Unsere Gesellschaft verfügt über eine Vielfalt von Möglichkeiten zur Verbesserung der Situation jener, die ein „Handicap“ besitzen. Die Zahl der behinderten Menschen in Deutschland beträgt zum Ende des Jahres 2009 7,1 Millionen, dies entspricht 8,7 % der Bevölkerung. Es gilt, diesen Menschen besondere Maßnahmen zukommen zu lassen, um ihre Lebensqualität aufzuwerten oder sie gar zur Führung eines selbstständigen Lebens zu befähigen. Dieser Aufgabe widmen sich zahlreiche Institutionen.
In Hippotherapie und Heilpädagogischem Reiten/Voltigieren kommen Medizin und Psychologie, sowie Pädagogik zusammen, um die therapeutische Wirkung des Pferdes zu nutzen. Aber auch das Behindertenreiten bzw. der Reitsport, der von Menschen mit Handicap durchgeführt wird, macht sich diese besondere Wirkung, welche durch das Pferd erlangt wird, zunutze. Schon mehrfach haben Reiter, die eine Behinderung erfahren haben, auch nach ihrer Erkrankung den Reitsport wieder aufgenommen und große Erfolge erzielt. Aber auch Menschen, welche mit körperlichem oder geistigem Handicap geboren wurden, verzeichnen solche Erfolge. Reiten ermöglicht – im Gegensatz zu anderen Sportarten – eine hervorragende Integration von behinderten und nicht behinderten Reitsportlern, sei es während des Trainings, im sozialen Bereich oder auch bei Turnieren.
In den folgenden Ausführungen werden Begrifflichkeiten geklärt, das Pferd als Therapeut dargestellt und verschiedene Spielarten des Reitens mit Handicap näher erläutert.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Allgemeine Grundlagen – Reitsport für Menschen mit Handicap
1. Definitionen
1.1 Beeinträchtigungen
1.2 Behinderung (als schwerste Form der Beeinträchtigung)
1.3 Sonderpädagogik
2. Themenkomplex Therapeutisches Reiten
2.1. Hippotherapie
2.2. Heilpädagogisches Reiten und Heilpädagogisches Voltigieren
2.3. Behindertenreitsport
3. Therapeut und Sportpartner Pferd
3.1. Charakter des Pferdes
3.2. Ausbildung des Pferdes
4. Menschen mit Handicap
4.1 Körperbehinderungen
4.1.1 Sehbehinderungen
4.2 Geistige Behinderungen
5. Reiten als Sport für Behinderte
5.1. Reiten als Freizeitsport
5.2. Reiten als Leistungssport für Behinderte
5.3. Fahren als Sport für Behinderte
6. Fallbeispiel - Reiten mit Handicap
7. Konsequenzen für die sonderpädagogische Arbeit
8. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung des Reitsports als Mittel zur Förderung und Integration von Menschen mit Handicap und leitet daraus notwendige Konsequenzen für die pädagogische und therapeutische Arbeit ab.
- Grundlagen von Beeinträchtigung, Behinderung und Sonderpädagogik
- Differenzierung zwischen Therapeutischem Reiten und Behindertenreitsport
- Die Rolle des Pferdes als Therapeut und Sportpartner
- Anforderungen an die Ausbildung und Klassifizierung im Behindertensport
- Praxisbeispiele und sonderpädagogische Handlungsprinzipien
Auszug aus dem Buch
6. Fallbeispiel - Reiten mit Handicap
„It´s ability, not disability, that counts.“ – Mit diesem Satz charakterisiert Dr. Angelika Trabert ihre Lebenseinstellung. Frau Dr. Trabert (43 Jahre alt), Anästhesistin und begeisterte Dressurreiterin ist eine Reiterin mit Handicap: Von Geburt an fehlen ihr beide Beine (Dysmelie) und ihre rechte Hand weist eine Fehlbildung auf. „Ich wollte trotz meines Handicaps immer „normal“ sein und wie viele Kinder hatte ich den Traum vom Reiten. Besonders Westernfilme und Cowboys haben mich stark fasziniert“, so Dr. Angelika Trabert in einem persönlichen Gespräch im Januar 2011. Mit sechs Jahren saß sie erstmalig auf einem Pony. Mittels Hippotherapie verstärkte sich ihre Bindung zum Reiten, es folgte ein erstmaliger Kontakt zum DKThR. Ritt sie in den ersten Jahren mit Beinprothesen und dadurch oft verursachten Schmerzen, legte sie 1985 in den USA erstmals ihre Prothesen zum Reiten ab und machte die Erfahrung, auch ohne diese korrekt und vor allem schmerzfrei reiten zu können.
