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Mystik zwischen dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit

Thesen zur mystischen Dichtung von Catharina Regina von Greiffenberg

Titel: Mystik zwischen dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit

Hausarbeit , 2026 , 14 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Jessica Lanert (Autor:in)

Literaturwissenschaft - Allgemeines
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die erste These lautet: Greiffenberg konzipiert in ihrer Dichtung ein Ich, welches im Zuge der Selbstdarstellung einen Raum für „Deoglori“ schafft, wodurch eine paradoxe Spannung zwischen Individualismus und absoluter Hingabe entsteht. Dass die „Deoglori“ das Lebensprogramm Greiffenbergs mit Blick auf ihr Werk ausmacht, ist offenkundig, dennoch soll dies in den einzelnen Gedichten aufgezeigt werden, um die Konzeption des Ich im Zuge dessen untersuchen zu können, denn beides geht ineinander einher und kann in der Untersuchung lediglich im Einzelnen voneinander getrennt werden. Trotz einiger Linien zur Biografie Greiffenbergs lässt sich nicht pauschalisieren, dass das Ich der Gedichte ausschließlich der historischen Catharina Regina von Greiffenberg entspricht, gleichzeitig lässt sich der starke Bezug auch nicht außer Acht lassen, weshalb in dieser Arbeit von einer „Inklusionsindividualität“ ausgegangen werden soll, so vertrete „[d]as ‚Ich‘ im Text […] nicht nur, wenig verhüllt, die Autorin, sondern kann auch als ‚Leerdeixis‘ fürs – vor allem zeitgenössische – Publikum stehen“, wodurch der Begriff
Subjektfokus vor dem Hintergrund der These passender erscheint. Der Individualismus Greiffenbergs ist somit in dieser Arbeit lediglich stellenweise relevant. In diesem Zusammenhang sollen die Gedichte Auf die unverhinderliche Art der Edlen Dicht-Kunst
und Demütiger Entschluß / Gott zu loben untersucht werden. Die zweite These ist dann: Anhand ihrer Dichtung stellt Greiffenberg das Unendliche über das Endliche, indem sie sprachlich Grenzen überschreitet, um der Allheit gerecht zu werden. In beiden Thesen findet sich ein starker Fokus auf die formal-sprachliche Gestaltung der Gedichte wieder, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass die „Deoglori“ nicht nur auf semantischer Ebene, sondern auch auf metatextueller Ebene vollzogen wird.
Und trotzdem „bedient sich [die Dichterin] der gedanklichen und formalen Konventionen ihrer Zeit, und ihr Sprachstil ist unverkennbar der des Barock-Jahrhunderts“. In einigen Gedichten funktioniert dies als Grundlage, um die dichterische Aussage zu artikulieren, so zeigt sich auch hier eine Ambivalenz zwischen Tradition und Innovation. Dafür werden die Gedichte Verlangen / nach der herrlichen Ewigkeit und Auf meinen bestürmeten Lebens-Lauff in den Blick genommen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Thesen zu Greiffenbergs mystischer Dichtung

2.1 These 1: Zur Ich-Konzeption und „Deoglori“

2.1.1 Auf die unverhinderliche Art der Edlen Dicht-Kunst

2.1.2 Demütiger Entschluß / Gott zu loben

2.2 These 2: Sprachliche Grenzen

2.2.1 Verlangen / nach der herrlichen Ewigkeit

2.2.2 Auf meinen bestürmeten Lebens-Lauff

3. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die mystische Dichtung von Catharina Regina von Greiffenberg anhand zweier Thesen, die das Spannungsfeld zwischen Ich-Konzeption, der "Deoglori" und der sprachlichen Grenzüberschreitung beleuchten. Ziel ist es aufzuzeigen, wie Greiffenberg durch ihre Dichtung ein paradoxes Verhältnis zwischen individueller Selbstdarstellung und absoluter Hingabe an Gott inszeniert sowie die Endlichkeit des Diesseits durch die Überhöhung des Ewigen sprachlich zu überwinden sucht.

  • Konzeption eines Ichs im Kontext der "Deoglori"
  • Spannungsverhältnis zwischen Individualismus und Hingabe
  • Formal-sprachliche Gestaltung als performativer Akt
  • Die Darstellung des Unendlichen gegenüber dem Endlichen

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Auf die unverhinderliche Art der Edlen Dicht-Kunst

Entsprechend der barocken Dichtungslehre handelt es sich beim ersten Gedicht Auf die unverhinderliche Art der Edlen Dicht-Kunst um ein Sonett mit zwei Quartetten und zwei Terzetten, deren Verse dem Rhythmus des Alexandriners folgen. So zentriert sich die Kernaussage des Gedichts in den Terzetten. Es beginnt mit „TRutz/ daß man mir verwehr“ (E, V. 1), was unmittelbar zu Beginn eine resiliente Haltung des lyrischen Ichs suggeriert. Über beide Quartette hinweg wird der Nebensatz fortgeführt und aufgezählt, was dem lyrischen Ich verwehrt wird, sodass es im Zuge dessen passiv bleibt. Erst in der dritten und vierten Strophe hat das Ich erneut Raum:

Diß einig‘ ist mir frey / da ich sonst schier Leibeigen

aus übermachter Macht des Vngelücks / muß seyn.

Es will auch hier mein Geist / in dieser Freyheit zeigen

was ich beginnen wurd / im fall ich mein allein:

daß ich / O Gott / dein‘ Ehr vor alles würd‘ erheben.

