Instructional Design mit dem 4C/ID-Modell. Ein Blueprint für den Lehrplan im Bereich der allgemeinen Erwachsenenbildung


Hausarbeit, 2009

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Blueprint für einen Lehrplan
2.1. Kompetenzanalyse durch Erstellung einer Hierarchie- Schritt
2.2. Sequentialisierung der Aufgabenklassen - Schritt
2.3. Der Entwurf der Lernaufgaben - Schritt
2.4. Der Entwurf von unterstützenden Informationen - Schritt
2.5. Just-in-time Informationen - Schritt

3. Das 4C/ID Modell in Bezug auf lerntheoretische Überlegungen und Aspekte des situierten Lernens

4. Didaktische Szenarien, die sich zur Integration in das 4C/ID-Modell eignen

5. Medien, die sich zur Unterstützung des Blueprints eignen/ Anwendungsbeispiele

6. Zusammenfassung und eigenes Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

"Lebensbegleitendes Lernen" lautet die neue Zauberformel im gesellschaftlichen Strukturwandel. Damit sind an die allgemeine Weiterbildung im Erwachsenenbereich - seit dem Strukturplan des Deutschen Bildungsrates 1970 auch „quartärer Sektor“ genannt - neue Aufgaben gestellt. Die moderne, sich ständig verändernde Erwachsenenbildung (die durch Freiwilligkeit, eine enorme Bandbreite und Vielfalt, unterschiedlichste Lernbereiche und Motivationshintergründe sowie sehr heterogene Gruppen bestimmt ist (vgl. Ternhart, 2005, S. 118 -120)) hat Folgen für das Selbstverständnis des Erwachsenenbildners, der seine Methoden und Kenntnisse immer wieder hinterfragen, umstellen und optimieren muss. Gerade Erwachsenenbildner müssen in ihrer beruflichen Kompetenz so gestärkt sein, dass sie die Bedürfnisse erwachsener Lernender erkennen und bedienen können. Wie kann aber die Ausbildung von angehenden Bildungswissenschaftler/-innen im Bereich der allgemeinen Erwachsenenbildung effektiv und erfolgreich sein?

Die vorliegende Hausarbeit hat das 4C/ID-Modell (Four components Instruction Design Modell) - entwickelt von Van J. Merriënboer (1997) - zum Thema. Dieses Instruktionsdesignmodell, welches Anleitungen zur Entwicklung von problembasierten Lernumgebungen und Curricula beinhaltet, ist der lerntheoretischen Strömung des situierten Lernens zuzuordnen. Durch authentische Lernaufgaben, die in realen und simulierten Lernumgebungen gestellt werden, kann der Lernende systematisch in die Lage versetzt werden, komplexe kognitive Fähigkeiten zu erlangen.

In der vorliegenden Arbeit wird das 4C/ID-Modell nun auf die komplexe Handlungsfertigkeit des/der Bildungswissenschaftlers/-in im Bereich der allgemeinen Erwachsenenbildung übertragen und ein Blueprint hierzu erstellt. Aus Expertensicht wurde für das Berufsbild eine „Fertigkeitenhierarchie“ entwickelt, Aufgabenklassen erstellt und drei der vier Komponenten ausgearbeitet (Komponente 4, Part task practice, entfällt aufgrund der gegebenen Länge der Hausarbeit). Im theoretischen Teil sind die verschiedenen didaktischen, klassischen lerntheoretischen Ansätze mit Bezug zum Modell kurz beschrieben, es werdenzum Modell passende didaktischen Szenarien gesucht und die Bedeutung von „Medien“ werden beleuchtet. Schließlich endet die Hausarbeit mit einem persönlichen Fazit der Autorin.

2. Blueprint für einen Lehrplan

Vier wesentliche Entwurfkomponenten, die in wechselseitiger Beziehung stehen, bestimmen das von van Merriënboer entwickelte 4C/ID-Modell: die Lernaufgaben, die unterstützenden Informationen, die Just-inTime-Informationen und die Parttask Practice. Mit einer systematischen Analyse und den von van Merriënboer entwickelten zehn Schritten ist es möglich, die genannten Komponenten auszuarbeiten und zu entwickeln, so dass nach getaner Arbeit ein Lehrplan für eine berufliche Kompetenz entsteht, anhand dessen deren wiederkehrende und nichtwiederkehrende Fertigkeiten trainiert werden können.

