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Die Rolle der Verbraucherinnen und Verbraucher bei schädlichen Konsumauswirkungen

Eine kritische Textrekonstruktion des Artikels "Consumer Responsibility and Obscurity" von Ewan Kingston

Titel: Die Rolle der Verbraucherinnen und Verbraucher bei schädlichen Konsumauswirkungen

Seminararbeit , 2023 , 18 Seiten

Autor:in: Patrick Wolter (Autor:in)

Philosophie - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die heutige Zeit ist geprägt von sich anhäufenden Fragen in Bezug auf die Auswirkungen des eigenen Handelns. Wirtschaftskrisen, Ungleichheiten im Bereich der globalen Ressourcenverteilung sowie die allgegenwärtige Streuung von Pflichtbewusstsein in Sachen Klimakrise sorgen für eine Verbraucherdemokratie, die ihre Aufgabe darin sieht, Einfluss auf eine nachhaltige Gestaltung der Zukunft zu nehmen. Als maßgeblich wird hinsichtlich der Einflussnahme der ubiquitäre Verbrauch von Konsumgütern und damit tagtäglich getroffene Entscheidungen in der Lebenswirklichkeit der Menschen angesehen. Denn wenn es um Konsum geht, dann sind immer auch davon betroffene Instanzen und Begleiterscheinungen von Relevanz, was bedeutet, dass neben den bereits erwähnten Verbrauchern auch Unternehmen und ihre involvierten Produzenten, die betroffenen Ressourcen und zu guter Letzt das Ökosystem selbst mitberücksichtigt werden müssen. Diese Verstrickung bewirkt, dass der Akteur bzw. der Konsument nicht als unabhängige autarke Einheit fungiert, sondern als Teil eines Ganzen gedacht werden muss, der Initiator und Endziel zugleich darstellt. Mit anderen Worten ist der Verbraucher derjenige, den die erzeugte bzw. beschaffene Ware erreichen soll, während auch er es ist, der ihre Erzeugung bzw. Beschaffung erst notwendig macht. Konsum ist demnach im Ergebnis immer mit Auswirkungen auf verschiedenen Ebenen verbunden, die, und das sei an dieser Stelle vorwegzunehmen, nicht immer nur positiver Natur sind. Hat Konsum nämlich eine schädigende Wirkung, kommt der Terminus der Verantwortung hinzu, bei dem das Verhalten des Akteurs als Ursache für eine Wirkung angesehen wird und unter Umständen einer Anpassung bedarf. Jemand, der mit seiner Handlung Schaden anrichtet, sei es, indem er einem anderen Menschen, einem Tier oder auch einem Objekt schadet, der ist den normativen Rahmenbedingungen einer Gesellschaft zugrundeliegend schließlich dazu verdammt, zur Rechenschaft gezogen zu werden, auch dann, wenn er den Schaden nicht mutwillig hervorgerufen hat (z.B. durch fahrlässige Tötung).
Die Frage, die sich demnach stellt und philosophiegeschichtlich bereits etliche Male aufgearbeitet wurde, ist, ob jemand, der mit einer Handlung, die sich im legitimen, ja rechtlich einwandfreien Rahmen befindet, aber nachweislich Schaden anrichtet, zur Verantwortung gezogen oder unter bestimmten Bedingungen exkulpiert werden sollte.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Textrekonstruktion

III. Kritik

IV. Schluss

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Argumentation von Ewan Kingston bezüglich der moralischen Verantwortung von Konsumenten bei globalen schädlichen Auswirkungen ihres Verbrauchs, um zu klären, inwieweit Konsumenten für diese Folgen rechtlich und ethisch belangt werden können.

  • Analyse der sogenannten "Standard View" der Konsumentenverantwortung
  • Untersuchung von epistemischen Hürden und psychologischen Effekten wie "Moral Licensing"
  • Diskussion der Rolle von Wissen und Handlungsspielräumen des Einzelnen
  • Bewertung des Verhältnisses von individueller Verantwortung zu marktstrukturellen Rahmenbedingungen

Auszug aus dem Buch

II. Textrekonstruktion:

Kingston beantwortet die leitende Frage seines Textes mit insgesamt fünf Teilthesen o.a. Argumenten und führt den Leser zunächst in das Thema ein, indem er zunächst kritische bzw. „schmutzige“ Auswirkungen veranschaulicht, die im Zusammenhang mit diversen Konsumgütern stehen. Hierfür nutzt er populäre Beispiele, wie den Fabrikeinsturz in Bangladesch (Rana Plaza) im Jahr 2013 oder die Finanzierung von Terror-Milizen im Kongo durch den Handel mit Mineralien für Unterhaltungselektronik. Derartige Skandale seien laut ihm der Grund dafür, dass Philosophen bestimmte Pflichten für Endverbraucher einforderten, um solchen Geschehnissen besser entgegenzuwirken. Diese lauten in verallgemeinerter Form:

1. Verbraucher haben die Pflicht, sich über die Auswirkungen zu informieren, die mit der Geschichte derjenigen Produkte verbunden sind, welche regelmäßig gekauft werden.

