Familienberatung in der Bundesrepublik Deutschland


Seminararbeit, 2010

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Begriff der Beratung

2. Entstehung der Familienberatung in Deutschland
2.1 Deutschland vor 1945
2.2 Deutschland nach 1945
2.3 Die Familienberatung im Jahr 2010

3. Gesetzliche Bestimmungen und Länderrichtlinien

4. Aufgabenstellungen der Erziehungs - und Beratungsstellen

5. Der Prozess der Familienberatung
5.1 Die erste Beratung
5.2 Die Erwartung des Klienten an den Beratenden
5.3 Gesprächsablauf
5.4 Zielsetzungen in einer Beratung
5.5 Dauer einer Beratung

6. Beratung für Migranten

7. Familienberatung am Beispiel der katholischen Bundesarbeitsgemeinschaft Beratung

8. Analyse eines Fallbeispiels
8.1 Falldarstellung
8.2 Fallanalyse

9. Statistische Angaben zur Familienberatung
9.1 Bundesland Berlin

10. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Die zunehmende Komplexität der heutigen Lebensverhältnisse macht ein vielfältiges Beratungsangebot notwendiger denn je“ (KLANN 1994, S. 2).

In Zeiten von steigender Arbeitslosigkeit, geringen Einkommen, Bildungsungleichheit und der damit verbundenen Perspektivlosigkeit sind Familienberatungen eine Anlaufstelle für Menschen, die mit ihren Lebenssituationen nicht mehr zurechtkommen. Aus diesem Grund richten sich die heute vorhandenen Familienberatungsstellen an Menschen, die Hilfe zur Lebensplanung haben, Konfliktberatung suchen, welche Fragen zur Ehe oder zur Partnerschaft haben oder um allgemein um Hilfe bitten.

Familienberatungsdienste unterstützen dabei vor allem die Menschen, die in der Not nach Lösungen suchen. Die Berater leiten die Hilfesuchenden dahin, Lösungen selbst zu finden. Diese Hilfe zur Selbsthilfe ist jedoch nicht immer einfach und hängt stark von der Mitarbeit der Hilfesuchenden ab. Bereitschaft und Mut zur Veränderung sind also der Garant für einen gemeinsamen Erfolg für beide Seiten. Die Familienberatungen sind dabei nicht neu. Sie sind bereits seit fast 100 Jahren aktiv an der Beratung beteiligt.

Um die Institution der Familienberatung zu verstehen, muss man zurückblicken in die Entstehungsgeschichte, die rechtlichen und gesetzlichen Bestimmungen und die Hauptaufgabe der Beratung verstehen. Der Prozess der Familienberatung wird dabei vom Erstgespräch bis zur Fallanalyse erklärt. Dabei werden unterstützend statistische Angaben, anhand von Fallzahlen aus dem Bundesland Bayern, zur Fragestellung erörtert, inwiefern die Familienarbeit für die Zukunft noch relevant sein wird.

1. Begriff der Beratung

Aufgrund der komplexen Lebensverhältnisse ist eine genaue Definition vom Begriff der Be- ratung nicht möglich. Jedoch gibt es verschiedene Ansätze von Definitionen und Erklärungen, die das Beratungsspektrum erklären sollen. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend spricht von der „…..Beratungsarbeit auf zwischenmenschliche[r] Be- ziehung […] und deren Lebensgeschichte und -entwürfe, auf Lebens - und Entwicklungs- bedingungen und deren Zusammenhänge mit psychologischen und/ oder psychosomatischen Leiden und Symptomen“ (KLANN 1994, S. 2). Dabei wird bewusst „… keine Abgrenzung gegenüber dem Therapiebegriff oder dem privatwirtschaftlichen Psychotherapieangebot vor- genommen“ (KLANN 1994, S. 2).

„Familienberatung unterscheidet sich also von der Familientherapie. In der Familientherapie geht es nicht mehr um die die monadische (alleinige, einseitige Betrachtung des Menschen) Betrachtung des menschlichen Individuums, menschliches Verhalten wird stattdessen […] “(BRUNNER 1986, S. 8) „… aus der Interaktion des Systems Individuum mit dem System Umwelt heraus zu erklären versucht“ (WELTER-ENDERLIN 1980, S. 8). Man unterscheidet bei der Beratungsform drei wesentliche Beratungstypen. Die krisen- bezogene Beratung erfolgt bei Krisensituationen, welche durch Wohnungsverlust, Schulden oder bei schwerwiegenden Problemen (z. B. akut aufgetretenen schweren Erkrankungen) eine sofortige Hilfe erfordert. Die problembezogene Beratung richtet sich mehr an Menschen, welche mit einer Problemstellung die Beratung aufsuchen. Dies können Beziehungsprobleme sein, aber auch Fragen zur Sexualität, Fragen zur Schwangerschaft oder rechtliche Fragen.

