Kritische Analyse der Literaturkritiken über Benjamin Stuckrad-Barre: Soloalbum


Seminararbeit, 2000
8 Seiten
Anna Kiesbauer (Autor)

Leseprobe

Der Roman ist dumm und langweilig, der Autor in seine eigene Redeweise verliebt, und nicht einmal die zitierten Songtexte entschädigen für das Werk. – So etwa läßt sich die Hauptaussage der Rezension von Stuckrad-Barres „Soloalbum“ im Magazin „Spiegel“ zusammenfassen.

Diese schlichtweg negative Tendenz, wie sie sich in folgenden Ausschnitten zeigt, zieht sich durch die gesamte Buchvorstellung: „in seinem schnoddrigen Amoklauf“(Z.31-32), „Pamphlet ...,das leider selbst langweilig und nicht besonders klug wirkt“ (Z.41-44), Zeile 56: „...allzu fühlbar in seine Tiraden verliebt“. Im ersten Absatz wird dem Autor noch Verständnis und Mitleid entgegengebracht, wenn auch leicht spöttisch. Im zweiten Abschnitt versucht der Rezensent den aggressiven Schreibstil Stuckrad-Barres zu deuten, wobei er durch das Aufzählen der „Haßobjekte“ schon fast eine Zusammenfassung des Romans liefert. Eine kurze Vorstellung der Autorperson erhält man größtenteils im dritten Absatz, wobei dort auch die Beurteilung der Person als „Geschmacksterrorist“ (Z.54) mit seinen Eigenschaften „meinungsstark“ (Z.55), „herzlos“ (ebd.) und „in seine Tiraden verliebt“(56) vermittelt wird.

Bis auf die auch von Stuckrad-Barre benutzte Einschätzung, daß alles „scheiße“ (Z.22) ist, zitiert der Kritiker direkt gar nicht. Er unterlegt seine Argumente lediglich durch allgemeines Aufzählen, ohne die wörtliche Übernahme durch Anführungsstriche deutlich zu machen, sofern er überhaupt bewußt zitiert.

Mit der Buchvorstellung im Magazin „Prinz“ liegt die kürzeste und zugleich freundlichste Kritik vor. – Der Roman ist demnach ein stolzes Ergebnis mit hohem autobiographischen Anteil, kein gezieltes „Generationen-Informations-Buch“, eben einfach Schnaps zum Lesen.

Das Besondere an diesem Aufbau ist die Dialogstruktur /Interview. Die Einschätzung und Bewertung des Romans erfolgt durch die Autorperson Stuckrad-Barre, gelenkt von Fragen, die eine bestimmte Altersgruppe interessieren, und zwar die selbe Altersgruppe, die zugleich die Zielgruppe des Romans bildet. Die gesamte Rezension ist sehr publikumsfreundlich aufgebaut, durch Schlagzeile, Untertitel, Foto, Bilduntertitel und -text. Im Gegensatz zum Stern bewegt sich das Niveau hier auf Ebene der Jugendsprache (Z.35ff): „‘Koksbuch junger Menschen‘ – zum Kotzen“ ,“fand ... spacig“(Z.56) etc.. Auch die Schlagzeile „Jägermeister zum Lesen“ ist ansprechend für die Jugendlichen.

Die einzigen expliziten Ausführungen des Kritikers in Form des Artikelschreibers bestehen aus dem Kleingedruckten im Bilduntertext mit amüsant und ansprechend dargestellten Kurzinfos über den Autor. Eine Übersicht über den Romaninhalt erfährt der Leser nicht direkt, nur durch das eingeschobene Zitat in Zeile 8 bis 10: „Wir bestellten also Pizza und Koks, durchaus bei verschiedenen Lieferservice-Unternehmen!“, woraus man in etwa auf den Inhalt schließen kann; dabei helfen aber auch noch die Antworten Stuckrad-Barres. Im Mittelpunkt dieser Rezension steht also der Kommentar der Autorperson, wodurch diese gleichzeitig vorgestellt wird.

