Drogensubstitutionsprogramme in der Medizin


Hausarbeit, 2009

17 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kapitel I: (Drogen-)Substitution
I.I Was ist (Drogen-)Substitution
I.II Der Zugang zu Substitutionsprogrammen
I.III Wichtige Aspekte innerhalb der Substitutionsprogramme
I.IV Während der Substitutionsprogramme
I.V Die verwendeten Ersatzstoffe
I.V.I Die Vor- und Nachteile von Methadon
I.VI Die Rechtsgrundlage für die legale Substitution in Deutschland

Kapitel II: Die Heroin-Substitution
II.I Modellprojekt zur heroingestützten Substitution
II.II Der Weg zur Regelversorgung Heroinabhängiger

Kapitel III: Vorstellung von JES und INDRO
III.I Jes - Junkies Ehemalige Substituierte
III.II Indro e.V.
III.III Zahlen

Kapitel IV: Problembereiche der Substitution
IV.I Jes - Probleme seitens der Patienten
IV.II Probleme Seitens der Ärzte
IV.III Rechtliche Probleme

Literaturverzeichnis

Kapitel I: (Drogen-)Substitution

I.I Was ist (Drogen-)Substitution

Das Wort „Substitution“ hat nicht nur eine Bedeutung. Je nach Kontext steht dieser Begriff für durchaus unterschiedliche Dinge. In der Chemie beispielsweise versteht man unter Substitution das Ersetzen von Atomen, Atomgruppen oder Molekülen. Im mathematischen Bereich findet die Substitution demgegenüber im Zuge der Integralrechnung Anwendung. Unabhängig davon, welchen Kontext man nun genauer betrachtet, Substitution meint in den meisten Fällen das Ersetzen von etwas durch etwas anderes. So auch innerhalb der Drogensubstitution, bei der man versucht die von Opiatabhängigen konsumierten illegalen Drogen im Rahmen so genannter Substitutionsprogramme oder Substitutionstherapien durch legale Ersatzstoffe („Ersatzdrogen“) zu ersetzen. Den Süchtigen soll durch diesen „Austauschprozess“ geholfen werden ihre Abhängigkeit besser kontrollieren zu können und letztendlich den Substanzkonsum gänzlich einzustellen. In diesem Zusammenhang kann durchaus auf die Sphäre der Ethik verwiesen werden, innerhalb derer Substitution die „Hilfe zur Selbsthilfe“ meint.

I.II Der Zugang zu Substitutionsprogrammen

Die Substitutionsprogramme sind lediglich für Opiatabhängige gedacht. Im konkreten Fall werden innerhalb der Substitutionstherapien daher nur Personen mit legalen Ersatzstoffen behandelt, die eine starke Abhängigkeit von Heroin entwickelt haben. Keine Hilfe bietet die Drogenersatztherapie demnach für Alkoholiker oder für Abhängige anderer Substanzen (z.B. Kokain, Amphetamin usw.). Zudem gibt es verschiedene Voraussetzungen bzw. Kriterien, die dringend erfüllt sein müssen, um einer heroinabhängigen Person die Teilnahme an einem Substitutionsprogramm gewähren zu können. So erhalten beispielsweise nur die Opiatabhängigen Zugang zu einer Substitutionstherapie, die nicht „drogenfrei“, also nicht ohne die Verabreichung von Ersatzstoffen, behandelt werden können. Ein Grund, der eine nicht „drogenfreie“ Behandlung nahe legt, ist zum Beispiel die Schwangerschaft einer heroinsüchtigen Konsumentin. Aber auch mehrere fehlgeschlagene „drogenfreie“ Entwöhnungsbehandlungen oder schwere Begleiterkrankungen (z.B. HIV, Hepatitis B/C usw.) können als Rechtfertigung zur Teilnahme an einer Drogenersatztherapie herangezogen werden.

Bei minderjährigen Heroinkonsumenten und Personen, deren Opiatabhängigkeit weniger als zwei Jahre bestand hat, entscheidet eine Kommission über die Teilnahme an einem Substitutionsprogramm. Spricht sich die Kommission dann für eine Teilnahme aus, wird die Substitutionstherapie schon vorab zeitlich begrenzt und auf das Ziel der vollständigen Abstinenz verpflichtet.

Auch wenn die Aufnahme in Substitutionsprogramme in den letzten Jahren erleichtert worden ist, so sprechen die immer noch strengen Zugangsvorrausetzungen doch eindeutig dafür, dass Substitution erst als ein „letzter Ausweg“ angesehen werden soll. Drogenersatztherapien sollen die Ausnahme bleiben, so die weitläufige Meinung.

