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Das Innere nach außen tragen - David Lynchs indirekte und kinematographische Transformation der Bacon'schen Figurenästhetik in "Lost Highway"

Titel: Das Innere nach außen tragen - David Lynchs indirekte und kinematographische Transformation der Bacon'schen Figurenästhetik in "Lost Highway"

Seminararbeit , 2010 , 25 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Aurelia Vowinckel (Autor:in)

Kunst - Fotografie und Film
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Name David Lynch evoziert seit den 1990er Jahren beim Arthouse-Film-Publikum stets ein bekanntes Gefühl des Unwohlseins, der Begeisterung oder des schieren Unverständnisses. Ursache dafür mag sein, dass die Filme des amerikanischen Regisseurs, der in den 50er Jahren in der kleinbürgerlichen Idylle aufwuchs und an der Pennsylvania Academy of Arts in Philadelphia Kunst mit Schwerpunkt Malerei studierte, dem Betrachter etwas zeigen, das mit objektiver Realitätswiedergabe nichts gemein hat. Selbst die weniger als experimentell geltenden Spielfilme (im Gegensatz zu seinen frühen, experimentellen Trick- und Kurzfilmen) bedürfen immer die Bereitschaft des Betrachters, sich auf das filmische Kunstwerk einzulassen und an einer subjektiven Seh-Erfahrung teilzuhaben.
Alle Filme des „Kultregisseurs“ sind bis auf wenige Ausnahmen Sinnbilder des Unheimlichen, sind schwer zugänglich und doch hochgradig eindrucksvoll – manche scheinen, wie Lost Highway (1997), Blue Velvet (1986) oder Mulholland Drive (2001) wie Studien der menschlichen Psyche, andere bieten mehr das Gesamtbild einer grotesken Verstrickung aus Hollywood-Genres wie dem Roadmovie und klassischen Stereotypen der Filmgeschichte, man denke an Wild at Heart (1990) oder The Straight Story (1999). Die filmischen Experimente, die in jedem Werk des Regisseurs zu finden sind, haben die unterschiedlichsten Ausgangspunkte. In den folgenden Kapiteln soll ein konkretes Beispiel aus Lost Highway dazu dienen, die Verarbeitung von Lynchs Vorbildern, von kulturhistorisch bekannten Zeichen und Formen, sowie ein zentrales Motiv seines Œuvres, der Deformation des menschlichen Körpers, aufzuzeigen und zu erörtern. Das zu diskutierende Element aus Lost Highway, einem Film, der nicht nur aus narrativer Sicht ein schwer durchschaubares Konvolut aus surrealistischen und existenzialistischen Momenten darstellt, sondern auch kinematographisch ein Meisterwerk aus Schnitt- und Tricktechnik, Detailgenauigkeit sowie einem herausragenden Soundtrack ist, konstruiert sich aus wenigen, dem Anschein nach simplen Einstellungen: der Verfolgungsfahrt der Polizei von Los Angeles und dem männlichen Protagonisten des Films, Fred Madison. Der bildliche Gesamteindruck, der hier entsteht, ist ein offensichtliches Bildzitat der Porträts des irischen Malers Francis Bacon.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Francis Bacon und David Lynch

2.1 Francis Bacon: Innere und äußere Realität

2.2 David Lynch: Filmische Abstraktion

2.3 Deformation und Dekonstruktion des menschlichen Körpers

3. Fred Madison: ein malerisches Filmporträt

3.1 Das Motiv

3.2 Die Umsetzung

4. Zitat oder Transformation?

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die künstlerischen Einflüsse der Porträtmalerei und Figurenästhetik von Francis Bacon auf die filmische Gestaltung von David Lynch, insbesondere in Bezug auf die Kopfdeformation in der Schlusssequenz des Films Lost Highway. Dabei wird analysiert, inwieweit Lynchs Darstellung als eine kinematographische Transformation oder als indirekte Imitation von Bacons Intention, psychische Zustände über die physische Deformation sichtbar zu machen, verstanden werden kann.

  • Vergleich der künstlerischen Methoden von Francis Bacon und David Lynch
  • Analyse der Deformation des menschlichen Körpers als Ausdruck seelischer Zustände
  • Untersuchung filmischer Stilmittel wie Montage, Zeitraffer und Tricktechnik
  • Diskussion des Begriffs der "indirekten Imitation" im Kontext der Intertextualität
  • Deutung der Schlusssequenz in Lost Highway im Hinblick auf Identitätskrisen und Wahrnehmungsstrukturen

Auszug aus dem Buch

3.2 Die Umsetzung

Der Kern der zu analysierenden Szene aus Lost Highway, in der sich die Verformung von Freds Kopf vollzieht, dauert 30 Sekunden. In diesem Zeitrahmen, der bei 24 Bildern pro Sekunde ca. 720 Filmbilder beinhaltet, präsentiert David Lynch eine Meisterleistung an Schnitt- und Tricktechnik. Drei Elemente herrschen optisch in der gesamten Szene vor: Zeitraffer, Jump-Cuts und weiße Zwischenblenden. Der Eindruck, der sich dem Zuschauer in dieser halben Minute biete, ist weder einheitlich noch nachvollziehbar – er gleicht mehr einem stroboskopartigen Feuerwerk aus Farbe, Motiv, Bewegung und Geräusch.

