Analyse des Mädchenbuchs "Gute Nacht, Zuckerpüppchen"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

20 Seiten, Note: 2+


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Analyse des Buches Gute Nacht, Zuckerpüppchen
2.1 Äußere Rahmeninformationen
2.1.1 Erscheinungsjahr, Preis, Auflagen, Erfolge
2.1.2 Die Autorin
2.1.3 Titel und Einband
2.1.4 Literaturart und Zielgruppe
2.1.5 Formaler Aufbau
2.2 Zum Inhalt
2.2.1 Zeit
2.2.2 Ort
2.2.3 Handlung
2.2.4 Charaktere
2.2.5 Sprache und Perspektive
2.3 Konflikte und Probleme

3 Didaktische Überlegungen zum Thema Mädchen als Opfer sexueller Gewalt und sexuellem Missbrauchs

4 Resümee

5 Literaturliste

1 Einleitung

Obwohl wir im Rahmen des Seminars Post-/Moderne Mädchenliteratur verschiedene literarische Themenblöcke kennengelernt und zahlreiche Bücher gelesen haben, so war es doch vor allem das Thema Mädchen als Opfer sexueller Gewalt das tief unter die Haut ging. Nicht nur die Problematik an sich, sondern auch die enorme Bedeutung von Aufklärung und Prävention führte zu großem Interesse.

Nachdem ich das offerierte Buch Kurzer Rock gelesen hatte, erinnerte ich mich augenblicklich an die Geschichte von Gaby, die nicht nur vergewaltigt, sondern jahrelang von ihrem Stiefvater missbraucht wurde. Ich erinnerte mich an ihren Satz „Ich mag keine Geschichten mehr [...] Sie machen mir Angst“ (Hassenmüller, 1992 : 20), den sie kurz nach dem ersten Zwischenfall mit „Pappi“ sagte und wie ich selbst als vierzehnjähriges Mädchen von Angst und Interesse an der authentischen Geschichte Gute Nacht, Zuckerpüppchen mitgerissen wurde.

Nun scheint es wesentlich interessanter, dieses Buch erneut zu bearbeiten und vor allem unter literaturwissenschaftlichen und –didaktischen Aspekten zu beleuchten.

Nach einer ausführlichen Analyse des Buches, die sich einerseits auf Randdaten und Äußerlichkeiten bezieht und andererseits den Inhalt und die Konflikte untersucht, folgen einige didaktische und allgemeine Überlegungen zum Thema Mädchen als Opfer sexueller Gewalt und sexuellem Missbrauchs, die von einem Resümee und einem mit zahlreichem Material gefüllten Anhang abgerundet werden.

Zusätzlich ist an dieser Stelle zu sagen, dass sich alle Textzitate und Seitenangaben, die in den folgenden Ausführungen zu finden sind, auf die Taschenbuchausgabe von Gute Nacht, Zuckerpüppchen beziehen, die 1992 im Rowohlt Verlag erschienen ist. (siehe Primärliteratur)

2 Analyse des Buches Gute Nacht, Zuckerpüppchen

Die Analyse des Buches wird, wie in der Einleitung schon angedeutet, in verschiedene Unterkapitel geteilt, die ihr Gewicht jeweils auf andere Aspekte legen. Beginnend mit den Äußeren Rahmeninformationen, geht es weiter mit dem Inhalt, wobei wichtige Punkte wie Zeit, Ort, Handlung und Charaktere geklärt werden und endet mit den zahlreichen Konflikten und Problemen, die das Buch bemerkenswert offen aufwirft.

2.1 Äußere Rahmeninformationen

Zu den äußeren Rahmenbedingungen gehören vor allem die Dinge, die man auch über ein Buch erfahren kann, bevor man es gelesen hat. Sie beziehen sich auf Äußerlichkeiten, Publikationen zur Autorin oder dem Buch und weiteres Sekundärmaterial zur eigentlichen Geschichte.

2.1.1 Erscheinungsjahr, Preis, Auflagen, Erfolge ...

Das Buch Gute Nacht, Zuckerpüppchen ist erstmals im September 1989 im Georg Bitter Verlag als fest gebundene Ausgabe zum Preis von 22, 80 DM erschienen. Im gleichen Jahr wurde es mit dem „Buxtehuder Bullen“ für das beste Jugendbuch des Jahres ausgezeichnet.

