Was ist Globalisierung? Wenngleich der Begriff in den öffentlichen Debatten um Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft mittlerweile zu einem der bedeutendsten Schlagworte geworden ist, bleibt er in seiner genaueren Bedeutung eher diffus. Eine eindeutige Definition fällt insbesondere schwer, weil der Begriff häufig für unterschiedliche Bedeutungsgehalte herangezogen wird und es bisher nicht gelungen ist, einen Konsens über seine Bedeutung zu erzielen. So verweist beispielsweise auch der Münchner Soziologe Ulrich Beck auf die Unschärfe des Globalisierungsbegriffs, der die öffentliche und fachliche Diskussion beherrscht. Unumstritten ist lediglich die sehr allgemeine Definition, dass das Wesen der Globalisierung die Überwindung der nationalen und kontinentalen Grenzen bildet und die Tatsache, dass der Globalisierungsbegriff insbesondere fünf Dimensionen umfasst: eine ökonomische, eine politische, eine wissenschaftlich-technische, eine ökologische und eine kulturelle.
Ihren Anfang nahm die wissenschaftliche Globalisierungsdebatte im Wesentlichen zu Beginn der 1990er-Jahre, wenngleich einzelne Vorreiter den Begriff schon zuvor verwendeten – damals jedoch noch häufig bezogen auf einzelne eng umrissene Bereiche und nicht auf ein umfassendes, makrosoziologisches Phänomen. Mittlerweile existieren so viele verschiedene Globalisierungsdefinitionen und -theorien, sodass der Stand der Forschung nur noch schwer zu überblicken ist.
Aufgrund der Bandbreite der Thematik erscheint es daher zweckmäßig, sich auf einen bestimmten Aspekt des Themas zu beschränken. Konkret möchte diese Arbeit mit den Theorieansätzen der Soziologen Roland Robertson und George Ritzer zwei prominente – und sich zum Teil erheblich widersprechende – Theorien der kulturellen Globalisierung aus der Vielstimmigkeit des sozialwissenschaftlichen Diskurses herausgreifen und gegenüberstellen. Zunächst werden die beiden Theorieansätze in ihren groben Grundzügen skizziert (Kapitel 2 und 3), bevor sie miteinander verglichen
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Globale Lokalisierung und lokale Globalisierung: Globalisierungsverständnis nach Roland Robertson
3. McDonaldisierung der Gesellschaft: Globalisierungsverständnis nach George Ritzer
4. Vergleich, Diskussion und Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die sich teilweise widersprechenden Globalisierungstheorien von Roland Robertson und George Ritzer einander gegenüberzustellen, um ein differenziertes Verständnis der kulturellen Globalisierung zu gewinnen.
- Kritische Gegenüberstellung der Konzepte "Glokalisierung" und "Grobalisierung"
- Analyse des mikrosoziologischen Ansatzes von Roland Robertson
- Untersuchung der These der "McDonaldisierung der Gesellschaft" von George Ritzer
- Diskussion über Homogenisierungstendenzen versus hybride kulturelle Prozesse
- Bewertung der Fähigkeit des Lokalen, sich gegenüber globalen Einflüssen zu behaupten
Auszug aus dem Buch
3. McDonaldisierung der Gesellschaft: Globalisierungsverständnis nach George Ritzer
Der US-amerikanische Soziologe George Ritzer erlangte durch seine – bereits in den 1980er-Jahren erstmals entworfene, aber bis heute kontinuierlich weiterentwickelte – kritisch-provokante These der „McDonaldisierung der Gesellschaft“ besondere Aufmerksamkeit im sozialwissenschaftlichen Globalisierungsdiskurs. Unter McDonaldisierung versteht Ritzer „den Vorgang, durch den die Prinzipien der Fastfoodrestaurants immer mehr Gesellschaftsbereiche in Amerika und auf der ganzen Welt beherrschen“ (Ritzer 2006: 15).
Ritzer definiert Globalisierung als „die weltweite Verbreitung von Methoden, die Ausweitung von Beziehungen zwischen den Kontinenten, die Organisation des gesellschaftlichen Lebens im weltweiten Maßstab und das Wachstum eines gemeinsamen globalen Bewusstseins“ (Ritzer 2006: 238). Er ist dabei der Ansicht, dass auch die McDonaldisierung zumindest teilweise als einer von mehreren Globalisierungsprozessen angesehen werden kann. Zwar dürfe man nicht vergessen, dass die McDonaldisierung nicht nur ein Globalisierungsprozess sei, zumindest manche ihrer Aspekte könne man allerdings unter diesem Vorzeichen betrachten (vgl. ebd.). Dies zeige sich u.a. daran, dass man viele Grundelemente aus der Definition der Globalisierung auch auf die McDonaldisierung anwenden könne (vgl. Ritzer 2006: 240).
