Zinn - Metall der Antike, Gegenwart, Zukunft

Werkstoff für Technik, Kultur, Kunst


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2011
104 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis.

Einleitung

Historisches zum Zinn, den Zinnlegierungen und zinnlegierten Werkstoffen

Kenntnisstand über das Zinn zurzeit Vannoccio Biringuccio

Georgius Agricolas und sein Wissen über das Zinn und die Zinngewinnung

Johann Beckmann – Zinn und Verzinnung

Die Zinngewinnung

Zinnbesonderheiten

Überblick zu den Einflussnahmen des Zinns in Legierungen

Zinneinflüsse in binären Systemen

Zinneinflüsse in ausgewählten Drei- und Mehrstoffsystemen Systemen

Überblick zur Verarbeitung und Verwendung des Zinns

Überblick zum Sächsischen Zinn

Überblick zur Weltproduktion von Zinn und NE-Metallen

Übersicht zu den Eigenschaften des Zinns

Zinnverwendung etwa vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart

Überblick zur Verwendung der sieben Metalle des Altertums in der Antike

Liste der Länder mit der größten Zinnproduktion

Überblick zum gebräuchlichen Handelszinn

Lotlegierungen

Zinnhaltige Lagerwerkstoffe

Literaturüberblick und Literaturempfehlungen

Eingesehene und verwendete Internetadressen

DIN-Normen zum Zinn und zu den Zinnlegierungen

Prüfnormen

Abkürzungen und wichtige Begriffserläuterungen

Vita des Autors

Veröffentlichungen des Autors

Abstract

Einleitung

Mit dem Buch „Zinn – Metall der Antike, Gegenwart, Zukunft, Werkstoff für Technik, Kultur, Kunst“ wird sowohl Grundsätzliche wie auch Spezifische zu diesem Metall, seinen Legierungen und den zinnlegierten Werkstoffen vermittelt, aber auch sonst nur verstreut zu findende, historische Fakten sowie werkstoffeigene Merkmale werden gebührlich offeriert.

In der Publikation werden die Kenntnisse über das Zinn zurzeit von Vannoccio Biringuccio1) (1480-1537), Georg Agricola2) (1494-1555), Johann Beckmann3) (1739-1811), an Hand ihrer Werke „De La Pirotechnia Libri XII. – Die zehn Bücher von der Feuerkunst.“ (1540), „De Re Metallica Libri X. – Die zwölf Bücher vom Berg- und Hüttenwesen.“ (1556) - „Beiträge zur Geschichte der Erfindungen - Vannucio Biringoccio Pirotechnia“ (1783), vermittelt. Überaus unterstützend war das selten gewordene Werk von Charles Letnam Mantell: „Zinn. Berg- und hüttenmännische Gewinnung, Verarbeitung und Verwendung.“

Zum Inhalt der Veröffentlichung gehören ebenso Informationen zur Zinngewinnung, zu den Zinnbesonderheiten, wie das materialtypische Zinngeschrei, die abnorme Zinnpest wie auch die unerwünschten Zinn-Whisker.

Außerdem stehen prähistorische, antike, mittelalterliche, gegenwärtige Zinnvorkommen, ihre Förderung, nebst den Eigenschafen und die Verarbeitung des Zinns wie auch die Einflüsse dieses Metalls in Legierungen, insbesondere in binären Systemen im Fokus. Darüber hinaus wird der Entstehung des Zinngießerhandwerks, ihrer Zünfte und Zinnmarken, der Bedeutung des ꞌSächsischen Zinnsꞌ, ihre Erzeugnispalette, Stempelung wie auch Verzierung nach der sächsischen Polizeiverordnung Aufmerksamkeit geschenkt. Berücksichtigung finden nicht nur das Ansehen des ꞌCornwall Zinnsꞌ und Image des ꞌBöhmischen Zinnsꞌ, sondern auch die große Bedeutung von Handels-Zinn, der Lagermetalle, Zinnlotwerkstoffe, Weißblechfertigung, Zinnlegierungen, Zinnverbindungen, DIN- und Prüf-Normen für Zinn und Zinnmaterialien.

Herausgearbeitet ist auch, daß reines Zinn, die Zinnlegierungen, zinnlegierten Werkstoffe für eine Vielzahl von Materialien, Erzeugnissen, Gegenständen unabdinglich sind. Umfangreich, informativ wie auch hilfreich gestaltet sind in diesem Werk dabei der Schrifttumüberblick und die Literaturempfehlungen sowie die angegebene, verwendete Internetliteratur zu den Themen Zinn, Zinnlegierungen und zinnlegierten Werkstoffen.

Das vorliegende Buch spricht durch seine thematische Vielfalt einen breiten Leserkreis an.

1) Vannoccio Biringuccio (1480-1537) war ein italienischer Ingenieur, Metallurge, Mechaniker, Büchsenmacher, Glocken- und Kanonengießer, Baumeister und angewandter Chemiker und Autor des ersten wissenschaftlichen Buches über die Metallurgie und Begründer dieser Wissenschaft.
2) Georgius Agricola (1494-1555) war ein herausragender Renaissance-Gelehrter, mit besonderen Leistungen und Verdiensten auf den Gebieten der Pädagogik, Medizin, Metrologie, Philosophie, Geschichte, insbesondere der Metallurgie; ebenso gilt als Vater der Mineralogie.
3) Johann Beckmann (1739-1811) war ein deutscher Philosoph und Ökonom. Er gilt sowohl als Begründer der allgemeinen Technologie ganzheitliche Wissenschaft von der Technik und ihren Einsatzmöglichkeiten wie auch als Vater der Agrarwissenschaft, Warenkunde, kritischen Technikgeschichtsschreibung.
4) Charles Letnam Mantell, Ph. D., Pratt Institute, Brooklyn, N.Y., Member of the American Institute of Mining Metallurgical Engineers and American Institute of Chemical Engineers. Sein Werk wurde von Dr.-Ing. W. Lidle ins Deutsche übertragen und bearbeitet und verlegt im Verlag von Wilhelm Knapp, Halle (Saale) 1937.

Historisches zum Zinn, den Zinnlegierungen und zinnlegierten Werkstoffen.

„In der Natur kommt Zinn überall vor [1]. Kleine Mengen findet man in Felsen, im Erdreich, in Pflanzen und Wasser. Der menschliche Körper enthält durchschnittlich 0,35 g Zinn …“ [2] bzw. bei 70 kg Körpergewicht 15 mg [3]. Wann Zinn entdeckt wurde, ist nicht festgestellt. Offenkundig ist, es gehört sicherlich zu den ersten Metallen und spielte bereits in der Vorzeit wie auch Antike eine große Rolle [4]. „Zinn kennen bereits die frühen Hochkulturen seit 2500 v.u.Z.“ [4], [5]. Kurzum, „Zinn war bereits im Altertum bekannt“ [6]. Belegt ist Zinn für China und Indien ab dem 3. Jt. v.u.Z., Ägypten 2. Jt. v.u.Z., Europa (Schweiz, Schottland, Schweden, Irland, Pommern, Dänemark) um 1800 v.u.Z. [2]. Gefunden wurde Zinn wahrscheinlich durch Zufälle beim Erhitzen von zinnhaltigem Gestein mittels Holz oder Holzkohle. Zeugnis für die frühe Verwendung ist die Erwähnung im Alten Testament [2], [4] [7]. Bekannt war es eigentlich bei allen Orientvölkern, auch bei denen, wo keine Zinnerze vorkommen, woraus geschlussfolgert wird, es wird wohl seinerzeit einen Fernhandel mit Zinn gegeben haben, welcher für Herodot von Halikarnass[os] (490/480-424 v.u.Z.), den antiken griechischen Historiographen, Geographen, Völkerkundler und Geschichtsschreiber, bestimmt ein triftiger Umstand war, in seiner neun Bücher umfassenden Universalgeschichte, welche einen breiten Überblick über die historischen Vorgänge der Jahre von etwa 700 bis 479 v. u. Z. bietet, die Zinninseln bzw. die Kassiteriten explizit zu erwähnen [7]. Geographisch gemeint sind von Herodot damit die Westspitze von England und die Sarlinyꞌschen Inseln [8]. Auch der antike Geschichtsschreiber Diodor [Diodorus Siculus (1. Jh. v.u.Z.)] beschreibt in „Diodorꞌs von Sizilien Historische Bibliothek“ (5. B., 22. K.) [9], [10] für da die Zinngewinnung, den Handel und Transport von Zinn.

Allgemein geglaubt wird, so Beckmann [4], „daß dasjenige Metall, welches wir Zinn nennen, muss schon zurzeit des Plinius, Herodots, Homers, Moses bekannt und gebräuchlich gewesen sein“1). Homer (9./8. Jh. v.u.Z.) schenkt ihm neben Gold und Silber große Aufmerksamkeit [1]. Er spricht in seinen circa 750 bzw. 700 v.u.Z. gedichteten und um 1250 bzw. 1150 v.u.Z. spielenden Epen Ilias und Odyssee (dem Epos vom Krieg um Ilion und Odyssee, die Abenteuer des König Odysseus von Ithaka und seiner Gefährten auf der Heimkehr aus dem Trojanischen Krieg2)) häufig von diesen drei Metallen. Auch Hesiod[us] (etwa 750-650 v.u.Z.) gedenkt auch dem Zinn, indem er darin über seine Leichtflüssigkeit spricht [8]. Auch im Klagelied über Tyrus (ca. 600-560 v.u.Z.) des Propheten Hesekiel (Ezechiel), Kapitel 27, Vers 12, wird vom Zinnhandel gesprochen [11]. Und zu Moses Zeiten3) (Mose IV. 31, 32) kannten es bereits die Israeliten unter dem Namen Bedil [4] und die Phönizier sollen es, wie in [8] zu erfahren ist, von den Kassiteroiden mitgebracht haben. Auch zurzeit von Plautus (254 bis 184 v.u.Z.) wurden Zinngeschirr bzw. Zinngefäße genutzt [2]. [12]. Nach Gaius Plinius Secundus Maior, Plinius der Ältere (etwa 23-79), „finden sich in Galicien Kassiteros“ und „Strabo“ (etwa 63 v.u.Z.-23, d.A.) und führt an, „es werde dort nicht allein an der

