Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Potenzialen deliberativer Mini-Publics am Beispiel des Beteiligungsprojekts „Salz und Suppe – Stuttgart im Dialog“ der Stadt Stuttgart. Ziel der Arbeit ist es, anhand der Evaluation dieses deliberativen Prozesses zu untersuchen, welche Möglichkeiten und Grenzen solche Beteiligungsformate besitzen und welchen Beitrag sie zur Stärkung demokratischer Teilhabe leisten können.
Die Frage nach einer angemessenen öffentlichen Beteiligung spielt in jeder Demokratie eine zentrale Rolle. Durch gesellschaftliche Veränderungen wie Digitalisierung und Globalisierung verändern sich jedoch zunehmend auch die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger an politische Prozesse.
Im weiteren Verlauf der Arbeit werden zunächst die theoretischen Grundlagen der Bürgerbeteiligung sowie der deliberativen Demokratie dargestellt. Anschließend werden das Projekt „Salz und Suppe – Stuttgart im Dialog“ vorgestellt und analysiert. Abschließend werden die Ergebnisse bewertet und im Hinblick auf die Potenziale deliberativer Beteiligungsverfahren diskutiert.
Gleichzeitig werden diese Beteiligungsformate auch kritisch betrachtet. Obwohl Bürgerinnen und Bürger verstärkt eingebunden werden, bleibt ihr tatsächlicher Einfluss auf politische Entscheidungen häufig begrenzt. Viele Verfahren haben lediglich beratenden Charakter, während die endgültigen Entscheidungen weiterhin von politischen Akteuren getroffen werden. Dadurch entsteht oftmals Unsicherheit darüber, in welchem Ausmaß die eingebrachten Vorschläge tatsächlich berücksichtigt werden und welchen konkreten Einfluss die Beteiligung auf politische Prozesse besitzt.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
1.1 Partizipation in der Stadtentwicklung
1.2 Empirisches Modellprojekt: Salz und Suppe- Stuttgart im Dialog
1.3 Fragestellung und Struktur der Arbeit
2. Konzepte und theoretische Basis: Deliberative Mini-Publics als eine Form deliberativer Demokratie
2.1 Deliberative Demokratie: Konzept, Weiterentwicklung und Stand der Forschung
2.2 Deliberative Mini-Publics als eine Form deliberativer Demokratie
2.3 Motive der Implementierung der deliberativen Mini- Publics
2.4. Formen der deliberative Mini-Publics
2.5. Potenziale der Mini-Publics
2.5.1 Mini- Publics als Mittel zur Inklusion aller gesellschaftlichen Gruppen
2.5.2 Mini- Publics als Partizipative Instrumente der Deliberation
2.5.3 Potenziale für politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse
2.5.4 Bildung einer neuen Beteiligungskultur
2.6 Zwischenfazit
3.Die Evaluation des Beteiligungsprojektes „Salz und Suppe- Stuttgart im Dialog“
3.1. Fallbeschreibung: das Pilotprojekt „Salz und Suppe- Stuttgart im Dialog“
3.1.1 Prozessstruktur und beteiligte Akteure
3.1.2 Prozessphasen
3.1.2.1 Phase 1: Wahrnehmung
3.1.2.2 Phase 2: Zukunftsvorstellung
3.1.2.3 Phase 3: Ideenentwicklung
3.1.2.4 Phase 4: Kommunikation
3.1.3 Ergebnisse aller vier Runden
3.2 Evaluation: Potentiale deliberativer Mini-Publics im Beteiligungsprojekt „Salz & Suppe- Stuttgart im Dialog“
3.2.1 Evaluation: Ziele und Instrumenten
3.2.2 Ergebnisse der Evaluation
3.2.2.1 Inklusion
3.2.2.1.1 Wurde das Ziel „die unterschiedlichsten Menschen – vom Flüchtling über den Studenten bis hin zum Manager – an einen (Ess-)Tisch “ (Salz und Suppe 2017: o.S.) erreicht?
3.2.2.2.2 Wurden Kriterien wie soziale Milieus, Bildungsstand, Alter, Geschlecht, Staatsangehörigkeit berücksichtigt?
3.2.2.2.3 Wurden die Menschen, die über klassische Beteiligungsformate in der Regel nicht erreicht werden können, aktiviert?
