Das "Diario de a bordo" von Christoph Columbus: Ein Erster Blick auf die Neue Welt


Hausarbeit, 2010

18 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Paradiesische Schönheit
2.1. Die üppige Natur
2.2. Die Wohlgestaltete Urbevölkerung
2.3. “Ellos no traen armas ni las conocen”

3. Der Nutzen der Entdeckung

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Im Jahre 1492 entdeckte Christoph Kolumbus Amerika.“ Dieses so überlieferte historische Faktum gehört heutzutage zum Allgemeinwissen. Eine detailgetreue Überlieferung zu seinen Entdeckungsfahrten haben wir dem Seefahrer und Entdecker Christoph Columbus persönlich zu verdanken, da er während seiner Reisen akribisch genau Schiffstagebuch führte, das unter dem Titel Bordbuch, zu Spanisch Diario de a bordo, bekannt ist. „Im Vorbericht zu diesen Aufzeichnungen schreibt er, er wolle Tag für Tag all seine Beobachtungen eintragen und dafür sogar seinen Schlaf opfern: In der Nacht werde er zu Papier bringen, was sich tagsüber zugetragen habe und am Tag, was sich nachts ereignete.“[1] So wie er es dort ankündigte, vollzog er später auch sein Vorhaben. Er schrieb alle Vorkommnisse seiner ersten Reise nieder, „von den zurückgelegten Tagesstrecken über die Wetterverhältnisse bis zu Beschreibungen der Geographie und Botanik der neuentdeckten Gebiete und den Lebensgewohnheiten der Urbevölkerung des späteren „Westindiens“.“[2] Dieser, im Wesentlichen, nüchterne Bericht war vor allem dazu bestimmt, vor seinen Auftraggebern, dem spanischen Königshaus, detaillierte Rechenschaft abzulegen und ihr Interesse an der Unternehmung wachzuhalten.[3]

Aufgrund seiner außerordentlichen Bemühungen, das Neue zu erfassen und zu beschreiben, ist das Schiffstagebuch als Quelle einzigartig. Kaum ein anderer Reisebericht ist so detailliert wie der von Christoph Columbus: „His reports to Ferdinand and Isabella are unique in the annals of the sea; no master ever complied so detailed a log; no commander of the day ever wrote such copious reports; no navigator of that era […] displayed such talent for observation, such sensitivity to the elements, such appreciation of nature.”[4]

Daher ist es umso folgenschwerer, dass die heutige Quelle des Diario de a bordo nicht das Original von Columbus repräsentiert. Eine Abschrift davon erhielt sein Sohn Hernando Colón, eine weitere war wahrscheinlich die Grundlage für das Manuskript des Fray Bartolome de las Casas, der Columbus‘ Aufzeichnungen teils in der dritter Person zusammenfassend, teils in erster Person wörtlich zitierend wiedergibt.[5] Allerdings ist heute ungewiss wie genau der Bischof die Formulierungen Kolumbus‘ übernahm oder in wie fern er Änderungen vorgenommen hat. Nichtsdestotrotz wurde der Text erstmals 1825 von Martin Fernández de Navarrete publiziert, der sich jedoch für den Verzicht der einleitenden Worte und der Randbemerkungen des Bartolome de las Casas entschied. Daraufhin wurde der Text in zahlreiche Sprachen übersetzt.[6]

Das Bordbuch ermöglicht uns heute einen Einblick in die Gedanken- und Erlebniswelt eines spätmittelalterlichen Menschen und Seefahrers.[7] Was uns nun im Detail interessiert ist die Frage wie Christoph Columbus das Neue, das ihm begegnet ist, erfasst hat, beschrieben hat und wie er es letztendlich zu einem, aus seiner Sicht, plausiblen Ganzen zusammengefügt hat.[8] Jedoch müssen wir bei dieser Frage immer die Tatsache im Auge behalten, dass das Diario de a bordo nicht die originale Überlieferung von Columbus selbst ist. Daher können wir uns an eine Antwort auf die Frage, wie Columbus die Neue Welt dargestellt hat, nur annähern.

