Die Hausarbeit untersucht die Intertextualität zwischen den Werken "Un coeur simple" von Gustave Flaubert und "Geneviève: histoire d'une servante" von Alphonse de Lamartine. Es wird literaturwissenschaftlich auf Grundlage des Prinzips der Intertextualität nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden untersucht.
Gustave Flaubert, einer der bedeutendsten Schriftsteller Frankreichs und Pionier der modernen Literatur veröffentlicht 1877, die Trois Contes: Drei Erzählungen, an denen er über dreißig Jahre gearbeitet hat. Diese Erzählungen sollen sein letztes größeres Werk sein, da er 1880 verstirbt. Die drei Erzählungen "Un cœur simple", "La Légende de Saint Julien l’Hospitalier" und "Hérodias" begründen sich auf unterschiedliche Mythen und Überlieferungen aus der Bibel und der Literatur. Der Bezug zu Religion und Glaube zieht sich wie ein roter Faden durch alle drei Erzählungen.
"Un cœur simple", um das es in dieser Arbeit gehen soll, handelt von Félicité, einer Magd, deren Lebensinhalt die Aufopferung für ihre Herrenfamilie darstellt. Nicht nur Félicité selbst, sondern auch die Handlung in Un cœur simple weisen einige intertextuelle Bezüge zu Alphonse de Lamartines Roman "Geneviève: histoire d’une servante" auf.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Intertextualität
2.1 Intertextualität nach Gérard Genette
2.2 Markierung von Intertextualität
2.3 Funktionen von Intertextualität
3 Intertextualität in Un cœur simple
3.1 Intertextuelle Bezüge zwischen Un cœur simple und Geneviève: histoire d'une servante
3.2 Funktion der Intertextualität zwischen Un cœur simple und Geneviève: histoire d’une servante
4 Schlussfolgerung
5 Résumée
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die intertextuellen Beziehungen zwischen Gustave Flauberts Erzählung "Un cœur simple" und Alphonse de Lamartines Roman "Geneviève: histoire d’une servante", um Flauberts kritische Auseinandersetzung mit Lamartines literarischem Programm und der darin enthaltenen "politischen Theologie" aufzuzeigen. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der Hauptfiguren und der narrativen Gemeinsamkeiten.
- Theoretische Grundlagen der Intertextualität nach Gérard Genette und Jörg Helbig
- Analyse der intertextuellen Markierungen und Referenzen zwischen den beiden Werken
- Vergleich der Schicksale und der Frömmigkeit der beiden Dienstmädchen
- Kritische Untersuchung der Autorenintention und der literarischen Gattungswahl
Auszug aus dem Buch
3.1 Intertextuelle Bezüge zwischen Un cœur simple und Geneviève: histoire d'une servante
Lamartine verwendet in Geneviève an zahlreichen Stellen den Ausdruck des cœur simple zur Beschreibung seiner Magd: „dans le cœur simple […] de cette pauvre fille!“24, „je craignais de remuer plus longtemps dans ce cœur simple les souvenirs”25 oder auch “dans ces cœurs simples, l’amitié n’a pas les réserves et les prudences”26. So scheint bereits Flauberts Titel seiner Erzählung möglicherweise auch eine explizit markierte Referenz zu Lamartine zu sein.
Wenn man das Wesen und die Sozialisierung der beiden Mägde vergleicht, gibt es viele Gemeinsamkeiten. Beide sind Vollwaisen und opfern sich förmlich für das Wohl anderer auf. Diese grenzenlose und bedingungslose Liebe, die sie ihren Herrinnen entgegenbringen, verbindet die beiden. Geneviève verzichtet für ihre Schwester auf die Ehe mit ihrer Jugendliebe. Sie stürzt sich durch diese selbstlose Entscheidung in eine Kaskade von unglücklichen Ereignissen, an dessen Höhepunkt sie als Bettlerin allein im winterlichen Wald steht, ruiniert und verstoßen von allen. Auch Félicité ist bereit alles für die ihr anvertrauten Kinder, ihren Neffen und ihre Herrin zu tun. Beide erhielten keine Schulbildung, wobei Félicité wohl noch die weniger gebildete der beiden ist, da sie nicht einmal lesen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt Gustave Flauberts "Trois Contes" vor und führt in die Fragestellung zur Intertextualität zwischen "Un cœur simple" und Lamartines "Geneviève" ein.
