigen Russland die russisch-orthodoxe bezeichnet. Hierbei spielen sowohl die moralischen christlichen Werte wie Reue oder Mitleid als auch die von der Kirche als Institution aufgestellten Vorschriften und Verhaltensweisen zur korrekten Ausführung dieser, wie z.B. die Beichte, eine Rolle. Außerdem wird dies daran deutlich, dass Tichon selbst ein Bischoff war und somit Teil der Institution Kirche.

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Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Das Wesen des Bösen bzw. des Dämonischen im Verhältnis zum Wesen des Guten in Dostojewskijs „bei Tichon“
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Das Böse
Autor
Jahr
2009
Seiten
6
Katalognummer
V172228
ISBN (eBook)
9783640919949
Dateigröße
404 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wesen, bösen, dämonischen, verhältnis, guten, dostojewskijs, tichon“
Arbeit zitieren
Philipp-Michael Hebel (Autor), 2009, Das Wesen des Bösen bzw. des Dämonischen im Verhältnis zum Wesen des Guten in Dostojewskijs „bei Tichon“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172228

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