Das Parfum: Grenouille beim Marquis de la Taillade-Espinasse – Eine im Film nicht verwendete Szene


Facharbeit (Schule), 2008

26 Seiten, Note: 1,0


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Inhaltsverzeichnis

I. „Das Parfum“ - Ein Meilenstein in der deutschen Filmgeschichte

II. „Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders“
1. Inhalt und partielle Gegenüberstellung von Buch und Film
2. Filmographische Analyse und Versuch, die Intentionen der Drehbuchautoren nachzuvollziehen
a) Analyse des Films und Charakterisierung des Szenen- und Kostümbildes am Beispiel der Szene „Urteilsverkündung in Grasse“
b) Verschiedene Abweichungen und Kürzungen
c) Grenouilles Psyche am Beispiel der Szene „Erstes Opfer“
3. Detaillierte Betrachtung des Romanabschnitts „Grenouille beim Marquis de la Taillade-Espinasse“
4. Analyse der Hauptcharaktere
a) Grenouille
b) Marquis de la Taillade-Espinasse
c) Gegenüberstellung

III. Filmische Umsetzung der Szene „Grenouille beim Marquis de la Taillade-Espinasse“
1. Notwendigkeit und Bedeutung der bearbeiteten Szene
2. Umstrukturierung der Szene unter der Beachtung der von den Drehbuchautoren gesetzten Prioritäten
3. Konzepterarbeitung zur filmischen Umsetzung

IV. Diskussion und Erfahrungsbericht
1. Eigene Erfahrungen beim Arbeiten mit Drehbuch und Storyboard
2. Beurteilung der Drehbuchadaption des Buches und Diskussion über das Gelingen des Films

V. Literaturverzeichnis

I. „Das Parfum“ - Ein Meilenstein in der deutschen Filmgeschichte

Was Tom Tykwer1 und Bernd Eichinger[2] mit der Verfilmung des postmodernen Romans „Das Parfum - die Geschichte eines Mörders“[3] von Patrick Süskind geschaffen haben, wurde so heftig und kontrovers diskutiert, wie kaum ein anderer Film in der jüngsten deutschen Kinogeschichte. Ob Musik oder Schauspieler, ob Drehbuch oder Regie - alles wurde in Frage gestellt. Dennoch kann man von einem Erfolg sprechen: über [5] Millionen Kinobesucher[4] fühlten sich für die 147 Minuten, die der Film dauerte, wirklich ins Paris der Aufklärung zurückversetzt und erlebten die abenteuerliche Geschichte des größten Parfumeurs aller Zeiten mit all ihrem Schrecken und ihrer Faszination - einer davon war ich selbst.

Filme begeistern mich seit vielen Jahren. Gerade wegen meiner Liebe zur phantastischen Literatur sind es immer wieder Romanverfilmungen, die mich in ihren Bann schlagen. Seit Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Triologie vertrete ich die Auffassung, dass dieses Genre es durchaus schaffen kann, zu begeistern, ohne dabei in Konkurrenz zur eigenen Fantasie zu stehen. Manchmal gelingt es den Filmemachern sogar, die Bilder, die sich im Kopf geformt haben, zu übertreffen. Zu solchen Szenen gehört beispielsweise die Schlacht um Minas Tirith in „Der Herr der Ringe: Die zwei Türme“[5] . Im „Parfum“ ist es vor allem das aufwendig inszenierte Bacchanal am Hinrichtungsplatz, das einem den Atem verschlägt. Die Herausforderung, die der teuerste deutsche Film aller Zeiten dabei an die Regisseure internationaler Großproduktionen stellt und der Versuch, sich in Bildgewalt mit hochrangigen Hollywood-Epen zu messen, reizen mich besonders, den Film zu analysieren und diese Facharbeit zu schreiben - ganz abgesehen von der Tatsache, dass ich bereits bei der ersten Lektüre des Buchs im Jahre 2000 davon geträumt habe, es selbst einmal zu verfilmen.

Zum Verständnis meiner Facharbeit ist zuerst ein grober Überblick über Grenouilles Geschichte erforderlich, den ich in II.1. geben möchte. Im anschließenden Punkt nehme ich an Hand ausgewählter Szenen eine Analyse des Filmes vor, um später meinen eigenen Beitrag zum Drehbuch passend einfügen zu können. In II.3. werde ich die Szene „Grenouille beim Marquis de la Taillade- Espinasse“, die das eigentliche Thema meiner Facharbeit darstellt, detailliert beleuchten und anschließend, in II.4., eine Charakterisierung der beiden Hauptfiguren vornehmen. Im ersten Punkt des Abschnitts III. führe ich eine kurze Diskussion zur Bedeutung der bearbeiteten Szene innerhalb des Filmes. Im darauf folgenden Punkt erarbeite ich ein rudimentäres Konzept zur Umsetzung der Szene. Der Abschnitt IV. gliedert sich in meinen Erfahrungsbericht und eine kurze Darstellung meiner Meinung zum Gelingen des Films. Der Anhang beinhaltet schließlich, neben der Bibliographie, das Drehbuch und einen Teil des dazugehörigen Storyboards[6].

