Kaiserin Theophanu


Seminararbeit, 2006

15 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Von der byzantinischen Prinzessin zur Mitkaiserin des heiligen römischen Reiches
2.1 Herkunft
2.2 Hochzeit
2.3 Kinder
2.4 Mitkaiserin

3 Der Streit um die Vormundschaft

4 Die Regentschaft
4.1 Festigung der Macht im Inneren
4.2 Sicherung der Grenzen nach Außen
4.3 Regierungspraxis
4.4 Tod

5 Bewertung der Regentschaft Theophanus

1 Einleitung

1999 jährte sich das Todesjahr Theophanus1 zum 1000. Mal. Diesen Festtag nahm das Kölner Schnütgen-Museum zum Anlass, ihr eine zweibändige Gedenkschrift zu widmen2, doch auch schon vorher beschäftigten sich Historiker wie Schriftsteller mit dieser faszinierenden Frauengestalt des Mittelalters - sei es in ihrer Rolle als byzantinische Prinzessin, Gattin Ottos II. und oder Vormund ihre Sohnes und Regentin. Das Ziel dieser Arbeit ist es, einen kurzen Überblick über das Leben Theophanus zu geben. Dabei soll besonders untersucht werden, inwieweit Theophanu als Frau in das politische Geschehen ihrer Zeit eingreifen und - direkt oder indirekt - Macht ausüben konnte. Sie steht dabei aber keineswegs exemplarische für „die“ Frau im Mittelalter, sondern ist im Gegenteil als Ausnahmeerscheinung zu sehen.

Die Arbeit ist chronologisch in die Lebensabschnitte Theophanus aufgeteilt und orientiert sich an der oben genannten Zielsetzung. Da ihre Kindheit und Jugend für die deutsche Geschichte weitgehend uninteressant sind und es hierzu keine Quellen gibt, wird dieser Teil ihres Lebens nicht näher betrachtet. Die Untersuchung beginnt mit der Hochzeit des Kaiserpaares, beziehungsweise deren Zustandekommen. Es folgt eine kurze Abhandlung über ihre, an die sich eine Betrachtung Theophanus als „consor regnis“ ihres Gatten anschließt. Die Entführung Ottos III.. durch Heinrich den Zänker sowie der Sieg der Kaiserwitwe über diesen stellen den Inhalt des nächsten Abschnitts dar. Es folgt die Darstellung der Vormundschaftsregierung der Kaiserin für ihren unmündigen Sohn. Dabei werden sowohl innen- als auch außenpolitische Aspekte untersucht sowie die Möglichkeiten der Machtausübung der Regentin mit Hilfe von Urkunden analysiert. Der Aufsatz schließt mit einer kurzen Bewertung der Regentschaft Theophanus.

2 Von der byzantinischen Prinzessin zur Mitkaiserin des heiligen römischen Reiches

2.1 Herkunft

Kurz vor der ersten Jahrtausendwende ist die Situation zwischen dem „deutschen“3 und dem byzantinischen Reich angespannt. Die Gründe dafür sind v.a. die Herrschaft der Franken über Italien sowie die Kaiserkrönung Otto I. mit der er sich mit dem Basileus4 auf eine Ebene gestellt hatte. Um die Spannungen zu mindern, strebt Otto der Große eine Verbindung der beiden Fürstenhäuser an. Er bewirbt sich 967 für seinen schon zum König gekrönten Sohn und Nachfolger Otto II. um die Hand Annas, der Tochter Romanos III.. Um ihr ebenbürtig zu sein, wird Otto II. bereits zu Lebzeiten des Vaters zum Kaiser gekrönt. Nikephoros Phokas, ein erfolgreicher Heerführer, der nach Romanos Tod zum Basileus ausgerufen worden war und dessen Witwe geheiratet hatte, lehnt es ab, eine purpurgeborene5 Kaisertochter an einen Angehörigen eines fremden Volkes zu verheiraten. Nach seiner Ermordung bemüht sich sein Nachfolger Johannes Tzimiskes um einen Ausgleich mit den Franken. Als 971 der Kölner Erzbischof Gero nach Konstantinopel reist, bietet der Basileus, selbst kinderlos, seine angeheiratete Nichte Theophanu als Gattin für Otto II. an. Diese ist jedoch keine Porphyrogenata6, was in Deutschland Empörung hervorruft, ebenso wie die anrüchige Machtergreifung Johannes Tzimiskes.7 Andererseits ist Theophanu nicht nur mit dem derzeitigen Basileus verwandt, sondern auch eine Großnichte des ermordeten Nikephoros Phokas. Sie entstammt der begüterten und angesehenen Familie der Skleroi, die eine Vielzahl politischer und militärischer Leistungen erbracht hat, und ist am Kaiserhof aufgewachsen und erzogen worden. Über die Ausbildung Theophanus ist nicht viel bekannt, es wird jedoch vermutet, dass sie für ihre Zeit recht gebildet ist. Neben ihrer griechischen Muttersprache beherrscht sie fließend Latein, später erlernt sie auch Deutsch. 8

2.2 Hochzeit

Am 14. April 972 werden Theophanu und Otto II. in der römischen Peterskirche von Papst Johannes XIII. getraut und die byzantinische Prinzessin bei diesem Anlass auch gleich zur Kaiserin gekrönt. Sie ist zu diesem Zeitpunkt wohl zwischen 12 und 16 Jahren alt, Otto II.