2. Entstehung der Familienberatung in Deutschland

2.1 Deutschland vor 1945

Die strukturellen Veränderungen innerhalb der industrialisierten Staaten, die neuen Familien- formen und die Veränderungen der wirtschaftlichen Lage vor 1945, bilden den Hintergrund, der den Bedarf einer Familienberatung bildet. Vor allem staatliche und gesetzliche Regelungen und Grundlagen bilden ein neues Familienbild unter dem Schutz des Staates. Im Jahr „1922 gab das Reichsgesetz für die Jugendwohlfahrt den Jugendämtern die Möglichkeit Beratungsstellen einzurichten“ (PRESTING 1991, S. 15). Bis heute sind die Beratungsstellen dem Jugendhilfebereich zugeordnet.

Die Einrichtung von Jugendämtern zum Schutz der Kinder in den Städten, die Einrichtung von heilpädagogischen Heilstädten und erste Elternberatungsstellen bilden ein neues Grund- verständnis für die Hilfe für Familien. Der Grund für die gesetzlichen Bestimmungen durch das Reichsjugendwohlfahrtsgesetz (RJWG) waren die kriegsbedingten Folgen wie Hunger, Armut und Krankheit, welche in den Hinterhöfen der großen Städte wie Berlin um sich gingen. Die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung zur Zeit der 20er Jahre war erdrückend und so sorgte man sich um die Aufrechterhaltung der Gesundheit der Kinder, welche unter Tuber- kulose und anderen Infektionskrankheiten litten, da vor allem die medizinische Versorgung der Kinder nicht gewährleistet war. Auch war ein geregelter Schulbesuch, insbesondere bei Kindern der Landbevölkerung, war nicht obligatorisch.

1903 wurde die erste heilpädagogische Beratungsstelle in Hamburg gegründet (CIMBAL). Es folgten 1916 eine Jugendsichtstelle in Frankfurt und 1918 in Leipzig die erste Eltern- beratungsstelle in Deutschland. Es folgten weitere Beratungsstellen in München, Stuttgart und in anderen Städten mit einer Einwohnerzahl von 10000 Menschen (vgl. PRESTING 1991, S. 10).

1928 waren insgesamt 42 Beratungsstellen mit überwiegend ehrenamtlichen Volksfürsorgern in Deutschland aktiv (BUJ 1981) (vgl. PRESTING 1991, S. 10).

Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden neben den freien Erziehungsberatungsstellen psychiatrisch orientierte Einrichtungen eingerichtet. „Die Erziehungsberatung wurde zu dieser Zeit allgemein als Aufgabe zur Förderung „erbgesunden, für die Volksgemeinschaft wertvollen Nachwuchses“ (PRESTING 1991, S. 11) verstanden.

2.2 Deutschland nach 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Anzahl der Kriegswaisen auf ca. eine Million Kinder an. „Wohnungsnot, Ernährungsmängel und überfüllte Klassen kennzeichneten die Situation von Kindern und Jugendlichen. Traumatische Kriegs- und Fluchterlebnisse wirkten nach. An- zeichen steigender Jugendverwahrlosung und Kriminalität wurden deutlich“ (PRESTING 1991, S. 12).

Die Besetzung der Länder durch die Besatzungsmächte ließ nach dem Zweiten Weltkrieg die Erziehungsberatungsstellen zunächst zusammenbrechen. Sie wurden dann von amerikanischer Seite später jedoch unterstützt (vgl. PRESTING 1991, S.13). Auch die “Interessen der amerikanischen Besatzungsmacht spielten […] eine Rolle, im Hinblick auf eine Neu- gestaltung des Bildungs- und Erziehungswesens zu nehmen, was nur teilweise gelang“ (PRESTING 1991, S. 11).

Neben den Erziehungsberatungsstellen wurde durch die amerikanische Besatzungsmacht das Reeducation Programm und das Mental Health Programm eingeführt. Das über die Jahrzehnte eingeführte Child Guidance Modell (Neurosenbehandlung) setzte sich zum größten Teil durch aber der amerikanische Einfluss auf die Gestaltung des Erziehungsberatungssystems wurde bald fallen gelassen, da es zu Widerständen kam gegen die Neugestaltung des Schulsystems.

2.3 Die Familienberatung im Jahr 2010

Die Familienberatung hat bis heute seine Hauptaufgabe, die Beratung, nicht verloren. Sie wurde besonders in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg durch neue Reformen geprägt, neue gesellschaftliche Strukturen sind entstanden und Gastarbeiter kamen in die BRD. 1991 wurde die Vereinigung der beiden ehemals deutschen Staaten DDR und BRD zum Meilenstein der deutschen Geschichte. Da in der DDR der Kindesentzug sehr schnell durch die staatlichen Behörden vonstattenging, waren die DDR Bürger anfangs noch sehr misstrauisch gegenüber der neuen Offenheit. Familienberatungsstellen gab es hier jedoch auch.

Im Jahr 2010 hat sich das Bild der Beratungsstellen gewandelt. Im Zuge der politischen Sparmaßnahmen werden Berater nur noch vorrangig ehrenamtlich beschäftigt, die Wochen- arbeitszeit und Öffnungszeiten] reduziert. Vor allem Menschen mit einer Behinderung leiden immer noch unter den noch fehlenden staatlichen Beratungsstellen (allein in Berlin gibt keine staatlichen Beratungsstellen für Menschen mit Behinderungen bei Fragen zur Familien- gründung, Erziehungsberatung usw.). So kann es schnell, vor allem in kleinen Städten und Gemeinden zu hohen Wartezeiten kommen. Schuldnerberatungsstellen z. B. können eine Wartezeit bis zu 18 Monate aufweisen (STUTTGARTER ZEITUNG vom 23.05.2008).