[1] Lexikon der Ch. Elemente; [2] Mory, L.: Schönes Zinn, M: Bruckmann 1972; [3] Zinn - gdb-info.de/?,BM; [4] Beckmann, J.: Beitr. z. Gesch. d. Erf., Bd. IV, S. 321, Hl: Reprint; Olms 1965 (1795-1799); [5] Schubarth, E. L.: Über die vermeintliche Kenntnis der Alten vom Platin, Ann. d. Ph. u. Ch., 65. Bd. 1845, S. 621/37; [6] www.ingolstadt.de/.../r-37010.htm; [<] Roloff, C. H.: Über das Bergw. u. d. Metalle des alten Spaniens, J. f. Ch., Ph. u. Mineral., Bd. 6, H. 4, S. 624/5, B: Gehlen (Hrsg.) 1810; [7] Rietz, M.: Auf der Fährte der Zeit, Weinheim: Wiley-VCH 2003; [8] Bibra, E.: Die Bronzen u. Kupferleg. d. ältesten Völker, ER: Enke 1869; [9] Diodor - oks.google.de/books?id; Historische Bibliothek; [10] Hofmann, S; Kurt Scheuerer: Materialsammlung zur Archäologie in Bayern, www.ingolstadt.de/.../; [11] biel-online.net/text/luther_1912/ hesekiel/; ; [12] Zschaler, F. E. W.; Tredt, R. K.: Zinnzeit, R: Schnell & Steiner 2004. 1) Was J. Beckmann [4] über Zinn, Verzinnung wusste, s.S. 29/30; 2) „Einige Historiker vertreten die These, der Troj. Krieg um 1000 v.u.Z. sei auch ein Kampf um Zinn gewesen“. 3) Das Rabb. Judentum berechneten das Leben von Mose von 1391-1271 v.u.Z. 4

Erdoberfläche gefunden, sondern bergmännisch gefördert“ [1]. Aber „Ohne Bedeutung war der spärlich vorkommende Zinnkies (copperpyrite-tin-stone-fazies, Cu2FeSnS4)“ [2].

Über Spaniens Reichtum berichtet u. a. 1810 C. H. Roloff in [3] und führt aus: „Der Cathager

Hanno, soll vor Hamilcar1) die ersten Zinngänge auf dem Gebirge Casis zwischen Portugal und Galizien entdeckt haben.“ Ebenso zeigt J. M. Hoppensack [4] auf, daß Galicien Zinnerz besitzt. Vom Namen Casis soll das griechische Cassiteron (bzw. Kassiteros [5]) und heutige Kassiterit entstanden sein. In Babylonien hieß es Kasitra [5]. Nach Plinius (54,16) fand sich Zinn vorzüglich in Lusitanien und Galizien. In Portugal fand J. H. F. Link [6] bei Viseu am Gebirge Estrella, wo die Zinnbergwerke gewesen sein sollen, zwar noch Spuren von römischen Altertümern, aber keine von Bergwerken. Man hat zwar da ein Loch, Burraco de stanno, (Zinnloch), worin sich aber keine Spur von Zinn findet. In Galizien gab es in den Gebirgen viele Zinngänge, die bei den Römern und Karthagern schon bekannt waren.

Heute leitet sich der Zinnzusatz zum Kupfer vom herzustellenden Bronzeobjekt ab. So ist eine Bronze mit 8 Teilen Kupfer und 1 Teil Zinn sehr hart, spröde und sonor (klangvoll) [7]. Aus Analysen alter Bronzen geht u.a. hervor, daß sie nicht nur Zinnanteile im Kupfer haben, sondern auch noch verschiedene andere Metalle, meist nur in geringen Anteilen, enthalten. Zur Illustration ausgewählt wurden vier von Ludwig Rudolf v. Fellenberg [8] ausgeführten Analysen von assyrischen antiken Bronzen aus dem Britischen Museum in London, nämlich:

Untersuchungskörper Zinn Kupfer Blei Eisen Antimon Arsen Nickel

- ein graues, dickes Stäbchen 0,11 88,00 3,28 4,06 3,92 0,60 -
- ein gekrümmtes Stäbchen 12,70 88,84 0,28 Spur - - 0,18
- Verzierung eines Hausgerätes 12,33 86,99 0,38 Spur - - 0,30
- Rundstücke einer Schale 18,37 80,84 0,43 0,16 - - 0,20

Analysewerte antiker Bronzen aus dem Britischen Museum in London aus [9].

Diese Analysen werden als bedeutsam angesehen, weil der hohe Bleianteil der einen antiken Bronze, so Neuburger in [9], auf einen mit Ziel erfolgten Zusatz geschlossen werden kann. Aufgeführt ist auch ein bronzenes Beil vom Galgenrain in Wangen an der Aare, welches auf die II. Bronzezeit (ungefähr 1800 bis 800 v.u.Z.) datiert ist und sich aus rund 1 Teil Zinn, 9 Teilen Kupfer und mit den zufällig aus den Erzen stammenden und als Verunreinigungen aufzufassenden Metallen Nickel, Blei, Silber, Eisen zusammensetzt, exakt: Kupfer: 89,42 %; Zinn: 8,49 %; Nickel: 0,98 %; Blei: 0,85 %; Silber: 0,17 %; Eisen: 0,09 % [10]. Auch antik germanische Bronze besteht fast nur aus Kupfer und Zinn nach einer Analyse in [8], nämlich aus 92,49 % Cu, 6,34 % Sn, mit den geringen natürlichen Anteilen von 0,63 % Fe, 0,54 % Ni.

[1] Schubarth, E. L.: Über das Vork. von Zinn in Spanien, Ann. d. Ph. u. Ch., 26. (86.) 1852, H. 8, S. 600; [2] Krapp, H.; Mann, R.: Therm. Betr. z. frühesten Auftreten der Met., Radex-R., 1992, H. 1, S. 58; [3] Roloff, C. H.: Über d. Bergw. u. d. Met. d. alt. Spaniens, J. f. Ch., Ph., Min., Bd. 6, H. 4, S. 624/5, B: Gehlen (Hrsg.) 1810; [4] Hoppensack, J. M.: Ueber d. Bergb. in Spanien, Weimar 1796; [5] Mory, L.: Schönes Zinn, M: Bruckmann 1972; [6] Link, H. F.: Bem. a. e. Reise d. Frankreich, Spanien, u. … Portugal, Bd. 2, Kl: 1801; [7] Richter, K.: Zink, Zinn und Blei, W (A) & L: Hartlebenꞌs 1927; [8] Fellenberg, L. R. v.: Anal. v. ant. Bronzen, Mitt. Naturf. Ges. Bern, 1865; [9] Neuburger, A.: Die Technik des Altertums, Orig., L: Voigtländer 1919, L: Reprint-V. 1996; [10] Mühlethaler, H.: Die ur- u. frühge. Funde v. Wangen a. d. A., Jb. d. Oberaargaus, 10(1967), S. 30/31, II. Bz-Zeit (1800-800 v.u.Z.); [11] de.wikipedia.org/wiki/Jerusalemer_Tempel; *) Die Datierung erfolgte nach bibl. chronologischen bzw. astronomischen Untersuchungen in [11]; 1) Hamilkar Barkas (ca. 275-228 v.u.Z.) war ein karthagischer Feldherr, Staatsmann, Führer d. Barcid Familie, Vater v. Hannibal, Hasdrubal, Mago, Kommandeur in Sizilien (247-241 v.u.Z.), im E. Punischen Krieg (264-241 v.u.Z.), Kommandant d. karthagischen Expedition n. Spanien z. Erweiterung d. Gebiete v. Karthago (237-228 v.u.Z.). 5

Ebenso wird dies auch durch die in der folgenden Tabelle zusammengestellten Analysen von antiken (mecklenburgischen) Bronzen bestätigt, nämlich, die der reinen Bronzeperiode (1) bis 10)). Außerdem vermittelt diese Tabelle auch, mit dem Erscheinen des Eisens wird die Bronze in ihrer Zusammensetzung eine andere (11) I) und 12) I)).

Offenkundig ist, Zinn wurde von früh an als Bestandteil der Bronze benützt. Es stand anfangs allerdings nicht als metallisches Zinn bereit, da es äußerst selten gediegenen vorkommt. Auch bis heute blieb es rar, bis auf einige Funde in Sibirien, Guyana, Bolivien. Angenommen wird, das reine Zinn stand bereits zu Zeiten Homers und Moses speziell im Kunstgewerbe in Gebrauch, auch König Hiram von Thyros (999-935 v.u.Z.) soll es und einige Legierungen gekannt und zum Bau des salomonischen Tempels (957-951 v.u. Z.*)) mitbenutzt haben [1].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Übersicht zu verschiedenen antiken (mecklenburgischen) Bronzen*), Auszug aus [2].

Nach einer These in [1] könnte reines Zinn erstmals beim Löschen bzw. Eindämmen eines

[1] Mantell, C. L.: Zinn, Pratt Inst. Brooklyn, NY, übersetzt: W. Lidle, Monographie ü. Ch.-Techn., Bd. LVIII, HAL a.S.: Knapp 1937; [2] Fellenberg, L. R. v. (zu Rosenbühl b. Bern): Übersicht der Zusammensetzung verschiedener antiker Bronzen …, Analysen antiker Bronzen, DB MV; Lisch, G. Ch. F.: Archäologische Erläuterungen zu Fellenbergs Analysen antiker Bronzen aus mecklenburgischen Gräbern, V. u. Jb. f. Mecklenb. Geschichte und Altertumskunde, 29(1864), S. 156/76; portal.hsb.hs-wismar.de/pup/lbmv/mjb/…/355026651;

*) Für Mecklenburg-Vorpommern wird der Beginn der Bronzezeit auf den Zeitraum von 1800 bis 1500 v.u.Z. datiert [archaeologie-welt.blogspot.com/…/die-nordische-frhe-bronzezeit-etwa-1800].