II. „Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders“

1. Inhalt und partielle Gegenüberstellung von Buch und Film

Der Roman schildert die Lebensgeschichte des Jean-Baptiste Grenouille im Zeitraum von seiner Geburt 1738 in Paris bis zu seinem Tod 1767 ebendort. Das zentrale Motiv ist dabei die Welt der Gerüche, denn die einzigartige Fähigkeit Grenouilles ist es, jeden beliebigen Geruch aufspüren und wie eine Datei in seinem olfaktorischen Gedächtnis abspeichern zu können. Er kann aus Millionen von Duftkomponenten die herrlichsten Parfums kreieren und aus Kilometern Entfernung noch die sanfteste Duftnote analysieren. Doch ungeachtet oder gerade wegen der Schlechtigkeit, Ablehnung und Grausamkeit, die er seit seiner Geburt erfährt, sehnt er sich danach, geliebt zu werden. Dieser Aspekt der Liebe und Gegenliebe stellt im Buch eines der wesentlichen Elemente dar und bietet überhaupt erst den Anlass, für das Handeln des jungen Parfumeurs.

In Paris wird Grenouille von seiner Mutter gleich nach der Geburt im Dreck liegen gelassen, doch schon sein erster Schrei macht Passanten aufmerksam und bringt ihn so in die Obhut der Behörden, während seine Mutter hingerichtet wird. Der Gestank, der bei der Beschreibung der Stadt und des Marktes ironisch minutiös geschildert wird, soll nicht nur eine Vorstellung der damaligen Verhältnisse geben, sondern bildet gleichzeitig auch den Rahmen für die gesamte Handlung, denn er zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben Grenouilles. So kommt er nach einiger Zeit zu Madame Galliard, die ein heruntergekommenes Kinderheim betreibt. Der kleine, hässliche Grenouille, der wegen seiner Unheimlichkeit immer wieder Opfer aggressiven Verhaltens von Seiten der anderen Kinder wird, macht im Waisenhaus die ersten Erfahrungen mit Gerüchen und beginnt eine Sammlung in seinem Gedächtnis anzulegen. Die Lehrzeit bei seinem nächsten Herren, dem Gerber Grimal, erweist sich als noch härter als die Jahre bei Madame Galliard. Doch schon seit dem Kleinkindalter zeigt sich Grenouille extrem widerstandsfähig. Die Erlaubnis, sich frei in Paris bewegen zu dürfen, eröffnet für Grenouille eine neue Geruchswelt. Gierig saugt er alle guten und schlechten Gerüche ein - bis zu seinem Schlüsselerlebnis: Am Tag einer großen Festlichkeit nimmt er einen Duft wahr, dessen Perfektion ihn dermaßen überwältigt, dass er das dreizehnjährige Mädchen, das ihn verströmt, erwürgt, um ihn bis zum letzten Hauch in sich einzusaugen. Der unwiederbringliche Verlust des Dufts ruft bei Grenouille den Wunsch hervor, der seinem animalischen Dasein endlich einen Sinn geben wird: Er will lernen, Düfte zu konservieren. So schafft er es mit Hilfe seines beeindruckenden Könnens auf dem Gebiet der Düfte, den Parfumeur Baldini dazu zu bringen, ihn als Lehrling aufzunehmen und in den Grundtechniken der Parfumherstellung und -gewinnung zu unterweisen. Doch als der junge Geselle erfährt, dass es unmöglich sei, jeden Duft der Welt als Parfum zu binden, stürzt er in eine tiefe Krise. Erst, als er von der legendären Parfum-Stadt Grasse erfährt, überwindet er diese und macht sich so schnell wie möglich auf, um dorthin zu reisen. Auf dem Weg wird er sich bald der Frische und Reinheit der Landluft bewusst und sich von Dörfern und Menschen fernhaltend kommt er immer weiter ab von seinem ursprünglichen Weg. In einer uralten Höhle findet er fast absolute Geruchsneutralität und trotz extremer Bedingungen lebt er dort glücklich als Herrscher und Gott eines großartigen Duftreichs, einem Produkt seiner eigenen Traumwelt. Doch nach sieben Jahren auf dem Berg gelangt er plötzlich zu der Erkenntnis, keinen eigenen Geruch zu besitzen, was für den radikal duftorientierten Grenouille die größte Katastrophe seines Lebens bedeutet. In Tykwers Version der Geschichte verlässt er den Berg schon drei Wochen nach seiner Ankunft in Richtung Grasse, während er im Buch zuerst nach Montpellier kommt. Wegen seines furchterregenden Äußeren wird er dem Marquis de la Taillade-Espinasse, einem skurrilen Wissenschaftler der Aufklärung, vorgeführt und findet als wissenschaftliches Objekt Verwendung. Dort stellt er ein Parfum her, das den Duft eines Menschen imitiert und er beschließt, dieses so zu verbessern, dass es die Menschen dazu bringt, ihn aus tiefstem Herzen zu lieben. Heimlich verlässt er Montpellier nach einiger Zeit und reist weiter nach Grasse, dem eigentlichen Ziel seiner Reise, um dort zufällig den Duft eines Mädchens zu entdecken, der dem seines ersten Opfers in Schönheit in nichts nachsteht. Der Name des Mädchens ist Laure - im Film Laura - und sie ist die Tochter des einflussreichsten Bürgers von Grasse, Antoine Richis. Um zu lernen, wie man diesen Duft konserviert, arbeitet Grenouille in einem kleinen Parfumatelier. Nach einigen Tests und dem Entschluss, den Duft des Mädchens in eine Komposition einzubinden, umgeht er das Problem, dass die Jungfrauen, deren Duft er dazu braucht, nicht still halten wollen, indem er sie tötet. Diese Morde lösen in Grasse eine nie dagewesene Panik aus und Laures Vater flieht in die Einsamkeit. Doch präzise begeht Grenouille auch seinen letzten Mord und vollendet damit das ultimative Parfum. Nachdem er gefangen und zum Tode verurteilt den Richtplatz betritt, verwandelt sich die Zuschauermasse allerdings auf Grund des Parfums in einen willenlosen Mob, der in ihm einen Engel von überirdischer Schönheit sieht und ihn freispricht von aller Schuld. Doch statt sich, am Ziel seiner Träume angelangt, zu freuen, steigt der tiefe Hass, den er den Menschen gegenüber immer schon empfunden hat, wieder in ihm auf. Angeekelt wendet er sich von der Menge ab und verlässt so schnell wie möglich Grasse, um nach Paris, dem Ort seiner Geburt, zurückzukehren. Am Treffpunkt der Verbrecher und Ausgestoßenen, schüttet er sich den gesamten Inhalt des Flakons über den Kopf und wird daraufhin in einem kannibalischen Akt verspeist.

