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Die Haltung des Forschers in der qualitativen Interviewforschung

Eine methodische Herausforderung

Title: Die Haltung des Forschers in der qualitativen Interviewforschung

Research Paper (undergraduate) , 2011 , 27 Pages , Grade: 1.0

Autor:in: Johanna Stumm (Author)

Psychology - Methods
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Die qualitative Forschung zeichnet sich in Abgrenzung zu einer quantitativen Forschungsvorgehensweise vor allem dadurch aus, dass nicht der Versuch unternommen wird, Subjektivität so weit wie möglich auszuschalten. Während in der quantitativen Forschung Gütekriterien wie Objektivität und Reliabilität als Merkmale hochwertiger Wissenschaft gelten, wird an die qualitative Forschung der Anspruch gestellt, die subjektiven Faktoren des Forschers – wie etwa das Erkenntnisinteresse, das Verstehen aus Perspektive des Forschers, Vorannahmen (Präkonzepte) und Vorurteile – anzuerkennen und zu reflektieren, und diesen Reflexionsprozess transparent zu machen.

In der qualitativen Forschung werden verschiedene Quellen genutzt, um Material über den Forschungsgegenstand zu sammeln. Eine beliebte Quelle ist das Interview. Bei einer solchen Kommunikations-Situation lässt sich der Forscher auf eine Begegnung mit dem zu beforschenden Subjekt ein, wobei es unweigerlich zu komplexen Dynamiken zwischen den Gesprächspartnern kommt. Typische Charakteristika menschlicher Kommunikation kommen zur Geltung, Möglichkeiten und Grenzen des Fremdverstehens treten zutage, zu dem gesprochenen Wort gesellen sich nonverbale Signale, wie Intonation, Pausen oder Körpersprache, die sich unweigerlich in einen Gesamteindruck des Interviewten einreihen. Während menschliche Wahrnehmung und Kommunikation nie ganz frei sein können von Erwartung und vorgefertigten Verstehensmustern gilt das erklärte Ziel der qualitativen Interviewforschung, sich im Gespräch offen zu machen, um Neues zu entdecken.

In der vorliegenden Arbeit werden grundlegende Konzepte der qualitativen Forschung allgemein und der Interviewforschung im Besonderen dargelegt. Erkenntnistheoretische Probleme werden vertiefend erfasst, um schließlich einige in der qualitativen Forschung bekannte und angewandte Lösungsversuche für diese Probleme zu erläutern. Ein Schwerpunkt wird dabei auf das Konzept der theoretischen Sensibilität nach der Grounded Theory gelegt.

Es wird gezeigt werden, dass die qualitative Interviewforschung ganz besondere Anforderungen an die Haltung des Forschers stellt, aus denen sich letztlich auch spezifische Gütekriterien für eine ‚gute Forschung‘ ableiten lassen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Qualitative Forschung allgemein

2.1. Erkenntnistheoretische Grundlagen qualitativer Forschung

2.1.1. Phänomenologische Lebensweltanalyse

2.1.2. Ethnomethodologie

2.1.3. Symbolischer Interaktionismus

2.1.4. Konstruktivismus

3. Erkenntnistheoretische Probleme - methodische Herausforderungen

3.1. Grundprobleme

3.1.1. Fremdverstehen

3.1.2. Indexikalität der Sprache

3.2. Deduktion – Induktion – Abduktion – Komplexität der Erkenntnis

4. Lösungsversuche und Bewältigungsstrategien

4.1. Das Prinzip Offenheit

4.2. Die ,Theoretische Sensibilität‘ in der Grounded Theory

4.2.1. Emergence vs. Forcing – der Bruch zwischen Glaser und Strauss

4.2.2. Theoretische Sensibilität à la Strauss/ Corbin

5. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die methodischen Herausforderungen, die sich aus der Haltung des Forschenden in der qualitativen Interviewforschung ergeben. Ziel ist es aufzuzeigen, wie subjektive Faktoren und Erkenntnisprozesse transparent gemacht und durch theoretische Konzepte reflektiert werden können, um eine fundierte Forschungsqualität zu gewährleisten.

  • Erkenntnistheoretische Fundierung qualitativer Forschungsansätze
  • Herausforderungen durch Fremdverstehen und Indexikalität der Sprache
  • Logik der Erkenntnisgewinnung durch Abduktion, Deduktion und Induktion
  • Strategien zur Professionalisierung der Forscherhaltung (Offenheit und theoretische Sensibilität)

Auszug aus dem Buch

3.1.2. Indexikalität der Sprache

Ein zentrales Wesensmerkmal menschlicher Sprache und Kommunikation ist ihre Indexikalität. Dies bedeutet, dass sich die Bedeutung eines Begriffes immer nur in seinem konkreten Zeichengebrauch und in Relation zu anderen begrifflichen Konzepten konstituiert. Wir unterscheiden eine situativ-kontextuelle und eine begrifflich-referentielle Dimensionen, die jedoch eng miteinander zusammenhängen, da der situative Kontext eines Begriffes immer schon eine referentielle Bedeutung besitzt. Die Bedeutung eines Begriffes wird nur durch seinen situativen Verwendungskontext verstehbar.

