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Rassentheorien deutscher Anthropologen vor und während des 1. Weltkriegs

Title: Rassentheorien deutscher Anthropologen vor und während des 1. Weltkriegs

Term Paper (Advanced seminar) , 2001 , 44 Pages , Grade: 1

Autor:in: Michael Vetsch (Author)

History of Germany - 1848, Empire, Imperialism
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Rassentheorien deutscher Anthropologen vor und während des 1. Weltkriegs

1. Einleitung

Der Weg zur Auseinandersetzung mit der Geschichte ist oft ein mühsamer und beschwerlicher. Doch nicht nur Politik und Gesellschaft tun sich mitunter mit dem Versuch der historischen Aufarbeitung schwer, auch Wissenschaften neigen zur Verdrängung dunkler Kapitel in ihrer Historie. Fast vierzig Jahre hat es zum Beispiel gedauert, bis die Rolle der Medizin und Biologie während des Dritten Reiches intensiv untersucht worden ist. Benoît Massin stellt darüber hinaus fest, dass Vergleichbares zur Geschichte der Rassenanthropologie oder der Humangenetik noch fehlt. Insbesondere greift Massin die (eigene) Historiographie der deutschen Anthropologie an. Anhand dreier Beispiele zeigt er, wie Anthropologen der Nachkriegszeit jegliche Verantwortung für die Greuel im Nationalsozialismus ablehnen. Der jüngste Versuch dieser „apologetischen Geschichtsschreibung“, wie es Massin nennt, stammt aus dem Jahr 1990 vom Humangenetiker Peter Emil Becker.(1) Nach seinem Fazit dürfte die Rassenkunde nicht zur Rechenschaft für Rassismus und Rassenpolitik des Dritten Reiches gezogen werden. Entscheidende Figuren wie die Anthropologen Otto Reche oder Eugen Fischer fehlen aber in seiner Darstellung ebenso wie der Hinweis, dass Becker selber während der Nazizeit in Deutschland geforscht hat und Mitglied der NSDAP war. (2)
Nicht viel besser steht es um die historische Bewertung der deutschen Anthropologie vor dem Ersten Weltkrieg. Es besteht generell die Tendenz, Rassenideologien auf am Rande stehende politische Extremisten oder „Pseudo-Wissenschaftler“ zurückzuführen.(3) Dies gilt auch für die Jahre des Deutschen Kaiserreichs. Während das Werk einiger populärwissenschaftlicher Autoren bekannt ist, sind die Rassenlehren der Universitätsprofessoren eher spärlich beleuchtet. Das Ziel dieser Arbeit soll es sein, ein wenig mehr Licht ins Dunkel der anthropologischen Forschung in Deutschland vor und während des 1. Weltkriegs zu bringen.
[...]
______
1 Benoît Massin, Anthropologie und Humangenetik im Nationalsozialismus oder: [...], Frankfurt a.M. 1999, S. 12-64, hier S. 12f.
2 Ebd., S. 42f.
3 Ebd., S. 12.

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Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. DIE ETABLIERUNG DES MODERNEN RASSISMUS

2.1 DIE GRUNDLAGEN IM 18. JAHRHUNDERT

2.2 ANTHROPOLOGIE UND SPRACHWISSENSCHAFT

2.3 GOBINEAU UND AUFKOMMENDES NATIONALBEWUSSTSEIN

2.4 RASSISMUS IM IMPERIALISTISCHEN ZEITALTER

3. ENTWICKLUNG DER ANTHROPOLOGIE IN DEUTSCHLAND

3.1 DIE VÄTER DER NEUEN WISSENSCHAFT

3.2 DEUTSCHE ANTHROPOLOGIE, KOLONIALPOLITIK UND MILITARISMUS

4. DEUTSCHE ANTHROPOLOGEN IM KAISERREICH

4.1 JOHANNES RANKE (1836-1916)

4.1.1 „Der Mensch“ als Hauptwerk

4.1.2 Ästhetik und die Beurteilung aussereuropäischer Rassen und Völker

4.1.3 Die Urgeschichte Europas und die Populärwissenschaft

4.1.4 Rankes Rassenanthropologie

4.2 EMIL SCHMIDT (1837-1906)

4.2.1 Der Schädelsammler

4.2.2 Kraniologie und südasiatische Reisen

4.2.3 Kampf den Dilettanten

4.2.4 Eigentümlich jüdische Rassenmerkmale

4.3 FELIX VON LUSCHAN (1854-1924)

4.3.1 Physischer Ethnograph

4.3.2 Kolonialpolitik und Rassenanthropologie

4.3.3 Sorgen um Deutschland

4.3.4 Der „bürgerliche Militarist“

5. MODERATE RASSENTHEORIEN IN DER „ALTEN SCHULE“

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die anthropologische Forschung im Deutschen Kaiserreich vor und während des Ersten Weltkriegs, um zu ergründen, inwieweit wissenschaftliche Publikationen rassistische Aussagen und Thesen zur Überlegenheit bestimmter Bevölkerungsgruppen enthielten.

  • Analyse der Rolle führender Anthropologen (Ranke, Schmidt, von Luschan) im Kaiserreich.
  • Untersuchung der Wechselwirkung zwischen Wissenschaft, Kolonialpolitik und Militarismus.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Etablierung und Verbreitung rassentheoretischer Denkmuster.
  • Differenzierung zwischen akademischer Lehre und populärwissenschaftlichen rassistischen Strömungen.

