Betrachtungen zu Martin Bubers dialogischem Prinzip


Seminararbeit, 2011
15 Seiten

Leseprobe

Einleitung

„Ich habe keine Lehre. Ich zeige nur etwas, ich zeige etwas an der Wirklichkeit, was nicht oder zu wenig gesehen worden ist. Ich nehme ihn, der mir zuhört, an der Hand und führe ihn zum Fenster. Ich stoße das Fenster auf und zeige hinaus. Ich habe keine Lehre, aber ich führe ein Gespräch.“[1]

Beschäftigt man sich etwas näher mit dem Gesamtwerk des Religionsphilosophen Martin Bubers, so wird recht schnell deutlich, dass er selbst kein geschlossenes System bzw. eine systematische Theorie hinterlassen hat. Stattdessen hat er versucht den Menschen sein Denken über Pädagogik, Philosophie und Religion mittels einiger kleinerer und größerer Schriften näher zu bringen.[2]

Wesentlicher Bestandteil des Vermächtnisses Martin Bubers stellt dabei die Idee der Dialogik dar. Dies kann rückblickend als der Hauptaspekt des Buberschen Denkens bezeichnet werden, da all seine philosophischen Abhandlungen nach 1919 letztlich der weiteren Bestimmung und Präzisierung dieses dialogischen Prinzips dienten.[3] Sein Werk wurde dabei maßgeblich durch den sogenannten Chassidismus, einer religiösen Bewegung des osteuropäischen Judentums, beeinflusst. Doch im Gegensatz zu dieser religiösen Strömung legt Buber sein Glaube nicht ausschließlich auf den Dienst an Gott aus, sondern sieht die Chance auf Erlösung des Menschen in der realen Begegnung zwischen Mensch und Gott.[4] Buber interpretiert so diese Strömung auf seine spezifische Weise, denn für ihn ermöglicht erst die Begegnung mit Gott eine Beziehung von Mensch zu Mensch.[5]

Bubers Intention kann so schließlich als Versuch gedeutet werden, dem Menschen und das was zum Menschsein gehört, zu vermitteln und dies durch Begriffe, wie Verantwortung, Begegnung und Dialog zu darzulegen.[6]

Nach Buber gelangt der Mensch nämlich nur durch das Du-Sagen zu der „ihm vorbehaltenen, gültigen Teilnahme am Sein.“ Dieses Du-Sagen, die Begegnung der Menschen, ist somit der Ausgang bzw. die Grundlage des Menschwerdens. Und so sieht Buber die Antwort auf die Frage, was der Mensch sei, im Wesen der Dialogik, in dessen Zu-Zweien-Sein sich die Begegnung des Einen mit dem Anderen jeweils verwirklicht. Das Wesen des Menschen ist für Buber also nur durch dieses Zu-zweit-Sein, durch diese Begegnung zu fassen.[7]

Die Arbeit soll, in Anlehnung an das Seminar, diesen Grundgedanken Martin Bubers noch einmal darstellen. Dabei soll nach einem kurzen biographischen Abschnitt, besonders Augenmerk auf das dialogische Prinzip, mit den beiden Grundwortpaare Ich-Du und Ich-Es, gelegt werden, um abschließend auf die Frage, welche Wirkung und Chance sich aus diesen Gedanken für den sonderpädagogischen Bereich erschließen.

Martin Bubers Biographie

Martin Buber wurde am 08.02. 1878 in Wien geboren. Nach der Scheidung seiner Eltern wuchs er bei seinen Großeltern in Lemberg, der damaligen Hauptstadt Galiziens auf. Sein Großvater gehörte damals schon zu den „führenden Männern“ der jüdischen Gemeinde und so kam der junge Martin Buber bereits früh mit dem jüdischen Glauben in Kontakt.[8]

In seiner Kindheit verbrachte er die Sommermonate meistens bei seinem Vater, welcher ihn auch manchmal mit in die Stadt Sadagora nahm, dem Sitz einer Dynastie von „Zaddinim“ eines chassidischen Rabbis.[9] Von ihrem Gemeinschafts.leben war Martin Buber sehr fasziniert, und begann sich etwa ab 1910 mit ausführlichen Quellenstudien über den Chassidismus zu beschäftigen. Dieser Chassidismus, der in seiner ursprünglichen Form eine Omnipräsenz Gottes, als ein strenger Gesetzesglaube betont, wird schließlich in einer etwas abgewandelten Form Bubers geistige Überzeugung.[10]

Sein Studium war grundsätzlich auf eine ganzheitliche Form der Bildung ausgerichtet. Ab 1896 studierte er so Philosophie, Kunstgeschichte, Literatur, Germanistik, klassische Philologie sowie Nationalökonomie.[11] Die ersten zwei Semester seiner Studienzeit verbrachte er in der österreichischen Hauptstadt Wien.[12] Als 20-jähriger verbrachte er das 3. Semester in Leipzig. Hier wirkte außerhalb seines Studiums vor allem Johann Sebastian Bach auf ihn.[13] Und hier betätigte sich Buber früh an der Zionistenbewegung. Diesem eher politisch ausgerichteten Ideengebäude, welchem Buber jedoch eher in kultureller und religiöser Hinsicht beiwohnte, stand er gewissermaßen konträr gegenüber.[14] Denn der ursprüngliche Zionismus, welcher von Theodor Herzl Ende des 19. Jahrhunderts begründet worden war, verstand sich eigentlich mehr als eine politische Ideologie.[15]

[...]


[1] Buber, S. 73ff.

[2] Störing, S. 674ff.

[3] Ebd.

[4] Ebd.

[5] Ebd.

[6] Ebd.

[7] Licharz, S. 180ff.

[8] Störing, S. 674ff

[9] Ebd.

[10] Wolf, S. 15ff

[11] Dilger, S. 3ff.

[12] Wolf, S15f.

[13] Ebd.

[14] Licharz, S. 180ff.

[15] Dilger, S. 4ff.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Betrachtungen zu Martin Bubers dialogischem Prinzip
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V172501
ISBN (eBook)
9783640924677
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Martin Buber, dialogische Prinzip, Sonderpädagogik
Arbeit zitieren
Michael Ernst (Autor), 2011, Betrachtungen zu Martin Bubers dialogischem Prinzip, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172501

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