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Pharmakologisches Neuro-Enhancement

Soziale und ökonomisches Aspekte

Titel: Pharmakologisches Neuro-Enhancement

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2009 , 21 Seiten , Note: 2,3

Autor:in: Silvio Schwartz (Autor:in)

Geschlechterstudien / Gender Studies
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Zuge der Untersuchung des menschlichen Gehirns, seiner Struktur und Funktionsweise kommt es zu Begehrlichkeiten: Wie können die Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft nutzbar gemacht werden für Anwendungen, die es Menschen erlauben, besser die Leistungsmöglichkeiten ihres Gehirns auszureizen? Konkret geht es dabei um die Entwicklung von sogenannten Neurotechnologien – eine Teildisziplin der Biotechnologien, die technische und pharmakologische Mittel umfasst, die auf die Erkenntnis oder die Beeinflussung des zentralen Nervensystems ausgerichtet sind. Werden sie ohne medizinische Notwendigkeit benutzt, zur Verbesserung menschlicher Eigenschaften und Fähigkeiten beizutragen, dann wird dies als „Enhancement“ bezeichnet. Ein „Neuro-Enhancement“ liegt vor, wenn neurotechnische und neuropharmakologische Eingriffe in das Zentrale Nervensystem mit dem Ziel einer Funktionsbeeinflussung bzw. -verbesserung vorgenommen werden.

Es dürfte von Bedeutung sein, dass die Nutzung von heutigen Neuro-Enhancern in beruflichen Kontexten und in Prüfungssituationen aufzufinden ist. Situationen, in denen Leistung abverlangt wird und in denen Wettbewerbsdruck herrscht.

Folgende Hypothese soll daher aufgestellt sein: Die Optimierung des Gehirns der Individuen in den marktwirtschaftlich organisierten Gesellschaften dient vor allem ökonomischen Interessen, durch die die Arbeitskräfte in den globalen Wettkampf von Unternehmen und Staaten eingebunden werden. Das Ziel ist die größtmögliche Effizienz der einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und dadurch der gesamten Einrichtung. Dabei werden das Geschlechterverhältnis sowie die Geschlechterbilder verfestigt.

Diese Arbeit will sich dieser These in mehreren Schritten nähern: Zunächst soll die Neurowissenschaft beleuchtet werden, welche Erkenntnisse sie liefert und wer daran beteiligt ist. Danach werden einige Grundlagen zu Neuro-Enhancern geklärt. Dabei wird es in der gesamten Arbeit um Psychopharmaka gehen, da diese bereits verwendet werden und einfach in der Anwendung und Beschaffung sind. Anschließend wird es ihre konkreten Wirkungen auf Mensch und Gesellschaft angesprochen und es werden die damit zusammenhängenden sozialen und ökonomischen Aspekte ausgeführt. Zum Schluss werden einige Zukunftsaussichten zusammen getragen, die mit der Nutzung der Neuro-Enhancer verbunden sind.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Forschung

Stand der Forschung

Das Gehirn in der Sprache der Wirtschaft

Wer forscht?

Anwendungsgebiete neuronal wirkender Medikamente

Neuronal wirkende Medikamente als Mittel an Grenzen

Krank und gesund

Alte und neue Methoden zur Verbesserung der Gehirnleistungen

Optimieren von gesundem Zustand

Verbreitung

Motivationen

Einschränkungen

Der Einfluss pharmakologischer Neuro-Enhancer

Veränderung emotionaler Leistungen

Steigerung kognitiver Leistungen

Leistungssteigerung von Geburt an

Angleichung von Leistungen durch Einnahme

Normierende Setzungen durch Einnahme

Soziale und ökonomische Aspekte

Der Zusammenhang zwischen sozialen, ökonomischen und medizinischen Aspekten

Verteilungsgerechtigkeit

Geschlechteraspekte

Zielgruppen

Einfluss auf Geschlechterverhältnis

Zukunftsaussichten

Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die gesellschaftlichen und ökonomischen Implikationen des sogenannten Neuro-Enhancements. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern die pharmakologische Optimierung des menschlichen Gehirns primär wirtschaftlichen Interessen dient, die Arbeitskräfte in einen globalen Wettbewerb einbindet und dabei bestehende gesellschaftliche Normen sowie Geschlechterbilder reproduziert oder gar verfestigt.

  • Kritische Analyse des Wahrheitsanspruchs aktueller neurowissenschaftlicher Forschung.
  • Untersuchung der wirtschaftlichen Interessen hinter der Entwicklung von Neuro-Enhancern.
  • Betrachtung der ethischen und sozialen Folgen, insbesondere der Pathologisierung gesunder Gehirne.
  • Analyse des Einflusses von Neuro-Enhancement auf Geschlechterverhältnisse und soziale Hierarchien.
  • Diskussion der Zukunftsaussichten einer medikalisierten Leistungsgesellschaft.

