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Welche stereotypen Vorstellungen über das Söldnerleben konsolidierten sich im Dreißigjährigen Krieg?

Fremddarstellung und Selbstwahrnehmung des Söldnerlebens

Title: Welche stereotypen Vorstellungen über das Söldnerleben konsolidierten sich im Dreißigjährigen Krieg?

Seminar Paper , 2011 , 24 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Heiko Neumann (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Summary Excerpt Details

Wenn in deutschen Schulbüchern der Versuch unternommen wird, den Krieg in seiner erbarmungslosen
Charakteristik darzustellen, bedient man sich Jacques Callots Radierungen. Les Misères et
les Malheurs de la Guerre stellen entsetzliche Szenen der Gewalt dar. Die Darstellung des
Krieges als Ganzes, setzt sich jedoch aus seinen tragenden Teilen zusammen, den Söldnern.
Sie sind die Träger der Gewalt und erst ihre Handlungen erzeugen Reaktionen, welche die
Gewaltspirale immer neu ablaufen lassen. Das Bild des Krieges, wird durch die Kontur der
Söldner gezeichnet.
Welche stereotypen Erscheinungen, Motive, Handlungen und Eigenschaften werden den
Waffenträgern dabei von den Zeitzeugen zugeschrieben? Lassen sich darüber hinaus die
Deutungen der Außenperspektive, in der Innenperspektive, der Selbstwahrnehmung der
Söldner wiederfinden?
Im Rahmen dieser Seminararbeit soll im ersten Kapitel die Erarbeitung der Außenperspektive
durch Callots Werke erfolgen. Die Radierungen sind von besonderem Interesse für diese
Fragestellung, da diese nicht den kommerziellen Absatzbedingungen der Flugblätter
unterlagen. Vielmehr wurden die Kriegsereignisse und ihre Träger als Ganzes dargestellt,
wohingegen Flugblatt-Illustrationen oftmals versuchten, vom Individuum auf das Söldner-
Kollektiv zu schließen. Durch diesen methodischen Zugang ist zu erwarten, dass nicht das
vollständige Konglomerat stereotyper Vorstellungen der Gesellschaft wiedergegeben werden
kann, wie dies etwa in der Dissertation Huntebrinkers geschehen ist. Jedoch erlaubt die
Gesamtdarstellung der Söldner als soziale Gruppe, einen differenzierteren Blick auf den nach außen hin geschlossenen Personenverband. So illustrierte Callot das Abfallen marodierender
Söldner vom disziplinierten Großverband.

Im zweiten Kapitel wird die Innenperspektive der Söldner untersucht. Stellvertretend für eine
ganze soziale Gruppe, werden die Tagebuchaufzeichnungen eines einfachen Söldners helfen,
das Spektrum der Untersuchung zu erweitern. Der besondere Reiz dieser Untersuchung findet
seine Begründung in der Auseinandersetzung mit schriftlichen Quellen unterer sozialer
Schichten, jenseits der Arbeit mit den Quellen der „großen Männer“.
Somit folgt die Arbeit dem Trend, vermehrt Selbstzeugnisse für die Rekonstruktion
vergangener Lebenssituationen hinzuzuziehen.

Abschließend werden beide Wahrnehmungen in das Kritikfeld der Multiperspektivität überführt, um so ein differenziertes Bild vorherrschender Stereotypen zu ermöglichen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Kapitel – die Außenperspektive:

Les Misères et les Malheurs de la Guerre – Jacques Callots Radierungen

1.1. Ereignisgeschichtliche Einordnung

1.2. Quellenkritik

1.3. Darstellungen des Söldnerlebens in der Außenperspektive

2. Kapitel – die Innenperspektive:

Ein Söldnerleben im Dreißigjährigen Krieg – editiert von Jan Peters

2.1. Ereignisgeschichtliche Einordnung

2.2. Quellenkritik

2.3. Selbstwahrnehmung eines Söldners

3. Kapitel – Schlussbetrachtung und Vergleich

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die stereotypen Vorstellungen über das Leben von Söldnern während des Dreißigjährigen Krieges. Ziel ist es, durch einen Vergleich zwischen der Außenperspektive (dargestellt in den Radierungen von Jacques Callot) und der Innenperspektive (basierend auf dem Tagebuch von Peter Hagendorf) zu ergründen, inwiefern gesellschaftliche Fremdwahrnehmungen mit der tatsächlichen Selbstwahrnehmung der Söldner korrespondieren.

  • Analyse der bildlichen Darstellung des Söldnerlebens durch Jacques Callot.
  • Untersuchung der alltäglichen Lebenswirklichkeit eines Söldners anhand von Selbstzeugnissen.
  • Konfrontation von gesellschaftlichen Stereotypen wie Gewalt, Laster und Soldatenehre mit individuellen Erfahrungsberichten.
  • Reflexion über die Rolle von sozialen Strukturen, Rechtsräumen und Hierarchien innerhalb militärischer Verbände.

Auszug aus dem Buch

1.3. Darstellungen des Söldnerlebens in der Außenperspektive

Bevor der Versuch unternommen wird, anhand der Radierungen typische Vorstellungen über das Söldnerleben herauszuarbeiten, soll der Handlungsrahmen der Serie erläutert werden. Anschließend wird das Charakteristikum des Söldners, entsprechend dem methodischen Zugang der Arbeit, von Außen nach Innen, analysiert.

