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Entwicklung eines Konzeptes zur standardisierten Erfassung und Vergleichbarkeit von Nachhaltigkeitskennzahlen

Titel: Entwicklung eines Konzeptes zur standardisierten Erfassung und Vergleichbarkeit von Nachhaltigkeitskennzahlen

Masterarbeit , 2025 , 161 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Tim Kleforn (Autor:in)

Umweltwissenschaften - Nachhaltigkeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Arbeit zeigt, dass ESG-Informationen (Environmental, Social and Governance) systematisch in eine strukturierte, vergleichbare und standardisierte Berichtslogik umgesetzt werden können, was zu einem konzeptionellen ESG-Jahresabschluss führt. Dieses Rahmenwerk besteht aus einer ESG-Bilanz, die in drei funktionale Kategorien unterteilt ist – nachhaltige Vermögenswerte, nachhaltige Verbindlichkeiten sowie Kontroll- und Kontextvariablen – sowie einer ESG-Gewinn- und Verlustrechnung, die nachhaltige Erträge und Aufwendungen ausweist. Zwar sind Kontroll- und Kontextvariablen methodisch Teil der ESG-Bilanzlogik, sie können jedoch nicht quantitativ ausgewiesen werden und werden daher auf einer separaten Erläuterungsebene, dem Lagebericht, dargestellt. Diese dreiteilige Struktur (Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, Lagebericht) spiegelt die aktuelle regulatorische Realität wider und schafft die Grundlage für die künftige Integration quantitativer und qualitativer ESG-Informationen.

Insgesamt wurden 878 quantitative Indikatoren in 122 Funktionsgruppen zusammengefasst. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Dominanz von Umweltindikatoren, während soziale und Governance-Indikatoren weniger ausgeprägt sind und eine ähnliche Größenordnung aufweisen. Anhand einheitlicher Bilanzierungs- und Klassifizierungskriterien – Kontrolle, Verpflichtung, wirtschaftlicher Nutzen – lässt sich bestimmen, welche Indikatoren als Vermögenswerte oder Verbindlichkeiten ausgewiesen werden können, während Kontroll- und Kontextvariablen außerhalb des Kernabschlusses in einer für die Berichterstattung relevanten Weise strukturiert und erfasst werden. Insgesamt zeigt die Studie, dass eine standardisierte, rechnungslegungsorientierte Darstellung von ESG-Informationen praktikabel ist und die Vergleichbarkeit sowie die Struktur der
Nachhaltigkeitsberichterstattung verbessert. Die Ergebnisse tragen zur konzeptionellen Integration von ESG-Informationen in die Finanzberichterstattung bei und eröffnen theoretische und praktische Perspektiven für die künftige Harmonisierung von ESG- und Rechnungslegungssystemen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

1.2 Zielsetzung, Forschungsfrage und -methodik

1.3 Aufbau

2 Theoretische Fundierung

2.1 Konzeptionelle Grundlagen und Dimensionen der Nachhaltigkeit

2.1.1 Definition und historische Entwicklung des Nachhaltigkeitskonzepts

2.1.2 Triple Bottom Line als unternehmensbezogenes Konzept

2.1.3 Globale Orientierungsrahmen: Sustainable Development Goals, Planetary Boundaries und Doughnut-Ökonomie

2.1.4 Übergang von CSR zu ESG

2.1.5 Die drei Dimensionen von ESG

2.2 Finanzielle Berichterstattung als methodischer Ausgangspunkt für die ESG-Rechnungslegung

2.2.1 Funktion und Zielsetzung der finanziellen Berichterstattung

2.2.2 Bilanzstruktur und Prinzipien

2.2.3 Immaterielle Werte und ESG-Herausforderungen

2.2.4 Bilanzmodelle zur Abbildung nachhaltiger Kapitalarten

2.3 ESG-Berichterstattung: Konzepte, Herausforderungen und regulatorische Anforderungen

2.3.1 ESG-Berichterstattung als Ergänzung zur Finanzberichterstattung

2.3.2 Herausforderungen der ESG-Berichterstattung

2.3.3 Auswahl und Relevanz von ESG-Standards für qualitative Berichterstattung

2.3.4 Globale Harmonisierung der ESG-Berichterstattung durch IFRS S1 und IFRS S2

2.3.5 Integrierte Erfolgsrechnung: Sustainability-Performance-Accounting, Sustainable Earnings Before Interest and Taxes und Impact Weighted Accounts

