Kultur im Zeitalter der Massenmedien


Hausarbeit, 2011
12 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 .Einleitung
1.1 Der Wandel des Kulturverständnisses in Deutschland gegen Ende des 19. Jahrhunderts
1.2 Die Kultur der Masse
1.3 Kultur im Zeitalter der Massenmedien

2. Kultur und Gesellschaft
2.1 Medienkultur des 21. Jahrhunderts
2.2 Schlussbemerkung

l.Einleitung

Denken wir heute über „Kultur“ nach, so fallen uns schnell solche Begriffe wie: Leitkultur, Unter­nehmenskultur, Jugendkultur, Fußballkultur, etc. ein. All diese Begriffe, deren Liste hier noch fort­gesetzt werden könnte, scheinen mit dem BegriffKultur zu spielen. Tauchen Vorgänge oder Sach­verhalte in unserer Gesellschaft vermehrt und stetig auf, scheint es dem Menschen ein Bedürfnis zu sein diese mit dem Begriff der Kultur zu deklarieren. Der Mensch scheint also in der Lage zu sein, sich seine eigene Kultur zu erschaffen. Das ist keine neue Erkenntnis, sondern erklärt, zumindest in Teilen, das Bedürfnis des Menschen sich innerhalb einer Gesellschaft abzugrenzen und seinen indi­viduellen Platz in Ihr zu finden und zu sichern.

Doch dieses „verkulturalisieren“, wie ich es an dieser Stelle nennen möchte, hat auch Auswirkun­gen auf die Gesellschaftsstruktur. Durch diesen Prozess können nämlich auch neue Institutionen ge­schaffen werden.

Denken wir nur an den Begriff der Medienkultur, der mit der fortschreitenden Technisierung der Gesellschaft im 20. Jahrhundert zu einem eigenen Wissenschaftszweig geworden ist. Durch immer mehr Informationen und immer schneller Datensysteme ist ein neuer Gesellschafts- und Dienstleis­tungsbereich entstanden: die Medienwissenschaften. Wiejede Wissenschaft versuchte diese mit Hil­fe von Empirie und Theorie den Menschen in seinem Kommunikationsverhalten zu ergründen und zu kategorisieren. Doch die Auswertungen dieser Ergebnisse lassen es nicht zu, eine Theorie der Medienkultur zu entwerfen, denn sie sind dadurch bedingt, dass sich die untersuchte Medienland­schaft in einem permanenten Wechsel- und Erneuerungsprozess befindet, der es schlicht unmöglich macht eine Allgemeingültigkeit, eine Medienkulturtheorie, zu formulieren.

Zwar werden anhand der Auswertungen des Medienkonsumverhaltens gewisse Gesetzmäßigkeiten konstruiert, diese haben aber überwiegend die Funktion, den Mensch als Konsumenten zu beein­flussen.

Das Problem dieser ständigen Bewegung innerhalb eines zu untersuchenden Bereich kann wohl als allgemeines Problem der Kultursoziologie formuliert werden, denn Kultur kann, als Forschungsge­genstand, als ein nicht statisches System formuliert werden, welches sowohl von soziologischen, wie auch politischen und ökonomischen Faktoren abhängt.

Wie ist es dann möglich, dass Kultur einen normativen Charakter bekommt, wenn sie doch ständig in Bewegung, im Umbruch ist? Kann der Begriff der Medienkultur als ein normativer Begriff die­nen, durch den sich der Mensch definiert, oder ist er bloß ein Sammelbecken geworden färjene neuen Medienwissenschaft die sich der neuen Kultur des Menschen verschrieben hat? Ist Medien­kultur ein leeres Pseudonym?

Unter diesen Fragestellungen möchte ich im Folgenden den Begriff der Kultur im Hinblick auf sei­nen Sinngehalt für den Menschen untersuchen. Zentral hierbei soll der Wandel des Kulturverständ­nisses mit besonderem Blick auf die neuen Massenmedien sein, sowie eine Untersuchung des Kul­turbegriffes seit dem 20. Jahrhundert. Durch die nachfolgende Analyse des Kulturbegriffes soll ge­zeigt werden wie der Mensch sich selber als kulturelles Wesen begreift und welche Einflüsse dieses Selbstverständnis auf das gesellschaftliche Zusammenleben hat.

1.1 Der Wandel des Kulturverständnisses in Deutschland gegen Ende des 19. Jahrhun­derts

Sich zu organisieren scheint dem Menschen ein natürliches Bedürfnis zu sein. Das bewusste Ab­grenzen zur Natur war schon immer geprägt von Organisationsformen und Hierarchiemodellen in denen der Mensch lebte. Was den Menschen aber wohl am meisten von der Natur trennt, ist das Or­ganisieren und Strukturieren seiner Geistigkeit, sprich: seiner Kultur. Diese neue Lebensform hat zwar die biologischen Vorgaben, doch nur mit dem Hintergrund, dass der Mensch wiederum eine neue Lebensform, nämlich eine soziokulturelle, entwickeln kann.[1]

