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Der Glaube an die Existenz personaler, böser Wesen in der Welt

Aufklärung und Hexenglaube; Eine Geschichte der Realitätswahrnehmung

Titel: Der Glaube an die Existenz personaler, böser Wesen in der Welt

Seminararbeit , 2011 , 33 Seiten , Note: 2-

Autor:in: Rosann Rossi (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Glaube an ein Wirken personaler, böser Wesen in der Welt war fester Bestandteil der mittelalterlichen Lebenswelt. Wie gezeigt wurde war dies das Resultat einer langen Überlieferungsgeschichte, deren Ursprünge auf die antike Mythologie, wie auch auf heidnische Glaubensmodelle zurück zu führen sind. Da das Christentum einem heidnischen Umfeld entwuchs, war die Aufnahme heidnischen Gedankenguts in die christlich-religiösen Vorstellungen unvermeidlich. Diese ursprünglich heidnischen Glaubensvorstellungen unterlagen im Verlaufe der Zeit einem Prozess der Christianisierung und erfuhren somit eine fixe Einbettung in das christliche Gedankengut. Wie gleichfalls in Erfahrung gebracht wurde, wurzelte dieser Glaube an personale böse Wesen jedoch nicht nur in den theologischen Dogmen, sondern stiess gleichfalls auf eine sukzessive Bestätigung in der Lebenspraxis. Hexen, Dämonen und der Teufel selbst waren genauso real erfahrbar wie der göttliche Segen.
Der Frühaufklärung, die sich dem Kampf gegen den Glauben an reale, böse Mächte verschrieben hatte, gelang es durch eine analytische Untersuchung des Ursprungs und der Überlieferungsgeschichte, die religiöse Basis dieses Glaubens als heidnisch und nicht-christlich zu entlarven. Die daraus resultierende Religionskritik schuf einen Moment der Hinterfragung und des Zweifels an der bis anhin unumstösslichen Wahrnehmung von Realität und Lebenswelt. Alleine die nun eröffnete Möglichkeit des Zweifelns und Hinterfragens führte zu einem Paradigmenwechsel in der Argumentation gegen böse Mächte in der Welt. Entscheidend war dabei nicht das Resultat, welches die Frühaufklärer erzielten, dass nun auch naturwissenschaftliche Ergebnisse und Erklärungsversuche Einzug in die Argumentationsstruktur hielten, sondern die Motivation, zu solchen zu gelangen. Dies alleine ist bemerkenswert genug, denn in einem Weltbild eingebunden, dass die Existenz übermenschlicher Wesen nicht leugnete, und das noch immer theologischen Vorgaben unterlag, gelang es der Frühaufklärung dennoch, „abergläubische“ Vorstellungen zu beseitigen und als magisch verstandene Phänomene einer rationalen Weltanschauung unterzuordnen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zeitbild

3. Hexenglaube; ein Konstrukt der Überlieferung

3.1. Ursprung der Dämonenlehre

3.1.1. Dämonologie der Spätankike

3.1.2. Altes Testament

3.1.3. Apokryphen

3.1.4. Neues Testament

3.2. Augustinus und der Dämonenpakt

3.2.1. Biblische Grundlagen

3.2.2. Die Konzeption der zwei „Staaten“

4. Lebenspraxis als Vermittler von Realität

5. Die Frühaufklärung und ihre Kritik am Hexenglauben

5.1. Friedrich von Spee; seiner Zeit voraus

5.2. Balthasar Bekker; radikale Teufelskritik

5.3. Thomasius Aberglaubenskritik

6. Die Frühaufklärung und ihre Hinterlassenschaft

7. Schlusswort

8. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht den historischen Wandel der Wahrnehmung böser Mächte vom Mittelalter bis zur Aufklärung. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie theologische und philosophische Konzepte in Verbindung mit gesellschaftlicher Lebenspraxis den Hexenglauben als reale Erfahrung legitimierten und wie frühaufklärerische Denker durch eine religionskritische Analyse diese Konstrukte dekonstruierten.

  • Dualistische Weltbilder im mittelalterlichen Christentum
  • Antike und biblische Ursprünge der Dämonenlehre
  • Der Einfluss von Augustinus auf die Dämonenpakt-Theorie
  • Die Rolle der Lebenspraxis bei der Reifizierung von Hexenvorstellungen
  • Kritische Argumentationsmuster der Frühaufklärung (Spee, Bekker, Thomasius)