Ritzer stimmt Robertson in seiner Glokalisierungsthese zunächst zu, indem er Glokalisierung ebenfalls als „die Verflechtung zwischen Globalem und Lokalem“ definiert, „die in verschiedenen geographischen Regionen jeweils zu einzigartigen Ergebnissen führt“ (Ritzer 2006: 242). Es stehe zwar außer Frage, dass Glokalisierung ein wesentlicher Bestandteil der Globalisierung sei, sie sei jedoch noch nicht alles (Ritzer 2006: 244). Vielmehr gäbe es noch einen anderen dringend erforderlichen Begleiter der Glokalisierung, den Ritzer mit dem Begriff „Grobalisierung“ bezeichnet (abgeleitet vom englischen Verb „grow“ = wachsen). Im Mittelpunkt der Grobalisierung steht laut Ritzer „der imperialistische Ehrgeiz der Staaten, Konzerne, Organisationen und anderer sowie deren Bestreben oder gar Bedürfnis, sich verschiedenen geographischen Regionen aufzudrängen“ (ebd.). Ihnen ginge es vor allem darum, ihre Macht, ihren Einfluss und ihre Gewinne auf der ganzen Welt wachsen zu lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Begriffsdefinition von Globalisierung ein und begründet die Auswahl der Theorien von Robertson und Ritzer für den Vergleich.
2. Globale Lokalisierung und lokale Globalisierung: Globalisierungsverständnis nach Roland Robertson: Dieses Kapitel erläutert Robertsons Konzept der "Glokalisierung", das die Interdependenz und gegenseitige Durchdringung von Globalem und Lokalem betont.
3. McDonaldisierung der Gesellschaft: Globalisierungsverständnis nach George Ritzer: Hier wird Ritzers Theorie vorgestellt, die Globalisierung als einen primär deterministischen Prozess der Homogenisierung und imperialistischen Expansion beschreibt.
4. Vergleich, Diskussion und Fazit: Das letzte Kapitel stellt beide Ansätze gegenüber, bewertet sie kritisch vor dem Hintergrund soziologischer Debatten und schließt mit einer Einordnung der Theorieansätze.
Schlüsselwörter
Globalisierung, Glokalisierung, Grobalisierung, McDonaldisierung, kulturelle Globalisierung, Homogenisierung, Hybridisierung, Roland Robertson, George Ritzer, Weltkultur, Lokalisierung, Partikularismus, Interdependenz, soziologische Theorie, Weltgesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem soziologischen Globalisierungsdiskurs und vergleicht zwei gegensätzliche theoretische Perspektiven auf kulturelle Globalisierung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die theoretischen Konzepte der Glokalisierung und der Grobalisierung sowie die Frage, ob Globalisierung zu einer Vereinheitlichung oder einer kulturellen Vermischung führt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Theorieansätze von Roland Robertson und George Ritzer gegenüberzustellen, um deren Reichweite und Eignung zur Interpretation des globalen Wandels zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Gegenüberstellung und kritische Diskussion der soziologischen Konzepte auf Basis der einschlägigen Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Robertsons Glokalisierungsthese, Ritzers Grobalisierungsthese und deren McDonaldisierungskonzept detailliert skizziert und anschließend im Vergleich kritisch diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Glokalisierung, Grobalisierung, kulturelle Globalisierung, Homogenisierung und Hybridisierung geprägt.
Wie unterscheidet sich die Glokalisierung von der Grobalisierung?
Während Glokalisierung die Vermischung von Globalem und Lokalem zu etwas Neuem betont, beschreibt Grobalisierung einen imperialistischen Prozess, bei dem das Globale das Lokale verdrängt oder vereinheitlicht.
Warum hält der Autor Ritzers These für teilweise nicht ausreichend?
Der Autor argumentiert, dass Ritzer wichtige Merkmale der Globalisierung ignoriert und seine These einer linear wachsenden Konvergenz die komplexen, paradoxen Prozesse kultureller Globalisierung falsch deutet.
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- Christian Rohm (Author), 2010, Glokalisierung oder Grobalisierung? Globalisierungstheorien nach Roland Robertson und George Ritzer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172853