Feuers mit zinnsteinführenden Alluvialsanden entdeckt und hergestellt worden sein. Außerdem führte das Quellenstudium in [1] bis [4], zu den Erkenntnissen: Schon die frühen Metallarbeiter, zum Beispiel die in Südturkmenien, bemühten sich bereits zu Beginn des 4. Jahrtausends v.u.Z. die Eigenschaften des Kupfers bezüglich seiner Härte mit Silber zu verbessern. Ihre Bemühungen blieben begründeter Weise (vom Werkstoffkundlichen her betrachtet) erfolglos. So blieb es dem Zinn, welches auch zu den ersten bekannten Metallen gehört, vorbehalten, diese Forderung hinsichtlich der zu verbessernden Materialeigenschaften zu erfüllen. Mit dieser wichtigen metallurgischen Erfindung, durch Verdünnung des Kupfers mittels Zinn, einen viel härteren und festeren sowie farblich veränderten Werkstoff, die Zinnbronzen *), herstellen zu können, leitete eine neue Epoche der Menschheitsgeschichte ein, die Bronzezeit. Wie bei den meisten Schöpfungen der Vorzeit, geht die Bronze bestimmt auch auf Zufälle zurück, nämlich, daß beim Schmelzen von Kupfererzen, die mit zinnhaltigen Erzen verunreinigt waren, neben den oben schon genannten erzielbaren Werkstoffvorteilen, gegenüber reinem Kupfer, die leichtere Schmelzbarkeit, mit günstigeren Gießeigenschaften, erfahren wurde. Einsicht in die antike Metallurgie gibt eine detaillierte Bronzegussdarstellung im Grab des ägyptischen Stadthalters Rekhmara (um 1475 v.u.Z. [1]) aus der 18. Dynastie des Neuen Reiches (ca. 1550-1070 v.u.Z. [5]).

Im Ergebnis waren die ersten Legierungen von Kupfer und Zinn vom Kupfer hinsichtlich einer durch das Mischen beider Werkstoffe erhofften größeren Härte oder Festigkeit nicht zu unterscheiden. Beweisbringend dafür ist ein aus dem alten Theben gefundener aus 94 Teilen Kupfer; 5,9 Zinn und 0,1 Eisen bestehender Meißel, der bzw. deren Bronze so weich war, daß dieser, wenn er auf Stein gedrückt wurde, sich verbog. Mit der Steigerung des Zinngehaltes [6] auf 15 bis 20 v.H. und 80 bis 85 v.H. an Kupfer wurden die Bronzen auch härter bzw. fester [7]. Mischten die alten Bronzegießer anfangs beide Metalle zufällig, um Kupfer zu härten, so bauten ihre Mischungen im späteren Bronzezeitalter auf Erfahrungen auf [6].

Zurückschauend lässt sich festhalten, kein Beil und keine Sichel aber auch kein Schwert und kein Schild hätten gehalten, wenn es das Zinn bzw. die Zinnlegierungen gegeben hätte. Eine Kaltbearbeitung und Haltbarkeit von bronzenen Werkzeugen wie auch Waffen vor über 5.000 Jahren wurde maßgeblich durch die Verwendung von mindestens 6 % Zinnanteil im Kupfer erzielt. Für Beile nahmen die frühen Metallurgen 4 bis 13 % Sn, für Lanzen- und Speerspitzen 11 bis 16 % Sn [6]. Als um 2500 v.u.Z. [8] ergründet war, daß sich Bronzen mit 10 bis 14 % Zinn ebenso kalter Bearbeitung und Belastung aussetzen lassen, wurden solche Zinnbronzen verwendet, so auch in der fünften oder sechsten Dynastie (etwa 3000 v.u.Z.) in Ägypten [9].

Auch die Ursprünge der Glockenbronze, die bis 25 % Zinn enthält, gehen etwa 3.000 Jahre zurück. Größte Vollendung hatten Glocken schon 1000 v.u.Z. in Ostasien. In Europa sind sie in Italien seit dem 6. Jh. nachweisbar. Dagegen ist die Geschützbronze, die auch unter „gun metal“ [6] bekannt ist, jüngeren Datums. Ihr Zinngehalt schwankte in der Regel zwischen

[1] Bernsdorf, G.: Auf heißen Spuren vom Löten, …, L: FV 1986; [2] Wilsdorf, H.: Montanwesen, L: Edition 1987; [3] Ahlfeld, F.: Die Metallischen Rohstoffe, S: Enke 1958; [4] Lietzmann, K.-D.; Schlegel, J.; Hensel, A.: Metallformung, L: DVfG 1984; [5] Neues Reich - de.wikipedia.org/wiki/Neues_Reich; [6] Mantell, C. L.: Zinn, Bd. LVIII, HAL a.S.: Knapp 1937; [7] Neuburger, A.: Die Technik des Altertums, Original, L: Voigtländer 1919, L: Repr.-V. 1996; [8] WirtschaftsVereinigung Metalle - www.wvmetall.de; [9] Perrot, G.: Histoire de lꞌArt I´Antiquité, Bd. I, p. 829; s.a. Blümner, H.: Technologie und Terminologie der Gewerbe und Künste bei den Griechen und Römern, Band IV, S. 42 ff., L: Teubner 1887, oder Reprint Hildesheim: Olms 1969, 2004; *) Wird das Zinn mit mehrere Metallen (Kupfer, Blei, Aluminium, Nickel und anderen Metallen) miteinander verschmolzen, dann werden diese Legierungen auch als Sonderbronzen oder Mehrstoffbronzen bezeichnet. 7

8 und 14 %, gewöhnlich besaß sie rund 10 % Sn, und teilweise wurde ihr auch bis zu 2 % Zink zulegiert [1]. Ihre Verwendung durch die Araber ist auf das Jahr 1131 [2], [3] und 1147 [4] datiert, für China auf 1055 [4]. Oft findet sich für diese Art von Zinnbronzen die Bezeichnung Maschinenbronzen [1]. Eine weitere Zinnlegierung ist die Bildhauerbronze, die etwa 5 % Zinn, bis 10 % Zink, ungefähr 3 % Blei enthält, ihren Ausgang hat sie auch in der Antike. Ebenso sind Weichlote und Lötungen aus der Vorzeit (möglicherweise erst nach 2500 v.u.Z. in Anwendung) aus und mit Zinnmaterialien bekannt, ihre Funde sind eher seltener und mehr aus jüngerer Zeit, denn durch Oxydation des Zinns wurden viele weichgelöteten Gegenstände aus der Antike zerstört. Metallurgisch entstanden Lötwerkstoffe aus Zinn und Blei, wobei diese 25 bis 98 % Zinn, 2 bis 75 % Blei und bis 3 % Antimon aufweisen [5].

Aus ausführlichen an antiken Bronzen von Marcellin Pierre Eugène Berthelot (1827-1907), Andrée und O. A. Rhousopoulos vorgenommenen Analysen zeigte sich, daß diese frühen nicht unbedingt nur aus Zinn und Kupfer bestanden, sondern auch andere Metalle in geringen Mengen enthalten, die auf Grund des damaligen Standes der Metallurgie diese begleiteten. Einen Überblick ihrer variablen Vermengung der Elemente gibt die folgende Tabelle.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Analysen von zehn silberfreien antiken Zinn-Kupfer-Legierungen [6].

Bei den Funden aus der Bronzezeit tritt Bronze meist als Legierung mit bis zu 10 % Zinn auf, Weißbronzen weisen Zinnanteile bis zu 20 % auf. Eine auf 2500 v.u.Z. datierte sumerische Axt beispielsweise besteht aus einer auch heute noch klassischen, sehr harten Kupferbronze mit 11 % Sn und 89 % Cu. Zahlreiche um 2000 v.u.Z. datierte sumerische Bronzefundstücke zeigten jedoch einen weit geringeren Zinnanteil und somit auch eine deutlich geringere Härte. Offensichtlich gingen zu dieser Zeit die zinnhaltigeren Kupfervorkommen zur Neige [7]. Und

Plinius berichtet, dass 3.000 lebensgroße Bronzestatuen in Rhodos, Athen, Olympia zu finden waren [8], [9]. Zu vermerken ist ferner: „Einen Höhepunkt erreicht die Gießereitechnik mit Bronze in Palästina zurzeit König Salomos (972-932 v.u.Z.)“ [10], [1. B. d. Könige,14/47].

[1] Mantell, C. L.: Zinn, HAL a.S.: Knapp 1937; [2] MKL, Bd. 16, S. 923, Zinn (Gewinnung, Geschichtliches), L & W (A): BI 1890, [3] retro │ bib: www.retrobibliothek.de/retrobib/seite.html?, [4] Geschichte Feuerwaffen – www.feuerwaffen.ch/; [5] Piersig, W.: Geschichte d. Zinns …, FuB 39(1989), S. 117/8; [6] Neuburger, A.: Die Technik des Altertums, Original, L: Voigtländer 1919, L: Reprint-Verl. 1996; [7] Raabe, D.: Geschichte der Metalle, Vorlesungsscript, RWTH Aachen, www.mpie.de/fileadmin/pics/.../Geschichte _der_Metalle.pdf; [8] Babich, B.: Die Naturgeschichte der griechischen Bronze, fordham.bepress.com; [9] Bothe, M. K.: Koloss von Rhodos. Die Geschichte eines Weltwunders, de.wikipedia.org/wiki/Koloss_von_Rhodos; [10] Krapp, H.; Mann, R.: Thermodynamische Betrachtungen zum frühesten Auftreten der Metalle, Radex-R., 1992, H. 1, S. 58.

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Auch die folgende, eigens aus [1] zusammengestellte Tafel zu aufgefundenen frühen Bronzen Mecklenburgs weist aus, insbesondere bei den Schwertern, Frameen, Spiegeln etc., ist Zinn in ungefähr 10 bis 15 (20) % Anteil, das die Zinnbronze mitbestimmende Metall, da nach Heinrich Ludwig von Santen und Georg Christian Friedrich Lisch [1] „diese heidnischen (mecklenburgischen d.A.) antiken Bronzen den Analysen nach, in den Metallmischungen namentlich kein Blei, Zink, Silber, Eisen enthalten.“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zinn in antiken Bronzen aus heidnischen Gräbern Mecklenburgs zusammengestellt nach [1].

[1] Santen v., H. L.; Lisch, G. Chr. F.: Chemische Analysen antiker Metalle aus heidnischen Gräbern Mecklenburgs, in: Verein für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde Bd. 9 (1844), S. 317/353.