2.1. Kompetenzanalyse durch Erstellung einer Hierarchie- Schritt 1

Im vorliegenden Anwendungsbeispiel handelt es sich um die Kompetenzerlangung eines Bildungswissenschaftlers in der allgemeinen Erwachsenenbildung, der bei einer Familienbildungsstätte in kirchlicher Trägerschaft beschäftigt ist. Sein Fachgebiet soll der Bereich „Eltern- und Familienbildung, Gesundheit und Bewegung - Seminarleitung“ sein. Die erstellte Fertigkeitenhierarchie (s. Abbildung 1, S. 4) ist von grundlegender Bedeutung für die Erstellung eines Blueprints, denn alle in ihr zu trainierenden Fertigkeiten ergeben die Kompetenz des o. g. Berufsfeldes aus Expertensicht. Die Hierarchie schlüsselt die Kompetenz des vorzustellenden Bildungswissenschaftlers auf, nämlich in diesem Fall die inhaltliche Konzeption, Durchführung und Auswertung von Seminaren in seinem Fachgebiet. Die horizontale Relation der Hierarchie zeigt, dass die zeitlichen Abläufe linear gesetzt wurden, um die Fertigkeiten nacheinander und in der korrekten Reihenfolge trainieren zu können. So ist der Lernende im bestehenden Anwendungsbeispiel aufgefordert, erst den Bedarf zu analysieren, bevor er ein Seminarkonzept erstellt und danach den Projektantrag formuliert. Die konditionale Relationen sind im vertikalen Bereich dargestellt, d. h. hier findet man alle Teilfertigkeiten, die zur Erlernung der oben stehenden Fertigkeit nötig sind und letztendlich zum Leistungsziel für die jeweilige Tätigkeit führen. Im Anwendungsbeispiel hieße das für die Fertigkeit „Bedarf analysieren“, dass hierzu die darunter aufgelisteten Teilfertigkeiten eingeübt werden müssen, wobei jeweils die untersten Teilfertigkeiten Bedingung für das Erlernen der darüber stehenden bedeutet - im Anwendungsbeispiel muss zuerst die Zielgruppe ausgewählt werden, bevor man sie befragt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schließlich klassifiziert man die Leistungsziele in wiederkehrende und nicht wiederkehrende (unterschiedliche Ausübung der Fertigkeit in allen Situationen) Fertigkeiten (vgl. Bastiaens et al., 2006). Dies ist insofern wichtig, da diese Unterscheidung später hilft, die passenden Komponenten zu finden, um einen guten Lernerfolg zu erzielen. Wiederkehrende Fertigkeiten - die gleichartige Ausübung der Fertigkeit in allen Situationen - werden im Berufsalltag automatisiert ausgeführt und (mit der Zeit) auch unbewusst angewandt. Nicht wiederkehrende Fertigkeiten - also die unterschiedliche Ausübung der Fertigkeit in allen Situationen - hingegen müssen kognitiv immer wieder hinterfragt werden und erfordern ein hohes Maß an reflektiertem Handeln.

2.2. Sequentialisierung der Aufgabenklassen - Schritt 2

Die Sequentialisierung der Aufgabenklassen erfolgt durch das Sequenzprinzip der vereinfachten Annahme (engl. simplifying assumptions), die, wie Bastiaens bemerkt, „im Allgemeinen am meisten benutzt“ wird (Bastiaens et al., 2006, S. 96). Die vereinfachenden Annahmen erschweren oder erleichtern die Aufgaben, die dem Lernenden gestellt werden. Die Aufgabenklassen (innerhalb derer später die Lernaufgaben platziert werden) sind im Schwierigkeitsgrad ansteigend, Klasse 1 findet in der Regel optimale und leichte Bedingungen vor, während in Aufgabenklasse 3 die Bedingungen zur Erlangung der Kompetenz am schwierigsten gestaltet werden. Trotzdem wird bereits in Aufgabenklasse 1 die ganzheitliche Kompetenz eingeübt - wenn auch in einfachster Form (vgl. Bastiaens et al., 2006). Der Lernende wird also in Aufgabenklasse 1 nicht überfordert, in Aufgabenklasse 3 wird er sich aufgrund der Komplexität aber auch nicht langweilen.

