Die Hitlerjugend - Entstehung, Organisation und Dienst, Erziehung, Sozialisation sowie Folgen


Hausarbeit, 2010
20 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Entwicklung der Hitler-Jugend

3. Zusammenhänge und Gegensätze von Jugendbewegung und Nationalsozialismus

4. Organisation und Dienst in der Hitler-Jugend

5. Sozialisation und Erziehung in der Hitler-Jugend

6. Kindheit und Jugend unter Hitler: Brüche und Krisen

7. Schlussbemerkung

8. Literaturverzeichnis

9. Anhang

1. Einleitung

„In unseren Augen da muß der deutsche Junge der Zukunft schlank und rank sein, flink wie ein Windhund, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl.“ (Hitler 1935, zit. in: Jahnke 2003, siehe Buchklappentext)

Die Rede ist hier von Adolf Hitlers Ansprüchen an die Jungen des Dritten Reiches. Doch diese Forderungen sind allgemein zutreffend auf die Jugend zwischen 1933 und 1945: die Hitler-Jugend.

Heute, ungefähr 65 Jahre nach dem Ende des Dritten Reiches, ist das Thema der Hitler-Jugend für viele Menschen immer noch von großem Interesse. Viele neue Generationen sind nach der Jugend Hitlers geboren und nur wenige Zeugen der damaligen Zeit sind noch am Leben. Etwas über die damaligen, schwer nachzuvollziehenden Verhältnisse des Nationalsozialismus und Führertums im Dritten Reich zu erfahren, ist oftmals nur noch durch Bücher möglich. Trotzdem zeugt das Thema noch immer von starker Relevanz, denn die Auswirkungen der Faschistenzeit sind auf der ganzen Welt in der heutigen Zeit weiterhin zu spüren. Gegenwärtig existieren immer noch etliche Anhänger des Nationalsozialismus.

Umso wichtiger ist es deshalb, sich mit einigen Fragen und Probleme dieses Thema zu beschäftigen: Was ist die Hitler-Jugend überhaupt und wie hat sie sich entwickelt? Kam sie aus dem Nichts und wer waren die Kinder und Jugendlichen, die sich ihr anschlossen? Auch sollte geklärt werden, wie sich die Hitler-Jugend organisierte und welche Möglichkeiten der „Beschäftigung“ für die Jungen und Mädchen existierten. Gerade für (Sozial-) Pädagogen ist es ebenfalls interessant zu erfahren, welche Erziehung beziehungsweise Sozialisation die damalige Generation durchlebte und welche Folgen oder auch Konsequenzen sich daraus ergaben.

In der folgenden Arbeit möchte ich mich mit diesen Fragestellungen beschäftigen, um einen Überblick über die Hitler-Jugend zu ermöglichen. Als erstes werde ich einen relativ knappen geschichtlichen Abriss über die Entstehung der Hitler-Jugend geben. Dann werde ich versuchen, die mögliche Vorreiterfunktion der Jugendbewegung in Bezug auf die Hitler-Jugend näher zu erläutern. Im Folgenden soll der organisatorische und auch der mögliche Dienst in der Hitler-Jugend ausführlicher beschrieben werden. Mit einem Versuch der Beantwortung der Fragen „Wie wurden die Kinder und Jugendlichen sozialisiert beziehungsweise erzogen? sowie „Welche möglichen Folgen waren die Konsequenzen daraus?" möchte ich meine Arbeit abschließen.

Da ich denke, dass vieles in der heutigen Zeit schwer zu verstehen ist, nehme ich zur Veranschaulichung des Öfteren Berichte der Zeitzeugin Melita Maschmann zur Hilfe.

2. Entwicklung der Hitlerjugend

Als „Hitler-Jugend“ wurde 1926 erstmals ein Zusammenschluss von einigen Jugendgruppen der NSDAP[1] bezeichnet (vgl. Klönne 1990, S.15). Kurt Gruber gründete diese Vereinigung unter dem Namen „Großdeutsche Jugendbewegung“ ein Jahr zuvor in Plauen/Vogtland (vgl. Oelschläger 2001, S.9). 1926 wurde auf dem Parteitag der NSDAP in Weimar diese von Gruber geleitete Organisation offiziell als Jugendarbeit der NSDAP ernannt (vgl. Klönne 1990, S.15). Auf Vorschlag Julius Streichers wurde die bisherige „Großdeutsche Jugendbewegung“ in „Hitler-Jugend, Bund deutscher Arbeiterjugend“ umbenannt (vgl. ebd.). Gleichzeitig wurde Gruber zum Reichsführer dieser Organisation ernannt und als Referent für Jugendfragen in die Partei berufen (vgl. Oelschläger 2001, S.9). Im Jahre 1931 hat Baldur von Schirach diese Parteiämter übernommen (vgl. ebd.).