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Zum Zinn ist auch bekannt, es findet sich in griechischen Münzen mit 2-17 %, römischen 5-8 % [1]; in Geräten sowie Statuen römischer Zeit mit 5-14 % und Spiegeln 19-32 % [2]. Ebenso ist es nach Plinius (NH XXXIV/27) in 360 Erzstatuen für Demetrios von Phaleron (345-280 v.u.Z.), 2.000 der Etrusker (NH XXXIV/34) in Volsinii 265 v.u.Z.; 3.000 des Marcus Aemilius Scaurus (um 163-88 v.u.Z.) [3], wie auch nach Gaius Licinius Mucianus (im 1. Jh. u.Z.) in den 3.000 der Stadt Rhodos und nach Titus Livius (59 v.u.Z.-17 u.Z., XXXIX/5,15) in den 785 zurzeit Marcus Fulvius Nobilior (187 v.u.Z.) in Aitolien [3], s.a. [1], [2]. Auch für die japanischen Bronzebuddhas bestand erheblicher Zinnbedarf, wie die folgende Tafel zeigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zinn in gegossenen japanischen Buddha-Statuen nach [4] aus [5], mit Ergänzungen [6-12].

[1] Bibra, E. Frh. v.: Die Bronzen und Kupferlegierungen der alten und ältesten Völker, mit Rücksichtnahme auf jene der Neuzeit, Erlangen: Enke 1869; [2] Perrot, G.: Histoire de lꞌArt I´Antiquité, Bd. I, p. 829; s. a. Blümner, H.: Technologie u. Terminologie d. Gewerbe u. Künste b. d. Griechen u. Römern, Bd. IV, S. 42 ff., L: Teubner 1887, o. Reprint Hl: Olms 1969 u. 2004; [3] Blümner, H.: RE:Bronze - de.wikisource.org/wiki/RE:Bronze. [4] Ishino, T.: How the Great Image of Buddha at Nara was Constructed, Tokyo, i. jap. Sprache, engl. Kurztext, vgl. Gießerei 70(1983), Nr. 25, S. 685; [5] Engels, G.; Wübbenhorst, H.: 5000 Jahre Gießen von Metallen, hrsg. VDG, D: Gießereiverl. 1994; [6] de.wikipedia.org/wiki/Asuka; [7] …/Asuka-Zeit; [8] …/Nara; [9] …/Nara-Zeit; [10] Kamakura - www.taibito.de >Jap.Almanach; [11] kamakura - www.japan-photo.de/kamakura.htm; [12] Daibutsu - de.wikipedia.org/wiki/Daibutsu;

Die in der folgenden Tabelle eingeordneten, von Caley ermittelten und von ihm aus der Literatur in [1], [2] zitierten Analysen von antiken griechischen Statuenbronzen und Münzen vermitteln: für I, eine Frauenstatue, ist „gewöhnliche Bronze mit mäßigem Sn-Gehalt mit verschiedenen Verunreinigungen, wie es häufig bei Antikbronzen der Fall ist“, und II, eine Tierstatue, ist „Bronze mit geringem Sn- und außerordentlich hohen Pb-Gehalt“ verwendet. [1]. A-D zeigen bleifreie Statuenzinnbronzen und A*-I* gewöhnliche bleizinnlegierte Bronzen, IV. spiegelt das Zinnspektrum antiker Bronzemünze wieder.

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Analysen antiker griechischer Bronzestatuen und Bronzemünzen, basierend auf Tabelle I-IV in [1, 2].

[1] Caley, E.R. Chem. Untersuchung von zwei antiken Bronzefiguren gefunden in Griechenland, Vortrag, Ohio State University Columbus, April, 1950, [2] kb.osu.edu/dspace/bittream/handle/1811/.../V51N01_006.pdf,.../.

Nach [1-15] ergibt sich für Zinn und die weiteren früh genutzten Metalle die in der folgenden Tafel eingetragene etwaige Zeitfolge der Metallurgie und Fertigungsverfahren v.u.Z.

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Etwaige Zeitfolge der Metallurgie und Fertigungsverfahren vor der Zeitrechnung [1] bis [15].

[1] Neuburger, A.: Technik des Altertums, Original, L: Voigtländer 1919, Reprint, L: Reprint-V. 1996; [2] Gold - en.wikipedia.org/wiki/Gold; [3] Silber - de.wikipedia.org/wiki/Silber; [4] Kupfer - de.wikipedia.org/wiki/Kupfer; [5] Blei - de.wikipedia.org/wiki/Blei; [6] Zinn - de.wikipedia.org/wiki/Zinn; [7] Eisen - de.wikipedia.org/wiki/Eisen; [8] Bronze - en. und de.wikipedia.org/wiki/Bronze; [9] Quecksilber - de.wikipedia.org/wiki/Quecksilber; [10] Amalgamation - www.merriam-webster.com/.../ amalgamation; [11] Amalgamation - de.wikipedia.org/wiki/amalgamation; [12] Engels, G.; Wübbenhorst, H.: 5000 Jahre Gießen von Metallen, Hrsg. VDG, D: Giesserei-V. 1994; [13] Metallformung, [14] Lietzmann, K.-D.; Schlegel, J.; Hensel, A.: Metallformung, L: DVfG 1984; [15] Reitz, M.: Auf der Fährte der Zeit, Weinh.: Wiley-VCH 2003.

Die in der Literatur gefundenen Daten zum bisherigen, ungefähren, archäologischen Auftreten des Metalls Zinn sind nachfolgend mit den weiteren antiken Metallen Gold, Silber, Kupfer, Blei, Eisen, in Anlehnung an Krapp und Mann in [1] zusammengestellt. Diese klassisch archäologisch festgelegte Zeitfolge des Auftretens der darin mit enthaltenen thermodynamisch erfassbaren Metalle Blei, Kupfer, Zinn, Eisen geht mit diesbezüglichen Untersuchungen der genannten Autoren mittels Thermochemie konform. Bisherige wie auch die w.o. verwendeten, oft als wage bezeichnete Nutzungsdaten sind somit stabiler geworden.

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Frühestes Auftreten v.u.Z. der Metalle Zinn, Gold, Silber, Kupfer, Blei, Eisen [1] – [12].

Auch das muss noch gesagt werden: Zur Namensgebung für das Metall Zinn vermittelt der GDB Gesamtverband der Deutschen Buntmetallindustrie: „Der Name Zinn leitet sich vom lateinischen stannum ab“ [13] und aus dem PAETEC Periodensystem der Elemente [14] ist zu erfahren: „Der Namensursprung fürs Zinn liegt im altgermanischen Begriff ꞌzeinꞌ, was so viel wie Stab bedeutet. Die Sprachwandlung führte später zu ꞌzinꞌ und ꞌtinꞌ und heute zum ꞌZinnꞌ.

[1] Krapp, H.; Mann, R.: Thermodynamische Betrachtungen zum frühesten Auftreten der Metalle, Radex- R., Radenthein: April 1992, H. 1; S. 58/70; [2] Wübbenhorst, H.: 5000 Jahre Gießen von Metallen, D: Gießerei 1984; [3] Wolters, J.: Zur Geschichte der Löttechnik, F a.M.: Degussa 1976; [4] Der kleine Pauly, Stichworte Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Bronze, München: DTV; [5] Moesta, H.: Erze und Metalle, ihre Kulturgeschichte im Experiment, B, HD, NY: Springer 1983; [6] Lübbes Encyclopädie der Archäologie; GL: Lübbe 1980; [7] Hofmann, K. A.; Hofmann, U. R.: Anorganische Chemie, Braunschweig Vieweg 1948; ; [8] Donner, H.: Einführung in die biblische Landes- und Altertumsk., DA: Wissenschaftl. Buchges. 1976; [9] Eisenkolb, F.: Einführung in die Werkstoffkunde, Bd. I., B: VT 1961, [10] Engels, S.; Nowak, A.: Auf der Spur der Elemente, L: DVfG 1971; [11] Lietzmann, K.-D.; Schlegel, J.; Hensel, A.: Metallformung, L: DVfG 1984; [12] Wikipedia, Link: Zinn, Gold, Silber, Kupfer, Blei, Eisen; [13] gdb-website - www.gdb-info.de/welcome.asp?page...; [14] PAETEC Periodensystem der Elemente - www.schülerlexikon.de/tafelwerk/700/fs_...

Nun noch zu einigen neueren archäologischen Forschungsergebnissen über Zinnbronze im Alten Orient und Aussagen, welche nach 1980 veröffentlicht wurden. Hierzu wurden die Arbeit von Jan Cierny (DBM) mit dem Thema: Prähistorischer Bergbau auf Zinn und Bronze in Mittelasien [1] wie auch eine Sendung des ZDF, mit dem Titel: Das Bronzekartell – Wirtschaftsboom am Mittelmeer [2] ausgewählt, welche sich mit vorzeitlichem Zinn sowie Zinnbronzefunden aus dem Alten Orient, dem Gebiet von Mesopotamien, welche sich auf die Mitte des 3. Jts. v.u.Z. datieren lassen, informieren.

Berichtet wird über das Rätselhafte, daß früheste Zinnbronzen [3] – [11] da auftreten, wo es weder Cu noch Sn gibt [11]. Über solche Bronzen aus prähistorischer Zeit wird in [2], [11] geschlussfolgert: „Kupfer, als Bestandteil dieser Legierung, könnte aus dem Kaukasus, Anatolien, Iran und Oman importiert worden sein, wobei Oman mittlerweile durch archäologische (Weisgerber [DBM] 1981 [3], 1991[4], Dercksen 1996 [5]) und analytische (Prange 1998 [6]) Arbeiten als Kupferlieferant nachgewiesen werden konnte [2].“ Fürs „für die Bronze notwendige Zinn, fehlt es aber an entsprechenden Belegen zu seiner Herkunft“ [2].

Außerdem führt der Autor in [2] an, „... nennenswerte Zinnerzlagerstätten sind für das große vorderasiatische Gebiet nicht bekannt“, und ein solcher für Kestel (im Taurus-Gebirge der heutigen Türkei) 1989 entdeckte, „archäologisch und mit der 14C-Methode ins 3. Jt. datierte“, war einer mit unbedeutendem Erz. Wohl deshalb sind auch in Ägypten Zinnbronzen erst im späten 2. Jt. v.u.Z. [7] zu verzeichnen. Somit ergibt sich die Frage nach dem Woher? des Zinns im Alten Orient. Denn der nachgewiesene Zinnbergbau in der Bretagne [8] wird als Lieferanten für diese Region im 3. Jt. v.u.Z., wegen „fehlender archäologischen Befunde ausgeschlossen“ [2]. Ein Zinnimport aus Meluhha (Nord-West-Indien) für diese Zeit gilt nicht als gesichert, denn Zinn wird nach [2] von Heimpel in [9] für diesen Zeitraum nur einmal genannt [2]. Anzeichen zu einer vermutlichen prähistorischen Gewinnung von Zinnmetall im Nord-West-Indien fand Kochhar et al. 1999 [12].