Die wesentlich umfassendere Rezension im Stern bietet eine aus positiven als auch negativen Teilen bestehende Tendenz, wobei sie streckenweise regelrecht liebevoll und sympathisierend wirkt.: Zeile 51-53: „Mit großen Augen betrachtet Stuckrad-Barre die Welt“, Z.73-74: „Da soll ein junger Mensch nicht verkorkst werden.“ Dennoch läßt sich die Hauptaussage so formulieren.: Zu erwartender Irrsinn, denn die Umstände der Zeit und des Lebens der Autorperson lassen nichts anderes erwarten. – Schon die Überschrift „Schöner Irrsinn“ verrät: es ist alles Quatsch, aber schöner Quatsch.

Im Verlauf von sieben Absätzen, über eine zynische aber interesseweckende Einleitung, und der Vorstellung Stuckrad-Barres und wie es zu diesem Buch kam, erhält der Leser eine Aufzählung von Inhaltspunkten mit dem Beleg des „Irrsinns“ (Z.34 ff). Im vierten Absatz wird ein Bezug von Leben und Werk des Autors hergestellt, im siebenten Abschnitt läßt der Rezensent Christian Seidl den Autor beurteilend und abschließend zu Wort kommen.

Im Gegensatz zum Spiegel zitiert Seidl im Stern relativ oft, wodurch er seine Rezension glaubhafter, sachlicher erscheinen läßt.

Die komplexeste Rezension läßt eine eindeutige Tendenz am schwierigsten feststellen. Silke Schnettler liefert in der Welt positive als auch negative Argumente, die Tendenz läuft in Richtung: so gut der Roman ist- so schlecht ist er auch. Dennoch läßt sich der Artikel in folgender Hauptaussage zusammenfassen.: Dieses Buch ist ein Erfolg und ist mehr als alles andere bisher an Popromanen, der Autor bietet ein Identifikationsobjekt und kündet durch seinen wütenden Sarkasmus von pubertärer Arroganz.

Schnettler interpretiert sogar, was in den anderen Rezensionen fehlt, die Gestaltungsform/den Aufbau des Romans (1. Abs.). Das Ergebnis der Deutung der äußeren Form wird im zweiten Absatz auf den Inhalt bezogen und mit Zitaten belegt. Nachdem dann das Werk als „Kultcharakter“ eingeschätzt wurde und die Autorperson vorgestellt wurde, erfährt der Leser Näheres aus dem Leben des Autors und eine angemessen bissige Inhaltsangabe. Wie die anderen Rezensenten auch, rechnet Schnettler „Soloalbum“ zur Gruppe der großen Popromane der letzten Jahre. Im fünften Absatz greift sie das Thema „Geschmack“ auf, das der Autor in den Mittelpunkt gestellt hat, ebenso die Reaktion des Leserpublikums, mit der abschließenden Bewertung: „lesenswert“ (Z.109). Schließlich geht Schnettler , wie es bei den anderen Kritiken nicht der Fall ist, interpretativ auf den Zusammenhang zwischen Romaninhalt und Oasis ein. Mit einer mahnenden Beurteilung und Aussicht schließt sie ihre Rezension ab.

[...]

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Kritische Analyse der Literaturkritiken über Benjamin Stuckrad-Barre: Soloalbum
Hochschule
Universität Rostock  (Institut f. Germanistik)
Autor
Jahr
2000
Seiten
8
Katalognummer
V17290
ISBN (eBook)
9783638218962
Dateigröße
417 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kritische, Analyse, Literaturkritiken, Benjamin, Stuckrad-Barre, Soloalbum
Arbeit zitieren
Anna Kiesbauer (Autor), 2000, Kritische Analyse der Literaturkritiken über Benjamin Stuckrad-Barre: Soloalbum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17290

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