16.9 Diese Heirat ist durch eine großformatige Prunkurkunde10 bezeugt, in der Theophanu als Hochzeitsgabe die Grafschaften Istrien und Pesacara, Walcheren und Wichelen mit der Abtei Nivelles, die Königshöfe Boppard am Rhein, Tiel am Waal, Herford, Tilleda und Nordhausen in Sachsen erhält.11

2.3 Kinder

Theophanu schenkt ihrem Mann fünf Kinder, vier Töchter, wovon eine nicht namentlich bekannt ist und bereits als Kind verstirbt, sowie einen Sohn, Otto III. Über die Reihenfolge der Mädchen herrscht Uneinigkeit.

Wolf sieht Adelheid als die Älteste und siedelt ihre Geburt im Hochsommer oder Frühherbst 977 an, nachdem er eine frühere Fehlgeburt Theophanus als wahrscheinlich voraussetzt. Adelheid wird nach ihrer Großmutter väterlicherseits benannt, und dem Kloster in Quedlinburg zur Erziehung übergeben, zu dessen Äbtissin sie später wird. Als Zweitgeborene bezeichnet Wolf Sophia, die etwa ein Jahr später zur Welt kommt und den Namen ihrer Großmutter mütterlicherseits bekam. Sie wächst im Kloster Gandersheim heran und ist lange Zeit die Lieblingsschwester Ottos III. Mathilde, nach Wolf die Jüngste der überlebenden Schwestern, wird im Juli oder August 979 geboren und 993 mit dem rheinischen Pfalzgrafen Ehrenfried, auch unter dem Namen Ezzo bekannt, verheiratet.12

[...]


1 Teilweise auch die Schreibweise Theophano, v.a. in englischen Darstellungen, vgl. hierzu auch Henrich (1999), S.89 - 106; im Folgenden wird der Einheitlichkeit halber immer die Schreibweise Theophanu verwendet.

2 Euw, Anton von/ Schreiber, Peter (Hrsg.): Kaiserin Theophanu. Begegnung des Ostens und Westens um die Wende des ersten Jahrtausends. Gedenkschrift des Kölner Schnütgen-Museums zum 1000. Todesjahr der Kaiserin, 2 Bde, Köln 1999

3 Das es zu dieser Zeit noch keinen deutschen Nationalstaat gab, ist im Rahmen dieser Arbeit unter „deutsch“ alles zu verstehen, was zum damaligen Zeitpunkt zum „Heiligen römischen Reich deutscher Nation“ gehörte und den Herrschaftsbereich des Kaisers umfasste.

4 Bezeichnung des byzantinischen Kaisers

5 Purpurgeboren wurden die Kinder des Basileus genannt, da es im Palast ein eigenes Gebärzimmer, die „Kammer des Purpur“ gab

6 D.h. keine purpurgeborene

7 Vgl. Engels, Odilo: Die Begegnung des Westens mit dem Osten. Kongreßakten des 4. Symposions des Mediävistenverbandes in Köln 1991 aus Anlaß des 1000. Todesjahres der Kaiserin Theophanu, Sigmaringen 1993, S. 16

8 Vgl. Eickhoff, Ekkehard: Theophanu und der König. Otto III.. und seine Welt, Stuttgart 2. Auflage 1997, S. 31

9 Vgl. Engels, Odilo (1993), S.18, vgl. auch Hofmeister, Adolf: Studien zu Theophano, Münster 1952, S. 232 und Eickhoff, Ekkehard (1997), S. 36

10 Diese kann im Internet unter http://www.tilleda.ottonenzeit.de/theo/theo.htm eingesehen werden

11 Vgl. ebd.

12 Vgl. Wolf, Gunther : Kaiserin Theophanu. Prinzessin aus der Fremde - des Westreichs grosse Kaiserin, Köln 1991a, S 168 - 179, vgl. auch Holtzmann, Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit 900 - 1024, München 1941, S. 255 - 316

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Details

Titel
Kaiserin Theophanu
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V172293
ISBN (eBook)
9783640923755
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mittelalter Kaiserin Theophanu Otto, Agnes Regentin
Arbeit zitieren
Inka Hemmerich (Autor), 2006, Kaiserin Theophanu, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172293

Kommentare

  • Gast am 14.9.2018

    "1999 jährte sich das Todesjahr Theophanus1 zum 1000. Mal." Bereits der Erste Satz entspricht nicht der Wahrheit. Prinzessin Theophanu starb 991. 1991 huldigten ihr etliche Historiker Werke zu Ehren ihres 1000. Todestag. Liebe Grüße

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