I.III Wichtige Aspekte innerhalb der Substitutionsprogramme

Äußerst interessant ist, dass es bei den Substitutionsprogrammen primär um die gesundheitliche und soziale Stabilisierung des Opiatabhängigen geht. Erst in einem zweiten, sekundären Schritt wird die eigentliche Entwöhnung/Abstinenz des Klienten in den Fokus der „Substitutionsarbeit“ gerückt. Anders ist dies lediglich bei minderjährigen Konsumenten und solchen, deren Sucht erst weniger als zwei Jahre andauert (vgl. Kapitel I.II). Dadurch, dass die Substitutionstherapien die Beendigung der Heroinabhängigkeit anfangs eher als ihre periphere Aufgabe ansehen, lässt sich an dieser Stelle ein Zusammenhang zwischen (Drogen-)Substitution und akzeptanzorientierter Drogenarbeit nicht von der Hand weisen, denn auch bei der akzeptierenden Drogenarbeit steht erst einmal nicht die Entwöhnung der Süchtigen im Vordergrund, sondern stattdessen die Verbesserung ihrer Lebenssituation.

I.IV Während der Substitutionsprogramme

Im Verlauf der Substitutionstherapien ist eine enge Zusammenarbeit zwischen dem behandelnden Arzt des „Substituierten“ und einer psychosozialen Beratungsstelle angedacht. Gesetzlich festgelegt ist eine solche Zusammenarbeit jedoch nicht. Lediglich eine Überprüfung, die zeigen soll, ob der Opiatabhängige während seiner Drogenersatztherapie auf psychische und soziale Hilfeleistungen angewiesen ist, erscheint von rechtlicher Seite als obligatorisch.

Des Weiteren ist während der Substitutionsprogramme eine zeitliche und vor allem finanzielle Entlastung der heroinabhängigen Konsumenten vorgesehen. Diese so genannte „Entlastung“ findet ihren Niederschlag unter anderem darin, dass die Substituierten nicht für die Kosten ihrer Behandlung aufkommen müssen. Dies ist Aufgabe der gesetzlichen Krankenkassen. Dennoch werden bisher nicht alle finanziellen Belastungen der Therapie übernommen. So müssen die Süchtigen beispielsweise sowohl für die Praxis- als auch für die Rezeptgebühren selbst aufkommen. Dazu im weiteren Verlauf der Ausarbeitung mehr.

Durch die finanziellen Entlastungen und die Tatsache, dass die Abhängigen während der Substitutionsprogramme (eigentlich) kein Geld für die illegale Drogenbeschaffung aufbringen müssen, erhofft man sich eine Abkehr der Substituierten von eventuell vorhandener Beschaffungskriminalität und Prostitution. Gleichzeitig sollen die psychosozialen Beratungsstellen die Wiederaufnahme einer Arbeit und sozialer Kontakte außerhalb des Drogenmilieus forcieren.

I.V Die verwendeten Ersatzstoffe

Das nun folgende Teilkapitel soll die im Rahmen einer Drogenersatztherapie zur Anwendung kommenden Ersatzstoffe, die so genannten „Ersatzdrogen“, etwas näher beleuchten. Wichtig ist dabei, dass die legale Verabreichung von Heroin im Kontext von Substitutionsprogrammen hier noch keine Erwähnung finden soll. Mit dieser teils kontrovers diskutierten Thematik wird sich im zweiten Kapitel eingehender zu beschäftigen sein.

Die meist verwendeten Ersatzstoffe/“Ersatzdrogen“ innerhalb einer Substitutionstherapie sind bisher Methadon (Medikament: Racemat, Methaddict), Levomethadon und Buprenorphin (Medikament: Subutex, Suboxone). Diese Ersatzstoffe werden den Opiatabhängigen lediglich oral, entweder durch Tabletten oder Tropfen, verabreicht. Durch eine solche Vorgehensweise soll bei den Substituierten zum einen eine gedankliche Abkehr von der Spritze manifestiert werden, zum anderen können so „übliche“ gesundheitliche Nebenwirkungen des intravenösen Drogenkonsums (Hepatitis B/C, HIV-Infektionen, Blutvergiftungen) vermieden werden. Ein weiterer Vorteil der legalen Ersatzstoffe, auch aus gesundheitlicher Sicht, ist die Tatsache, dass sie, im Gegensatz zu den illegalen

„Straßendrogen“, stets exakt dosiert und nicht verunreinigt sind. Die Gefahr einer unbeabsichtigten Überdosierung nimmt somit deutlich ab.