Wie sich dieses grundlegende Verständnis des menschlichen Handels in einem permanenten Evolu­tionsprozess über die Jahrtausende entwickelt hat, soll aber nicht Gegenstand der Untersuchung sein. Hier sollte lediglich die Grundeigenschaft des Menschen, seinen Geist und seine Ideen zu ver­äußern, dargestellt werden.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts lässt sich ein bedeutsamer Bruch im kulturellen Denken verzeich­nen. War es bis zur Industrialisierung der europäischen Welt noch recht leicht sich in dem gottgege­benen Gefüge der Gesellschaft zu orientieren und seinen Platz in dieser bedingungslos zu akzeptie­ren, so geht mit der vorangegangenen Märzrevolution und der fortschreitenden Technisierung auch ein neues Kulturverständnis in Deutschland einher. Zum einen eine nur noch fragmentarische Erfah­rung von Ganzheitlichkeit innerhalb seiner Lebenswelt, zum anderen ein weiterhin bestehendes und sehr ausgeprägtes „Erlösungsbedürfnis“ durch die die neue Kultur.[2]

War es dem Menschen seit noch nicht allzu langer Zeit gegeben den Begriff der Kultur überhaupt für sich zu entdecken und ihm eine sinnstiftende Wirkung zuzuschreiben, so fallt hier die neu ge­wonnene „Freiheit des Geistes“ erstmals in eine Krise. Negativ formuliert verliert hier Kultur seine Bedeutungsebene für den Einzelnen. Positiv formuliert wird hier Kultur erstmals als offener Prozess sichtbar. Ein Prozess, der wie man es vorher vielleicht verstanden haben mag, keinen normativen Charakter besitzt, sondern sich durch seine Vielseitigkeit auszeichnet. Kultur kann also als etwas vom Menschen konstruiertes verstanden werden, was sich gleichzeitig in seinen Erscheinungsfor­men als ein Erlebnis des Fremden im Eigenen darstellen kann[3]

Unter dem Gesichtspunkt der Technisierung der Gesellschaft ist hier, Anfang der 20. Jahrhunderts, der Begriff der Medien zunächst in einer untergeordneten Rolle zu verstehen. Die Technik be­schränkte sich auf eine Vermassung im Industriellen Bereich, welche wiederum zentrale Auswir­kungen auf die Sozialstruktur hatte. Im Zeitalter der aufstrebenden Industrialisierung kam es zu ei­ner Lebensraumballung innerhalb der Großstädte. Mit dieser Neuordnung der Gesellschaft und der massenhaften Herstellung von Gütern entstand nun eine Steigerung der Kultur der Dinge einerseits und ein Zurückbleiben der Kultur der Personen andererseits.[4]

Die immer schneller werdende Welt ließ dem Menschen kaum noch eine Möglichkeit sich über den selbstgewählten Begriff seiner Kultur gegen etwas Abzugrenzen. Diesen Prozess beschreibt Georg Simmel als die „Tragödie der Kultur“.So kommt es zu einem Wechselspiel zwischen objektiver und subjektiver Kultur. Als objektive Kultur bezeichnet Simmel die „Gesamtheit aller durch Menschen geschaffenen materiellen und geistigen Dinge (beispielsweise Technik, Wissenschaft, aber auch Kunst).“[5] Die subjektive Kultur kann als der Vorgang bezeichnet werden sich diese Dinge anzueig­nen, sie zu vergeistlichen. Dieser Vorgang der Aneignung wurde aber durch ansteigende Flut von Informationen und Wissen für den Menschen nun immer schwieriger. Eine Diskrepanz im Kultur­verständnis entstand.

Es sei an dieser Stellejedoch angemerkt, dass sich dieser Vorgang nicht über die komplette Gesell­schaft erstreckte, sondern vielmehr eine Krise in einer Schicht des späten 19. Jahrhunderts wider­spiegelte, die Kultur als etwas privilegiertes Verstand: dem Bildungsbürgertum.[6] Es zeigt sich also hier, dass Kultur als Abgrenzungskriterium innerhalb der Gesellschaft, also nicht bezogen auf die Antithese „ Kultur - Natur“, nur für eine bedingte Menge von einer sozialen Schicht von Bedeutung war.

[...]


[1] Vgl. Dux, Günther: Historisch - genetische Theorie der Kultur. Weilerswist 2000. S. 71.

[2] Vgl. Lichtblau, Klaus: Kulturkrise und Soziologie um die Jahrhundertwende. Frankfurt a/M. 1996, S. 16.

[3] Vgl. Soeffner, Hans Georg: Kulturund Alltag. Göttingen 1988, S. 2.

[4] Ebd., S. 8.

[5] Moebius, Stephan: Kultur. Themen der Soziologie. Bielefeld 2009. S. 26.

[6] Vgl. ebd. ,S 17.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Kultur im Zeitalter der Massenmedien
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
12
Katalognummer
V172907
ISBN (eBook)
9783640929870
ISBN (Buch)
9783640929719
Dateigröße
417 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kultur, zeitalter, massenmedien
Arbeit zitieren
Fernandos Brehmos (Autor), 2011, Kultur im Zeitalter der Massenmedien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172907

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