Englands Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Analysekriterien für internationale Beziehungen

Die Bedeutung der Meere für die Außenpolitik Englands zur Zeit der Kolonialisierung - Eine Betrachtung der historischen Mechanik und ihrer Analysekriterien von der normannischen Zeit bis ins 18. Jahrhundert


Seminararbeit, 2011

20 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Gegenstand der Betrachtung
1.2 Methode und Problemstellung

2. Hauptteil
2.1 Fixe Analysekriterien - Geografie und Topografie
2.2 Geschichtlicher Abriss bis in das 11. Jahrhundert
2.3 Folgejahrhunderte
2.4 Die Entdeckung des Globus und das Jus Publikum Europaeum
2.5 Das Wettrennen der Seemächte
2.6 Die Wechselwirkung der einzelnen Analysekriterien

3. Schluss
3.1 Fazit
3.2 Folgerungen
3.3 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Wissenschaft von den Internationalen Beziehungen ist traditioneller Weise ein Teil der Politikwissenschaften.[1] Gespickt mit theoretischen Modellen von den Beziehungen zwischen Staaten; was ihr Handeln beeinflusst und wie ihr Handeln erklärt und eventuell sogar prognostiziert werden kann; finden sich etliche Modelle, welche gleichberechtigt nebeneinander stehen und mal das eine, mal das andere einen höheren Grad an Erklärungsfähigkeit aufweist.[2]

Abseits dieser Theorien und Methoden beeinflusst aber auch die Wissenschaft der Geschichte die Erforschung der Internationalen Beziehungen.

Historiker tragen mit ihrer Stärke des fundierten empirischen Wissens zu vergangenen Ereignissen der Weltpolitik einen wesentlichen Teil zur Erklärung der Prozesse der internationalen Politik bei.

Das Konzept der historischen Mechanik, welche ein Zusammenspiel bestimmter, immer wiederkehrender Faktoren beschreibt, welche das Handeln, die Ziele und Strategien einer Nation bestimmen, sowie auch gewisse Gesetzmäßigkeiten – wie etwa Wanderungsbewegungen, ihre Folgen und das Vermischen von Völkern und Kulturen – der Geschichte fungiert so als ein Konzept zur Erklärung Internationaler Beziehungen abseits der politologischen Theoriemodelle.

Anhand von einigen Kategorien, welche das Handeln aller Staaten gleichermaßen vorbedingen können so Verhaltensweisen durch die Betrachtung der historischen Lage und Entwicklung einer Nation erklärt werden und große politische Ereignisse auf ihre Hintergründe und Ursachen hin untersucht werden.

Gewisse „Grundmechaniken“ lassen sich so feststellen und als Probabilitäten auf neue Situationen anwenden.

1.1 Gegenstand der Betrachtung

„OURS is an age of great empires, autocratic or democratic. As the world has grown small through the tendency of modern invention to annihilate space and time, the area embraced in a single political government has tended to grow larger.”[3]

In der vorliegenden Arbeit wird nun eine welthistorisch, aber auch weltpolitisch bedeutsame Epoche und einer ihrer bedeutsamsten Akteure mithilfe der oben angesprochenen Kategorien betrachtet.

Beginnend im 15. Jahrhudert und mit Folgen weit bis in das 19. Jahrhundert hinein kam es zu einer rasanten Entwicklung der Welt – wirtschaftlich, (völker-)rechtlich, geografisch, auch mit Blick auf eine beginnende Globalisierung, soziokulturell und auf allen anderen Ebenen der menschlichen Existenz – von Europa ausgehend und ebenso auch auf dieses wieder zurückwirkend. Man kann dies als Revolution, als grundsätzlichen Umbruch auffassen. Resultierend aus dieser historischen Bedeutung stellt die angesprochene Entwicklung ab auf die Historie und ihre Vorkommnisse in Europa und bedingt durch Europa, maßgeblich „auf den „Kampf um die Ozeane, […] wo Portugal und Spanien als Verteidiger und Frankreich, Großbritannien und Holland als Gegner des Monopols [auf den Raum des Meeres] angetreten sind.“[4]

Mit der Entdeckung Amerikas 1492 und der folgenden Erschließung und Eroberung trat also die Welt in eine neue Zeit ein. England kommt in dieser Epoche des Wandels eine bedeutende Rolle zu anhand welcher gewisse Mechanismen der historischen Mechanik beschrieben werden können.