2. Filmographische Analyse und Versuch, die Intentionen der Drehbuchautoren nachzuvollziehen

a) Allgemeine Analyse des Films und Charakterisierung des Szenen- und Kostümbildes am Beispiel der Urteilsverkündung in Grasse

„ Entweder macht man einen Schnitt und steht dazu, oder man l ä sst es bleiben. “7

Dieses Zitat, das Tykwer als Antwort auf die Frage nach einem „Director’s Cut“[8] gab, macht deutlich, dass nichts im Film dem Zufall überlassen wurde und jede noch so kleine Szene ihre Funktion und Bedeutung für den Handlungsverlauf, beziehungsweise den cineastischen Eindruck hat. Alle Unterschiede zwischen Buch und Film zu behandeln würde auf Grund ihrer Vielzahl und der Länge des Filmes allerdings den Rahmen sprengen. Deshalb wird im Folgenden nur auf repräsentative Szenen eingegangen.

Einer der deutlichsten Veränderungen und zugleich die erste, die dem Kinozuschauer auffällt, ist der Beginn des Filmes, denn es handelt sich um eine Szene, die im Buch erst auf Seite 291 zu finden ist, einem so genannten „Cold Open“[9] also, das Grenouille bei seiner Verurteilung zeigt - so, wie ihn der Zuschauer auch einen Großteil des Filmes vor Augen hat. Grenouille wird hierbei aus dem Kerker geholt und dem Volk vorgeführt, während man das Urteil des Richters öffentlich verkündet. Dieser cineastische Trick wurde wahrscheinlich dazu verwendet, den Zuschauer direkt in das Handlungsgeschehen hinein zu versetzten und gleich die allererste Einstellung, komponiert von Kameramann Frank Griebe10, zeigt in einem raffinierten Licht- und Schattenspiel nur die Nase von Schauspieler Ben Whishaw111 in Nahaufnahme. Das restliche Gesicht bleibt im Dunkeln. Dieses Bild der sich blähenden Nasenflügel, das in ähnlicher Weise noch häufiger im Film vorkommt, soll bereits verdeutlichen, um was es beim „Parfum“ geht - um Gerüche. Gleichzeitig symbolisiert das Hell- Dunkel Spiel, wie in vielen anderen Bildkompositionen, den Kontrast, der charakteristisch für Grenouilles krankes Genie ist, das beim Publikum abwechselnd Abscheu und Faszination auslöst.