Für die Kompetenz aus Expertensicht können beispielhaft folgende Annahmen für die allgemeine Erwachsenenbildung im oben eingeschränkten Bereich relevant sein (eine ausführlichere Darstellung der sehr komplexen Kompetenz eines Bildungswissenschaftlers würde hier sicher zu weit führen):

- Die Zusammensetzung der Teilnehmenden (gleiche oder unterschiedliche Erwartungen, Wissensstand)
- Das Budget (ausreichend vorhandene Mittel oder knappes Budget)
- Seminarinhalte (einfach zu vermittelnde oder komplexe Inhalte)
- Methoden (Vielfalt, eingeschränkte Möglichkeiten)
- Referent/-innen (viele, gut ausgebildete oder wenige, schlecht ausgebildete)
- Zertifizierung (einfache Teilnahmebescheinigung, qualifiziertes Abschlusszeugnis)
- Seminarmaterial (Reader vorhanden, Reader muss erstellt werden) Hieraus ergibt sich folgende Tabellensequenz:

Tab. 1: Sequenz der vereinfachenden Annahmen - Aufteilung in Aufgabenklassen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der Aufgabenklasse 1 haben die Teilnehmenden der Seminare alle das gleiche Vorwissen, das Budget ist ausreichend und die Seminarinhalte sind einfach zu vermitteln. Zudem ist das Seminarthema bereits erprobt und es stehen genügend Referent/-innen mit einer großen Methodenvielfalt sowie ein aktueller Reader zum Thema zur Verfügung. Zum Abschluss wird eine einfache Teilnahmebescheinigung ausgehändigt. Trotz einfacher Bedingungen wird in der Aufgabenklasse 1 bereits die ganzheitliche Kompetenz geübt, im Bereich der allgemeinen Erwachsenenbildung tätig zu sein.

Für das Anwendungsbeispiel könnte es sich hierbei um einen Elterninforma- tionsnachmittag zum Thema „Bewegungsförderung im Kleinkindalter“ handeln, welcher für die Eltern mehrerer konfessioneller Kindertagesstätten geplant ist und bereits mehrfach mit großem Erfolg durchgeführte wurde. Die Referentin kommt vom örtlichen Sportbund und verlangt kein Honorar, es wird methodisch sowohl theoretisch als auch praktisch in vielfältiger Weise gearbeitet werden können und der begleitende Seminarreader kann aus dem letzten Durchlauf benutzt werden.

Der Lernende hat alle Lernaufgaben in Aufgabeklasse 1 erfolgreich bewältigt und kommt nun zur Aufgabenklasse 2. Diese kennzeichnet sich dadurch, dass die Teilnehmenden zwar das gleiche Vorwissen, aber unterschiedliche Erwartungen an das Weiterbildungsangebot haben. Das Budget ist ausreichend, der Seminarinhalt ist zwar erprobt, aber sehr komplex. Es stehen ausreichend Referent/-innen zur Verfügung, aber die Methoden sind in diesem Fall eingeschränkt. Der Reader muss überarbeitet werden und die Teilnahmebescheinigungen sollen qualifiziert wiedergeben, was im Seminar geschehen ist. In Aufgabenklasse 2 werden die Aufgaben durch die vorgegebenen Annahmen schon deutlich erschwert, so könnten sich in unter den Teilnehmenden auch Eltern der anliegenden Grundschulen befinden und das Thema ein verändertes sein (z.B. „AD(H)S“ oder „Besondere Begabungen“).

Aufgabenklasse 3 zeichnet sich dadurch aus, dass die Teilnehmenden ein unterschiedliches Vorwissen und unterschiedliche Erwartungen an das Seminar haben, das Budget knapp ist und es sich zudem um ein neues und komplexes Thema handelt. Zum Thema sind kaum Referent/-innen zu finden und die Methoden äußerst beschränkt. Diese Aufgabenklasse ist die schwierigste für die Ausübung der Kompetenz, wird aber auch als letzte bearbeitet und setzt deshalb voraus, dass die beiden anderen Aufgabenklassen bereits erfolgreich absolviert wurden. So könnte es sich im Anwendungsbeispiel um eine mehrmonatige Seminarreihe zum Thema „Montessori-Diplom“ handeln, welches zum Abschluss erworben werden kann.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Instructional Design mit dem 4C/ID-Modell. Ein Blueprint für den Lehrplan im Bereich der allgemeinen Erwachsenenbildung
Hochschule
FernUniversität Hagen
Veranstaltung
Modul 2B: Allgemeine Didaktik und Mediendidaktik
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V172781
ISBN (eBook)
9783668175914
Dateigröße
987 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
instructional, design, blueprint, lehrplan, bereich, erwachsenenbildung
Arbeit zitieren
Katharina Kaminski (Autor), 2009, Instructional Design mit dem 4C/ID-Modell. Ein Blueprint für den Lehrplan im Bereich der allgemeinen Erwachsenenbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172781

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