2.4 Legitimität, Signaling und Stakeholder-Erwartungen im Kontext der ESG-Berichterstattung

2.4.1 Theoretische Ansätze: Legitimität, Signaling und Stakeholder-Erwartungen

2.4.2 Normativer Rahmen: Just Transition und soziale Mindeststandards

2.5 Doppelte Wesentlichkeit

2.6 Relevante ESG-Themen und Disclosure-Schwerpunkte in der Praxisberichterstattung

2.7 Zusammenfassung

3 Methodik

3.1 Forschungsmethodisches Vorgehen

3.1.1 Forschungsdesign und Datengrundlage

3.1.2 Begründung der Methodikauswahl

3.2 Qualitative Inhaltsanalyse der ESG-Standards und Rahmenwerken

3.2.1 Untersuchungsgegenstand und Materialbasis

3.2.2 Methodisches Vorgehen

3.3 Quantitative Inhaltsanalyse von öffentlich zugänglichen Nachhaltigkeitsdokumenten der DAX-Unternehmen

3.3.1 Untersuchungsgegenstand und Materialbasis

3.3.2 Methodisches Vorgehen

3.4 Modellbildung und Strukturierung der ESG-Bilanz

3.4.1 Methodische Vorbereitung und Kriterienbildung

3.4.2 Zuordnungslogik und Dokumentation

3.5 Konzeption einer ESG basierten Gewinn und Verlustrechnung

3.6 Datenprozess und Verdichtungsschritte

4 Ergebnisse

4.1 Ergebnisse der qualitativen Inhaltsanalyse

4.2 Ergebnisse der quantitativen Inhaltsanalyse

4.3 Konzeptionelle Modellbildung: Entwicklung einer ESG-Bilanzstruktur

4.4 Klassifikation der ESG-basierten Gewinn- und Verlustrechnung

5 Diskussion

5.1 Ergebnissynthese und Einordnung

5.2 Interpretation und Rückbezug auf die Theorie

5.3 Limitationen

5.4 Ausgewählte konzeptionelle Überlegungen zur Weiterentwicklung des ESG Jahresabschlusses

5.4.1 Grundsätze ordnungsmäßiger ESG-Berichterstattung

5.4.2 Integration eines ESG-Einflusskoeffizienten in den Jahresabschluss

5.5 Implikationen

5.6 Ausblick

6 Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Ziel dieser Arbeit ist die Überführung von ESG-Kennzahlen in eine bilanzähnliche Struktur, um eine systematische, standardisierte und vergleichbare Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen zu ermöglichen und die methodische Lücke zwischen finanzieller und nicht-finanzieller Berichterstattung zu schließen.

  • Entwicklung eines ESG-Strukturmodells (ESG-Bilanz und ESG-GuV) basierend auf quantitativen Daten.
  • Analyse und Extraktion von ESG-Kennzahlen aus etablierten Standards (ESRS, GRI, SASB, EU-Taxonomie).
  • Überprüfung der Praktikabilität des Modells anhand der Nachhaltigkeitsberichte der DAX-Unternehmen.
  • Kritische Bewertung des Modells hinsichtlich Vollständigkeit, Vergleichbarkeit und theoretischer Fundierung.

Auszug aus dem Buch

1.1 Problemstellung

Wir Menschen leben über unsere ökologischen und sozialen Belastungsgrenzen. Dies belegt der ‚Earth Overshoot Day‘, der sich innerhalb von 54 Jahren um 5 Monate nach vorne verschoben hat. So waren es im Jahre 1971 der 25. Dezember und im Jahre 2025 der 24 Juli. Begleitende Indikatoren unterstreichen diese Entwicklung. So hat sich der weltweite Energieverbrauch seit den 1970er Jahren mehr als verdreifacht, die von Individuen verursachten CO₂-Emissionen wirken wie Brandbeschleuniger auf den Klimawandel und Biodiversitätseinbußen sowie soziale Ungleichheit wirken gefährdend auf die Stabilität ökologischer und gesellschaftlicher Systeme.

Hinzukommend sind u.a. folgende fundamentale Transformationsprozesse, welche ebenso zu einer Verschärfung beitragen: demografisches Wachstum, Ressourcenknappheit, Sicherung von Ernährung und Mindestwohlstand sowie soziale Missstände. Gleichzeitig werden die Rahmenkonditionen durch eine digitale, globale und automatisierte Transformation geprägt, sodass es zu einem Spannungsfeld kommt, welches internationale Konkurrenz, Innovationsdruck, Fachkräftemangel und erhöhte Anforderungen an Standards und Richtlinien umfasst.