2. Auf Grundlage dieses Wissens, obliegt es ihnen, „saubere“ Produkte den „schmutzigeren“ vorzuziehen (vgl. Kingston, 2017, Anfang Abs. 2).

Da die postulierten Pflichten als anspruchsvoll und auferlegt bezeichnet (vgl. ebd.), lässt sich an dieser Stelle des Textes bereits eine konträre Haltung gegenüber den Anforderungen der bis dahin nur verallgemeinert beschriebenen „Philosophen und Aktivisten“ herauslesen. Im Folgenden werden diese jedoch konkret benannt, wobei es sich einerseits um sogenannte Nichtregierungsorganisationen (NGO's) sowie Zusammenschlüsse von Mitgliedsstaaten (hier OECD) und andererseits um drei Philosophen handelt. Anschließend zitiert Kingston einige Positionen besagter Instanzen, welche im Groben mit den beiden zuerst genannten Pflichten übereinstimmen. Wo zunächst der Eindruck entsteht, Kingston würde sich im Weiteren vereinzelten Argumenten seiner Kontrahenten kritisch annehmen, wird wiederum deutlich, dass sämtliche Positionen zu einer homogenen Masse verkommen und folglich dem sogenannten „standard view“ zugeordnet werden (ebd., Anfang Abs. 3). Mit dieser Gleichsetzung hat er sich wiederum selbst einen alleinigen Widersacher geformt, an den er folglich seine Kritik richten kann.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des moralischen Konsums und die Verstrickung des Konsumenten in globale Schadensketten ein.

II. Textrekonstruktion: Dieses Kapitel arbeitet die fünf zentralen Argumente von Kingston heraus, mit denen er die moralische Pflicht des Verbrauchers begründet und zugleich in Frage stellt.

III. Kritik: Hier erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit Kingstons Thesen, insbesondere hinsichtlich seiner Annahmen über Wissen, moralische Psychologie und die Wirksamkeit von Konsumentscheidungen.

IV. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen und argumentiert, dass eine kollektive politische Rahmenregulierung zielführender ist als die alleinige moralische Überlastung des einzelnen Verbrauchers.

Schlüsselwörter

Konsumentenverantwortung, Ewan Kingston, Standard View, Globaler Konsum, Moralische Pflicht, Moral Licensing, Epistemische Hürden, Nachhaltigkeit, Lieferkettengesetz, Ethisches Argumentieren, Konsumkritik, Wirtschafts-Ethik, Handlungsspielraum, Transparenz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die moralische und rechtliche Verantwortung von Konsumenten für globale schädliche Folgen, die durch ihren Konsum entstehen.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum?

Zentrale Themen sind die Verantwortung des Konsumenten, die Grenzen des individuellen Wissens, psychologische Effekte der moralischen Selbstwahrnehmung und die Wirksamkeit von Konsumentenboykotten.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit hinterfragt, ob Konsumenten moralisch für die globalen Auswirkungen ihres Konsums belangt werden sollten, wenn ihr Wissen über diese Auswirkungen begrenzt ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Es handelt sich um eine kritische Textrekonstruktion und philosophische Analyse eines Fachartikels von Ewan Kingston.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst Kingstons Argumente rekonstruiert und anschließend kritisch auf ihre theoretische Stimmigkeit und praktische Anwendbarkeit geprüft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Konsumentenverantwortung, Standard View, Moral Licensing, ethisches Argumentieren und globale Lieferketten.

Inwiefern spielt das Konzept des "Moral Licensing" eine Rolle?

Der Autor nutzt dieses psychologische Phänomen, um zu zeigen, dass Konsumenten nach einer vermeintlich guten Tat dazu neigen, weniger streng bei künftigen, potenziell schädlichen Entscheidungen zu sein.

Welche Rolle spielt das Lieferkettengesetz im Fazit?

Das Lieferkettengesetz wird als Beispiel für eine notwendige kollektive, politische Lösung angeführt, die den Einzelnen entlastet und regulatorische Verantwortung auf die Akteure überträgt, die tatsächlich Einfluss auf Produktionsbedingungen haben.

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Details

Titel
Die Rolle der Verbraucherinnen und Verbraucher bei schädlichen Konsumauswirkungen
Untertitel
Eine kritische Textrekonstruktion des Artikels "Consumer Responsibility and Obscurity" von Ewan Kingston
Hochschule
Universität Potsdam
Autor
Patrick Wolter (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2023
Seiten
18
Katalognummer
V1730535
ISBN (PDF)
9783389193945
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle verbraucherinnen verbraucher konsumauswirkungen eine textrekonstruktion artikels consumer responsibility obscurity ewan kingston
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Patrick Wolter (Autor:in), 2023, Die Rolle der Verbraucherinnen und Verbraucher bei schädlichen Konsumauswirkungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1730535
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Leseprobe aus  18  Seiten
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