Karteninterpretation der topographischen Karte „L5130 Erfurt W“


Seminararbeit, 2010

24 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundinformationen zur interpretierten Karte
2.1. Orientierung und grobe Gliederung des Blattes
2.2. Standortermittlung nach vorliegenden UTM-Koordinaten

3. Physiogeographische Analyse
3.1. Relief
3.2. Hydrologie
3.3. Klima
3.4. Vegetation

4. Anthropogeographische Analyse
4.1. Flächennutzung und Wirtschaft
4.2. Siedlungen und Bevölkerung
4.3. Verkehrsflächen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Karteninterpretation ist ein aus Analyse und Synthese bestehender Prozess, welcher sich mit der Interaktion von Elementen in einer Karte beschäftigt. Zur Analyse werden Informationen und Wissen aller Zweige der Geographie herangezogen (vgl. A. HÜTTERMANN, 1993, S 13). Vereinfacht erklärt handelt es sich bei der Karteninterpretation um eine Bestandsaufnahme mit darauffolgender ganzheitlicher Darstellung der Ergebnisse.

2. Grundinformationen zur interpretierten Karte

Die Interpretation erfolgt auf der Grundlage des Blattes „L5130 Erfurt W“. Inhalt der Karte ist ein Ausschnitt der Planungsregion Mittelthüringen im Maßstab 1:50.000. Sie wurde vom Thüringer Landesvermessungsamt im Jahre 2004 herausgegeben und liegt im Koordinatensystem UTM vor.

2.1 Orientierung und grobe Gliederung des Blattes

Die Aufteilung der Karte erfolgt nach folgendem Muster: links ist eine Blattübersicht aufgeführt, in welcher alle Karten eines überregionalen Gebietes (über Thüringen hinaus) mit ihrer Kartenbezeichnung gezeigt werden. Die Karten innerhalb des Bearbeitungsgebietes des Thüringer Landesvermessungsamtes sind hellblau unterlegt, das rechts abgedruckte Blatt „L5130 Erfurt W“ dunkelblau. Unter der Blattübersicht ist die Verwaltungsgliederung zu finden. Ebenfalls im linken Drittel des Blattes - zwischen Karte und Blattübersicht - befindet sich eine ausführliche Legende in drei Sprachen. Dieser schließt rechts die eigentliche Karte an. Das in der Karte dargestellte Gebiet liegt im Bereich der UTM-Zone 32U im Gitterquadrat PB (100km-Quadrat) unter der Projektion des geodätischen Referenzsystems WGS84.

Die letzte umfassende Aktualisierung der Karte wurde im Jahre 1992 durchgeführt, einzelne Ergänzungen im Jahre 2004. Im Blatt L5130 Erfurt W wirdich den Geografischen Koordinaten in Grad, Minuten und Sekunden von 10°39͚55“E bis 10°59͚55“E und 50°47͚56“N bis 50°59͚56“N dargestellt. Die Koordinateneinteilung erfolgt gemäß UTM in 1-km-Quardate. Das Blatt zeigt die Mittelstädte Arnstadt und Gotha im Süden und Westen, das westliche Stadtgebiet der Landeshauptstadt Erfurt im Osten sowie zahlreiche mitunter sehr kleine. Die Karte gibt einen Ausschnitt von 3 Verwaltungsbereichen wieder. Im nordöstlichen Teil wird die kreisfreie Stadt Erfurt angerissen, westlich, etwa zwei Drittel der Karte einnehmend, der Landkreis Gotha sowie südöstlich der westliche Teil des Ilm-Kreises. Geomorphologisch beinhaltet der in der Karte abgebildete Bereich hauptsächlich das Thüringer Becken. Im Südwesten, unterhalb des Ortes Gräfenhain beginnen bereits die Ausläufer des Thüringer Waldes, der sich dann auf der südliche Nachbarkarte „L5330 Suhl“ erstreckt, wobei die Stadt Suhl auch hier nur zu einem kleinen Teil abgebildet ist. Hier befinden sich auch die höchsten Punkte in der interpretierten Karte. Im südlichen Teil der Karte liegt etwa im Bereich 32UPB178305 der Berg „Brandkopf“ sowie der Ziegelberg bei 32UPB184290. Beide Berge erreichen eine Höhe von 692 Metern. Westlich schließt die Karte „L5128 Eisenach O“ mit der Kleinstadt Waltershausen als Tor zum Thüringer Wald sowie den Westteil von Eisenach an. Die im Norden anschließende Karte „L4939 Erfurt NW“ beinhaltet den Nordwesten der Thüringer Landeshauptstadt sowie einen Teil die relativ dünn besiedelten Verwaltungsbereiche Sömmerda und Unstrut-Hainich-Kreis. Letztlich schließt im Westen der Kartenausschnitt „L5132 Erfurt“ an, der einen großen Teil der Stadt Erfurt sowie den Westen von Weimar darstellt.

