Auszug aus Einleitung:
Als erstes wird versucht, den wichtigen, umfangreichen Begriff des Genres zu klären. Dabei soll auch auf Filmgeschichtliches sowie den Zusammenhang des Genres mit dem Gattungsbegriff näher eingegangen werden. In einem nächsten Schritt wird das Genre des Melodrams näher beleuchtet. Dabei soll geklärt werden, was ein Melodram eigentlich darstellt, welche Kennzeichen in typischen Melodramen zu finden sind und was diese bewirken sollen. Auch hier sollen filmgeschichtliche Hintergründe sowie verschiedene Meinungen einschlägiger Autoren Beachtung finden. Als nächstes wird das konkrete Filmbeispiel „Casablanca“ in den Mittelpunkt der Untersuchungen gestellt, um aufgrund der gewonnenen Kenntnisse über Melodramen herauszufinden, ob es sich hierbei um eines handelt. In einem letzten Punkt werden die wichtigsten Erkenntnisse dieser Arbeit noch einmal zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Genre
3. Das Melodram
4. Das Genre des Melodrams am Beispiel „Casablanca“
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Melodram als Filmgenre und analysiert anhand des Kultfilms „Casablanca“, inwieweit dieser als prototypisches Melodram klassifiziert werden kann und welche genretypischen Merkmale dabei zum Tragen kommen.
- Grundlagen der Filmgenrestruktur und -theorie
- Charakteristika und ästhetische Merkmale des Melodrams
- Analyse der narrativen und formalen Elemente in „Casablanca“
- Die Rolle des Kriegshintergrunds für die melodramatische Struktur
- Reflektion über die gesellschaftliche Wahrnehmung des Melodrams
Auszug aus dem Buch
3. Das Melodram
Das Melodram gilt als großes Genre, welches auch zu Beginn des Kinos vor allem in Amerika zu den dominierenden zählte. Als Genre will es sein Publikum ergreifen, packen, durchschütteln und zwar nicht durch bspw. riskante Verfolgungssequenzen, sondern durch etwa hochfliegende Hoffnungen auf Rettung eines empfindlichen Liebesverhältnisses (Vgl. Koebner, S.9f.). „Es geht um Sentimentalität und Moralität, um leidenschaftliche oder herzerweichende Gefühle, um Sinnstiftung im alltäglichen Unglück, um die Erfüllung im Privaten.“ (Faulstich 2008, S.37) Oder wie es Seeßlen ausdrückt: um „Liebe, Schmerz und das ganze verdammte Zeug“ (Seeßlen, S.158).
Das Melodram war im 18. Jahrhundert der von Musik emotional gesteigerte Monolog, im 19. Jahrhundert ein Theaterstück mit derben Effekten (Vgl. Koebner, S.10). „Erst in der Filmgeschichte konzentriert sich das Melodram auf den ernsteren, sogar erhabenen Konflikt zwischen besessenen Liebenden und ihren bösen oder rechtschaffenen Gegenspielern […]“ (ebd.) Es steht in einer Form des Mitleidens auf der Seite der Frauen, der Unterdrückten, der Wünschenden, der Liebe, der Unschuld (Vgl. Seeßlen, S.9).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik ein, hinterfragt gängige Vorurteile gegenüber dem Melodram und definiert die Forschungsfrage sowie die methodische Herangehensweise.
2. Das Genre: Dieses Kapitel erläutert den theoretischen Genrebegriff als soziales und kulturelles Konstrukt zur Organisation von Filmerfahrungen und Erwartungshaltungen.
3. Das Melodram: Hier werden die wesentlichen Merkmale des Melodrams, wie der Fokus auf Liebe und Leid, die musikalische Untermalung und visuelle Inszenierungstechniken, detailliert beschrieben.
4. Das Genre des Melodrams am Beispiel „Casablanca“: In diesem Kapitel wird der Film „Casablanca“ analysiert, um zu zeigen, wie er die theoretischen Merkmale des Melodrams aufgreift und für seine Erzählung nutzt.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Rekapitulation der Ergebnisse und stellt fest, dass Melodramen ein essenzieller Teil der Filmkultur sind, der eine tiefe emotionale Resonanz ermöglicht.
Schlüsselwörter
Casablanca, Melodram, Filmgenre, Filmanalyse, Liebesgeschichte, Michael Curtiz, Idealisierung, Leid, Inszenierung, Filmtheorie, Hollywood, Kriegsfilm, Emotionalität, Symbolik, Genrekonvention
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Definition des Melodrams als Filmgenre und dessen Anwendung auf den Film „Casablanca“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Genrestruktur, die historische Entwicklung des Melodrams und dessen charakteristische ästhetische sowie narrative Elemente.
Welches Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, „Casablanca“ als Melodram zu analysieren, um Vorurteile gegenüber dem Genre abzubauen und die filmischen Mittel hinter dem „Kino der großen Gefühle“ aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt eine literaturgestützte Analyse, kombiniert mit einer konkreten Filminterpretation und der Untersuchung filmischer Stilmittel.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erarbeitung des Genrebegriffs, eine Definition des Melodrams und die spezifische Fallstudie zum Film „Casablanca“.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Besonders relevant sind die Begriffe Melodram, Genrekonventionen, Inszenierung, emotionaler Ausdruck und das Motiv der „großen Liebe“.
Warum wird „Casablanca“ als ein Melodram „anderer Art“ bezeichnet?
Der Film wird so eingeordnet, weil er nicht durch ein rein persönliches Scheitern besticht, sondern eine Entwicklung der Figuren zur Stärke und zum Idealismus zeigt.
Welche Rolle spielt die Musik in dieser Analyse?
Die Musik wird als zentrales Element zur emotionalen Unterstützung und atmosphärischen Verdichtung hervorgehoben, insbesondere durch das Leitthema „As Time Goes By“.
Wird das Ende von „Casablanca“ als Happy End gewertet?
Die Autorin diskutiert dies differenziert: Während es kein klassisches Beziehungs-Happy-End ist, wird es als „halbwegs glückliches Ende“ im Sinne einer moralischen Läuterung und Wiederherstellung der Ordnung interpretiert.
- Arbeit zitieren
- Tina Pulver (Autor:in), 2010, Das Genre des Melodrams am Beispiel von „Casablanca“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172482