Auszug aus dem Buch

Steigerung kognitiver Leistungen

Es könnten „alle Funktionen, deren wir im Prinzip fähig sind, [..] wahlweise mehr oder weniger gut installiert werden.“56 Wolf Singer spricht hiermit eine Hoffnung aus, die mit den Erkenntnissen der Neurowissenschaft verbunden wird, nämlich die Erweiterung und Steigerung der eigenen Leistungen im Gehirn. Die Ursachen für diese Wünsche verortet Schaper-Rinkel im sozialen Bereich, nämlich in der steigenden sozialen Ungleichheit, hoher Arbeitslosigkeit und reduzierter soziale Sicherungssysteme.“ Der daraus resultierende Druck fungiere als Antriebsmittel „die individuelle Leistungsfähigkeit und die der eigenen Kinder, aber auch die kollektive kognitive Leistungsfähigkeit innerhalb einer Volkswirtschaft zu optimieren.“57 Die Selbst-Optimierung ist demnach zu einem lebenslangen Prozess geworden, der an wirtschaftliche Erwägungen geknüpft ist.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Neurotechnologien ein und stellt die Hypothese auf, dass die Optimierung des Gehirns primär ökonomischen Interessen dient.

Die Forschung: Dieses Kapitel beleuchtet den aktuellen Stand der Neurowissenschaft und kritisiert den mit ihr verbundenen Wahrheitsanspruch sowie die Analogie des Gehirns zum Wirtschaftskreislauf.

Anwendungsgebiete neuronal wirkender Medikamente: Hier wird die Problematik der Grenzziehung zwischen medizinischer Therapie und bloßer Leistungsoptimierung untersucht.

Der Einfluss pharmakologischer Neuro-Enhancer: Das Kapitel analysiert, wie Neuro-Enhancer emotionale und kognitive Leistungen verändern und welche Rolle diese bei der Normierung von Individuen spielen.

Soziale und ökonomische Aspekte: Diese Sektion arbeitet die Verwobenheit von neurowissenschaftlichen Beobachtungen mit neoliberalen Wettbewerbslogiken und sozialen Ungleichheiten heraus.

Zukunftsaussichten: Abschließend wird diskutiert, wie sich der gesellschaftliche Umgang mit Neuro-Enhancement entwickeln könnte und inwiefern eine Medikalisierung der Gesellschaft droht.

Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass die Neurowissenschaft den Menschen de-kontextualisiert und das Gehirn als autarkes Organ betrachtet, um die Steigerung durch Psychopharmaka zu legitimieren.

Schlüsselwörter

Neuro-Enhancement, Psychopharmaka, Neurowissenschaft, Leistungsgesellschaft, Selbstoptimierung, Ökonomisierung, Hirnplastizität, Wettbewerb, Ethik, Medikalisierung, Geschlechterverhältnis, soziale Ungleichheit, Effizienz, Normalisierung, Neurotechnologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die gesellschaftlichen Auswirkungen von pharmakologischem Neuro-Enhancement und hinterfragt, inwieweit diese Praxis durch ökonomische Interessen angetrieben wird.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen die Schnittstellen zwischen Neurowissenschaft, Arbeitswelt, sozialer Gerechtigkeit, Geschlechterrollen und ethischen Fragestellungen der medizinischen Optimierung.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, ob die Optimierung des Gehirns primär dazu dient, Individuen effizienter in den globalen ökonomischen Wettbewerb einzugliedern und dadurch bestehende gesellschaftliche Machtstrukturen zu stabilisieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit arbeitet mit einem spekulativen Ansatz, der aktuelle wissenschaftliche Diskurse und Studien zur Neurotechnologie kritisch zusammenführt und analysiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Verbreitung von Neuro-Enhancern, der psychologischen Motivation zur Einnahme, den Auswirkungen auf kognitive Leistungen sowie der sozio-ökonomischen Einbettung dieser Technologien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Neuro-Enhancement, Selbstoptimierung, Effizienz, Medikalisierung der Gesellschaft und die kritische Distanz zur Neurowissenschaft.

Inwiefern beeinflusst Neuro-Enhancement das Geschlechterverhältnis?

Die Arbeit argumentiert, dass Neuro-Enhancer dazu beitragen können, bestehende Geschlechterrollen zu reproduzieren, da sie vorwiegend auf die Leistungsanforderungen männlich dominierter Berufsfelder ausgerichtet und Männern als „natürliche“ Nutzer zugeschrieben werden.

Was bedeutet die „Normalisierungsstrategie“ im Kontext der Neuro-Optimierung?

Es beschreibt den Prozess, bei dem eine ständige Gehirnoptimierung als Standard definiert wird, während Menschen ohne solche Eingriffe zunehmend als defizitär markiert und gesellschaftlich marginalisiert werden könnten.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Pharmakologisches Neuro-Enhancement
Untertitel
Soziale und ökonomisches Aspekte
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Veranstaltung
Gehirne und Geschlechter - Auseinandersetzung mit (un)möglichen Unterschieden
Note
2,3
Autor
Silvio Schwartz (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
21
Katalognummer
V172336
ISBN (eBook)
9783640922581
ISBN (Buch)
9783640922857
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gehirn enhancement gesellschaft ökonomie medizin pharmakologie gender geschlechter geschlechterverhältnis
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Silvio Schwartz (Autor:in), 2009, Pharmakologisches Neuro-Enhancement, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172336
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  21  Seiten
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