Eine große Zahl von Menschen, so der Existentialphilosoph Jean-Paul Sartre, lebe in der Unaufrichtigkeit, d.h. dem Modus, „sich selbst zu belügen“. Wie im französischen Original la mauvaise foi („der schlechte Glauben“) deutlich wird, ist das Phänomen für Sartre ein moralisch verwerfliches. In seinem Werk "Das Sein und das Nichts" fragt Sartre nach den Möglichkeitsbedingungen für die Unaufrichtigkeit, die er in der Seinsstruktur der menschlichen-Realität vorfindet. Die vorliegende Hausarbeit fragt umgekehrt nach der Möglichkeit der Abwendung von Unaufrichtigkeit, die Sartre fordert.
Hierbei wird zunächst untersucht, wie das Phänomen der Unaufrichtigkeit nach Sartre zu verstehen ist. Anschließend wird das Verhältnis zwischen Unaufrichtigkeit und dem Sein des Bewusstseins beleuchtet, sowie die normative Ebene als Kriterium der Unaufrichtigkeit. Die Frage soll geklärt werden, inwiefern ihre Bestimmung in "Das Sein und das Nichts" und die postulierte Möglichkeit ihrer Abwendbarkeit miteinander kompatibel sind. Ziel der Hausarbeit ist es, die hervorgehenden Implikationen für Sartres normative Forderung der Abwendung herauszustellen und sie kritisch zu hinterfragen.
- Arbeit zitieren
- Yi Ling Pan (Autor:in), 2023, Ist die Unaufrichtigkeit abwendbar?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1722828