Die Kopfdeformation findet in drei Stadien statt. Die Sequenz beginnt mit einer Frontalansicht vom erschöpft wirkenden Fred hinter dem Lenkrad seines Wagens, wobei durch die Dunkelheit des Settings nur sein Kopf und die Scheinwerfer der ihn verfolgenden Polizeiautos zu sehen sind. Im Zeitraffer findet in diesem Stadium ein Wechsel zwischen dem Close-Up von Freds Gesicht, wie oben beschrieben, und der Frontalsicht auf das Polizeiauto direkt hinter Freds Wagen, bei dem keine Insassen erkenntlich sind, lediglich die Scheinwerfer und die rot-blaue Polizeileuchte auf dem Dach des Wagens sind erkennbar. In der Blinzelbewegung von Freds müden Augen ist offensichtlich, dass alle Bewegungen per Zeitraffer beschleunigt sind – zudem sind die Bewegungen des fahrenden Autos nicht durch die ausgleichende Kamerabewegung (wie etwa durch eine Steadycam) gemäßigt und weich, sondern wirken sich auf das die Bewegung der Kamera, also dem faktischen Filmbild, aus. Wie bei der Aufnahme mit einer Handkamera „wackelt“ das Bild und ist unruhig. Zusätzliche Atemlosigkeit entsteht durch ständige Jump-Cuts, die Freds Gesicht und den Polizeiwagen in unterschiedlichen, nicht logisch aufeinander folgenden Schritten und Entfernungen zeigen. Dieses Stadium dauert 17 Sekunden und wird von einer alternativen Perspektive auf Fred abgelöst.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Filmästhetik von David Lynch und die Zielsetzung der Arbeit, die Verbindung zwischen Lynchs Werk und Francis Bacons Malerei zu untersuchen.

2. Francis Bacon und David Lynch: Theoretische Auseinandersetzung mit der Ästhetik des deformierten Körpers bei beiden Künstlern und die Analyse ihrer künstlerischen Verwandtschaft.

3. Fred Madison: ein malerisches Filmporträt: Detaillierte Fallstudie der Schlusssequenz von Lost Highway, die die angewandten filmischen Techniken zur Deformation des Protagonisten beschreibt.

4. Zitat oder Transformation?: Abschließende Einordnung der künstlerischen Anspielungen Lynchs auf Bacon unter Zuhilfenahme strukturalistischer Theorien zur Intertextualität.

Schlüsselwörter

David Lynch, Francis Bacon, Lost Highway, Filmästhetik, Körperdeformation, Porträtmalerei, Kinematographische Transformation, Indirekte Imitation, Montage, Identitätskrise, Fred Madison, Bildzitat, Psychoanalyse, Wahrnehmung, Intertextualität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Einflüsse der Bacon’schen Malerei auf das Werk von David Lynch, fokussiert auf eine spezifische Sequenz in Lost Highway.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit verknüpft kunsthistorische Theorien zur Porträtmalerei mit filmwissenschaftlichen Analysen zu Montage, Narration und der Darstellung menschlicher Psyche.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Es wird untersucht, ob die visuelle Anspielung auf Bacons Porträts in der Schlusssequenz von Lost Highway als Zitat, Hommage oder als eigene filmische Transformation zu bewerten ist.

Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zur Anwendung?

Die Autorin verwendet kunsthistorische Analyse, filmwissenschaftliche Dekonstruktion der Schnitt- und Tricktechnik sowie das strukturalistische Modell der Intertextualität von Gérard Genette.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Ästhetik der beiden Künstler und eine detaillierte technische Analyse der Kopfdeformation von Fred Madison im Film.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Zu den prägenden Begriffen gehören Körperdeformation, indirekte Imitation, filmische Abstraktion und die Interdependenz von Innen- und Außenwelt.

Warum wird gerade die Figur des Fred Madison als Fallbeispiel gewählt?

Die Figur dient als Projektionsfläche für eine malerische Transformation, bei der sich psychische Zustände physisch durch Deformation nach außen kehren.

Wie definiert die Autorin die Beziehung zwischen Bacon und Lynch?

Die Arbeit verortet die beiden Künstler in einem Meister-Schüler-Verhältnis, wobei Lynch Bacons Ideologie durch moderne Filmtechnik eigenständig weiterführt.

Welche Rolle spielt die Schlusssequenz von Lost Highway für die Argumentation?

Sie gilt als das zentrale visuelle "Beweisstück", in dem Lynch die Prinzipien der Bacon’schen "Athletik der Entstellung" filmisch adaptiert und transformiert.

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Details

Titel
Das Innere nach außen tragen - David Lynchs indirekte und kinematographische Transformation der Bacon'schen Figurenästhetik in "Lost Highway"
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Kunstgeschichte)
Note
1,7
Autor
Aurelia Vowinckel (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
25
Katalognummer
V172933
ISBN (eBook)
9783640930227
ISBN (Buch)
9783640930142
Sprache
Deutsch
Schlagworte
innere david lynchs transformation bacon figurenästhetik lost highway
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Aurelia Vowinckel (Autor:in), 2010, Das Innere nach außen tragen - David Lynchs indirekte und kinematographische Transformation der Bacon'schen Figurenästhetik in "Lost Highway", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172933
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  25  Seiten
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