Der Hundertjährige Krieg fand fast 40 Jahre zuvor ein Ende und damit auch die innereuropäischen Bestrebungen Englands, bzw. seine Hinwendung zum Festland. In den anschließenden Jahren nach der Entdeckung des amerikanischen Kontinents und der Kugelform der Erde überschlugen sich politische, wirtschaftliche wie auch technische Ereignissen und Entwicklungen, welche sich zumeist gegenseitig bedingten. Diese stürmische Epoche, welche hier mit den Worten Carl Schmitts als Ausgang aus dem Nomos der Erde im Völkerrecht des Jus Publicum Europaeum beschrieben werden soll,[5] soll nun im Zentrum der vorliegenden Arbeit stehen. Dabei werden sowohl die Jahrhunderte zuvor, als auch die folgenden Entwicklungen; im Besonderen innerhalb des 17. Jahrhunderts unter Königin Elizabeth der Ersten; einer Prüfung unterzogen und anhand der gefundenen Fakten die Bedeutung der bereits angesprochenen und im Folgenden näher spezifizierten historischen Kategorien herausgestellt.

1.2 Methode und Problemstellung

Die oben angesprochenen Analysekriterien einer historischen Betrachtungsweise internationaler Beziehungen sind nun Folgende:

Geografie und Topografie, Demografie und Demoskopie, Religion/Theologie, Ökonomie, Technologie, Soziologie, sowie Kultur, Ideologie, Chronologie und Biografie.

Die Kategorien Geografie und Topologie umfassen dabei die Lage eines Landes oder einer Region, Anrainer, Beschaffenheit des Geländes (Küsten, Erhebungen, Wasserversorgung durch Flüsse/Quellen u.ä.) und Klimaverhältnisse.

Demografie und Demoskopie beschreiben die Zusammensetzung der Gesellschaft, die Altersstruktur, sowie ethnische und andere Verhältnisse/Spannungen und auch innergesellschaftliche Konfliktherde.

Religion und Theologie, ebenso wie Kultur und Ideologie umfassen die Bereiche des Glaubens, der Einstellung und des historisch gewachsenen Lebenswandels in einer Gruppe.

Innerhalb dieser Gruppe von Kategorien wird besonders deutlich, dass sich die einzelnen Bereiche gegenseitig beeinflussen und vielfältige Überschneidungen auftreten. Daher ist auch eine Betrachtung in ihrer Gesamtheit von Nöten und eine Beschränkung auf nur eine Kategorie nicht möglich.

So hängen zum Beispiel auch Wirtschaft (Ökonomie) und Technologie zusammen, welche sich gegenseitig bedingen und Fortschritt und Wohlstand einer Gesellschaft generieren.

Chronologie und Biografie bedeuten abschließend u.a. die Betrachtung einzelner bedeutsamer Persönlichkeiten, Herrschaftsverhältnisse und zum Beispiel Erbfolgekriege.

Mit Blick auf diese Liste an Faktoren, welche das Handeln eines Staates maßgeblich mit bedingen wird bereits deutlich, warum die, der Untersuchung zugrunde liegende Epoche so interessant ist.

Wie bereits angedeutet waren die Umsegelung der Welt, die Entdeckung Amerikas und der damit einhergehende Aufbruch Europas in Richtung „Neue Welt“ Auslöser und Motor für etliche Entwicklungen in allen Bereichen der erwähnten Kategorien.

Die Problemstellung, welche nun im Folgenden betrachtet werden wird, ist nun die Rolle Englands; das politische Handeln, das außenpolitische Verhalten (reaktiv) während großer politischer Ereignisse und die großen aktiven politischen Entscheidungen; zu analysieren und die Hintergründe, Ursachen und Einflüsse offen zu legen.

Die Methode der vorliegenden Arbeit wird es sein, das Handeln Englands, bzw. Groß Britanniens anhand der einzelnen Faktoren aufzuschlüsseln und zu verstehen und so eine empirische Grundlage offen zu legen, welche neben theoretischen Modellen der Politologie dazu dienen kann Internationale Beziehungen zu erklären.

