Eine sprachwissenschaftliche und literaturhistorische Untersuchung der mittelalterlichen Autorin Marie de France und ihres Werkes "Lanval", die zugleich die Entstehung, Entwicklung und Besonderheiten des Anglonormannischen beleuchtet. Im Zentrum stehen sowohl das schriftstellerische Wirken einer der ersten bekannten französischen Autorinnen als auch die linguistische Analyse ihrer Sprache auf morphologischer, syntaktischer und etymologischer Ebene.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wer war Marie de France?
2.1 Schriftstellerisches Wirken
2.2 Marie de France als historische Repräsentantin des Anglonormannischen
3. Die Entstehung des Anglonormannischen
4. Die Lais
5. Linguistische Analyse des Anglonormannischen anhand Lanval
5.1 Besonderheiten des Anglonormannischen unter Einbeziehung morphologischer, orthographischer, syntaktischer und etymologischer Aspekte
5.2 Beurteilung des Wortschatz
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Leben und Wirken von Marie de France, um durch eine sprachwissenschaftliche Analyse ihres Werkes Lanval die Charakteristika des Anglonormannischen im historischen Kontext des 12. Jahrhunderts zu erschließen.
- Historische Einordnung der Person Marie de France
- Entwicklung und Bedeutung des Anglonormannischen in England
- Strukturelle Analyse der Lais als literarische Quelle
- Linguistische Untersuchung morphologischer und syntaktischer Phänomene
- Etymologische Betrachtung und Einfluss des Vulgärlateins
Auszug aus dem Buch
Besonderheiten des Anglonormannischen unter Einbeziehung morphologischer, orthographischer, syntaktischer und etymologischer Aspekte
Bezüglich der Wortbildung lässt sich zunächst bei näherer Betrachtung feststellen, dass die Verwendung des bestimmten Artikel singular gemäß dem bisherigen Wissen der historischen Sprachwissenschaft übereinstimmend den Artikel li für das heutige le verwendet. Tatsächlich lassen sich vier Gebräuche entsprechend dem bestimmten Artikel singular maskulin, feminin und der Vokalverschmelzung finden, wie in V. 12 I aveit li Reis séjurné, in V. 40 Ki tant aveit le Rei servi, in V. 192 Vers la cité en est alés und V. 285 Quant il l'oï mut fu dolens deutlich wird. Auffällig und gegensätzlich zum Neufranzösischen scheint, dass es sich nicht wie bei li Chevaliers (V. 77) um das Plural „s“ handelt, sondern diese Form den Singular bezeichnet, während trente Chevalier in V. 219 klar den Plural meint. Nicht selten kommt es sogar vor, dass gar kein Artikel vor Substantiven gebraucht wird wie V. 91 Sous ciel n’a Roi qui s’esligast zeigt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung von Marie de France als Dichterin dar und erläutert die Zielsetzung, ihre Werke als linguistische Quelle für das Anglonormannische zu nutzen.
Wer war Marie de France?: Das Kapitel beleuchtet den historischen Kontext der Frau im Mittelalter sowie die spärlichen biografischen Informationen über die Autorin und ihr Schaffen.
Die Entstehung des Anglonormannischen: Hier wird der historische Hintergrund der normannischen Eroberung Englands 1066 beschrieben, die zur Etablierung des Anglonormannischen als Prestige-Sprache der Oberschicht führte.
Die Lais: Dieses Kapitel definiert die Lais als literarische Gattung mit bretonischen Wurzeln und beschreibt den kreativen Entstehungsprozess der Autorin.
Linguistische Analyse des Anglonormannischen anhand Lanval: Eine detaillierte Untersuchung des Werkes Lanval, die morphologische, orthographische und syntaktische Besonderheiten aufzeigt sowie den Wortschatz bewertet.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Marie de France eine essenzielle historische Repräsentantin des Anglonormannischen bleibt, die wertvolle Einblicke in die Sprachentwicklung ermöglicht.
Schlüsselwörter
Marie de France, Anglonormannisch, Lais, Lanval, Sprachwissenschaft, Altfranzösisch, Vulgärlatein, Literaturgeschichte, Sprachwandel, Mittelalter, Morphologie, Syntax, Etymologie, Sprachgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Person Marie de France und nutzt ihr Werk Lanval, um das Anglonormannische als Sprachvarietät linguistisch zu analysieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die historische Einordnung der Autorin, die Entstehung des Anglonormannischen nach 1066 und die sprachliche Beschaffenheit ihrer Dichtungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, anhand von Lanval linguistische Eigentümlichkeiten (wie Deklination und Wortbildung) des Anglonormannischen exemplarisch aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine deskriptive sprachwissenschaftliche Analyse, die beispielhafte Passagen aus dem literarischen Primärtext mit historisch-diachronen linguistischen Erkenntnissen vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Entstehung des Anglonormannischen, die Herkunft der Lais sowie eine tiefgehende linguistische Untersuchung morphologischer und syntaktischer Strukturen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Marie de France, Anglonormannisch, Lais, Sprachwandel, Altfranzösisch, Vulgärlatein und Literaturgeschichte.
Warum ist die Deklination im Anglonormannischen besonders?
Das Anglonormannische folgt einer Zweikasusflexion (cas sujet und cas régime), wobei die tatsächlichen Gebrauchsformen aufgrund dialektaler Einflüsse und der Instabilität des Systems oft variieren.
Wie beeinflusste das Englische die Entwicklung des Anglonormannischen?
Durch den dauerhaften Kontakt in England beeinflusste das Englische die lautliche Entwicklung und den Wortschatz des Anglonormannischen maßgeblich, was sich unter anderem an der Abschwächung von Vokalen und spezifischen Schreibweisen zeigt.
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- Anonym (Author), 2023, Marie de France. Leben und schriftstellerisches Wirken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1723574