Vor allem freie Träger (Kirchengemeinden und Diakonien) leiden unter den fehlenden Zu- schüssen von staatlicher Seite. Viele werben um Spenden, um die Beratungsstellen weiterhin anbieten zu können. In der Stadt Herborn kam es im Dezember 2009 deswegen zu einer un- gewöhnlichen Idee. Jeder, der 100 Euro an die Beratungsstelle spendet wird Mitglied in einem 100er-Club, welche die Spende absetzen können und zu Festen und Aktionen ein- geladen werden (DILLPOST vom 29.12.2009). Die Idee fand großen Zuspruch und erwies sich als ein Rettungsanker für die Beratungsstellen. Und die Beratungsstellen sind sehr ge- fragt, denn 3/ 4 aller Beratungsstellen gehen auf private, freie oder kirchliche Träger zurück (STATISTISCHES BUNDESAMT 2008).

Auch das Internet erweist sich zunehmender Beliebtheit bei Familien, die den Weg zur Be- ratung scheuen. Internetforen, Beratungschats und Emailberatung sind weit verbreitet. Der Familienatlas der BKE greift auf Chats und Foren zurück. Die Chats sind als Einzelfall- beratung, als Gruppenchat oder als Themenchat verfügbar. Der Vorteil liegt dabei in der Anonymität. Vor allem sollen dabei kontaktscheue Jugendliche angesprochen werden, die das Medium Internet als Selbstverständlichkeit ansehen. Menschen mit einer Behinderung profitieren vor allem bei Bewegungseinschränkungen vom neuen Medium Internet. Vor allem aber in ländlichen Gebieten mit geringer Einwohnerzahl und weit entfernten Beratungsstellen ist das Internet eine Möglichkeit Geld und Zeit zu sparen.

3. Gesetzliche Bestimmungen und Länderrichtlinien

1953 wurden durch die Novellierung des Jugendhilfegesetzes (von 1922) erste Richtlinien festgelegt. Es folgten Nordrhein Westfalen, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg (1957). 1961 definierte das Jugendwohlfahrtsgesetz die Einrichtungen als „Beratung in Fragen der Erziehung“ (§5, Abs.1, Ziff.1) (PRESTING 1991, S. 16). Im Jahr 1973 einigten sich die Länder für eine einheitliche Gestaltung für die Förderung von Erziehungsberatungsstellen. Die WHO-Empfehlung eine Stelle für je 50000 Einwohner zu schaffen wurde dabei ein- gehalten. Die Einrichtungen waren nur für Erziehungsfragen zuständig. Die Beratung von alleinstehenden und verheirateten Paaren bei zwischenmenschlichen Beziehungsproblemen war noch nicht vorhanden. Dies wurde 1983 jedoch aufgehoben (Richtlinie über die Ge- währung von Zuwendungen zur Förderung von Familien- und Lebensberatungsstellen).

In Rheinland Pfalz ist im Jahr 1983 nur noch die Rede von „sozialen Beratungsstellen“, welche die Sucht- und Schwangerschaftsberatung mit einschlossen.

Zum Teil haben kirchliche Träger (Bsp. Bistum Trier) die Beratungen aufgenommen, welche für das Kirchenkonzept maßgeschneidert war. Die Rolle der Kirche lag in der Furcht vor der zunehmenden Furcht vor „großem staatlichen Einfluss […]“ (PRESTING 1991, S. 15). Begründet wurde dieses vor allem auf der Fuldaer Bischofskonferenz im Jahr 1956. Dort heißt es „Sie müssen vor allem überlegen, wem sie sich anvertrauen dürfen. Ein ungläubiger Psychologe zum Beispiel ist für sie ein denkbar ungeeigneter Ratgeber in Fragen und Er- ziehung, für deren religiöse Durchformung es keinen Sinn hat“ (KRECHEL 1958, S. 49).

4. Aufgabenstellungen der Erziehungs - und Beratungsstellen

4.1 1950 - 1985

Die vorrangige Aufgabe einer Erziehungsberatungsstelle ist in den 50er Jahren die Diagnose von Ursachen bei Erziehungsproblemen. Erzieher und Beratungssuchende wirken zusammen bei der Beratung und Durchführung von Lösungsansätzen.

[...]

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Details

Titel
Familienberatung in der Bundesrepublik Deutschland
Hochschule
Technische Universität Berlin  (Berufliche Bildung und Arbeitslehre)
Veranstaltung
Haushaltwissenschaftliche Grundlagen der Arbeitslehre
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V172887
ISBN (eBook)
9783640929344
ISBN (Buch)
9783640929559
Dateigröße
632 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
familienberatung, bundesrepublik, deutschland
Arbeit zitieren
Anke Brandt (Autor), 2010, Familienberatung in der Bundesrepublik Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172887

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