Aber Ferntransporte für Zinn wird es gegeben haben, denn für einen solchen gibt es Hinweise für das 3. Jt. v.u.Z. zwischen Mesopotamien und Mittelasien [2] und „Für die Mitte des 2. Jts. v.u.Z. belegen Zinnbarrenfunde im Mittelmeer den Handel mit diesem Metall“ [2]. Angeführt werden: „zwei aus Haifa stammende Barren datieren in die Zeit zwischen 1500-1100 v.u.Z. Das Wrack von Kap Gelidonia stammt aus dem 13., das von Ulu Burun aus dem 14. Jh. v.u.Z.“ … „Allein im Schiffswrack von Ulu Burun fand man an die 40 Barren, d.h. ca. 1 t Zinn“ [2], ebenso 475 (ca. 10 t) aus Cu [11].

[1] Cierny, J.: Präh. Bergbau auf Sn u. Bz in Mittelasien, Archäol. Online, 01.03.2001; [2] Das Bronzekartell – Wirtschaftsboom am Mittelmeer, Sendung ZDF vom 07.09.2008, [3] Weisgerber, G.: Mehr als Kupfer in Oman, Ergebnisse d. Exp. 1981, Anschnitt 33(1981), H. 5/6, S. 174/263; [4] Weisgerber, G.: Die Suche nach dem altsumerischen Kupferland Makan, Altertum 37(1991), S. 76/90; [5] Dercksen, J. G.: The old Assyrian copper trade in Anatolia, Leiden 1966; [6] Prange, M.: Vergleichende Untersuchungen des omanischen Kupfer mittels chem. und isotopischer Analysemethoden, Diss. F. f. Ch. Ruhr-Uni. BO 1998; [7] Pernicka, E.: Die Ausbreitung der Zinnbronze im 3. Jt., Hänsel, B. (Hrsg.): Mensch und Umwelt in der Bronzezeit Europas (Abschlusstagung der Kampagne des Europarates: Die Bronzezeit, das erste goldene Zeitalter Europas, FUB, 17.-19.03.1997, Kl 1998, S. 135/147; [8] Roden, Ch.: Montanarchäol. Quellen des ur- und frühgeschichtlichen Zinnbergbaus in Europa – Ein Überblick, Anschnitt 37(1985), H. 2/3, S. 50/80; [9] Heimpel, W.: Das Untere Meer, in: Edzard, D.O. et al. (Eds.): Z. f. Assyriologie u. Vorderasiatische Archäol. 77(1987), pp. 21/91; [10] Cierny, J.: Die Gruben v. Muschiston in Tadschikistan …, in: Anschnitt 47(1995), H. 1/2, S. 68/69 ;[11] Garna, J.: Vorisl. Zinngew. i. Mittelasien, Examensarbeit, www.ruhr-uni-bochum./de/ ... ; [12] Kochhar, N. et al.: A New Source of Primary Tin Ore in the Indus Civilisation, in: South Asian Studies 15, 1999, 115/118. 1) Dr. Jan Gerrit Dercksen, Doz., Uni Leiden, Inst. f. Länderk. (LIAS); 2) Dr. Michael Prange, DBM BO , Stein- und Metallanalysen. 14

Außerdem wurde bis kurz vor Ende des 20. Jhs. für den Alten Orient angenommen: „Die einzige Region, in der Kupfer, Zinn, Gold und Lapislazuli nebeneinander vorkommen, umfasst das heutige Südost-Usbekistan, Tadschikistan und Afghanistan“ [1]. Dies scheint aber nicht ganz so gewesen zu sein, weil es Zinnerz wie auch eine bronzezeitliche Siedlung von Karnab, nahe von Navoi (Usbekistan), mit der Einordnung um 1700 bis 800 v.u.Z [1] und selbigen Bergbau in Muschiston (Tadschikistan) [2] - [4] gegeben haben soll.

Hinweise auf diese alten Zinnbergwerke gab Litvinskij [5] schon 1948 [6] bzw. 1950 [1]. Auf sie hat eigentlich nur Penhallurick in [7] reflektiert. Den prähistorischen Bergbau in dieser Region unterstreichen auch die Informationen von Garna in [6], nämlich: „Es liegen zahlreiche Meldungen über ꞌalteꞌ Kupfer-und Zinnbergwerke aus dem Bereich der Oberläufe des Urals, Uj und Uvelka, Kasachstans (z.B. Reviere von Elenovka und Uškatta, Kenkazgan und Džezkazgan oder am oberen Irtyš), Usbekistans und Tadjikistan vor.“

Aufgefunden und datiert wurde der wohl bisher älteste Tiefbau auf Zinn in Muschiston durch Weisgerber [1] bis [4]. Bis Ende 1999 waren es allein elf alte Grubenbaue, die die bronzezeitliche Einordnung 2100-1000 v.u.Z. erhielten. Aus dieser Tatsache zieht Cierny den Schluss, „die bis jetzt vertretene Meinung, dass Zinn lange Zeit in der Bronzezeit ausschließlich aus den Seifen gewonnen wurde, muss berichtigt werden“ [1].

Gestützt wird dies insbesondere aus der Sachlage, ein der Welt bis 1984 verborgen gebliebenes Zinnerz, bestehend aus Stannit1) (Cu2FeSnS4) [8] und zwei bis dahin nicht bekannten Zinnmineralien, nämlich Varlamoffit2) (Sn,Fe)(O,OH)2 [9] sowie Muschistonit (bzw. Mushistonit)3) (Cu,Zn,Fe)Sn(OH)6 [10], das im Alten Orient wahrscheinlich zur Zinngewinnung bzw. Bronzeherstellung Verwendung fand, rückte ab 1992 näher in die Betrachtungen zur vorzeitlichen Zinn- und Bronzemetallurgie. Was „zu der hypothetischen Schlussfolgerung führte, dass dieses Erz, ins Feuer geworfen, Bronze liefern müsste“ [11]. „Diese Annahme hat sich … 1999 bestätigt, als in Freiberg Lutz und Herdits im Schmelzexperiment an Muschiston-Erzen einen Bronzeregulus produzierten“ [1]. Anzufügen wäre: „Die Zinngehalte können, je nach Probe, bis zu 30 % betragen, die des Kupfers bis zu 50 %) [1].

[1] Cierny, J.: Präh. Bergbau a. Zinn u. Bronze in Mittelasien, Archäol. Online, 01.03.2001; [2] Weisgerber, G.: Mehr als Kupfer in Oman, Ergebnisse d. Exp. 1981, Anschnitt 33(1981), H. 5/6, S. 174/263; [3] Weisgerber, G.: Die Suche nach dem altsumerischen Kupferland Makan, Altertum 37(1991), S. 76/90; [4] Das Bronzekartell – Wirtschaftsboom am Mittelmeer, Sendung ZDF vom 07.09.2008, [5] Litvinskij, B.A.: K istorii dobytschi olova v Uzbekistane (Zur Geschichte der Zinngewinnung in Usbekistan), in: Trudy Sredneaziatskogo Gosudarstvennogo Universiteta (Archeologija srednej Azii), N.S. 9, 1950, c. 51/67; [6] Garna, J.: Vorisl. Zinngewinnung in Mittelasien, Examensarbeit, www.ruhr-uni-bochum./de/...; [7] Penhallurick, R.D.: Tin in antiquity, its mining and trade throughout the ancient world with particular reference to Cornwall (Zinn in der Antike, der Bergbau und Handel in der gesamten antiken Welt mit besonderem Bezug auf Cornwall, London: The Institute of Metals (Das Institut für Metallforschung), Maney Publications 2008; [8] webmineral – Stannite; [9] Mineralienatlas Varlamoffit - www.mineralinatlas.de/lexikon/index.php/...Varlamoffit; [10] Mineralienatlas Mushistonit – www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/...Mushistonit; [10] Das Bronzekartell, Wirtschaftsboom am Mittelmeer, Sendung ZDF vom 07.09.2008; 1) Stannit [8]: Fe - 12.99 %; Cu - 29.56 %; Sn - 27.61 %; S - 29.83 %; 2) Varlamoffit [9]: H – 0,37 %; O – 23,67 %; Fe – 10,3 %; Sn – 65,71% ; 3) Muschistonit (Mushistonit) [10]: H – 2,13 %; O – 33,79 %; Fe – 1,97 %; Cu – 13,42 %; Zn – 6,91 %; Sn – 41,79 % (Masseprozent); [11] Cierny, J.: Die Gruben von Muschiston in Tadschikistan, Stand d. Wiege d. Zinnbronze in Mittelasien?, in: Anschnitt 47 (1995), H. 1/2, S. 68/69.

Mit der w.o.g. ZDF-Dokumentation [1] wurden außerdem folgende Ansichten zum vorzeitlichen Zinn vermittelt. Mit der Zinnverwendung für die Herstellung von Kupfer-Zinn-Legierungen, die eigentlich auf einen Glücksfall zurückzugehen scheint, „waren die Menschen zum ersten Mal in der Lage, mit der Bronze Geräte und Werkzeuge herzustellen und mit denen wiederum auch Größeres zu bewirken. Zum Beispiel konnten sie größere Bäume fällen, mit diesen konnten größere Schiffe gebaut werden. Damit waren auch weite Reisen möglich, um Rohstoffe heranzuschaffen.“ Denn „Zinnvorkommen sind selten und liegen oft weit entfernt von den Kupferminen.“ Und „…nicht der Zufall brachte die Bronzezeitler auf die Idee, die beiden wertvollen Metalle zu vermischen, vielmehr half die Natur“ [1]. So beispielsweise die Mine von Muschiston am Rand des Pamir-Alai-Gebirges im heutigen Tadschikistan, wo schon vor Jahrtausenden Erze in etwa 3.000 Meter Höhe abgebaut wurden.