Auszug aus dem Buch

3.1. Der Ursprung der Dämonenlehre

Wie zu zeigen sein wird, ist die Vorstellung von bösen, sich dem Teufel verschriebenen Wesen nicht alleine Produkt der christlichen Überlieferungsgeschichte, sondern fand bereits in vor-christlicher Zeit Resonanz in religiösen Vorstellungen von Lebenswelt. Jean Bodin ein französischer Jurist definierte den Begriff der „Hexe“ in seinem im Jahre 1580 erschienenen Werk: „De la démonomanie des sorciers“4 folgendermassen: „Jemand, der, obwohl er Gottes Gesetze kennt, dennoch versucht, durch den Pakt mit dem Teufel einen bestimmten Zweck zu erreichen.“5 Diese Vorstellung einer vertragsähnlichen Übereinkunft der Hexe mit einem Vertreter des Bösen lieferte in allen abgehaltenen Hexenprozessen den Hauptanklagepunkt. Die Wurzeln dieser Vorstellung freizulegen, wird nun Zeil des folgenden Kapitels sein. Grundlage hierzu liefert die antike Philosophie und Religion, sowie die Heilige Schrift. Im Zentrum der nun folgenden Ausführungen steht Augustinus von Hippo, der wirkungsmächtigste Theologe der lateinischen Kirche des 4. Jahrhunderts; obzwar die Prägung und Verfestigung der Vorstellung von Dämonenglauben nicht alleine sein Verdienst war, ist er bezüglich der Übernahme antiken Gedankenguts in die christliche Lehre, wie auch für die weiterführende theologische Ausarbeitung dieser Vorstellung von zentraler Bedeutung.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Hinführung zur Fragestellung über die Bedeutung des Glaubens an personal böse Wesen und die Notwendigkeit der Kontextualisierung innerhalb der frühaufklärerischen Entwicklung.

2. Zeitbild: Analyse der dualistischen Glaubensauffassung des europäischen Mittelalters, die in einer instabilen Lebenswelt den Nährboden für den Glauben an dämonische Mächte bildete.

3. Hexenglaube; ein Konstrukt der Überlieferung: Untersuchung der antiken, biblischen und augustinischen Wurzeln, aus denen sich die Vorstellung eines Teufelspaktes und einer dualistischen Dämonenlehre speiste.

4. Lebenspraxis als Vermittler von Realität: Darstellung der Wechselwirkung zwischen religiöser Überlieferung und alltäglicher Lebenspraxis, die den Hexenglauben zur gesellschaftlich akzeptierten Realität werden ließ.

5. Die Frühaufklärung und ihre Kritik am Hexenglauben: Analyse der kritischen Ansätze von Friedrich von Spee, Balthasar Bekker und Christian Thomasius, die den Hexenglauben als nicht-christliches Konstrukt entlarvten.

6. Die Frühaufklärung und ihre Hinterlassenschaft: Diskussion des Paradigmenwechsels in der Argumentationsstruktur und der zunehmenden Desensibilisierung gegenüber übernatürlichen Erklärungsmodellen.

7. Schlusswort: Resümee über den Transformationsprozess des Weltbildes von einer magisch geprägten Wahrnehmung hin zu einer rational orientierten Weltanschauung.

8. Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Hexenglaube, Teufel, Dämonenlehre, Frühaufklärung, Augustinus, Teufelspakt, Realitätswahrnehmung, Friedrich von Spee, Balthasar Bekker, Christian Thomasius, Hexenprozesse, Mittelalter, Dualismus, Säkularisierung, Religionskritik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den historischen Prozess, wie der Glaube an böse, personifizierte Wesen in der Welt als feste Realitätskonstante im Mittelalter etabliert wurde und durch die Frühaufklärung zunehmend dekonstruiert wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Theologiegeschichte der Dämonologie, der Rolle von Lebenspraxis und juristischer Praxis bei der Festigung dieses Glaubens sowie der kritischen Aufarbeitung durch Denker des 17. und 18. Jahrhunderts.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich durch theologische Argumentationen und gesellschaftliche Prozesse die Wahrnehmung von Realität veränderte und warum der Glaube an Mächte wie den Teufel für den mittelalterlichen Menschen zwingend erforderlich war.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche, ideengeschichtliche Untersuchung, die primär mit Textanalyse und der Erschließung von Überlieferungstraditionen arbeitet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Herkunft der Dämonenlehre (von der Antike bis Augustinus), die Verknüpfung von Glauben und gelebter Praxis (Hexenprozesse) sowie die Argumentationen der drei Hauptvertreter der Frühaufklärung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Hexenglaube, Dämonologie, Aufklärung, Teufelspakt, Realitätswahrnehmung und Desensibilisierung geprägt.

Warum spielt Augustinus eine so zentrale Rolle in der Untersuchung?

Augustinus gilt als der einflussreichste Theologe, der antikes, nicht-christliches Gedankengut erfolgreich mit christlichen Lehren verschmolz und damit die theoretische Basis für die Einordnung von Dämonen im christlichen Weltbild legte.

Welchen Einfluss hatten die Frühaufklärer tatsächlich auf die Praxis der Hexenverfolgung?

Obwohl ihre Schriften (wie Spees "cautio criminalis") oft nicht sofort die Praxis beendeten, leiteten sie einen Paradigmenwechsel ein, indem sie das intellektuelle Fundament des Aberglaubens angriffen und die juristische Praxis der Hexenprozesse als illegitim und betrügerisch entlarvten.

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Details

Titel
Der Glaube an die Existenz personaler, böser Wesen in der Welt
Untertitel
Aufklärung und Hexenglaube; Eine Geschichte der Realitätswahrnehmung
Hochschule
Universität Basel  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Seminar: Gesprungene Spiegel? Neuere Perspektiven zur Aufklärung des 17. und 18. Jahrhunderts
Note
2-
Autor
Rosann Rossi (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
33
Katalognummer
V172342
ISBN (eBook)
9783640923229
ISBN (Buch)
9783640922871
Sprache
Deutsch
Schlagworte
glaube existenz wesen welt aufklärung hexenglaube eine geschichte realitätswahrnehmung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Rosann Rossi (Autor:in), 2011, Der Glaube an die Existenz personaler, böser Wesen in der Welt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172342
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Leseprobe aus  33  Seiten
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