Die Aufgabe geglückter Kommunikation ist die gegenseitige Entschlüsselung hochgradig indexikaler Begriffe und Sprachhandlungen. Die Aufschlüsselung der Indexikalität wird damit zu einem Grundprinzip qualitativer Interviewforschung. Während quantitative Verfahren aufgrund ihres standardisierten Zugangs zur sprachlichen Wirklichkeit der zu beforschenden Subjekte nicht die Möglichkeit haben, auf die Indexikalität der Sprache einzugehen, ist die qualitative Forschung in der günstigeren Position die Indexikalität sprachlicher Wirklichkeitskonstruktionen selbst zum Forschungsgegenstand werden zu lassen. Daraus lässt sich ableiten, dass „die qualitative Interviewführung gerade die methodische Aufgabe hat, zu indexikalisieren, das heißt die indexikalen Begriffe und Sprechakte der Befragten aufzugreifen und weiter zu eröffnen“ (Kruse 2009:34).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung grenzt die qualitative von der quantitativen Forschung ab und definiert die Reflexion der Forscherhaltung als zentrales Ziel der Arbeit.

2. Qualitative Forschung allgemein: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über theoretische Strömungen wie Phänomenologie, Ethnomethodologie und Konstruktivismus, die den qualitativen Forschungsprozess prägen.

3. Erkenntnistheoretische Probleme - methodische Herausforderungen: Hier werden die Hürden des Fremdverstehens, der sprachlichen Indexikalität sowie die logischen Wege der Erkenntnisgewinnung (Abduktion) kritisch beleuchtet.

4. Lösungsversuche und Bewältigungsstrategien: Das Kapitel stellt praktische Konzepte wie das „Prinzip Offenheit“ und die „Theoretische Sensibilität“ zur professionellen Gestaltung des Forschungsprozesses vor.

5. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass qualitative Gütekriterien primär durch eine reflektierte Forscherhaltung und die methodische Kontrolle des eigenen Erkenntnisweges gesichert werden.

Schlüsselwörter

Qualitative Interviewforschung, Forscherhaltung, Fremdverstehen, Indexikalität, Erkenntnistheorie, Grounded Theory, Theoretische Sensibilität, Prinzip Offenheit, Abduktion, hermeneutischer Zirkel, Reflexivität, methodische Herausforderung, Konstruktivismus, Validität, Subjektivität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit den methodischen und erkenntnistheoretischen Voraussetzungen qualitativer Interviewforschung, insbesondere mit dem Einfluss der Forscherhaltung auf den Forschungsprozess.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind erkenntnistheoretische Grundlagen (Phänomenologie, Konstruktivismus), Probleme wie das Fremdverstehen, sprachliche Indexikalität sowie Strategien zur reflektierten Datenanalyse.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Forschende durch Reflexion und spezifische Konzepte (wie die theoretische Sensibilität) mit ihrem eigenen Vorwissen umgehen können, um eine hohe Forschungsqualität zu erreichen.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Es werden keine eigenen empirischen Daten erhoben, sondern eine theoretische Auseinandersetzung mit etablierten qualitativen Methoden und Forschungstraditionen (insbesondere der Grounded Theory) durchgeführt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die theoretischen Konzepte der qualitativen Forschung, diskutiert erkenntnistheoretische Hürden und stellt Lösungsansätze für die Interviewpraxis und Datenauswertung vor.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Qualitative Interviewforschung, Forscherhaltung, Fremdverstehen, Indexikalität, Erkenntnistheorie, Reflexivität und Theoretische Sensibilität sind die Kernbegriffe.

Wie unterscheidet sich die Arbeit von rein quantitativen Ansätzen?

Im Gegensatz zur quantitativen Forschung, die versucht, Subjektivität auszuschließen, betont diese Arbeit, dass die Subjektivität und das Vorwissen des Forschers als konstruktive Elemente anerkannt und reflektiert werden müssen.

Was bedeutet der Begriff „Indexikalität der Sprache“ in diesem Kontext?

Indexikalität beschreibt, dass die Bedeutung von Wörtern und Aussagen immer vom situativen Kontext und der Beziehung der Sprechenden abhängt, was eine zentrale Herausforderung für das Verstehen in Interviews darstellt.

Warum ist das Konzept der „Theoretischen Sensibilität“ so wichtig?

Es ermöglicht Forschenden, ihr Vorwissen nicht als störendes Element zu unterdrücken, sondern es produktiv und kontrolliert in den Analyseprozess einzubinden, um tiefere Erkenntnisse zu gewinnen.

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Details

Title
Die Haltung des Forschers in der qualitativen Interviewforschung
Subtitle
Eine methodische Herausforderung
College
Donau-Universität Krems
Grade
1.0
Author
Johanna Stumm (Author)
Publication Year
2011
Pages
27
Catalog Number
V173037
ISBN (eBook)
9783640931798
ISBN (Book)
9783640931521
Language
German
Tags
haltung forschers interviewforschung eine herausforderung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Johanna Stumm (Author), 2011, Die Haltung des Forschers in der qualitativen Interviewforschung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173037
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