1992, als bereits die fünfte Auflage im Verkauf war, veröffentlichte der Rowohlt Verlag zusätzlich die Taschenbuchausgabe zum Preis von 8,90 DM. Diese existiert bis heute und ist nun für 5 Euro im Buchhandel zu erwerben. Im Ellermann Verlag erschien kurz darauf eine neu entworfene, gebundene Ausgabe, die 8,50 Euro kostet.

2.1.2 Die Autorin

Die Autorin Heidi Hassenmüller wurde 1941 in Hamburg geboren. Nach der mittleren Reife machte sie eine Lehre zur Reedereikauffrau, später studierte sie Journalistik und Belletristik. Sie ist Mutter von vier Kindern und lebt seit 1974 als freie Schriftstellerin und Journalistin in den Niederlanden – sie schreibt regelmäßig für verschiedene Tageszeitungen und Zeitschriften im In- und Ausland und hat bereits mehrere Jugendbücher publiziert“ (entnommen aus dem Klappentext der Rowohlt-Taschenbuchausgabe von 1995).

Durch Gute Nacht, Zuckerpüppchen (1989) und dessen Folgeroman Zuckerpüppchen – was danach geschah (1992) wurde sie sehr bekannt. 1998 erschien bei Ellermann das Jugendbuch Gefährliche Freunde über Drogen im Grenzbereich zwischen Deutschland und den Niederlanden. Heidi Hassenmüllers neuestes Projekt ist ein Interview-Buch, dass Gespräche mit Eltern homosexueller Kinder zum Thema hat (vgl. www.fellbach.de/sbf/autorh.htm). Eine Auflistung weiterer Bücher von Heidi Hassenmüller sind im Anhang zu finden (Anlage 1 )

Besonders wichtig ist an dieser Stelle zu sagen, dass die Autorin die Geschichte selbst durchlebt hat und die Handlung somit authentisch ist. Sie schreibt zu Gute Nacht, Zuckerpüppchen: „Es ist die Geschichte meiner Jugend, die ich nicht hatte...Ich habe sie für all die Mädchen geschrieben, die in der gleichen ausweglosen Situation sind. Durchbrecht das Schweigen und ruft um Hilfe. Immer wieder, bis man euch hört.“

2.1.3 Titel und Einband

Der Titel des Buches Gute Nacht, Zuckerpüppchen erscheint im eigentlichen Textteil als letzter Satz des 8. Kapitels (Hassenmüller, 1992 : 74). Gabys Stiefvater, Anton Malsch, den Gaby das ganze Buch hindurch dennoch „Pappi“ nennt, sagt ihn zu der damals 13-jährigen, während er sie ins Bett bringt. Kurz zuvor hatte er sie von der Polizei abgeholt, nachdem sie abgehauen war, und in seinem Auto brutal vergewaltigt.

Zuckerpüppchen ist der eigentlich so lieb gewählte Kosename für Gaby, der schon relativ früh (s.o.: 11) und dann sehr oft im Text erscheint. Meist dann, wenn der Stiefvater sein gutes Ansehen wahren will, sprich zeigen will, wie sehr er seine Tochter liebt (z.B. Abfahrt zum Bauernhof/vor Mutter).

Aber auch ohne diesen eigentlichen Zusammenhang mit der Handlung zu kennen, schwingt mit dem Titel etwas Unheimliches mit. Besonders dann wenn man die verschiedenen Bucheinbände dazu nimmt.

Auf dem Titelblatt der ersten Ausgabe (Bitter Verlag, Anlage 2 oben), ist auf der oberen Hälfte ein traurig aussehendes Mädchen mit großen Augen und langem dunklen Haar (gleicht der Beschreibung von Gaby auf Seite 57) zu sehen, das von roter Farbe (Blut?) überlaufen wird. Für was die acht grünen Vierecke oberhalb ihres Kopfes stehen, bleibt fraglich. Die untere Hälfte ist komplett in schwarz gehalten, nur der Titel, die Autorin und der Verlag sind in weißer Schrift aufgedruckt.