2. Paradiesische Schönheit

Nachdem Columbus mit seiner Mannschaft, die auf drei Schiffe (Niña, Pinta, Santa María) verteilt war, am 03. August 1492 den Hafen bei Palos de la Frontera verließ und Kurs gegen Westen nahm, vergingen rund drei Monate auf hoher See bis seine Besatzung das erste Mal Land sichtete. Bereits in dieser Zeit berichtete Columbus jeden Tag in wenigen Sätzen was am jeweiligen Tag geschah und was er beobachtete. Hauptsächlich berichtete er hier von den zurückgelegten Tagesstrecken und welche Route er einschlägt.

Am Abend des 11. Oktobers 1492 war es dann endlich soweit. Laut eigenen Angaben erspähte Christoph Columbus um etwa zehn Uhr nachts ein schimmerndes Licht, das sich wie eine schimmernde Kerze auf- und abbewegte und das er als ein Indiz für Land deutete.[9]

[…] y era como una candelilla de cera que se alzaba y levantaba, lo cual a pocos pareciera ser indicio de tierra. Pero el Almirante tuvo por cierto estar junto a la tierra.”[10]

Von diesem Zeitpunkt an wurden die Tagebucheinträge täglich länger und detaillierter. Besonderes Augenmerk legte Columbus auf genau drei Dinge: Die üppige Natur und Landschaft, die wohlgestalteten Menschen, die er dort vorfand, und natürlich das hochangesehene Wirtschaftsgut, Gold. Auf letzteres legte nicht nur Columbus großes Augenmerk, sondern auch seine Auftraggeber, das spanische Königshaus. Im Vertrag Capitulaciones de Santa Fe wurde in beidseitigem Einverständnis ein Abkommen geschlossen, das besagt, Columbus solle den Atlantik überqueren und somit auf direktem Wege nach Asien gelangen.[11] Als “Belohnung“ sollte Columbus zum Vizekönig der neu entdeckten Ländereien ernannt werden, zudem ließ er sich ein Zehntel der künftigen Einkünfte zusprechen.[12] Doch auch das Königshaus mochte einen Nutzen durch diese Entdeckungsfahrt haben. So schrieben die Könige im sogenannten Schutzbrief: „Wir schicken heute den edlen Columbus […] durch die ozeanischen Meere nach Indien um des Dienstes an Gott und der Verbreitung des rechten Glaubens willen sowie zu Unserem Vorteil und Nutzen.“[13] In anderen Worten waren sie auf edle Gewürze, Seide und Gold aus, das Columbus für Sie auffinden sollte.

2.1. Die üppige Natur

Nachdem Christoph Columbus und seine Mannschaft am 12. Oktober 1492 nach langer Reise zum ersten Mal wieder Land betraten, fiel die Beschreibung der Natur eher spärlich aus. So beschrieb Fray Bartololome de Las Casas die Situation von Columbus:

„Puestos en tierra vieron árboles muy verdes y aguas muchas y frutas de diversas maneras.”[14]

An dieser Stelle kann man nicht genau feststellen, ob Columbus‘ Landschaftsbeschreibungen wirklich nur auf diesen einen Satz komprimiert waren, oder ob Fray Bartolome de las Casas die Situation lediglich in seinen Worten sehr knapp zusammengefasst hat. Beispielsweise verkürzte er auch den Eintrag vom 27. November 1492, nachdem er bereits ausführlich die Landschaft beschrieben hat.[15] Nachfolgend fasst er lediglich zusammen was der Admiral niederschrieb:

„Dice maravillas de la lindeza de la tierra y de los árboles, donde hay pinos y palmas […]”[16]

Am zweiten Tag auf der Insel, die in der Indianersprache „Guanahaní“ hieß, die von Columbus dann aber auf den Namen „San Salvador“ umbenannt wurde, gerät er aber ins Schwärmen über die Natur:

„Esta isla es bien grande y muy llana y de árboles muy verdes y muchas aguas y una laguna en medio muy grande, sin ninguna montaña, y toda ella verde, que es placer de mirarla […]”[17]