2.2 Standortermittlung nach vorliegenden UTM-Koordinaten

In Abbildung 1 ist die auf 100 Meter genaue Positionsangabe durch UTM erklärt. Das Koordinatensystem UTM teilt sich weltweit von Ost nach West in 60 Zonen auf (1-60), wobei Deutschland im Bereich von Zone 32 und 33 liegt. In Süd-Nord Richtung findet die Aufteilung in Form von Buchstaben statt. Die Zählung von A-Z beginnt am Südpol und endet am Nordpol. Abgesehen vom äußersten Süden Deutschlands liegt die Bundesrepublik in Zone U. Demnach befindet sich der größte Teil Deutschlands (ebenso wie der Kartenausschnitt L5130) im Zonenfeld 32U. Teile Ostdeutschlands schließen mit Zonenfeld 33U an, Teile Süddeutschland mit Zonenfeld 32T. Die einzelnen Zonenfelder sind in Gitterquadrate eingeteilt, dessen Bezeichnung aus einem Buchstabenpaar besteht. Die Zusammensetzung der Buchstabenbezeichnung erfolgt durch die jeweilige Vergabe eines Buchstabens für den senkrechten und einen Buchstaben für den waagerechten Abschnitt mit jeweils 100 km. Das Zonenfeld 32U gliedert sich 36 Gitterquadrate. Jedes Gitterquadrat hat eine Größe von 100 x 100 Kilometern. Die vorliegende Karte liegt im Bereich des Gitterquadrats PB. Neben den Gitterquadratbezeichnungen gibt es eine Nummerierung der Gitterquadrate innerhalb eines Zonenfeldes. Für das Zonenfeld 32U gilt die Nummerierung von E300 (West) bis E700 (Ost) sowie von N5200 (Süd) bis N6200 (Nord). Der in Abbildung 1 eingezeichnete Punkt befindet sich im Zonenfeld 32U, im Gitterquadrat PB. Das Gitterquadrat PB (von E600-E700 und N5600-N5700) ist in weitere 1-km-Quadrate eingeteilt. Abbildung 1 zeigt das grün umrandete Quadrat mit der Bezeichnung 32UPB375345. Der Rechtswert (E) setzt sich hierbei aus dem 1-km-Qudrat westlich der Gitterlinie 37 innerhalb des Gitternetzpunktes PB sowie der Abschätzung des Abstandes zum nächsten 1-km- Qudrat zusammen. Da der grüne Punkt im Beispiel in der Mitte des 1-km- Qudrates liegt, erhält der Punkt die Ziffer 5. Zusammengeschrieben enthält der Punkt den Rechtswert/Ostwert 32UPB375 (32U-PB-37-5). Gleiches gilt für die Zusammensetzung des Nordwertes/Hochwertes.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Veranschaulichung der Vorgehensweise zur Ermittlung einer Ortsangabe im 100-Meter- Bereich am Beispiel der Arnstädter Innenstadt.

Quelle: THÜRINGER LANDESVERMESSUNGSAMT, TK50, eigener Scan des vorliegenden Blattes L5130 / 1 Quadrat entspricht 1 km*1km / genordet

Hier wird das 1-km-Quadrat zwischen den Linien 33 und 34 von Süd nach Nord betrachtet. Da auch hier der Punkt mittig liegt, setzt sich die Position aus Linie 33 im Süden und der Schätzung bis zur Linie 34 im Norden - in dem Fall wieder 5 - zusammen. Auch hier erfolgt die Positionsangabe auf eine Genauigkeit von etwa 100 Meter. In der Ortsangabe werden Rechts- und Hochwert zusammengeschrieben. Im Beispiel der Abbildung 1 hat die Ortsangabe die Bezeichnung 32UPB375345. Die 1-km-Quadrat zeigt den Innenstadtbereich der Mittelstadt Arnstadt.

3. Physiogeographische Analyse

In der physiogeographischen Analyse wird anhand der in der Karte verfügbaren Informationen ein Überblick über den geomorphologischen Zustand sowie die Flächennutzung geschaffen, wodurch sich weitere Faktoren wie Klima, Geologie oder Vegetation in der Vergangenheit, Gegenwart und wenn möglich Zukunft in ihrer Form und ihrer Ausprägung ableiten lassen.