Die Dunkelheit des Kerkers, die feuchten Steinwände und der bräunlich-schmutzige Farbeindruck schaffen eine düstere, unheimliche Atmosphäre. Diese zieht sich durch den ganzen Film und war Regisseur Tykwer extrem wichtig. Die für das Szenenbild zuständigen Teammitglieder hatten alle Hände voll zu tun, die Oberflächen, die im Film zu sehen sind, in diesem Sinne zu modellieren. Nicht nur die Kerkermauern, auch Straßen und ganze Teile des Barrio Gótico12, das im Film das Paris der Aufklärung darstellt, mussten „entmodernisiert“ und gestaltet werden, um ein, wie Tykwer im Kommentar der DVD meint, „ständiges Gefühl von Feuchtigkeit und auch von Fäule“10 hervorzurufen. Der Anspruch auf Authentizität, den der Regisseur erhebt, wird besonders in der Szene von Grenouilles erstem Rundgang durch Paris deutlich. Eine der belebtesten Einkaufsstraßen Barcelonas abzusperren und komplett umzugestalten, hätte mit Studioaufnahmen und Computergenerierung vermieden werden können. Doch die Einbußen, die der Film dann in seinem Realismus und seiner unmittelbaren Intensität hinnehmen hätte müssen, veranlassten Tykwer und Eichinger wahrscheinlich, die Kosten in Kauf zu nehmen.

Überhaupt war es dem Regisseur ein zentrales Anliegen, so wenig wie möglich mit Computer zu animieren und alle Requisiten so realistisch wie möglich aussehen zu lassen, um an keinen Kostümoder gar Fantasy-Film zu erinnern. Keinesfalls wollte er auch Düfte in irgendeiner Weise mit digitalen Partikeln oder symbolischen Nebelschwaden, wie sie im Drehbuch teilweise noch vorkommen, visualisieren110. Der einzige häufiger angewandte digitale Effekt ist die Farbkorrektur, die in manchen Einstellungen die Wirkung von Braun- oder Grautönen noch besser hervorhebt.

Die ganze Anfangsszene ist voller Hektik und Anspannung, denn die Schreie der Massen vor dem Gebäude sind schon seit Beginn des Filmes dumpf hörbar und üben so Einfluss auf Akteure und Kinozuschauer aus. Ironischer Weise stand zu diesem Zeitpunkt auch das Film-Team unter enormem Druck, denn das aufwendige Make-up des Statisten-Heeres und die Vorbereitung der Umgebung hatten zur Folge, dass täglich nur wenige Stunden gedreht werden konnte. Doch Tykwer bestand darauf, täglich aufs Neue jeden einzelnen Statisten schminken zu lassen und sicherzustellen, dass sich kein moderner Gegenstand in der Umgebung des Sets befand10. Entsprechend groß ist auch der Eindruck, den die Massen auf dem Platz bei Grenouilles Ankunft am Balkon auf den Zuschauer ausüben. Nicht nur die bereits erwähnten heruntergekommenen Requisiten, sondern auch das „Schmutz-Make-up“ sind wesentliche Merkmale, die den Eindruck des Filmes charakterisieren.

Die wichtigste Rolle jedoch spielen, wie noch an mehreren Stellen im Film, die Komparsen, die ja schließlich Träger der Requisiten und des Make-ups sind. Der immense Aufwand, der betrieben wurde, um die große Zahl von Statisten zu „casten“13 und glaubwürdig mit Kostümen und Make-up auszustatten, zeigt, wie wichtig Tykwer der Realismus des Filmes war. Dabei legte er Wert darauf, Menschen zu finden, die auch auf Grund ihres charakteristischen Aussehens in die Zeit der Aufklärung passten. Zu sehen sind Marktfrauen in fleckigen Schürzen, Ruß verschmierte Knechte oder verschwitzte Soldaten mit faulen Zähnen, die schreiend und tobend warten, um Grenouille endlich zu Gesicht zu bekommen.