2. Hauptteil

Im Folgenden werden nun zunächst die fixen Analysekriterien, also jene, welche sich über die Zeit nicht verändern – Geografie und Topografie – untersucht. Hierbei werden bereits die ersten Erkenntnisse über die Eigenarten der englischen Nation ermittelt. Anschließend wird ein geschichtlicher Abriss gegeben; beginnend im 11. Jahrhundert und mit dem 20. Jahrhundert endend; um bei der Betrachtung aller weiteren Kategorien eine Orientierungshilfe parat zu haben.

2.1 Fixe Analysekriterien - Geografie und Topografie

„Bis zum Ausbruch des Weltkrieges im Jahre 1914 lag das Schwergewicht der Weltpolitik im europäischen Raum. Englands dominierende Stellung beruhte auf zwei Tatsachen, denen gegenüber das Kolonialreich nur subsidiäre Bedeutung hatte. An erster Stelle ist das Gleichgewicht der Kräfte unter den europäischen Mächten zu nennen, die Balance of Power, an zweiter die Beherrschung der Meere durch die britische Flotte. Die Aufrechterhaltung der Balance of Power war die Hauptaufgabe der englischen Außenpolitik. […] [Hierbei gilt es aber zu bemerken, dass] Sowohl im Kampf gegen Napoleon wie gegen das Deutsche Reich […] die überragende Bedeutung der englischen Seeherrschaft klar in Erscheinung [trat].“[6]

[...]


[1] Boeck, Dieter (Hrsg.), Internationale Beziehungen, in: Lexikon der Politik, Bd. 6 , hrsg. von Nohlen, Dieter, München 1994, S.225: Internationale Beziehungen beziehen sich: „(...) auf Aktivitäten, die die Grenzen eines Staates an einem Punkt überschreiten; (2) sie beziehen sich auf Akteure (Staaten oder soziale Gruppen), die bestimmte Ziele zu verwirklichen suchen; (3) sie beziehen schließlich auf einen als Einheit aufzufassenden Prozess von Aktionen und Reaktionen, auf ein wechselseitiges Bezugsgeflecht grenzüberschreitender Handlungen (was die Betrachtung einzelner Aktionen ausschließt)“.

[2] Zu nennen wären hier (neben etlichen weiteren) beispielsweise der Realismus und Neorealismus, die Theorie des demokratischen Friedens, der Liberalismus oder auch der Institutionalismus.

[3] Burton Adams, George: The British Empire and A League of Peace. New York and London 1919. S. 51.

[4] Fahl, Gundolf: Der Grundsatz der Freiheit der Meere in der Staatenpraxis von 1493 bis 1648 – Eine rechtsgeschichtliche Untersuchung. In: Mosler, Hermann (Hrsg.): Beiträge zum Ausländischen Öffentlichen Recht und Völkerrecht, Köln – Berlin – Bonn – München 1969. S. 1.

[5] Vgl. Fahl, Gundolf: Der Grundsatz der Freiheit der Meere in der Staatenpraxis von 1493 bis 1648 – Eine rechtsgeschichtliche Untersuchung. In: Mosler, Hermann (Hrsg.): Beiträge zum Ausländischen Öffentlichen Recht und Völkerrecht, Köln – Berlin – Bonn – München 1969. S. 1.

[6] Abshagen, Karl Heinz: Europas große Insel. England am Ende der imperialen Epoche. Stuttgart 1960. S.12.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Englands Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Analysekriterien für internationale Beziehungen
Untertitel
Die Bedeutung der Meere für die Außenpolitik Englands zur Zeit der Kolonialisierung - Eine Betrachtung der historischen Mechanik und ihrer Analysekriterien von der normannischen Zeit bis ins 18. Jahrhundert
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg
Veranstaltung
Geschichte der Internationalen Beziehungen
Note
2,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V172656
ISBN (eBook)
9783640926671
ISBN (Buch)
9783640926893
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
englands, geschichte, berücksichtigung, analysekriterien, beziehungen, bedeutung, meere, außenpolitik, zeit, kolonialisierung, eine, betrachtung, mechanik, jahrhundert
Arbeit zitieren
Julian Liese (Autor), 2011, Englands Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Analysekriterien für internationale Beziehungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172656

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