Der Beitrag fokussiert unter dem Thema „Skepsis und Nichtwissen als Kernmoment gymnasialer Bildung.“ auf das Moment des Skeptischen und des problembewussten Nichtwissens. Dieses Moment ist dem abendländischen Bildungsdenken bereits seit der griechischen Antike, vor allem seit Sokrates-Platon, wesentlich zugehörig, wenngleich es immer wieder marginalisiert und depotenziert wurde. Zugehörig sind Skepsis und Nichtwissen auch den Wurzeln des deutschen Bildungsbegriffes, diese liegen im religiös-theologischen Bereich, genauer gesagt, bei Meister Eckhart. Das Skeptische und das bewusste, problemeröffnete Nichtwissen – mit einem Ausdruck des Nicolaus von Kues: die docta ignorantia, die belehrte, einsichtig gewordene Unwissenheit – vertrete ich als wesentlich für den heute angebbaren Sinn gymnasialer Bildung.
In einem ersten Schritt gehe ich von der Gegenwartsdiagnose unserer Gesellschaft als „Wissensgesellschaft“ aus und lege dar, dass unter Wissen näherhin personale Sachkompetenz zu verstehen ist. Sodann zeige ich zweitens auf, wie Wissen als Sachkompetenz im Lehr-Lernprozess erworben wird und mache einen kurzen Exkurs zu neueren Befunden qualitativ-empirischer Unterrichts- und Bildungsforschung. In einem dritten Schritt lege ich den Zusammenhang von Skepsis, problemeröffnetem Nichtwissen und gymnasialer Bildung dar und behaupte die Relevanz des Skeptischen als maßgeblichen Zug heutiger Gymnasialbildung. Abschließend skizziere ich viertens einige gymnasialpädagogische Perspektiven als Konsequenz.
Inhaltsverzeichnis
- 0 Einleitung
- 1. Schritt: Die Charakterisierung unserer Gesellschaft als „Wissens-\ngesellschaft\" und der Begriff des Wissens
- 2. Schritt: Der Erwerb von Wissen als Sachkompetenz im Lehr-Lern-\nprozess und neuere Befunde qualitativ-empirischer Unterrichts- und\nBildungsforschung
- Einige einschlägige Befunde qualitativ-empirischer Unterrichts- und\nBildungsforschung - ein Exkurs -
- 3. Schritt: Skepsis, problemeröffnetes Nichtwissen und gymnasiale Bildung
- 4. Schritt: Gymnasialpädagogische Perspektiven
- Anmerkungen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte (Objectives and Key Themes)
Die Arbeit zielt darauf ab, die Bedeutung von Skepsis und Nichtwissen im Kontext gymnasialer Bildung aufzuzeigen. Sie untersucht, wie diese Konzepte als Kernmomente des problematisch-vernünftigen Philosophierens und der skeptischen Pädagogik verstanden werden können.
- Die Charakterisierung unserer Gesellschaft als „Wissensgesellschaft“ und der Begriff des Wissens
- Der Erwerb von Wissen als Sachkompetenz im Lehr-Lern-Prozess
- Die Rolle von Skepsis und Nichtwissen in der gymnasialen Bildung
- Gymnasialpädagogische Perspektiven auf Skepsis und Nichtwissen
- Die Bedeutung des problematisch-vernünftigen Philosophierens und der skeptischen Pädagogik
Zusammenfassung der Kapitel (Chapter Summaries)
- Die Einleitung führt in das Thema ein und skizziert die grundlegende Argumentation der Arbeit.
- Kapitel 1 beleuchtet die Charakterisierung unserer Gesellschaft als „Wissensgesellschaft“ und analysiert den Begriff des Wissens.
- Kapitel 2 befasst sich mit dem Erwerb von Wissen als Sachkompetenz im Lehr-Lern-Prozess und präsentiert aktuelle Ergebnisse qualitativ-empirischer Unterrichts- und Bildungsforschung.
- Kapitel 3 untersucht die Rolle von Skepsis und Nichtwissen in der gymnasialen Bildung.
- Kapitel 4 beleuchtet verschiedene gymnasialpädagogische Perspektiven auf Skepsis und Nichtwissen.
Schlüsselwörter (Keywords)
Skepsis, Nichtwissen, gymnasiale Bildung, Wissensgesellschaft, problematisch-vernünftiges Philosophieren, skeptische Pädagogik, Sachkompetenz, qualitativ-empirische Unterrichts- und Bildungsforschung.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet "Skepsis und Nichtwissen" im Kontext gymnasialer Bildung?
Es beschreibt ein problembewusstes Nichtwissen, das den Lernprozess antreibt. Anstatt nur fertiges Wissen zu konsumieren, sollen Schüler lernen, Dinge kritisch zu hinterfragen und die Grenzen des eigenen Wissens zu erkennen.
Was ist die "docta ignorantia"?
Der Begriff von Nicolaus von Kues bedeutet "belehrte Unwissenheit". Es ist die Einsicht, dass wahre Bildung darin besteht, sich des eigenen Nichtwissens bewusst zu sein.
Wie wird Wissen in der heutigen "Wissensgesellschaft" definiert?
In der Wissensgesellschaft wird Wissen oft als personale Sachkompetenz verstanden, also die Fähigkeit, Informationen sinnvoll anzuwenden und Probleme eigenständig zu lösen.
Welche Rolle spielt Sokrates für dieses Bildungskonzept?
Sokrates gilt als Urvater dieses Denkens. Sein Ansatz des dialektischen Fragens zielte darauf ab, Scheinwissen zu entlarven und durch das Eingeständnis des Nichtwissens echtes Lernen zu ermöglichen.
Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Gymnasialpädagogik?
Unterricht sollte nicht nur Antworten geben, sondern Fragen provozieren. Die Förderung einer skeptischen Grundhaltung ist demnach ein wesentliches Ziel der gymnasialen Bildung.
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- PD Dr. phil. habil. Roland Mugerauer (Author), 2011, Skepsis und Nichtwissen als Kernmoment gymnasialer Bildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172736