Ein ansehnlicher Kenner dieser uralten Minen ist Weisgerber1), speziell des bronzezeitlichen Abschnitts, wo er kupferhaltiges Erz aus der Vorzeit und vermutlich über 3.500 Jahre alte Schürfspuren entdeckte, worüber der Montanarchäologe sagt: „Die azurblauen Erzgänge sind durchzogen von grünem Kupfer und gelbgrünem Zinn. Alles direkt nebeneinander.“ Überdies macht er noch folgende Aussage: "In der Mine gibt es eine Stelle, wo Zinn und Kupfer in einem Erz vorkommen. Dies ist einmalig auf der Welt. Deshalb war das Erz von Muschiston offensichtlich für die Bronzezeitleute sehr wertvoll. Man hat den Abbau in 3000 Meter Höhe, wo manchmal im August Schnee liegt, nicht gescheut."

Und über diese Besonderheit in Tadschikistan sagt Pernicka2): "Muschiston ist deswegen so bedeutend, weil es nicht nur eine sehr große Lagerstätte ist, - man spricht von 70 Millionen Tonnen Erzreserve - sondern weil es als Hauptmineral Zinnkies enthält. Das ist ein Mineral, das sonst relativ selten ist, und neben Eisen und Schwefel Kupfer und Zinn enthält. Aus diesem Mineral lässt sich ohne weitere Zutaten Bronze erschmelzen, also ein goldähnliches Metall, das sicher die Aufmerksamkeit der Menschen erregt hat" (alles aus [1]).

So erklärt sich auch „Im 13. Jahrhundert vor Christus tritt in Ägypten unter Ramses II3). das neue Metall seinen Siegeszug an. Vor allem die Herstellung von Werkzeugen für die Großbaustellen verschlang Unmengen an Bronze. Rasch entwickelte sich im Land am Nil eine blühende Industrie. Wandmalereien im Grab des Rechmire4) veranschaulichen die einzelnen Produktionsschritte. Manche der Feuerstellen erreichten immerhin einen Durchmesser von 15 Metern. Mit Blasebälgen mussten die Arbeiter die Flammen ständig belüften. Vierzig Schmiede bedienten eine Schmelzbatterie. Pro Tag verarbeiteten sie neun Tonnen Kupfer und Zinn. In der Hauptstadt Pi-Ramesse5) unterhielt Ramses II. die erste Bronzefabrik der Menschheit. Auf einem Areal von 6.000 Quadratmetern betrieben die Ägypter die größte Hochtemperaturanlage im Mittemehrraum“ [1].

[1] Das Bronzekartell – Wirtschaftsboom am Mittelmeer, Sendung ZDF vom 07.09.2008; 1) Prof. Dr. Gerd Weisgerber, Montanarchäologe, Deutsches Bergbau-Museum, Bochum; 2) Prof. Dr. Ernst Pernicka, Archäometallurg, Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Abteilung für Jüngere Urgeschichte und Frühgeschichte; 3) Ramses II. (um 1303 bis 1213 v.u.Z), auch der Große genannt, war der dritte altägyptische König (Pharao) aus der 19. Dynastie des Neuen Reichs. Seine Regierungszeit war von 1279 bis 1213 v.u.Z.; 4) Das Grab des Wesirs Rechmire (TT 100, Theban Tomb No. 100) befindet sich in der Nekropole (Totenstadt) Scheich Abd el-Qurna. Es ist ein Dorf in Ägypten am westlichen Nilufer gegenüber von Luxor, welches am Fuß der Thebanischen Berge direkt über dem altägyptischen Gräberfeld von Theben-West errichtet wurde; 5) Pi-Ramesse war die unter Ramses II. um etwa 1278 v.u.Z. erbaute Hauptstadt des alten Ägypten. 16

Kenntnisstand über das Zinn zurzeit Vannoccio Biringuccio.

Kenntnisstand über das Zinn zurzeit Vannoccio Biringuccio [1].

Nichts ist wohl für diesen Abschnitt adäquater, als Zitate aus Biringuccios Werk: „Die zehn Bücher von der Feuerwerkskunst in denen ausführlich alle verschiedenen Erzarten behandelt sind sowie auch, was zu ihrer Bearbeitung gehört, ferner, was das Schmelzen oder Gießen der Metalle anbetrifft, und alles, was dem verwandt ist“ [2]. Denn es ist kein anderes Buch aus dieser Zeit bekannt, in welchem der Stand der Technik zur Metallurgie (Schmelzen, Scheiden, Legieren der Metalle), die auch des Zinns und der Zinnlegierungen, schon wissenschaftlich abgehandelt ist. Die Auswahl basiert auch auf Dr. Otto Johannsens Aussage zur Bedeutung der „Pirotechnia“ für die Geschichte der Technik [3], nämlich: „Das Werk ist als die erste planmäßige Darstellung der Metallurgie und als Quelle zu ehren, aus welcher der große Agricola vieles entnommen hat.“ „Es ist ferner die wichtigste Schrift über die Gießkunst bis zur französischen Enzyklopädie*) geblieben, da Agricola sein Vorhaben, über den Eisenguss zu schreiben, nicht ausgeführt hat.“

Zum Thema des vorliegenden Buches, wurden folgende Aussagen zum Zinn und zu den Zinnlegierungen aufgegriffen:

1. Erstes Buch: Die Metalle [4], 5. Kapitel: Zinn und Zinnerz [5].

„Wer das Zinn und seinen hellen Glanz nur dem Aussehen nach beurteilt, hält es sicher für reinstes Silber oder für einen diesem seiner Art nach sehr ähnlichen Stoff, zumal wenn er bei der Bearbeitung desselben findet, daß er härter als Blei ist, mit dem es sonst, wie man wohl behaupten kann, die größte Ähnlichkeit und Verwandtschaft hat. Wer es aber wissenschaftlich erforscht, erkennt, daß kein anderes Metall weniger dem Zinn entspricht als das Silber. Dieses nämlich mischt sich mit jedem Metall, darunter auch mit Gold, wobei sich beide miteinander verbinden. Ebenso verhält es sich gegenüber den anderen Metallen, die sich dabei, abgesehen von ihrer Farbe, wenig verändern.

Das Zinn vergiftet und verdirbt die Metalle in allen Fällen wie ein starkes Gift, und zwar wirkt nicht erst eine große Menge, sondern bereits eine Kleinigkeit, ja bei geschmolzenem Silber und Gold, wie auch bei Eisen und Kupfer, genügt eine Spur, um sie brüchig zu machen, und zwar wirkt das Zinn um so stärker, in je größerer Menge es in den Metallen enthalten ist. Die Naturforscher sagen, daß dies ähnlich wie beim Quecksilber von der großen Menge feiner und schlecht abgekochter Feuchtigkeit herrührt. Diese verbindet sich infolge ihrer Feinheit mit den Metallen und fließt in den öligen, zähen Stoff, der die Metalle geschmeidig macht, und entkräftigt und verderbt diese derart, daß sie sozusagen ein anderes Wesen bekommen. Eine Ausnahme macht das Blei. Es verändert dieses zwar auch, aber man beobachtet keine so starke Wirkung wie bei den anderen Metallen, weil es mit dem Blei sozusagen ähnliche und übereinstimmende Eigenschaften hat. Deshalb nennen die Alchemisten das Zinn Weißblei.“

[1] Biringuccio, V.: De La Pirotechnia, übersetzt und erläutert von Dr. Otto Johannsen, erschienen mit dem Titel: Biringuccios Pirotechnia. BS: Vieweg & Sohn 1925; [2] Biringuccio, V.: De La Pirotechnia Libri X., Titelblatt der ersten Ausgabe der Pirotechnia, Venedig 1540, in [3] Johannsen, O.: Biringuccios Pirotechnia, BS: Vieweg & Sohn 1925; [4] Biringuccio, V.: 1. Buch: Die Metalle, S. 9/86; [5] Biringuccio, V.: 5. Kap.: Zinn und Zinnerz, S. 65/68. *) Gemeint ist die von Diderot und dꞌAlembert und weiteren 142 Enzyklopädisten von 1751 bis 1780 erarbeitete französischsprachige „Encyclopédie, ou Dictionnaire raisonné des Sciences, des Arts et de Métiers“, die das gesamte Wissen der damaligen Zeit in ca. 60.000 Artikeln erfasst.

Kenntnisstand über das Zinn zurzeit Vannoccio Biringuccio.

„Das Zinn ist bekanntlich ein verbreitetes Metall, denn es dient viel zur Herstellung von Gegenständen des täglichen Bedarfs, weil es sich an seinen Bildungsstätten in Menge findet und sich leicht bearbeiten und in jedem Feuer bequem schmelzen lässt. Rein und auch in Legierung mit Blei lässt es sich gut hämmern, so daß es sich nach Belieben dünner als Papier ausbreiten lässt. Durch Gießen stellt man daraus gewöhnlich Eßgeschirre und Kannen her. Das Zinn hat zwar einen geringen Metallgeruch, dieser ist aber nicht so stark, daß man ihn durch Geruch oder Geschmack an irgendeinem Stoff wahrnimmt, der damit in Berührung gekommen ist.“

„Das Zinn ist umso reiner, je mehr es seinen Glanz zeigt, oder je mehr es auf der Bruchseite eine Körnung aufweist wie der Stahl. Wenn man reines Zinn an einer dünnen Stelle biegt oder mit den Zähnen darauf beißt, hört man ein eigentümliches Knirschen, wie bei Wasser, das in der Kälte gefriert.“

„Ich habe niemals Zinnerz gesehen, weil es sich anscheinend nur an wenigen Stellen bildet. Wie ich jedoch von verschiedenen Fachleuten erfahren habe, wird von allen europäischen Ländern das meiste und das reichste Erz in England gewonnen. Wie ich gehört habe, soll sich

Zinn auch in gewissen Gegenden Flanderns, in Böhmen und im Herzogtum Bayern finden, die Namen der Orte kann ich ihres fremdartigen Klanges wegen nicht genau wiedergeben*). Doch das macht nichts aus. Es genügt für euch, zu wissen, daß sich das Zinnerz wie anderes Erz in sehr rauhen Bergen in einem bestimmten weißen Gestein bildet, sowie angeblich auch in einigen anderen etwas gelblichen Gesteinen und in einem dunkelgrauen. Es soll sich auch in einem ganz porösen Gestein finden, ähnlich demjenigen, in welchem sich das Blei bildet, das aber weicher und ganz voll von roten und grauen Adern ist. Soweit mir bekannt ist, wird das Zinn von den erdigen Erzbestandteilen auf dieselbe Weise getrennt wie das Blei, also in offenen Öfen.“

„Wie oben gesagt, ist das Zinn ein Metall, das die anderen Metalle verdirbt, wenn man es ihnen zusetzt. Schon ein Zusatz von 1 Teil auf 100 Teile Kupfer, Eisen, Silber oder Gold verändert ihre Farbe und verringert ihre Geschmeidigkeit und Dehnbarkeit. Auch ist die Behauptung richtig, daß das Zinn allein keinen Klang hat, aber die anderen Metalle hart und tönend macht. Es ist, als wenn es den Stoffen Seele und Leben gibt, indem durch die Mischung von zwei geschmeidigen Stoffen ein dritter entsteht, der keinem von beiden gleicht, sondern ganz anders und viel brüchiger und härter ist als alle beide. Dies kommt wohl daher, daß die Zinnteilchen die Kupferteilchen verderben und schwächen. Infolge der verschiedenen Natur der beiden Metalle verbinden sich die Teilchen des Kupfers nicht so gut mit denen des Zinns wie vorher untereinander und ebenso auch die Kupferteilchen, weil die Feuchtigkeit des einen Metalls durch die des anderen und die Trockenheit des einen durch die Kälte des anderen vermehrt wird“ [alles 1], [2], [3].