3.2.2.2 Deliberation
3.2.2.2.1 Gehen die Teilnehmer respektvoll miteinander um?
3.2.2.2.2 Wie findet der Austausch von Argumenten statt?
3.2.2.2.3 Gleichheit der Beteiligung: - ist die Beteiligung gleichmäßig?
3.2.2.2.4 Beziehen sich die Teilnehmer auf das Gemeinwohl oder sind sie eigenwohlorientiert?
3.2.2.2.5 Konstruktives Verhalten: -bringen die Teilnehmer Vorschläge ein? Meinungsveränderung? Moderation? Wie hat sich der Wissensstand der Teilnehmer entwickelt?
3.2.2.2.6 Gibt es persönliches Story-Telling während des Prozesses?
3.2.2.2.7 Gab es ausreichend Zeit für die inhaltliche Diskussion und Ausarbeitung der Ergebnisse?
3.2.2.3 Politische Entscheidungsfindung und Realisierbarkeit der Ideen
3.2.2.3.1 Haben die Ergebnisse die politische Agenda beeinflusst?
3.2.2.3.2 Hat das Beteiligungsverfahren Einfluss auf die Stadtentwicklungspolitik?
3.2.2.3.3 Werden die Ergebnisse umgesetzt oder hatte das Projekt nur eine beratene Funktion?
3.2.2.4 Neue Beteiligungskultur
3.2.2.4.1 Wie ist die Zufriedenheit der Teilnehmer mit dem Verfahren?
3.2.2.4.2 Sollten solche Beteiligungsformate zukünftig häufiger durchgeführt werden?
3.2.2.4.3 Sind die Teilnehmer bereit zur nochmaligen Teilnahme an einem ähnlichen Beteiligungsformat?
3.2.2.4.4 Hat sich eine neue Beteiligungskultur entwickelt? Hatte das Projekt positive Resonanz?
4.Fazit
4.1 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
4.2 Empfehlungen für zukünftige Mini- Publics
4.3 Perspektiven für empirische Deliberationsforschung
Zielsetzung und Themen
Die Masterarbeit untersucht das Potenzial deliberativer Mini-Publics am Beispiel des Beteiligungsprojekts "Salz und Suppe – Stuttgart im Dialog", um aufzuzeigen, ob und wie solche Formate einen Beitrag zur bürgerschaftlichen Mitentscheidung und Co-Governance in der Stadtentwicklung leisten können.
- Evaluation der deliberativen Qualität des Modellprojekts "Salz und Suppe – Stuttgart im Dialog".
- Analyse der Inklusion verschiedener gesellschaftlicher Gruppen in informelle Beteiligungsverfahren.
- Untersuchung der Auswirkungen des Formats auf die politische Entscheidungsfindung und Stadtentwicklungspolitik.
- Reflexion über die Bildung einer neuen Beteiligungskultur in der lokalen Demokratie.
- Empfehlungen zur Gestaltung zukünftiger deliberativer Beteiligungsprozesse in der Kommunalplanung.
Auszug aus dem Buch
1.2 Empirisches Modellprojekt: Salz und Suppe- Stuttgart im Dialog
Das Gesicht der Stadt ist von Menschen unterschiedlicher Herkunft, die jung oder alt sind, mit ganz unterschiedliche Berufe, Einkommen, Lebensstille und Kulturen stark geprägt. Diese Vielseitigkeit macht die Stadt erst lebendig. Die urbane Lebensqualität ist abhängig von der Bewohnerschaft in den einzelnen Quartieren und deren Veränderungen im Zuge des demografischen Wandels. Wenn die Bewohner sich im Einklang mit der Stadt befinden, dann entwickelt sich ein Zugehörigkeitsgefühl. Die neuen Anforderungen an das Zusammenleben sind hoch, es wird eine neue Gesprächskultur benötigt um die Demokratie zu stärken. In diesem Kontext werden tragfähige Lösungen gesucht um die Kreativität und Erfahrung der Bürgerinnen und Bürger an die Stadtentwicklung einzubeziehen.
Die Bürgerbeteiligung gehört längst zu einer nachhaltigen kommunalen Praxis. Es werden Projekte durchgeführt um die Vernetzung der Bevölkerung mit Politik, Verwaltung, Stadtplaner, Experten zu fördern. Viele experimentelle Ansätze bringen diese Vielseitigkeit zusammen. Eine moderne Demokratie braucht neue Wege um die Bürgerinnen und Bürger in Diskussionen frühzeitig einzubinden. Die Landesregierung von Baden-Württemberg hat bei verschiedenen Projekten Bürgerbeteiligungsformate schon eingesetzt. Hunderte Veranstaltungen, von Runden Tische, Bürgerbefragung, World-Café bis hin zu Moderation und Schlichtungsverfahren wurden getestet. Die Bürgerinnen und Bürger konnten Einfluss auf politische Entscheidung nehmen.