Dass sich der Aufbau der HJ[2] in starker Abhängigkeit von der NSDAP insbesondere von der SA[3] vollzog (vgl. ebd.), bezeugen Richtlinien von 1927: Alle HJ-Mitglieder, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, hätten in die SA überzutreten (vgl. Klönne 1990, S.16). Von einem zweimonatigen Verbot der SA im April 1932 war die HJ ebenfalls mitbetroffen, arbeitete jedoch illegal weiter (vgl. ebd. S.17). Nachdem das Verbot aufgehoben wurde, hatte die HJ einen deutlichen Aufschwung (vgl. Oelschläger 2001, S.9). Aus den 200 Mitgliedern der Gründungszeit wurden in dem Jahr 1932 bereits 6300 Mitglieder (vgl. Klönne 1990, S.24). Die Machtübernahme Hitlers am 30. Januar 1933 sicherte der HJ die vorherrschende Rolle in der Jugendarbeit (vgl. Oelschläger 2001, S.9), sodass nur ein Jahr später durch beispielsweise das Verbot, die Auflösung und Übernahme anderer Jugendverbände die HJ 1,5 Millionen Mitglieder zählte (vgl. Klönne 1990, S.24). Unverzüglich wurden andere Jugendgruppen ausgeschaltet, wodurch ein Vergleich mit der Ausschaltung anderer Parteien zugunsten der NSDAP also des Totalitätsanspruches der HJ mit dem der NSDAP zu erkennen ist (vgl. Oelschläger 2001, S.9). „Von dieser Zeit an konnte sich die Hitler-Jugend als einzige vom Staat geduldete Jugendorganisation ganz den ihr von der Partei gestellten Aufgaben widmen.“ (ebd.) Im Jahre 1939 war mit 98 Prozent aller deutschen Jugendlichen eine Rekordmitgliederzahl erreicht, denn die HJ zählte nun 8,7 Millionen Mitglieder (vgl. Klönne 1990, S.34).

3. Zusammenhänge und Gegensätze von Jugendbewegung und Nationalsozialismus

Interessant ist nun die Frage, ob HJ als legitime Fortsetzung und Aufhebung der Jugendbewegung bezeichnet werden kann. In den ersten Jahren nach 1933 wurde dies von vielen Führern der bürgerlichen Jugend versucht (vgl. ebd., S.105). Sie umschrieben die bündische Jugend als Wegbereiterin und Vorläuferin des Nationalsozialismus und der HJ (vgl. ebd.), denn die ideologischen Grundüberzeugungen waren in beiden Lagern weithin identisch (vgl. Keim 1993, S.129). Diese Deutungsversuche stießen auf energischen Widerspruch der führenden HJ-Leute, sodass Baldur von Schirach in seinem 1934 erschienenen Buch „Die Hitler-Jugend“ zwei Kapitel diesem Thema widmete (vgl. Klönne 1990, S.105). Gleich der erste Satz in seinem Buch lautete: „Das, was man früher als deutsche Jugendbewegung bezeichnete, ist tot […].“ (Schirach 1934, zit. in: ebd.; Auslassung: T.P.) Andererseits gestand Schirach der Jugendbewegung zu, damals genauso richtig gewesen zu sein wie die HJ zu ihrer Zeit und dass beispielsweise Gedanken sowie Lebensform der Jugendbewegung Voraussetzungen geschaffen hätten, auf denen die HJ aufbaue (vgl. Jovy 1984, S.132). So nannte er etwa die Idee der Selbstführung der Jugend, die Kampfansage gegen die Auffassungen der bürgerlichen Gesellschaft und den Willen zum Volkstum, zur Heimat sowie zur Kameradschaft (vgl. ebd.).

Auch der Formen- und Symbolreichtum der Jugendbewegung bot sich in solch einer Fülle, dass daran nicht vorbei geschaut werden konnte (vgl. ebd., S.131). So wurden beispielsweise Heimabend, Fahnen, Lieder, Runenzeichen und vieles andere mehr benutzt und teilweise verkehrt, um einen der Jugendbewegung ähnelnden Zustand zu erzeugen (vgl. ebd.). Allerdings schrieb Schirach, die Grundlage der HJ sei völlig von der Jugendbewegung verschieden und „[…] einzig und allein vom Nationalsozialismus herzuleiten.“ (Klönne 1990, S.105; Auslassung: T.P.) Die HJ ist unabhängig als selbstständige Einheit mit dem Ziel gegründet worden, die Einheit der deutschen Jugend herzustellen und die alten Jugendverbände zu zerschlagen und zwar auf der Grundlage der nationalsozialistischen Idee von der deutschen Jugend (vgl. ebd.).