Der Einband der Taschenbuchausgabe (Anlage 2 unten) ist nicht weniger unheimlich. Auf der Zeichnung unterhalb des Titels (schwarze Schrift auf weißem Grund mit rotem Balken dazwischen) ist eine leere Zimmerecke zu sehen, an deren Wand sich der Schatten eines Mannes widerspiegelt. Dieser „schwarze“ Mann repräsentiert den Stiefvater (und die Peiniger anderer Mädchen), während er geht oder kommt, um sich zu holen, was er will - passt demnach also zur Handlung im Text. Die Leere des Raumes könnte einerseits auf die Armut nach dem Krieg oder andererseits auf Gabys innere Leere anspielen. Oder aber auch so schlicht gehalten sein, um das Zimmer eines jeden Mädchens darzustellen.

Ein neueres, nicht weniger düsteres Titelblatt (Ellermann, Anlage 3) zeigt wieder ein junges, trauriges Mädchen, das den Leser mit seinen großen Augen Hilfe suchend anschaut und dabei die Arme abweisend bzw. schützend vor dem Körper verschränkt. Diesmal ist das dunkelhaarige Mädchen der Mittelpunkt des in schwarz-blau-grauen Tönen gehaltenen Titelblattes, auf dem nur ihr Nachthemd, der Mosaikboden im Hintergrund und die Titelschrift heller sind.

2.1.4 Literaturart und Zielgruppe

Die Überschrift zu diesem Abschnitt ist bewusst nicht „Gattung und Zielgruppe“ genannt worden, da die Mädchenliteratur viel mehr ein Sammelbegriff zu sein scheint, der verschiedene Gattungen umfassen kann. Sowieso ist es nicht ganz einfach „die Frage, was ein Mädchenbuch sei, definitorisch zu beantworten.“ (Dahrendorf, 1978 : 17). Auch wenn Gute Nacht, Zuckerpüppchen in erster Linie als Jugendbuch vorgestellt und gehandelt wird, so erfüllt es doch wesentliche Eigenschaften eines von Mädchenbuches, die wir während des Seminars festgestellt hatten : Die Protagonistin Gaby ist ein Mädchen und das Buch ist an Mädchen ab circa 13/14 Jahren adressiert - die Autorin selbst widmete es all jenen Mädchen, die selbst Opfer sexueller Gewalt wurden.

Ein weiterer Aspekt, der auf ein Mädchenbuch hinweist ist, dass sich die authentische Geschichte mit Beziehungen, wenn auch nicht immer angenehmen, und dem Innenleben, dem Durchhaltevermögen und der Entwicklung der Protagonistin beschäftigt, sprich mit einem „spezifisch weiblichen Empfinden, weibliche Sehweise zum Darstellungsprinzip erheben“ (Dahrendorf, 1978 : 17).

Dadurch, dass das Buch zusätzlich auch Probleme und Folgen des Krieges anspricht und die Lebensverhältnisse und die Prüderie in der Nachkriegszeit kritisiert, handelt es sich auch um eine Nachkriegsgeschichte.

Wie eben bereits erwähnt ist Gute Nacht, Zuckerpüppchen an Mädchen im Alter ab circa 13/14 adressiert. Diese Zielgruppe schließt allerdings nicht aus, dass auch Jungen oder ganze Klassenverbände das Buch lesen und diskutieren können – im Unterricht und natürlich privat aus eigenem Interesse.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Analyse des Mädchenbuchs "Gute Nacht, Zuckerpüppchen"
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Deutsche Sprache und Literatur)
Veranstaltung
Post-/Moderne Mädchenliteratur
Note
2+
Autor
Jahr
2002
Seiten
20
Katalognummer
V17253
ISBN (eBook)
9783638218672
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Mädchenbuchs, Gute, Nacht, Zuckerpüppchen, Post-/Moderne, Mädchenliteratur
Arbeit zitieren
Sabrina Kreppel (Autor), 2002, Analyse des Mädchenbuchs "Gute Nacht, Zuckerpüppchen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17253

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