I.V.I Die Vor- und Nachteile von Methadon

Die „Ersatzdroge“, die innerhalb von Substitutionsprogrammen am häufigsten Anwendung findet und gleichzeitig durchaus diskrepant betrachtet werden kann, ist Methadon. Einerseits weist dieser Ersatzstoff - gerade gegenüber der legalen Verabreichung von Heroin - einige therapeutische Vorzüge auf. So lindert Methadon beispielsweise die Entzugserscheinungen der Substituierten. Zudem hält die Wirkung von Methadon sehr lange an und es kommt bei einer Behandlung mit diesem Medikament auch nicht zur Euphorisierung des Opiatabhängigen. Letzteres ist gerade bei dem Konsum von Heroin sehr häufig der Fall. Andererseits gestaltet sich die endgültige Abkehr des Substituierten von der „Ersatzdroge“ Methadon nicht selten sehr viel schwerer als dies bei Heroin der Fall ist/wäre.

Angesichts der vorangestellten Aspekte erscheint ein vorsichtiger und überlegter Umgang mit Methadon im Rahmen der Substitutionsarbeit als durchaus angemessen.

I.VI Die Rechtsgrundlage für die legale Substitution in Deutschland

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die legale Substitutionsarbeit in Deutschland werden festgelegt vom so genannten Betäubungsmittelgesetz (BtMG) sowie von der BtM-Verschreibungsverordnung. Zusätzlich dazu schreiben die für Ärzte verbindlichen Leitlinien der Bundesärztekammer zur Substitutionstherapie Opiatabhängiger sehr genau vor, was während eines Substitutionsprogramms zu tun ist.

Inzwischen sind die vorangestellten Leit- bzw. Richtlinien zur Drogenersatztherapie weitestgehend gleich lautend. Sie legen unter anderem fest, dass ein substituierender Arzt über eine spezielle Qualifikation verfügen muss. Zudem begrenzen die Bestimmungen die Anzahl der gleichzeitig in einer Praxis betreuten heroinabhängigen Personen. Die Richtlinien schreiben den Ärzten des Weiteren vor, dass sie die Substituierten bei der Einnahme des jeweiligen Ersatzstoffes beaufsichtigen müssen. Erst nach 6 Monaten kann der Arzt dann entscheiden, ob bzw. ab wann der Klient das Substitut mit nach Hause nehmen darf, um es fortan weitestgehend selbstständig einzunehmen. Diese so genannte „take-home Verordnung“ gilt jedoch immer nur für sieben Tage. Ferner sehen die rechtlichen Rahmenbedingungen während der Substitutionsprogramme unangemeldete Blut- und Urinuntersuchungen der Opiatabhängigen vor. Durch eine solche Vorgehensweise soll der zusätzliche Konsum anderer illegaler Substanzen (Beigebrauch/Beikonsum) kontrolliert und vermieden werden. Tatsächlich weisen die entsprechenden Zahlen eindeutig darauf hin, dass der Beikonsum der Substituierten in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen ist. Außerdem ist in den Rechtsgrundlagen festgelegt, dass jede Drogenersatztherapie dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gemeldet werden muss und zusätzlich auch gegenüber der zuständigen kassenärztlichen Vereinigung zu dokumentieren ist. So soll vermieden werden, dass ein Opiatabhängiger gleichzeitig an mehreren Substitutionsprogrammen teilnehmen kann.

Kapitel II: Die Heroin-Substitution:

II.I Modellprojekt zur heroingestützten Substitution

Am Modellprojekt zur Heroinsubstitution nahmen von 2002 bis 2006 bundesweit rund 1000 Schwerstabhängige teil.

Im Rahmen des bundesdeutschen Modellprojekts zur heroingestützten Behandlung Opiatabhängiger erhielten Drogenabhängige, bei denen bisherige Drogentherapien nicht erfolgreich waren oder bei denen die Methadonsubstitution nicht befriedigend verlief, versuchsweise injizierbares Heroin als Medikament; eine Kontrollgruppe bekam parallel die Ersatzdroge Methadon. Beide Gruppen wurden regelmäßig medizinisch betreut und erhielten eine psychosoziale Begleittherapie.

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Details

Titel
Drogensubstitutionsprogramme in der Medizin
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V173039
ISBN (eBook)
9783640931804
ISBN (Buch)
9783640931583
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Drogen, Drogensubstitution, Medizin, Substitution, Heroin, Abhängigkeit, Junkies, Drogenersatz
Arbeit zitieren
Dominik Pohl (Autor), 2009, Drogensubstitutionsprogramme in der Medizin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173039

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