Bis 1989 ritt sie im Westernsattel, der ihr mehr Halt gab. Von da an nutzte sie einen Spezialsattel, der von der damaligen „Interessengemeinschaft für Therapeutisches Reiten e.V., Nieder-Moos“ unter der Leitung und mit großem Engagement von Herrn Pfarrer i.R. Gottfried von Dietze, konstruiert wurde. Dieser Sattel ermöglichte ihr den Start in die Dressurreiterei und es folgten große Schritte.
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Die Einleitung thematisiert die gesellschaftliche Relevanz der Behindertenarbeit und stellt die besondere integrativ-therapeutische Wirkung des Pferdes im Reitsport vor.
II Allgemeine Grundlagen – Reitsport für Menschen mit Handicap: Dieses Kapitel definiert zentrale Fachbegriffe wie Behinderung und Sonderpädagogik sowie die Abgrenzung zwischen therapeutischen Angeboten und aktivem Sport.
1. Definitionen: Hier werden die theoretischen Grundlagen zu Beeinträchtigungen, den Schweregraden von Behinderungen und dem sonderpädagogischen Förderkontext dargelegt.
2. Themenkomplex Therapeutisches Reiten: Das Kapitel differenziert zwischen Hippotherapie, heilpädagogischen Ansätzen und dem Behindertenreitsport.
3. Therapeut und Sportpartner Pferd: Hier wird die Eignung des Pferdes, dessen Charakter sowie die grundlegenden Aspekte der Ausbildung für den Einsatz im Behindertenbereich erörtert.
4. Menschen mit Handicap: Das Kapitel bietet einen Überblick über verschiedene Arten von Körperbehinderungen und geistigen Behinderungen sowie deren Ursachen.
5. Reiten als Sport für Behinderte: Hier werden der Freizeit- und Leistungssport, die Klassifizierung der Reiter (Grades) sowie die Disziplin Fahren detailliert beschrieben.
6. Fallbeispiel - Reiten mit Handicap: Anhand der Biografie von Dr. Angelika Trabert wird die praktische Integration und sportliche Karriere einer Reiterin mit Dysmelie illustriert.
7. Konsequenzen für die sonderpädagogische Arbeit: Dieses Kapitel erarbeitet Leitprinzipien für die Zusammenarbeit von Pädagogen und Therapeuten unter Einbeziehung tiergestützter Interventionen.
8. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Möglichkeiten der Mensch-Pferd-Beziehung zusammen und unterstreicht die integrative Kraft des Reitsports.
Schlüsselwörter
Behindertenreitsport, Therapeutisches Reiten, Hippotherapie, Heilpädagogik, Integration, Inklusion, Sportgesundheitspass, Klassifizierung, Dressurreiten, Mensch-Tier-Beziehung, Dysmelie, Para-Equestrian, Sonderpädagogik, Behindertenfahrsport, Rehabilitation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen durch den Reitsport gefördert und integriert werden können und welche therapeutischen Effekte dabei erzielt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören die begrifflichen Grundlagen der Sonderpädagogik, die verschiedenen Reitdisziplinen für Menschen mit Handicap sowie die Anforderungen an Pferd und Reiter im Sport.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die pädagogischen Konsequenzen für die Arbeit mit behinderten Menschen im Kontext des Reitsports aufzuzeigen und die Wechselwirkung zwischen Mensch und Pferd wissenschaftlich zu fundieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine fundierte Literaturrecherche, ergänzt durch Expertenwissen und ein praxisbezogenes Fallbeispiel, um die theoretischen Aspekte zu untermauern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen zu Behinderungsarten, die Darstellung des Reitsports als Sportart (Dressur/Fahren) und die spezifischen Anforderungen an die Betreuung behinderter Reiter.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Behindertenreitsport, Hippotherapie, Inklusion, Klassifizierung, Sportgesundheitspass und sonderpädagogische Konsequenzen.
Welche Rolle spielt die Klassifizierung (Grades) für den Sport?
Die Einteilung in verschiedene Grades stellt sicher, dass Sportler mit vergleichbaren physischen Einschränkungen bei Turnieren unter fairen Bedingungen gegeneinander antreten können.
Warum ist das Fallbeispiel von Dr. Angelika Trabert so bedeutend?
Es veranschaulicht eindrucksvoll, wie durch den Einsatz von Hilfsmitteln und eine enge Mensch-Pferd-Partnerschaft trotz schwerer körperlicher Behinderung internationale Erfolge im Dressursport erzielt werden können.
- Arbeit zitieren
- Annika Schäfer (Autor:in), 2011, Behindertenarbeit am Beispiel des Reitsportes und Konsequenzen für die Arbeit im sonderpädagogischen Bereich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172915