Bevor Columbus seine Reise antrat, hatte er bestimmte Vorstellungen von der Neuen Welt und malte sich aus, was ihn dort erwarten könnte. Im Vorbericht zu seinem Schiffstagebuch schildert er seine Erwartungen, nämlich im Westen früher oder später auf einen Nachfolger des Großen Khan zu treffen.[18] Daher kann man davon ausgehen, dass Columbus eine zivilisierte Bevölkerung erwartete, doch stattdessen „zeigte sich Kolumbus eine naturbelassene Landschaft, die ihn immer mehr beeindruckte.“[19] Als er nach einigen Tagen die erste Insel “Guanahaní” verließ und sich auf den Weg machte um weitere Inseln, wie La Española oder Isabella, zu entdecken, schrieb er am 21. Oktober Folgendes:

„las otras [islas] ya vistas son muy hermosas y verdes y fértiles, ésta es mucho más y de grandes arboledos y muy verdes. Aquí es unas grandes lagunas, y sobre ellas y a la rueda es el arboledo en maravilla, y aquí en toda la isla son todos verdes y los hierbas como en el abril en el Andalucía.”[20]

Von all diesen neuen Eindrücken war Columbus derart überwältigt, dass er glaubte im Paradies gelandet zu sein. Für ihn grenzte diese Neue Welt an das Wunderbare. Daher benutzte er häufig die Worte: „es maravilla/maravilloso“. Jedoch erkennt man deutlich, dass Columbus geradezu die Worte und Begriffe fehlten, um das Unbekannte und vor allem so Vielfältige der Neuen Welt zu beschreiben. Er benutzte sehr häufig die Worte „verde“, „muy/mucho“, sowie „grande“. „Dennoch entsteht letztlich das Bild einer aus wenigen Elementen (Gewässer, Bäume, […]) zusammengesetzte Ideallandschaft […].“[21]

[...]


[1] Bucher, Corina (2006): Christoph Kolumbus: Korsar und Kreuzfahrer. S.111

[2] Venzke, Andreas (1992): Christoph Kolumbus. S.57

[3] Vgl. Die Spanische Eroberung Amerikas. Hrsg. Wolf Lustig, Dieter Janik. S.17

[4] Fernández-Armesto, Felipe (1991): Columbus. S.68-69

[5] Vgl. Die Spanische Eroberung Amerikas. Hrsg. Wolf Lustig, Dieter Janik. S.17

[6] Vgl. Die Spanische Eroberung Amerikas. Hrsg. Wolf Lustig, Dieter Janik. S.17

[7] Vgl. Bucher, Corina (2006): Christoph Kolumbus: Korsar und Kreuzfahrer. S.111

[8] Vgl. ebd. S.111

[9] Vgl. ebd. S.117

[10] Colon, Cristobal (2008): Diario de a Bordo I. S. 22

[11] Vgl. Venzke, Andreas (1991): Der Entdecker Amerikas. S. 119

[12] Vgl. ebd. S. 120

[13] Schmitt, Eberhard (1948):Die großen Entdeckungen.Dokumente zur europäischen Expansion. S.108

[14] Colon, Cristobal (2008): Diario de a Bordo I. S. 22

[15] Vgl. Bucher, Corina (2006): Christoph Kolumbus: Korsar und Kreuzfahrer. S.125

[16] Colon, Cristobal (2008): Diario de a Bordo I. S. 57

[17] ebd. S. 24-25

[18] Vgl. Bucher, Corina (2006): Christoph Kolumbus: Korsar und Kreuzfahrer. S.116

[19] Vgl. ebd. S.124

[20] Colon, Cristobal (2008): Diario de a Bordo I. S. 34

[21] Vgl. Die Spanische Eroberung Amerikas. Hrsg. Wolf Lustig, Dieter Janik. S.24

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das "Diario de a bordo" von Christoph Columbus: Ein Erster Blick auf die Neue Welt
Hochschule
Universität Trier  (Romanistik)
Veranstaltung
Die spanische Eroberung Amerikas
Note
2,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V173120
ISBN (eBook)
9783640932399
ISBN (Buch)
9783640932658
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
diario, christoph, columbus, erster, blick, neue, welt
Arbeit zitieren
Nina Jungmann (Autor), 2010, Das "Diario de a bordo" von Christoph Columbus: Ein Erster Blick auf die Neue Welt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173120

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