Dieser wirkt auf den Zuschauer im Kontrast dazu klein, misshandelt und fast schon Mitleid erregend, was von Tykwer zusätzlich durch einen Sturz hervorgehoben wird, der Grenouilles Bewacher dazu veranlasst, nur noch unbarmherziger an den Ketten zu zerren. Dennoch zeigt Grenouille die ganze Zeit über keine Regung und es scheint fast, als würde ihn sein Schicksal wenig kümmern - entsprechend lässt er auch bei der Misshandlung durch Grimal oder seiner Untersuchung durch den Marquis keine Anzeichen eines Widerstandes erkennen. Gebückt und gehetzt wie ein wildes Tier steht er in Mitten grimmig dreinschauender Soldaten, während sein grausamer Tod unter öffentlicher Begeisterung proklamiert wird. Die Energie, die dabei in der Masse steckt, ist gleichermaßen beeindruckend wie ergreifend. Eine ähnlich dichte Atmosphäre soll auch im Theater bei Grenouilles Präsentation in Montpellier entstehen.

Nachdem am Ende der Urteilsverkündung die Kamera langsam bis kurz vor Grenouilles Nase gezoomt hat, fährt sie in einer grotesk wirkenden, computeranimierten Fahrt direkt hinein und der Titel des Filmes erscheint in der Schwärze. Kurz zuvor beginnt im Off die Erzählerstimme mit den ersten Zeilen des Romans. Auf den Erzähler greifen die Autoren noch häufiger zurück, um Dinge klarzumachen, die sich mit Bildern nicht oder nur sehr umständlich ausdrücken lassen, wobei zumeist direkt aus dem Roman zitiert wird. Gleichzeitig bildet der Erzähler das Bindeglied zwischen Tykwers Film und Süskinds Vorlage.

Im Buch werden zwar die Worte der Urteilsverkündung erwähnt114, die restliche Szene stammt allerdings aus der Feder der Drehbuchautoren. Sie gibt zu Beginn des Films bereits einen sehr deutlichen Eindruck von der Atmosphäre der Zeit und bettet Grenouille darin ein. Tykwer und sein Team schaffen es, wie beschrieben, mit Bildkomposition, Umgebung, digitalen Effekten, Geräuschen, Make-up, Neben- und Hauptdarstellern eine für das Paris des 18. Jahrhunderts repräsentative, schmutzige und unangenehme Impression zu erzeugen. Auch die Musik spielt an vielen Stellen eine tragende Rolle - besonders bei Geruchseindrücken. In dieser Szene setzt sie allerdings erst beim erscheinen des Titels in der Dunkelheit von Grenouilles Nasenhöhle ein.

[...]


1 Regisseur des Films „Das Parfum: Die Geschichte eines Mörders“, Deutschland/Frankreich/Spanien, 2006.

2 Produzent des Films „Das Parfum“.

3 Süskind P.: Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders, Zürich, Diogenes Verlag, 1994.

4 Vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Parfum_-_Die_Geschichte_eines_Mörders, Zugriff : 10.1.2008

5 „Der Herr der Ringe: Die Zwei Türme“, USA/Neuseeland/Deutschland, 2002.

6 Englisch: (etwa) Ablaufplan. Zeichnungen, die der Visualisierung des Drehbuchs dienen.

7 Tykwer in: Pauli H.: Durchbruch mit Taschentuch, in: FOCUS, 04.09.2006, Nr. 36, S. 80-82.

8 Englisch: Schnitt des Regisseurs. Vollständige Version eines Films, der gekürzt werden musste.

9 Englisch: kalte Eröffnung. Szene, die noch vor dem eigentlichen Beginn des Films gezeigt wird.

10 Vgl.: „Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders“. Faszination der Düfte. Limited Edition, 2006, DVD 1, Audiokommentare zum Film.

11 Ben Wishaw verkörpert die Rolle des Grenouille.

12 Altstadt von Barcelona, Spanien.

13 Englisch: besetzen. Fachausdruck für die Selektion von Schauspielern nach bestimmten Kriterien.

14 Vgl. Süskind P., Das Parfum, S. 291.

26 von 26 Seiten

Details

Titel
Das Parfum: Grenouille beim Marquis de la Taillade-Espinasse – Eine im Film nicht verwendete Szene
Hochschule
Gymnasium Waldkraiburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
26
Katalognummer
V172681
ISBN (Buch)
9783640926527
Dateigröße
739 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Das Parfum, Tom Tykwer, Patrick Süskind, Bernd Eichinger, Geschichte eines Mörders, Grenouille, Perfume, Story of a Murderer
Arbeit zitieren
Tobias Huber (Autor), 2008, Das Parfum: Grenouille beim Marquis de la Taillade-Espinasse – Eine im Film nicht verwendete Szene, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172681

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