Gieb Freyheit mir / so will ich Ewigs Lob dir geben. (E, V. 9ff.)

Eingeleitet mit der Antithese zwischen „frey“ und „Leibeigen“ (vgl. E, V. 9) entsteht ein Spannungsverhältnis hinsichtlich des Freiheitsgedankens im zweiten Teil des Gedichts, was an den Anfang anknüpft. Das Ich akzeptiert die „Unfreiheit [als] Person“ unter der Voraussetzung der geistigen Freiheit, die darin besteht, Gottes „Ehr vor alles [zu] erheben“ (E, V. 13).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt die zentralen Thesen zur mystischen Dichtung von Greiffenberg vor und erläutert den methodischen Ansatz sowie die Verwendung des Begriffs Subjektfokus.

2. Thesen zu Greiffenbergs mystischer Dichtung: Das Hauptkapitel untersucht anhand der Gedichte die Ich-Konzeption und die performative Kraft der "Deoglori" sowie die sprachliche Grenzüberschreitung zugunsten des Ewigen.

2.1 These 1: Zur Ich-Konzeption und „Deoglori“: Dieser Abschnitt analysiert das Spannungsverhältnis zwischen der Selbstinszenierung des lyrischen Ichs und der absoluten Hingabe an Gott in ausgewählten Gedichten.

2.1.1 Auf die unverhinderliche Art der Edlen Dicht-Kunst: Analyse des Sonetts hinsichtlich der resilienten Haltung des Ichs und der geistigen Freiheit als Widerstand.

2.1.2 Demütiger Entschluß / Gott zu loben: Untersuchung der Selbsterniedrigung des Ichs und der symbolischen Bedeutung von Körperteilen wie Hand und Zunge im Dienst des göttlichen Lobs.

2.2 These 2: Sprachliche Grenzen: Dieses Unterkapitel widmet sich der formalen und semantischen Grenzüberschreitung in Greiffenbergs Werk zur Darstellung des Ewigen.

2.2.1 Verlangen / nach der herrlichen Ewigkeit: Analyse des Ringens mit dem Sprachmangel bei dem Versuch, das Ewige und Unendliche formal auszudrücken.

2.2.2 Auf meinen bestürmeten Lebens-Lauff: Untersuchung der lokalen Antithese und des Ringens um Standhaftigkeit im Glauben gegen das Diesseits.

3. Fazit: Das Fazit fasst die poetologischen Implikationen zusammen und bestätigt die zentrale Rolle der "Deoglori" als Lebensprogramm der Dichterin.

Schlüsselwörter

Catharina Regina von Greiffenberg, Barockdichtung, Mystik, Deoglori, Ich-Konzeption, Sonett, Sprachgrenzen, Selbstdarstellung, Subjektfokus, Geistliche Lyrik, Ewigkeit, Gotteserfahrung, Alexandriner, Performanz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die mystische Dichtung von Catharina Regina von Greiffenberg unter dem Aspekt der Ich-Konzeption und der sprachlichen Darstellung religiöser Grenzerfahrungen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis zwischen dem individuellen Ich und der absoluten Hingabe an Gott ("Deoglori") sowie die Überwindung irdischer Sprachgrenzen in der barocken Lyrik.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, die poetologischen Implikationen von Greiffenbergs Dichtung aufzuzeigen, insbesondere wie sie Gott als Gegenakteur inszeniert und die Ewigkeit über das menschliche Dasein stellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine textnahe Analyse von Greiffenbergs Gedichten durchgeführt, wobei formale Aspekte wie Metrik, Reimschema und rhetorische Stilmittel in den Kontext der barocken Dichtungslehre gesetzt werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in zwei Abschnitte: Zuerst wird die Ich-Konzeption im Spannungsfeld der "Deoglori" untersucht, danach die sprachliche Grenzüberschreitung zur Performanz des Ewigen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind "Deoglori", mystische Dichtung, Subjektfokus, barocke Lyrik und die performative Sprache der Grenzüberschreitung.

Wie definiert die Autorin den Begriff "Deoglori" in Bezug auf das lyrische Ich?

Die "Deoglori" wird als Lebensprogramm verstanden, in dem das Ich seine individuelle Identität nutzt, um einen Raum für die Verherrlichung Gottes zu schaffen, wodurch eine paradoxe Spannung entsteht.

Welche Rolle spielt die physische Körperlichkeit in Greiffenbergs Gedichten?

Die Arbeit arbeitet heraus, dass das lyrische Ich Körperteile wie Hand, Mund und Zunge instrumentalisiert, um sich als gefäßartiges Medium der göttlichen Inspiration vom eigenen endlichen Leib zu distanzieren.

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Details

Titel
Mystik zwischen dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit
Untertitel
Thesen zur mystischen Dichtung von Catharina Regina von Greiffenberg
Hochschule
Universität Bielefeld  (Linguistik und Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Masken des Ich - Selbstaussaugen in der Literatur (Autobiographie, Autofiktion)
Note
1,3
Autor
Jessica Lanert (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2026
Seiten
14
Katalognummer
V1724681
ISBN (PDF)
9783389192375
ISBN (Buch)
9783389192382
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mystik Greiffenberg Lyrik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Jessica Lanert (Autor:in), 2026, Mystik zwischen dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1724681
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  14  Seiten
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