Der Ablauf der Bilderserie hält sich grundlegend an die Regeln der Dramaturgie. Nach der Anwerbung der Söldner erledigen sie ihr Handwerk, indem sie eine Schlacht bestreiten. Danach löst sich aus dem Großverband der Söldner eine marodierende Gruppe, die zu Plünderungen und Mord übergeht. Diese Gruppe wird im Höhepunkt der Handlung von dem disziplinierten Söldnerverband in einem Wald aufgegriffen. Anschließend werden die Übeltäter ihrer Strafe in grausamer Mannigfaltigkeit zugeführt. Nach der Wiederherstellung der Ordnung, zeigt Callot das gemeine Schicksal des Söldnerlebens nach der aktiven Zeit. Verwundung und Invalidität, aber auch Armut können Konsequenzen sein. Im vorletzten Blatt wird das andauernde Konfliktfeld zwischen Söldnern und Bauern thematisiert, indem ein erbarmungsloser Bauernüberfall dargestellt wird. Aus dem letzten Blatt resultiert die frühabsolutistische Interpretation Ries´. Die tugendhaften Offiziere werden von der Obrigkeit empfangen und erhalten ihre Belohnung.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die Thematik der Söldner als Träger der Gewalt im Dreißigjährigen Krieg und Vorstellung der methodischen Herangehensweise anhand von Außen- und Innenperspektiven.

1. Kapitel – die Außenperspektive: Les Misères et les Malheurs de la Guerre – Jacques Callots Radierungen: Untersuchung der Callot'schen Radierungen als bildliche Quelle, die den Söldner als Teil eines hierarchischen und gewaltbereiten sozialen Verbandes darstellen.

2. Kapitel – die Innenperspektive: Ein Söldnerleben im Dreißigjährigen Krieg – editiert von Jan Peters: Analyse des Kriegstagebuchs von Peter Hagendorf, um den Alltag, die Motivationen und die tatsächliche Lebenswelt eines Söldners zu rekonstruieren.

3. Kapitel – Schlussbetrachtung und Vergleich: Synthese der Ergebnisse, bei der die Übereinstimmungen zwischen der künstlerischen Außenwahrnehmung und den persönlichen Aufzeichnungen eines Söldners gegenübergestellt und bewertet werden.

Schlüsselwörter

Dreißigjähriger Krieg, Söldnerleben, Außenperspektive, Innenperspektive, Jacques Callot, Peter Hagendorf, Selbstzeugnis, Radierungen, Gewaltspirale, soziale Gruppe, Rechtsraum, Militärgeschichte, Alltagsgeschichte, Stereotype, Kriegsfolgen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der kulturgeschichtlichen Untersuchung von Söldnern im Dreißigjährigen Krieg, wobei zwei konträre Perspektiven – die künstlerische Darstellung und die persönlichen Aufzeichnungen – verglichen werden.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Felder sind die bildliche Konstruktion von Söldner-Stereotypen (Gewalt, Laster) und die Rekonstruktion der tatsächlichen Lebenswirklichkeit eines Söldners anhand eines zeitgenössischen Tagebuchs.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Es soll geklärt werden, inwieweit die zeittypischen Vorurteile und gesellschaftlichen Fremddarstellungen über das Söldnerleben mit der gelebten Realität und Selbstwahrnehmung eines Söldners übereinstimmen.

Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt den ikonographisch-ikonologischen Ansatz zur Analyse von Callots Radierungen sowie die Auswertung von Alltagsdokumenten (Tagebuch) als Form der historischen Quellenkritik.

Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Radierfolge Callots, die den Söldner als Teil eines organisierten Verbandes zeigt, und die Untersuchung von Hagendorfs Tagebuch, das einen nüchternen Blick auf den militärischen Alltag erlaubt.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Begriffe wie Söldnerleben, Außen- und Innenperspektive, soziale Gruppe, Gewalt und Quellenkritik stehen im Mittelpunkt der Untersuchung.

Wie bewertet der Autor den Wahrheitsgehalt der verwendeten Quellen?

Der Autor betont, dass sowohl die Radierungen als auch das Tagebuch keine unverfälschten Einblicke in die Vergangenheit bieten, da sie jeweils durch Intentionen oder gesellschaftliche Konventionen geprägt sind.

Welche Rolle spielen Frauen im Leben des untersuchten Söldners?

Im Tagebuch werden Frauen sowohl als Unterstützerinnen in einer Lebensgemeinschaft als auch als Partnerinnen in einem unsteten Alltag beschrieben, während sie in Callots Werken eher in der Opferrolle erscheinen.

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Details

Title
Welche stereotypen Vorstellungen über das Söldnerleben konsolidierten sich im Dreißigjährigen Krieg?
Subtitle
Fremddarstellung und Selbstwahrnehmung des Söldnerlebens
College
Dresden Technical University  (Institut für Geschichte/Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit)
Course
Proseminar: Kulturgeschichte des Krieges
Grade
1,0
Author
Heiko Neumann (Author)
Publication Year
2011
Pages
24
Catalog Number
V172322
ISBN (eBook)
9783640922185
ISBN (Book)
9783640922345
Language
German
Tags
Dreißigjähriger Krieg Söldner Jacques Callot Les Misères et les Malheurs de la Guerre Jan Peters: Tagebuch eines Söldners Peter Hagendorf Stereotype Söldnervorstellungen Kulturgeschichte Alltagsgeschichte Die Schrecken und Jammer des Krieges
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Heiko Neumann (Author), 2011, Welche stereotypen Vorstellungen über das Söldnerleben konsolidierten sich im Dreißigjährigen Krieg?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172322
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