2 Intertextualität: Dieses Kapitel definiert die theoretischen Grundlagen der Intertextualität, unterteilt nach den Kategorien von Gérard Genette und den Skalierungen der Markierung von Jörg Helbig.
2.1 Intertextualität nach Gérard Genette: Hier werden Genettes Kategorien (Transtextualität, Inter-, Para-, Meta-, Hyper- und Architextualität) erläutert.
2.2 Markierung von Intertextualität: Dieses Kapitel behandelt die Stufen der intertextuellen Markierung, von der Nullstufe bis zur Potenzierungsstufe.
2.3 Funktionen von Intertextualität: Hier werden die Funktionen von Intertextualität in referenztextorientierte, textorientierte und produzentenorientierte Kategorien eingeteilt.
3 Intertextualität in Un cœur simple: Das Kapitel bietet eine inhaltliche Einführung in die Erzählung "Un cœur simple" und skizziert die Hauptfiguren Félicité und Loulou.
3.1 Intertextuelle Bezüge zwischen Un cœur simple und Geneviève: histoire d'une servante: Analyse der handlungsmäßigen Parallelen und der Rollenbilder der beiden Dienstmädchen in den Vergleichswerken.
3.2 Funktion der Intertextualität zwischen Un cœur simple und Geneviève: histoire d’une servante: Untersuchung der kritischen Absicht Flauberts gegenüber dem Werk und dem literarischen Ethos Lamartines.
4 Schlussfolgerung: Synthese der Ergebnisse, die "Un cœur simple" als poetische Kritik und "Gegenentwurf" zu Lamartines Dienstmädchengeschichte interpretiert.
5 Résumée: Zusammenfassung der gesamten Arbeit in französischer Sprache.
Schlüsselwörter
Intertextualität, Gustave Flaubert, Alphonse de Lamartine, Un cœur simple, Geneviève, Gérard Genette, Jörg Helbig, Dienstmädchen, Literaturwissenschaft, Narratologie, Referenz, poetische Kritik, Religionskritik, Intertextuelle Markierung, Pastiche
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die intertextuellen Verbindungen zwischen Flauberts Erzählung "Un cœur simple" und Lamartines Roman "Geneviève: histoire d’une servante".
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der literarischen Intertextualitätsforschung, dem Vergleich der Frauenfiguren sowie der Analyse literarischer Kritik und deren Intention.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Flaubert durch intertextuelle Bezüge zu Lamartine eine bewusste poetische Kritik an dessen idealisierter "politischen Theologie" übt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die auf den Theorien von Gérard Genette (Transtextualität) und Jörg Helbig (Markierung von Intertextualität) basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Rahmenbedingungen, die inhaltlichen Parallelen zwischen den Dienstmädchen Félicité und Geneviève sowie die Intentionen beider Autoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Intertextualität, Referenztexte, Dienstmädchen-Motiv, poetische Kritik und die spezifische Gattungsgestaltung der Autoren.
Welche Rolle spielt die Figur des Papageis Loulou im Vergleich zu Lamartine?
Der Papagei fungiert als explizit markierte Referenz zu den Tieren in Lamartines Werk, wobei Flaubert das Motiv transformiert, um eine Abgrenzung zu schaffen und das Motiv der religiösen Symbolik zu intensivieren.
Warum wird "Un cœur simple" als "Gegenentwurf" zu Lamartine bezeichnet?
Während Lamartine das Schicksal der Dienstmagd religiös überhöht und positiv auflöst, lässt Flaubert seine Heldin in Einsamkeit und Tod enden, womit er den optimistischen "Erlösungsglauben" Lamartines entlarvt.
- Quote paper
- Maria von Papenburg (Author), 2019, Intertextualität in "Un cœur simple" von Gustave Flaubert und "Geneviève: Histoire d’une servante" von Alphonse de Lamartine, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1724611