Museen zwischen Bewahrung, Erforschung und Unterhaltungskultur


Essay, 2010
4 Seiten, Note: 1.0

Leseprobe

Museen zwischen Bewahrung/Erforschung und Unterhaltungskultur

Das Museum- Ort der Bildung oder ein Ort der Unterhaltung für die ganze Familie? Diese Frage stellt man sich heutzutage häufiger, wenn man ein Museum besucht.

Man bekommt den Eindruck, die Menschen würden sich nur noch durch besonders spektakuläre Aktionen und Präsentationen dazu bewegen lassen, ihre Freizeit in einem Museum zu verbringen. Daher müssten die Museen ihre Ausstellungen immer spektakulärer gestalten, um beim Wettstreit um die Besucher nicht leer auszugehen.

Doch ist eine solche Entwicklung positiv für das Geschichtsbewusst- sein und damit wünschenswert für unsere moderne Welt? Diese Frage lässt sich relativ eindeutig beantworten. Eine Entwicklung der traditionellen Museen hin zu bloßen Vergnügungsparks hätte fatale Auswirkungen auf die Sichtweise der Menschen auf Geschichte. Denn dort würden nicht die tatsächlichen Geschehnisse, wie sie die Forschung ans Tageslicht gebracht hat, im Vordergrund stehen. Es würde eine Version der Geschichte vermittelt, wie sie vielleicht hätte aussehen können. Dies birgt die Gefahr, dass die Vergangenheit je nach Wunsch rekonstruiert werden könnte. Unliebsame Details könnten einfach verschwiegen, gewünschte Inhalte hervorgehoben werden. Somit würde die Gefahr entstehen, dass Epochen der Geschichte entweder in Vergessenheit geraten oder glorifiziert werden. Je nachdem, was bei den gewünschten Besuchern populärer wäre. Die Denkweise ,,Geld statt Geist''1 kann so gesehen sogar gefährlich sein. Man bedenke nur, welche Gefahr von einem zunehmenden Vergessen der Schrecken des Krieges ausgehen würde. Doch wie sieht es nun mit den Menschen aus? Sind die angesprochenen Vergnügungsparks das, was der deutsche Bürger möchte? Zunächst einmal lässt sich diese Frage natürlich ohne eine repräsentative Umfrage nicht direkt beantworten. Dennoch gibt es den ein oder anderen Hinweis darauf, dass die Menschen in Deutschland von den Museen die Wahrheit über die Geschichte erwarten und keine Inszenierungen. Auch wenn in den Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg in Deutschland vorwiegend Zukunftsorientierung herrschte2, so lassen doch der Museumsboom der 1970er/80er Jahre3 und auch das große Interesse der Menschen in unserer modernen Zeit an historischen Ausstellungen (beispielsweise der Stauferausstellung in den 70ern) vermuten, dass die Bürger sich für die Geschichte interessieren. In diesem Fall erwarten diese aber mit Sicherheit eine authentische und korrekte Darstellung.

Sicher ist es so, dass sich Vergnügungsparks und Attraktionen, die sich mit historischen Themen befassen, gerade bei Familien sehr beliebt sind. Dies beweisen eindrucksvoll die langen Warteschlangen vor Einrichtungen wie dem Hamburg Dungeon, in dem in Form einer historischen Geisterbahn Ereignisse aus der Geschichte der Stadt dargestellt werden. Doch kann man aus dieser Tatsache meiner Meinung nicht unbedingt darauf schließen, dass die Menschen derartige Dinge auch in den Museen erwarten oder wünschen würden. Vielmehr zeigt die Kopie dieses Eventcharakters durch die Museen, dass diese die Zahl ihrer Besucher und damit der Erlöse durch Eintrittsgelder um jeden Preis maximieren möchten. In einer Zeit, in der es dem Staat gerade in diesem Bereich immer wieder an finanziellen Mitteln fehlt, kein Wunder.

Dennoch sollten die Museen darauf achten, über den Wunsch nach Gewinn den Bildungsauftrag nicht zu vergessen und letzten Endes ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren. Sicherlich wollen die Menschen auch unterhalten werden, doch sie besuchen die Museen um konkret etwas über die Geschichte zu lernen. Doch was geschieht, wenn man sie mit viel Medieneinsatz und spektakulären Rekonstruktionen blendet und sie später erfahren, dass die historische Realität wohl doch anders aussah oder gar Informationen weggelassen wurden?

[...]


1 Vgl. Biegel, Gerd: Museen als (Ein-) Bildung kultureller Orte. S. 1.

2 Vgl. Biegel, Gerd: Museen als (Ein-) Bildung kultureller Orte. S. 16/17.

3 Vgl. Biegel, Gerd: Museen als (Ein-) Bildung kultureller Orte. S. 18.

Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Museen zwischen Bewahrung, Erforschung und Unterhaltungskultur
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig  (Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte)
Note
1.0
Autor
Jahr
2010
Seiten
4
Katalognummer
V172275
ISBN (eBook)
9783640920983
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
breiter Rand, große Schrift
Schlagworte
Museum, Geschichte, Ausstellungen, Geschichtsvermittlung
Arbeit zitieren
Daniel Ossenkop (Autor), 2010, Museen zwischen Bewahrung, Erforschung und Unterhaltungskultur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172275

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