„Daß das Zinn eine weiße Farbe in die Metalle einführt, soll daher kommen, daß es sich als wässriger oder feiner Stoff in den Metallen ausbreitet und die rote Farbe des Kupfers oder die

[1] Biringuccio, V.: De La Pirotechnia, übersetzt und erläutert von Dr. Otto Johannsen, erschienen mit dem Titel: Biringuccios Pirotechnia. BS: Vieweg & Sohn 1925; [2] Biringuccio, V.: 1. Buch: Die Metalle, S. 9/86; [3] Biringuccio, V.: 5. Kap.: Zinn und Zinnerz, S. 65/68; *) Was das angebliche Vorkommen des Zinns in Flandern anbetrifft, so liegt hier wohl eine der häufigen Verwechselungen zwischen Industriezentrum und Gewinnungsstätte des Rohmaterials vor. Die Vorkommen in Böhmen und Bayern beziehen sich wohl auf das Erzgebirge.

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gelbe des Goldes überwindet und auslöscht. Dadurch soll es die Metalle aus rot oder gelb so leuchtend weiß machen, daß diese viel helleren Glanz zeigen als vorher das Zinn selbst. Obgleich man dies tatsächlich beobachtet, glaube ich doch nicht, daß es sich so verhält. Da beide Metalle durch die Mischung härter werden, glaube ich, daß sie infolge ihrer großen Helligkeit und ihres größeren Glanzes weißer erscheinen. Diese aber rühren von der stärkeren Glätte her, welche die größere Härte annimmt. Die Härte der Legierung aber rührt von der Auflösung und Zerstörung der fetten, zähen Bestandteile her, die die Sehne der Metalle bilden und sie zur Bearbeitung geeignet machen. Dies ist die Erklärung, die man meiner Ansicht nach für die Erscheinung geben kann“ [1] bis [3].

2. Fünftes Buch: Die Legierungen der Metalle [4].

3. Kapitel: Die Legierung des Kupfers [5].

„Im Gegensatz zum Golde oder Silber pflegt man das Kupfer nicht zu legieren, um es zu vermehren, sondern um für die Gießkunst eine dem Kupfer eigentümliche Fettigkeit zu zerstören und zu entfernen. Hierzu vermischt man es mit Zinn und bisweilen auch mit Messing. Sein eigentlicher und richtiger Zusatz ist aber das reine Zinn. Man tut dies jedoch nicht, wenn man Kupferschmiedearbeiten machen will, denn hierzu muss das Kupfer rein und frei von allen Verunreinigungen sein, weil man es sonst nicht dünn austreiben, nicht im Feuer vergolden, zu Draht ausziehen und daraus die gewöhnlichen Haushaltsgeräte machen kann; zum Gießen ist das Zinn aber fast unentbehrlich. Wenn man das Kupfer damit vereinigt, verändert es sein Wesen und sein Aussehen, je nach dem Verhältnis des Zinnzusatzes.“

„Ebenso verändert es seinen Namen und heißt nicht mehr Kupfer, sondern Bronze, oder aber die Meister nennen es der besseren Unterscheidung wegen von einer bestimmten Menge Zinn im Zentner Kupfer aufwärts ꞌMetallꞌ von höherer oder geringerer Feinheit, je nach seinem größeren oder geringeren Zinngehalt. Man erkennt diesen Zusatz an dem hellen Glanze und der Sprödigkeit. Er macht die ursprüngliche rote Farbe des Kupfers weiß und das früher weiche dehnbare Metall so hart und brüchig wie Glas. Und zwar entfernt der Zusatz das Kupfer so weit von seinem ursprünglichen Wesen, daß jemand, der nicht weiß, daß die Bronze ein zusammengesetzter Stoff ist, glaubt, sie gehört zu den von der Natur erschaffenen Metallen.“

„Zum besseren Verständnis bemerke ich, daß man verschiedene Arten von Metall herstellt, die sich durch die Mischungsverhältnisse unterscheiden und den verschiedenen Arbeiten angepasst sind. Die eine Sorte nämlich wollen die Bildgießer haben, während die Stückgießer und auch die Gießer von Glocken, Mörsern, Becken und ähnlichen Gusswerken sie nicht haben wollen“ [alles aus 5].

Um das Kupfer zu den verschiedenen Bronzen zu legieren, setzt man auf jeden Zentner Kupfer 8, 9, 10 bis 12 Pfund Zinn zu, während die Glockengießer 23, 24, 25 und 26 Pfund Zinn zusetzen, je nach dem Ton und den Abmessungen der Glocke sowie, ob sie einen

[1] Biringuccio, V.: De La Pirotechnia, übersetzt und erläutert von Dr. Otto Johannsen, erschienen mit dem Titel: Biringuccios Pirotechnia. BS: Vieweg & Sohn 1925, [2] Biringuccio, V.: Erstes Buch: Die Metalle, S. 9/86; [3] Biringuccio, V.: 5. Kap.: Zinn und Zinnerz, S. 65/68. [4] Biringuccio, V.: Fünftes Buch: Die Legierungen der Metalle, S. 244/249; [5] Biringuccio, V.: 3. Kapitel: Die Legierung des Kupfers S. 247/248.

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dumpfen oder einen scharfen, hellen Klang erzielen wollen. Aus Bronze von mehr als 12 Teilen Zinn macht man alle Arbeiten, bei denen man das Mischungsverhältnis der Bronze entweder mit Rücksicht auf die Härte oder die Dünnflüssigkeit beim Gießen überschreiten muss. Darüber werde ich euch später noch genaueres mitteilen; hier genügt es mir, daß ich euch die Art und Weise des Legierens geschildert habe. Macht euch vorher klar, zu welcher Arbeit ihr die Legierung herstellen wollt. Ich kann euch dann über das Legieren nur das eine sagen, daß ihr beim Gewichtsverhältnis so vorgehen müsst, wie es euer Ansicht und der Erfahrung entspricht“ [1] bis [3].

4. Kapitel: Die Legierung von Blei und Zinn [4].

„Blei und Zinn miteinander vermengt, verbinden sich infolge ihrer gegenseitigen Anhänglichkeit, die auf der Ähnlichkeit ihres Wesens beruht, sehr innig. Wenn ihre eigentliche Substanz in der Mischung nicht mehr als die Hälfte beträgt, kann man nur schwer erkennen, welches von beiden Metallen vorliegt, und zwar höchstens beim Zinn, weil dieses, abgesehen von seiner größeren Härte und seinem helleren Glanze an seinem eigenartigen

scharfen Geruch erkenntlich ist.“

„Bei beiden Metallen ist das die beste Art, die ihrem Wesen nach am reinsten ist. Beim Zinn ist es die Sorte, die am hellsten und am härtesten ist und, wenn man sie biegt oder wenn man mit den Zähnen auf eine kleine Ecke beißt, ein Knirschen hören lässt wie gefrorenes Wasser. Warum dies hier mehr als bei den anderen Metallen auftritt, wollen wir jetzt nicht näher untersuchen. Es genügt, daß es euch als Anzeichen dient, um zu erkennen, ob das Zinn rein oder gemischt ist.“

„Die Zinngießer sagen, man müsse das Zinn mit Blei legieren, es sei immer besser zu bearbeiten, wenn es 4 bis 6 Pfund Blei im Zentner enthält, weil dieses es für die Bearbeitung unter dem Hammer dehnbarer und für den Guß dünnflüssiger macht. Mir gefallen diese Reden aber nicht, wenn auch alles wahr ist, was sie sagen, denn ich sehe, daß das von England kommende Zinn, sowohl bearbeitet wie in Barren, die seine Reinheit beweisen, zu allen Arbeiten viel schöner und besser ist als das, was man in Venedig verarbeitet, und ich glaube nicht, daß das vermischte Zinn für irgendetwas besser ist als das reine, abgesehen für den Gewinn des Meisters, der auf jeden Fall das billige Blei für teures Zinn verkauft.“

„Ich finde, daß das vermischte Zinn nur zu zweiDingen gut ist, nämlich erstens zum Löten von Kupfer, denn es kommt zu teuer, die Böden und großen Teile der Gefäße bei der Herstellung mit geringhaltigem Silber anzulöten, wie man es eigentlich tun sollte; der andere Fall liegt vor, wenn die Töpfermeister das Zinn veraschen, um die Emaillen zu machen und ihren Gefäßen eine weiße Farbe zu geben. Bei allen anderen Arbeiten mit Metallen, welcher Art sie auch immer sein mögen, halte ich das Blei für wertlos, da es sich, abgesehen vom Zinn, mit keinem einzigen Metall zu einer guten Verbindung vereinigt“ [1], [2], [4].