Diese Zusammensetzung hat zur Entstehung dessen beigetragen, was als sog. ‚Volatility, Uncertainty, Complexity, Ambiguity‘-Welt beschrieben wird, weshalb Staaten, Menschen und Organisationen zunehmend an ihre Steuerungsgrenzen geraten, während sich die globalen Belastungen verstärken.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Beschreibt die ökologischen und sozialen Herausforderungen sowie das resultierende Spannungsfeld für Unternehmen, woraus die Zielsetzung der Entwicklung eines strukturierten ESG-Jahresabschlusses abgeleitet wird.

2 Theoretische Fundierung: Liefert den theoretischen Rahmen, indem sie Konzepte der Nachhaltigkeit, die Logik der Finanzberichterstattung als methodisches Vorbild und aktuelle ESG-Standards wie ESRS, GRI und SASB diskutiert.

3 Methodik: Erläutert das explorativ-sequenzielle Mixed-Methods-Design, das auf einer qualitativen Analyse von Standards und einer quantitativen Untersuchung von DAX-Nachhaltigkeitsberichten basiert.

4 Ergebnisse: Präsentiert die empirischen Befunde, inklusive der Identifikation von 878 Kennzahlen und der Entwicklung der ESG-Bilanz- sowie ESG-GuV-Struktur.

5 Diskussion: Synthetisiert die Ergebnisse, ordnet sie in den theoretischen Kontext ein, diskutiert Limitationen und leitet Implikationen für Wissenschaft und Praxis ab.

6 Fazit: Fasst die Arbeit zusammen und bestätigt die theoretische Ableitbarkeit und methodische Modellierbarkeit eines konzeptionellen ESG-Jahresabschlusses.

Schlüsselwörter

ESG, Jahresabschluss, Nachhaltigkeitsberichterstattung, ESG-Bilanz, ESG-GuV, Finanzberichterstattung, Nachhaltigkeitskennzahlen, ESRS, GRI, SASB, EU-Taxonomie, Standardisierung, Vergleichbarkeit, Doppelte Wesentlichkeit, Unternehmensführung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption eines standardisierten ESG-Jahresabschlusses, der Nachhaltigkeitskennzahlen in eine Bilanz- und GuV-Logik überführt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Felder sind die Standardisierung von ESG-Daten, die Abgrenzung von nachhaltigen Vermögenswerten und Verpflichtungen sowie die Integration von nicht-finanziellen Informationen in die unternehmerische Rechnungslegung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, durch ein bilanzähnliches Modell eine systematische, vergleichbare und standardisierte Darstellung der Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen zu schaffen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein explorativ-sequenzielles Mixed-Methods-Design verwendet, das qualitative Inhaltsanalysen von Standards mit einer quantitativen Analyse von DAX-Nachhaltigkeitsberichten kombiniert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil umfasst den theoretischen Unterbau, die methodische Vorgehensweise, die empirischen Ergebnisse der Kennzahlen-Strukturierung sowie eine kritische Diskussion des entwickelten Modells.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie ESG, Nachhaltigkeitsberichterstattung, ESG-Bilanz, Vergleichbarkeit und Standardisierung charakterisieren.

Welche Rolle spielen DAX-Unternehmen in dieser Studie?

Die Nachhaltigkeitsberichte der 40 DAX-Unternehmen dienen als empirische Materialbasis zur Überprüfung der Praktikabilität und Verbreitung der untersuchten ESG-Kennzahlen.

Was ist die Bedeutung des ESG-Einflusskoeffizienten?

Der ESG-Einflusskoeffizient ermöglicht es, den Anteil an Veränderungen in Bilanz- oder GuV-Positionen, der kausal auf Nachhaltigkeitsmaßnahmen zurückzuführen ist, quantitativ sichtbar zu machen.

Ende der Leseprobe aus 161 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Entwicklung eines Konzeptes zur standardisierten Erfassung und Vergleichbarkeit von Nachhaltigkeitskennzahlen
Hochschule
SRH Fernhochschule
Note
1,3
Autor
Tim Kleforn (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2025
Seiten
161
Katalognummer
V1723855
ISBN (PDF)
9783389191392
ISBN (Buch)
9783389191408
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ESG-Jahresbericht Nachhaltigkeitsberichterstattung Finanzberichterstattung Bewertungskriterien Integration Rechnungslegung Nachhaltigkeit Nachhaltigkeitskennzahlen Sustainable Development Goals Planetary Boundaries Doughnut-Ökonomie Gewinn‑ und Verlustrechnung Berichterstattung Immaterielle Werte IFRS S1 IFRS S2 37 Sustainability-Performance-Accounting Sustainable Earnings Before Interest and Taxes Impact Weighted Accounts
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Tim Kleforn (Autor:in), 2025, Entwicklung eines Konzeptes zur standardisierten Erfassung und Vergleichbarkeit von Nachhaltigkeitskennzahlen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1723855
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