Auszug aus dem Buch

4.2.3 Kampf den Dilettanten

Ludwig Wilser (1850-1923) war Arzt und beschäftigte sich seit Mitte der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts unter anderem mit der Herkunft der Deutschen bzw. der Germanen und der Abstammungsgeschichte des Menschen. Seine Aufsätze waren medizinischen, anthropologischen, linguistischen, urgeschichtlichen, archäologischen, kultur- und kunstgeschichtlichen sowie historischen Inhalts (!). Nicht selten fielen streng wissenschaftliche Methoden seiner Vielfältigkeit zum Opfer, gerade auch auf anthropologischem Terrain.

Bis anhin hatten die Anthropologen und Paläontologen ein Bindeglied zwischen dem Neanderthalertypus und der sog. Cro-Magnon-Rasse, die als Vorläufer des heutigen Menschen gilt, vermisst. Ein Skelettfund in Frankreich veranlasste Wilser zu verkünden, dass diese Zwischenrasse nun gefunden worden sei. Da die entdeckten Skelette eindeutig „negroide Züge“ aufweisen würden – besonders die Prognathie der zwei gefundenen Schädel beeindruckte Wilser – kam er zum Schluss, dass aus dieser Zwischenrasse die heutige Negerrasse erwachsen sei. Diese Theorie blieb von Emil Schmidt nicht unbeantwortet. In der Zeitschrift Globus nahm er Wilsers Ausführungen auseinander und tadelte seine unwissenschaftlichen Spekulationen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Darstellung des Forschungsinteresses an der Geschichte der deutschen Anthropologie und der zentralen Fragestellung bezüglich rassistischer Tendenzen in wissenschaftlichen Schriften.

2. DIE ETABLIERUNG DES MODERNEN RASSISMUS: Historischer Überblick über die Entstehung rassentheoretischer Grundlagen im 18. Jahrhundert, beeinflusst durch Aufklärung, Pietismus und frühe Klassifizierungsversuche.

3. ENTWICKLUNG DER ANTHROPOLOGIE IN DEUTSCHLAND: Erörterung der Institutionalisierung der Disziplin und ihrer Verknüpfung mit Kolonialpolitik sowie eugenischen Diskursen.

4. DEUTSCHE ANTHROPOLOGEN IM KAISERREICH: Detaillierte Fallstudien zu Johannes Ranke, Emil Schmidt und Felix von Luschan hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen Ansätze und Weltbilder.

5. MODERATE RASSENTHEORIEN IN DER „ALTEN SCHULE“: Synthese der Untersuchungsergebnisse, die aufzeigt, wie trotz eines liberalen Grundkonsenses rassistische Denkmuster in der Anthropologie Eingang fanden.

Schlüsselwörter

Anthropologie, Rassentheorien, Kaiserreich, Kolonialismus, Eugenik, Kraniologie, Rassenhygiene, Sozialdarwinismus, Wissenschaftsgeschichte, Physische Anthropologie, Kulturvölker, Naturvölker, Arier, Antisemitismus, Menschheitsgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht kritisch die wissenschaftlichen Schriften deutscher Anthropologen vor und während des Ersten Weltkriegs im Hinblick auf deren rassistische Aussagen und den Einfluss von Rassenideologien auf die akademische Lehre.

Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?

Im Zentrum stehen die Etablierung des modernen Rassismus, die institutionelle Entwicklung der Anthropologie in Deutschland sowie die Analyse der Werke von Johannes Ranke, Emil Schmidt und Felix von Luschan.

Was ist das primäre Forschungsziel?

Das Ziel ist es, aufzuklären, ob und inwieweit die wissenschaftlichen Schriften damaliger Anthropologen rassistisch durchsetzt waren und ob Thesen einer Überlegenheit der „arischen“ oder „germanischen“ Rasse in der Wissenschaft dieser Zeit bereits verankert waren.

Welche Methode wendet der Autor an?

Der Autor führt eine gezielte historische Analyse durch, indem er die Schriften ausgewählter, prominenter Lehrstuhlinhaber untersucht und diese in den Kontext der zeitgenössischen Wissenschaftsgeschichte einbettet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich intensiv der Biografie und dem Werk von Johannes Ranke, Emil Schmidt und Felix von Luschan, wobei deren Positionen zu Rasse, Kultur und kolonialer Machtausübung detailliert analysiert werden.

Was zeichnet die Arbeit in Bezug auf die Schlüsselwörter aus?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rassenhygiene, Sozialdarwinismus und Anthropologie charakterisiert, die den Übergang von einer liberalen anthropologischen Tradition hin zur ideologischen Instrumentalisierung in der Zwischenkriegszeit verdeutlichen.

Warum wurden gerade Ranke, Schmidt und von Luschan als Beispiele gewählt?

Sie waren die drei einflussreichsten deutschen Dozenten der Anthropologie im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, die an bedeutenden Universitäten tätig waren und deren Werke das Feld der Anthropologie maßgeblich prägten.

Wie bewertet der Autor den Einfluss der „alten Schule“ auf den späteren Nationalsozialismus?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die „alte Schule“ zwar primär liberal geprägt war, aber dennoch unbewusst Grundlagen lieferte, die spätere Generationen von Anthropologen, die sich in den Dienst des Nationalsozialismus stellten, für ihre rassistische Ideologie nutzen konnten.

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Details

Title
Rassentheorien deutscher Anthropologen vor und während des 1. Weltkriegs
College
University of Bern  (Historisches Institut)
Grade
1
Author
Michael Vetsch (Author)
Publication Year
2001
Pages
44
Catalog Number
V17299
ISBN (eBook)
9783638219037
ISBN (Book)
9783640857753
Language
German
Tags
Rassentheorien Anthropologen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michael Vetsch (Author), 2001, Rassentheorien deutscher Anthropologen vor und während des 1. Weltkriegs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17299
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