In Einer Studie zur Bürgerbeteiligung der Bertelsmann Stiftung schreiben die Wissenschaftler Baden-Württemberg eine Vorreiterrolle zu (StN 2017: O.S.). Die Beteiligungsstrategie „Politik des Gehörtwerdens“ gebe es in keinem anderen Land (StN 2017: O.S.). Die Zukunftsvorstellungen der Bürgerinnen und Bürger fordern die Politik innovative methodische Gestaltungen zu entwickeln und umzusetzen. Neben den traditionellen Mini-Publics, wie zum Beispiel, Konsensus Konferenzen, Bürgerforen, Planungszellen oder Online Befragung, lässt sich immer häufiger beobachten, dass neue innovative Methoden auch in Stuttgart getestet werden um eine nachhaltige Stadtentwicklung zu fördern.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der repräsentativen Demokratie ein und stellt das Projekt "Salz und Suppe – Stuttgart im Dialog" als innovativen Ansatz der Bürgerbeteiligung vor.
2. Konzepte und theoretische Basis: Deliberative Mini-Publics als eine Form deliberativer Demokratie: Hier werden die theoretischen Grundlagen deliberativer Demokratie sowie die Rolle und Potenziale von Mini-Publics als Instrumente der Bürgerbeteiligung erläutert.
3.Die Evaluation des Beteiligungsprojektes „Salz und Suppe- Stuttgart im Dialog“: Dieses Kapitel umfasst die detaillierte empirische Untersuchung und Bewertung des Stuttgarter Pilotprojekts anhand der Kriterien Inklusion, Deliberation, Entscheidungsqualität und Beteiligungskultur.
4.Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Evaluation zusammen und leitet daraus Empfehlungen für die Gestaltung künftiger Beteiligungsprozesse sowie Perspektiven für die empirische Deliberationsforschung ab.
Schlüsselwörter
Bürgerbeteiligung, Deliberative Demokratie, Mini-Publics, Stadtentwicklung, Inklusion, Deliberation, Diskursive Qualität, Partizipation, Stuttgart, Beteiligungskultur, Co-Governance, Empowerment, Politische Partizipation, Soziale Stadtentwicklung, Innovationsmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Potenzialen deliberativer Mini-Publics als Instrumente der Bürgerbeteiligung, konkret evaluiert am Beispiel des Stuttgarter Projekts "Salz und Suppe – Stuttgart im Dialog".
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Krise der repräsentativen Demokratie, die theoretische Verankerung der deliberativen Demokratie, die Methoden und Potenziale von Mini-Publics sowie deren Anwendung in der kommunalen Stadtentwicklung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu untersuchen, inwieweit das Format "Salz & Suppe – Stuttgart im Dialog" zur Förderung von Mitentscheidung und Co-Governance geeignet ist und wie sich die Potenziale deliberativer Mini-Publics im städtischen Kontext entfaltet haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Einzelfallstudie. Als Datengrundlage dienen standardisierte Teilnehmerfragebögen, Interviews mit Moderatoren und dem Organisationsteam, Verlaufsprotokolle sowie teilnehmende Beobachtungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil über deliberative Demokratie und einen empirischen Teil, der das Projekt anhand der Kriterien Inklusion, Deliberation, Entscheidungsqualität und Beteiligungskultur systematisch auswertet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Bürgerbeteiligung, deliberative Demokratie, Mini-Publics, Stadtentwicklung, Inklusion und Beteiligungskultur.
Wie unterscheidet sich "Salz und Suppe" von herkömmlichen Bürgerforen?
Das Projekt integriert den informellen Rahmen gemeinsamer Kochabende und Stadtteilspaziergänge in den deliberativen Prozess, um Hemmschwellen abzubauen und auch Bevölkerungsgruppen zu erreichen, die klassische Formate eher nicht nutzen.
Welche Rolle spielt die Inklusion im untersuchten Projekt?
Inklusion ist ein zentrales Erfolgskriterium. Die Studie untersucht, ob es dem Projekt gelang, eine diverse Teilnehmerschaft – vom Flüchtling bis zum Manager – zu erreichen und somit als repräsentativer Querschnitt der Stadtgesellschaft zu fungieren.
- Quote paper
- Diana Antonesei (Author), 2017, Die Potenziale der deliberativen Mini-Publics. Das Beispiel eines Beteiligungsprojektes der Stadt Stuttgart "Salz und Suppe & Stuttgart im Dialog", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1730673