3.1 Relief

Die Interpretation der Oberflächengestalt wird wie folgt räumlich differenziert. Da sich Reliefunterschiede nördlich und südlich der Autobahn A4 erkennen lassen, werden diese Gebiete gesondert betrachtet. Begonnen wird mit dem wenig bewaldeten und flacheren Gebiet des unteren Thüringer Beckens nördlich der genannten Autobahn. Ein erster grober Überblick zeigt, dass dort nur wenige Höhenlinien vorhanden sind. Die Anlegung von zahlreichen Wirtschaftswegen, die insgesamt geringe bis mitteldichte Besiedelung und nur vereinzelte Bewaldung deuten auf eine intensive Landnutzung in Form von Ackerbau und Viehzucht hin. Die wenigen und weit auseinanderliegenden Höhenlinien zeigen geringe Höhenunterschiede. Vor allem zwischen den Städten Erfurt und Gotha liegen größere Ebenheiten, welche durch einzelne, runde Isohypsen auf hügelige Züge hinweisen. Eine Isohypsendrängung im Naturschutzgebiet Seeberg bei Gotha weist in Relation zu darumliegenden ebenen Gebieten auf größere Höhenzüge hin, welche das Resultat von Verwerfungen sind. Hier, wie auch bei den anderen in Süd-Thüringen liegenden Höhenzügen und Verwerfungen ist die Streichrichtung herzynisch in Ausrichtung SW-NO. Dieses Gebiet liegt in der Eichenberg-Saalfelder Störungszone, welche das Thüringer Becken vom Thüringer Wald trennt (vgl. G. SEIDEL, 1995). Erdgeschichtlich gehört das Thüringer Becken zum Trias, in der eine Ablagerung von Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper stattfand. Zur Bildung der höher liegenden Gebiete um das Thüringer Becken wurden die Untergründe im Tertiär angehoben. Als eine typische Keuperlandschaft wird die Region „Drei Gleichen“ angesehen. Diese Landschaften entstanden vor rund 300 Millionen Jahren durch die Verlandung eines ausgedehnten Meeres. Im Bereich der Muschelkalk-Gebiete, welche im Thüringer Becken, aber auch in Süd-Thüringen vorzufinden sind, zeichnet sich das Landschaftsbild durch Schichtstufen aus (vgl. G. SEIDEL, 1995, S 8f). Ein Beispiel für eine Schichtstufen-Landschaft ist das im unteren Teil der Karte liegende Gebiet des Truppenübungsplatzes.

Eine enge Isohypsenscharung im Bereich nördlich des großen Seebergs und westlich des Ortes Seebergen offenbart einen großen Höhenabfall auf kleinem Raum. Die Karte zeigt westlich des Seeberges durch entsprechende Signaturen sogar Rinnen, Schluchten oder Büschungen. Richtung Gotha nimmt der Höhenzug an Höhe ab, wobei der stärkere Höhenabfall auf der SW-Seite liegt. Der genannte Höhenzug ist großteils durch Laubwald überzogen. Eine weite Erhöhung ist das südwestlich vom Seeberg liegende Naturschutzgebiet Röhnberg/Kaffberg. Auf den Kaffberg entfällt mit 399 Metern ü. NN bereits der höchste Punkt nördlich der Autobahn A4. Auch diese Erhöhung liegt innerhalb der Eichenberg-Saalfelder Störungszone (vgl. ebd.). Die restlichen Gebiete nördlich der Autobahn A4 liegen etwa zwischen 250 und 350 Meter ü. NN, ohne steilere Hänge oder größeren zusammenhängenden Waldgebieten. Es ist davon auszugehen, dass durch die geringe Bewaldung, den sehr kleinen Anteil an Wiesenflächen, die teilweise vorhandenen Hecken zur Flurabtrennung sowie durch die zahlreichen Fuß-, Rad- und Wirtschaftswege große Teile des oberhalb der A4 liegenden Gebiete in ackerbaulicher Nutzung stehen. Durch die geringen Höhenunterschiede und die fruchtbaren Schwarzerdeböden bietet sich dieser Raum für anspruchsvolle Landwirtschaft an.

Unterhalb der o. g. Autobahn beginnt ersichtlich durch zahlreiche und enger zusammenliegende Isohypsen ein grundlegender Höhenanstieg. Es ist ein Übergangsgebiet zwischen dem Thüringer Wald im Süden und dem Thüringer Becken im Norden. In der Mitte des Gebietes unterhalb der Autobahn A4 befindet sich ein, gemessen an der direkten Umgebung, erhöhter Truppenübungspatz. Das Gelände ist zu etwa 2/3 mit Wiesen und zu etwa 1/3 mit Wald bewachsen. Um den Truppenübungsplatz herum liegen die Isohypsen recht nah beisammen, im Gelände selbst scheinen die Höhenunterschiede eher gering zu sein (o.g. Schichtstufen). Er scheint eine leicht plateauartige Ausprägung zu besitzen. Östlich vom Truppenübungsplatz, unterhalb von Arnstadt im Bereich des Plaueschen Grundes und Alteburg liegen die Höhenlinien stellenwiese sehr eng beisammen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Karteninterpretation der topographischen Karte „L5130 Erfurt W“
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Geographisches Institut)
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
24
Katalognummer
V172619
ISBN (eBook)
9783640928132
ISBN (Buch)
9783640927968
Dateigröße
1693 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erfurt, Karteninterpretation, Kartographie, Hausarbeit, Marburg, Karte, Thüringen, Mittelthüringen, 1:25.000, topographische Karte, Topographie, TK50
Arbeit zitieren
Tom Dennstedt (Autor), 2010, Karteninterpretation der topographischen Karte „L5130 Erfurt W“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172619

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