[1] Biringuccio, V.: De La Pirotechnia, übersetzt und erläutert von Dr. Otto Johannsen, erschienen mit dem Titel: Biringuccios Pirotechnia. BS: Vieweg & Sohn 1925; [2] Biringuccio, V.: Fünftes Buch: Die Legierungen der Metalle, S. 244/249; [3] Biringuccio, V.: 3. Kapitel: Die Legierung des Kupfers S. 247/248; [4] Biringuccio, V.: 4. Kapitel: Die Legierung von Blei und Zinn, S. 248/249.

Kenntnisstand über das Zinn zurzeit Vannoccio Biringuccio.

3. Neuntes Buch: Die Technik verschiedener Feuerarbeiten [1], [2].

7. Kapitel: Die Zinngießerkunst [3].

„Nachdem ich die Praxis der Bearbeitung der anderen Metalle geschildert habe, will ich auch die Praxis der Zinntechnik besprechen. Da dieses Metall tatsächlich sehr leichtschmelzend ist und da es für die Gefäße zum täglichen Gebrauch viel benutzt wird, ist diese Kunst nicht nur den klugen Köpfen, sondern beinahe auch den kleinen Kindern bekannt. Deshalb könntet ihr sie auch ohne meine Beschreibung ausüben. Ich will hier aber doch darauf eingehen, denn abgesehen von der Herstellung von Tellern, Schüsseln und vielen anderen Geräten zum Essen und zum Aufbewahren von Lebensmitteln gehören dazu noch zwei weitere Künste, die man wegen ihres Nutzens und ihrer Schönheit kennen sollte, nämlich die Herstellung der Lettern für den Buchdruck und der Bleche für die Orgelpfeifen. Die Zinngefäße gießt man, wie ihr vielleicht schon gesehen habt, einzeln in Formen aus weißem Tuffstein. Dann befestigt man mehrere Stücke zusammen an einem mit einem Handrad drehbaren Eisen und dreht sie mit einem etwas gebogenen Werkzeug mit einer Schneidekante1) ab und macht sie sauber und schön. Zum Schluss poliert man sie mit einem Leinenlappen und etwas Tripelpulver, worauf sie fertig sind1)“.

„Zur Herstellung der Drucklettern2) macht man zuerst eine Mischung aus 3 Teilen Feinzinn, 1/8 Teil Blei und 1/8 Teil geschmolzenen Spießglanz3). Von den Metallen nimmt man die erforderliche Menge, schmelzt sie und vergießt sie zu dünnen Zainen, die sich leicht zerschneiden lassen. Man hat nun eine genau gearbeitete Messing- oder Bronzeform, die möglichst eben ist, so daß sie auf den anderen Teil passt. Diese Formhälften sind so eingerichtet, daß man die Höhe und Länge der Zapfen der Lettern einstellen kann. Unten ist die Form so eingerichtet, daß man die Matrize4) genau einsetzen kann, d. i. die Vertiefung, die man mit einem Stahlstempel in einem Stück Kupfer von dem Buchstaben gemacht hat, den man anfertigen, d. h. gießen, will. Man setzt nun die Matrize und ebenso die Dicken ein und schraubt alle Teile der Form mit besonderen Schrauben dicht und fest zusammen. Dann schmelzt man etwas von der Mischung in einem Eisentiegel und gießt die Lettern mit einer Eisenkelle Stück für Stück ab. Wenn man nun von einer Sorte Lettern die gewünschte Menge hat, nimmt man die Matrize heraus und setzt eine andere ein. So fährt man zu gießen fort, bis man von allen Sorten Lettern die gewünschte Menge hat. Dann schneidet man die Eingüsse ab und arbeitet sie alle nach einer kleinen Schablone auf ein Maß nach. Mit den einzelnen Lettern stellen nun die Setzer die Drucksätze für die Bücher in einem Rahmen aus Eisen, Bronze oder Holz zusammen und pressen sie mit außen an den Rändern angebrachten Schrauben zusammen. Dann schmieren sie die Oberseite mit einer Druckerschwärze aus einer gut durchgearbeiteten Mischung von Kienölruß und flüssiger Firniss ein und drucken den Letternsatz mit Hilfe einer Schraubenpresse ab. Die Druckertechnik lassen wir hier aber bei Seite, da sie nicht unsere Sache ist.“

„Aus Zinn wie aus Blei gießt man die Platten zur Herstellung der Dachplatten zur Bedeckung von Kirchen und anderen öffentlichen Gebäuden und zur Herstellung von Orgeln und Wasserleitungsröhren. Damit man seine Arme oder die seiner Arbeiter nun nicht beim Ausbreiten des Bleis oder Zinns unter dem Hammer zu verrenken braucht, macht man sich in

[1] Biringuccio, V.: De La Pirotechnia, übers. u. erläutert v. Dr. O. Johannsen, erschienen m. d. T.: Biringuccios Pirotechnia. BS: Vieweg & Sohn 1925; [2] Biringuccio, V.: Neuntes Buch: Die Technik verschiedener Feuerarbeiten, S. 397/475; [3] Biringuccio, V.: 7. Kapitel: Die Zinngießerkunst, S. 443/446.

Kenntnisstand über das Zinn zurzeit Vannoccio Biringuccio.

allen Fällen in einem Ton- oder Eisengefäß einen kleinen Ofen, beinahe wie einen Flammofen, und schmelzt darin die erforderliche Menge Zinn oder Blei ein. Ob es geschmolzen ist, erkennt man daran, daß ein eingetauchter Papierstreifen oder eine Feder sofort anfängt zu brennen. Dann setzt ihr auf jedes Pfund Zinn ¼ Pfund Salmiak zu und rührt es mit einem Stabe gut um. Auf einmal wird das Metall dünn und klar wie Wasser.“

„Bevor ihr euer Zinn oder Blei zum Schmelzen aufsetzt, habt ihr euch auf einem Brett eine Form von der Länge und Breite gemacht, welche die Dachplatten haben sollen. Das Brett muss an den Seiten zwei gerade Leisten haben, die auf jeder Seite einen Rand bilden, und soll etwas schief stehen. Auf dem Brett macht ihr nun aus Sand oder gesiebter Asche eine Schicht von ½ Zoll Dicke, schlagt sie mit der Hand fest und streicht sie mit einem Lineal glatt ab. Dann braucht ihr noch ein anderes Brettstück, das genau zwischen den beiden Seitenrändern passt und dort so gegen den Sand und die Asche gut abdichtet, so daß da Metall gegen euren Willen nicht hindurch laufen kann. Das Brett soll an jedem Ende einen Einschnitt haben, der auf die Leisten passt. Dann führt ihr das Brett nach oben, führt so viel von dem geschmolzenen Zinn oder Blei ein, wie für die Herstellung der Platte nötig ist, und beginnt sofort das als Sperre dienende Querbrett vorsichtig bis an das andere Ende nach unten vorzuschieben. Dann läuft das ausgegossene Zinn oder Blei mit und lässt dabei eine feste Schicht von gleichmäßiger Dicke und Breite zurück. So macht man Platten für die oben genannten Arbeiten.“

„Aus Zinn macht man auch manche unrunde Gefäße, wie Flaschen, Behälter für Eingemachtes und Salzfässer. Diese gießt man in Hälften in Formen aus weißem Tuffstein. Diese Hälften setzt man zusammen und verlötet sie. Dann arbeitet man sein mit Raspeln und Schabern oder anderen schneidenden Werkzeugen nach und macht sie glatt und schön. Man schlägt das Zinn auch wie Gold aus und macht daraus papierdünne Blätter; diese bestreicht man mit Bronze und verleiht dadurch Holz oder anderen Gegenständen, die wie Gold aussehen sollen, die Farbe des Goldes mit wenig Kosten“*) [1] bis [3].

3. Neuntes Buch: Die Technik verschiedener Feuerarbeiten [1], [2].

12. Kapitel: Die Herstellung der Metallspiegel, die man gewöhnlich Sphären nennt [4].

„Ich will euch nun sagen, was die Mehrzahl der Meister als größtes Geheimnis behandelt. Um hinter das Geheimnis zu kommen, gehen auf besondere Art vor, beim alten Verfahren war es üblich, zur Mischung feines Glockenmetall zu benutzen, also ¾ Kupfer und ¼ Zinn. Um den Glanz etwas zu verstärken, setzt man Spießglanz zu. Andere nehmen 1/24 Feinsilber, und zwar werden die Spiegel umso besser und dichter, je mehr man davon zusetzt.“ … „heute nehmen die meisten Meister 3 Teile Zinn und 1 Teil Kupfer und schmelzen diese zusammen.“ … „Wenn man gute Spiegel machen will, muss man vieles beachten. Erstens müssen die Spiegel aus einer guten Mischung bestehen und vollkommen eben gegossen sein“ [2], [4].

[1] Biringuccios Pirotechnia, übersetzt und erläutert von Dr. Otto Johannsen, BS: Vieweg & Sohn 19251); [2] Biringuccio, V.: Neuntes Buch: Die Technik verschiedener Feuerarbeiten, S. 397/475; [3] Biringuccio, V.: 7. Kap.: Die Zinngießerkunst, S. 443/446; [4] Biringuccio, V.: 12. Kap.: Die Herstellung der Metallspiegel, die man gewöhnlich Sphären nennt, S. 456/462; taglio bordo; *) Die unechte Vergoldung mit Stanniol erwähnen Heraklius (ca. 575- 641) und Theophilus, s. Lippmann, O. v.: Beiträge zur Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik, B: Springer 1923, S. 151 und 163; s. a. Feldhaus, F. M.: Die Technik der Vorzeit, der geschichtlichen Zeit und der Naturvölker, Stichwort „Zinnfolie“, L und B: Engelmann 1914.

[...]

Ende der Leseprobe aus 104 Seiten

Details

Titel
Zinn - Metall der Antike, Gegenwart, Zukunft
Untertitel
Werkstoff für Technik, Kultur, Kunst
Veranstaltung
Technikgeschichte
Autor
Jahr
2011
Seiten
104
Katalognummer
V173127
ISBN (eBook)
9783640935383
ISBN (Buch)
9783640935772
Dateigröße
1799 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zinn, Zinnschrei, Zinnpest, Zinnlot, Zinnlager, Letternmetall, Weißmetall, Zinnlegierungen, Kassiterit, Stannit, Bronze
Arbeit zitieren
Dipl.-Ing., Dr.-Ing. Wolfgang Piersig (Autor), 2011, Zinn - Metall der Antike, Gegenwart, Zukunft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173127

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