Die Zeitzeugin Melita Maschmann, welche im März 1933 als Fünfzehnjährige der Hitlerjugend beitrat, erinnert sich in dem Buch „Alltag unterm Hakenkreuz“:

„Deine Geschwister[4] gehörten zur ‚bündischen Jugend’, die von den Nationalsozialisten schonungslos bekämpft wurde. […] Eines Tages erfuhr ich von Dir, daß viele Freunde Deiner Brüder mit ihrer Gruppe geschlossen zur Hitler-Jugend übergetreten seien. […] Das bestätigte […], worüber ich in der Hitler-Jugend häufig hatte klagen hören: die Unterwanderung der nationalsozialistischen Jugend durch bündische und sogar kommunistische Elemente.“ (Maschmann, zit. in: Focke/ Reimer 1982, S.43; Auslassung: T.P.)

Weiterhin schreibt Maschmann, dass sie sich mit der Zeit von ihrer jüdischen Freundin entfernte, da ihr die Zwiespältigkeit bewusst wurde, als nationalsozialistische Jugendführerin, die sie war, mit einer jüdischen Familie befreundet zu sein, deren Söhne auch noch einer „illegalen bündisch-kommunistischen Gruppe angehörten.“ (ebd.)

Durch diesen Zeitzeugenbericht wird besonders deutlich, dass

„[d]ie bürgerliche deutsche Jugendbewegung bis 1933 […] in ihren politischen Denkweisen oder Gefühlswelten überwiegend so weit in der Nähe des Nationalsozialismus [war], daß sie sich 1933 als Teil der ‚nationalen Erhebung’ verstehen mußte.“ (Könne 1990, S.117; Anpassung und Umstellung: T.P.)

So wie Maschmann berichtet, glaubten viele bündische Jugendliche im Frühjahr 1933 noch daran, ihre Eigenständigkeit in der HJ zu behaupten oder sie sogar in ihrem Sinne beeinflussen zu können (vgl. Keim 1995, S.129). Deshalb traten sie geschlossen in die HJ und versuchten Führungspositionen zu übernehmen, was sich jedoch bald als Illusion herausstellte, da die HJ bündische Inhalte, Formen und Elemente übernahm und diese in militärähnliche Gefüge umwandelte (vgl. ebd.). Auch der Versuch einer Vereinigung der Bünde um ihre Interessen zu wahren und auch zahlenmäßig der HJ ein Gegengewicht zu bilden, schlug fehl (vgl. ebd.). Der noch im März 1933 gegründete „Großdeutsche Bund“, welcher sich zum Hitlerstaat bekannte und ebenfalls Demokraten, Sozialisten sowie Juden ausschloss, wurde bereits ein Vierteljahr später aufgelöst und sein Vermögen sowie seine Jugendheime der HJ übertragen (vgl. ebd.).

Zusammenfassend muss gesagt werden, dass die politischen Auffassungen der Jugendbewegung Symptom einer generellen politischen Fehlentwicklung des deutschen Bürgertums waren (vgl. Klönne 1990, S.117). Sie waren gerade nur ein Symptom nebst „[…] vielen gleichgerichteten, und gewiss nicht die Ursache der Bewegung hin zum Faschismus.“ (ebd.; Auslassung: T.P.) Es stellte sich aber heraus, dass in der Tradition der Jugendbewegung eine wichtige Möglichkeit des Widerspruchs gegen das System lag, als sich der Faschismus in Deutschland fest verankert hatte: Das „autonome“ Milieu jugendlicher Gruppen blieb wenigstens teilweise widerstandsfähig ebenso gegenüber dem absoluten Zugriff der staatlichen Jugenderziehung im Nationalsozialismus (vgl. ebd.).

[...]


[1] Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei

[2] Hitlerjugend/Hitler-Jugend

[3] Sturmabteilung

[4] Gemeint sind die Geschwister der jüdischen Freundin Maschmanns

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Hitlerjugend - Entstehung, Organisation und Dienst, Erziehung, Sozialisation sowie Folgen
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Berufliche Fachrichtungen)
Veranstaltung
Jugendbewegung von A bis Z
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V172524
ISBN (eBook)
9783640924721
ISBN (Buch)
9783640924899
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Organisation, Jugendbewegung, Dienst, Sozialisation, Entwicklung, Aufbau, Erziehung, Krisen, Brüche, Kindheit, Jugend, Hitler, Nationalsozialismus, Hitler-Jugend, Folgen
Arbeit zitieren
Tina Pulver (Autor), 2010, Die Hitlerjugend - Entstehung, Organisation und Dienst, Erziehung, Sozialisation sowie Folgen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172524

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