Der Texter und Sänger Michael Perfler und die Instrumentalisten Alfred Gradinger und Franz Horacek haben mit "Der Professortitel" ein eingängiges, pointenreiches Wienerlied vorgelegt. Zwar ist es nicht von großer Bekanntheit, doch eine genauere Analyse ist auf alle Fälle lohnend, da es in seiner angenehmen Schlichtheit gleichzeitig sehr vielschichtig ist.
In dieser Arbeit wird der Songtext, gegliedert in seine einzelnen Abschnitte, eingehend auf Kontextualisierungshinweise zum Wienerischen untersucht (im Lied wird eine Mischung aus Umgangssprache und Wiener Dialekt verwendet).
Bei der Arbeit handelt es sich also um eine abwechslungsreiche Studie zum Wienerlied "Der Professortitel" von Sänger und Texter Michael Perfler. Umfassend und tiefsinnig wird der Text vom Wiener Germanistik-Absolventen Lukas Peters aus sprachwissenschaftlicher Sicht unter Berücksichtigung der 'sozialen Bedeutung' des Werks unter die Lupe genommen. Was dabei zutage tritt, ist Erhellendes, Lustiges und Ernstes.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Untersuchungsgegenstand
4. Methode
5. Ergebnisse und Diskussion
5.1 Der Titel
5.2 Der Refrain und seine Wiederholungen
5.3 Die erste Strophe
5.4 Die zweite Strophe
5.5 Das Verhältnis von Musik und Text
6. Schlusswort
7. Literaturverzeichnis
Primärliteratur
Sekundärliteratur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Songtext „Der Professortitel“ des Sängers und Texters Michael Perfler. Ziel ist es, den Text unter Einbeziehung linguistischer Aspekte, insbesondere im Hinblick auf Dialektgebrauch, Code-Switching und kulturelle Kontextualisierung, umfassend zu analysieren und das darin gezeichnete Bild des „kleinen Mannes“ in der Wiener Gesellschaft herauszuarbeiten.
- Bedeutung von Titeln innerhalb der Wiener Gesellschaft
- Kontextualisierung von Dialekt und Umgangssprache
- Politikverdrossenheit und gesellschaftlicher Aufstieg
- Die Rolle des Wiener Caféhauses als sozialer Raum
- Wechselwirkung zwischen Songtext und musikalischen Mitteln
Auszug aus dem Buch
5.2 Der Refrain und seine Wiederholungen
Sie hab’n ma den Professortitel g’schenkt. Sowas hätt‘ i mir mei Lebtag niemals denkt. Man sagt korrekt: man hat ihn mir verlieh’n. Selbst ohne Bildung kannst was werd’n, in Wien! Der Frau Hofrat küsst der Fleischhauer die Hand, der Herr Primarius A.D. find’s sehr charmant. Der Kellner waß, i steh auf solche Schmäh, drum bin i jetzt, der Herr Professor in mein Café.2
Wer hier mit „Sie“, dem ersten Wort des Refrains, gemeint ist, wird im Text nie vollkommen aufgelöst. Einen deutlichen Hinweis liefern aber die letzten drei Worte des Refrains: „in mein Café“. Es ist also davon auszugehen, dass es sich bei der ‚Verleihung‘ um einen bloßen Wiener ‚Schmäh‘ handelt. Ein solcher wird von Sabine Müller auf folgende Weise beschrieben: „Er bezeichnet zum einen positiv konnotierte Sprechhandlungen wie das Witze-Machen, das galante, beschönigende Charmieren, eine generell ironische Weltanschauung“ (Müller 2016: 238). Der Satz „Selbst ohne Bildung kannst was werd’n, in Wien!“ ist ein Eingeständnis, dass Bildung grundsätzlich wesentlich zum Erfolg in einer Gesellschaft beiträgt. Dies ist nicht selbstverständlich, da von manchen Gesellschaftsschichten das ‚Strebertum‘ bekanntlich abgelehnt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Lied, Vorstellung des Künstlers und Definition der analytischen Schwerpunkte.
2. Forschungsstand: Erhebung der Verfügbarkeit des Liedes sowie bisher fehlende wissenschaftliche Auseinandersetzung damit.
3. Untersuchungsgegenstand: Formulierung der Forschungsfragen und Hypothesen zur sozialen Bedeutung des Textes.
4. Methode: Darstellung des methodischen Vorgehens unter Einbeziehung von Soziolinguistik und Sekundärliteratur.
5. Ergebnisse und Diskussion: Detaillierte Analyse des Titels, des Refrains, der Strophen sowie der Wechselwirkung von Musik und Text.
6. Schlusswort: Resümee der Analyseergebnisse und Einordnung der Hypothesen sowie Reflexion zur Entwicklung des Wiener Dialekts.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Wienerlied, Michael Perfler, Wiener Dialekt, Code-Switching, Professortitel, Caféhauskultur, Sprachanalyse, kleiner Mann, Politikverdrossenheit, Kontextualisierung, Identität, Sozialisation, Schmäh, Stammgast, Soziolinguistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Songtext „Der Professortitel“ des Wiener Sängers und Texters Michael Perfler aus linguistischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Bedeutung gesellschaftlicher Titel in Wien, das Verhältnis des „kleinen Mannes“ zur Politik sowie die Rolle des Wiener Caféhauses.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine umfassende Analyse des Songtexts, um dessen sozialen Gehalt und die Verwendung von Wiener Dialekt und Umgangssprache zu interpretieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine interpretative Analyse, gestützt durch soziolinguistische Theorien (wie Code-Switching) und relevante Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Titel, Refrain, Strophen sowie der Wechselwirkung zwischen Gesang und Akkordeonbegleitung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind unter anderem Wienerlied, Code-Switching, Wiener Dialekt, Caféhauskultur, Identität und Politikverdrossenheit.
Wie spielt das Lied mit der Doppeldeutigkeit der „Titelverleihung“?
Das Lied lässt offen, ob es sich um eine offizielle Ehrung oder lediglich um einen freundschaftlichen Scherz im Stammcafé handelt, und verweigert bewusst eine abschließende Auflösung.
Warum wird die „Kuhmetapher“ in der ersten Strophe untersucht?
Die Metapher dient dazu, die im Kindergarten erlebte Unterdrückung und das empfundene „Angebundensein“ des Sänger-Ichs in der sozialen Hierarchie zu verdeutlichen.
- Citation du texte
- Lukas Peters (Auteur), 2020, Das Wienerlied "Der Professortitel" des Sängers und Texters Michael Perfler. Eine Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1724498