Jugendoffiziere sind als Referenten für sicherheitspolitische Fragen ein fester Bestandteil der Informations- und Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr. Seit fast 50 Jahren stehen Jugendoffiziere im Dialog mit der Öffentlichkeit und erläutern die Grundlinien der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik, den erweiterteten Sicherheitsbegriff, Auftrag und Aufgaben der Bundeswehr, die Einbindung der Bundeswehr innerhalb internationaler Organisationen. Primäre Zielgruppe sind Jugendliche und jugendliche Erwachsene, die ihn vornehmlich in Bildungsinstitutionen antreffen und dort von ihm informiert werden, aber auch Gewerkschaften, Studenten, Referendare etc. wollen als Multiplikatoren gewonnen werden. Für viele junge Menschen ist er aber der erste Kontakt zur Bundeswehr. Im Jahr 2005 waren in Deutschland 94 hauptamtliche sowie ca. 300 nebenamtliche Jugendoffiziere tätig. Laut Jahresbericht waren sie in fast 8.000 Einsätzen unterwegs. Bezogen auf die Zusammenarbeit mit Schulen liegt der Schwerpunkt der Arbeit des Jugendoffiziers in der Unterstützung des Schulunterrichts im Rahmen des Gemeinschaftskunde-, Politik- oder Sozialkundeunterrichts. In der vorliegenden Diplomarbeit sollen die beiden angesprochenen Institutionen, nämlich Jugendoffizier und Schule, im Hinblick auf die Erziehung zum Frieden vorgestellt werden. Hierbei wird der Einsatz des Jugendoffiziers in der Schule nach seiner ethischen Legitimität untersucht. Es soll geklärt werden, um welche besondere Kommunikationsform es sich bei den Unterrichtsbesuchen handelt. Das Forschungsvorhaben lässt sich mit folgendem Zitat skizzieren: "Die zentrale Fragestellung dieser Arbeit besteht darin, welche ethische Legitimation die Institutionen 'Schule' und 'Jugendoffier' in der Erziehung zum Frieden haben. Ferner geht es darum, eine Aussage darüber zu treffen, dass die Bundeswehr die Arbeit des Jugendoffiziers dazu nutzt, im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit Imagepflege zu betreiben."
Während der Recherchephase 2006 nahm der Verfasser am Grundlehrgang für Jugendoffiziere an der Akademie für Kommunikation der Bundeswehr in Strausberg teil.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Friedenserziehung als Konsequenz der Friedensforschung
2.1. Grundlagen der Friedensforschung
2.1.1. Erkenntnisse der Friedensforschung im Hinblick auf den Friedensbegriff
2.1.2. Zugänge zum Kriegsbegriff
2.2. Erziehung zum Frieden
3. Die Institutionen Schule und Jugendoffizier in der Erziehung zum Frieden: Vorstellung der beiden Institutionen
3.1. Der Institutionenbegriff
3.2. Schule als Institution
3.2.1. Politikunterricht in der Schule
3.2.2. Vorgaben der Kultusministerien der Bundesländer im Politikunterricht
3.2.3. Niedersächsische Rahmenrichtlinien für das Unterrichtsfach Gemeinschaftskunde in der gymnasialen Oberstufe
3.3. Der Jugendoffizier als Institution
3.3.1. Jugendoffiziere in der Anfangsphase der Bundeswehr
3.3.2. Jugendoffiziere in den 1960er- bis 1970er-Jahren
3.3.3. Jugendoffiziere in den 1980er- und 1990er-Jahren
3.3.4. Institutionelle Ausbildung zum Jugendoffizier in der Gegenwart
4. Das Zusammenwirken von Schule und Jugendoffizier
4.1. Beispiel 1: Der Besuch eines Jugendoffiziers in einem Politikkurs einer ausgewählten gymnasialen Oberstufe
4.1.1 Bewertung aus der Sicht des Jugendoffiziers
4.1.2. Bewertung aus der Sicht des Kursleiters
4.1.3. Bewertung aus der Sicht der Schülerinnen und Schüler
4.2. Beispiel 2: Die Simulation POL&IS
4.2.1. Funktionsweise der Simulation
4.2.2. Erfahrungen zur Anwendung der Simulation POL&IS
5. Der Jugendoffizier: Politische Bildung als effiziente Öffentlichkeitsarbeit
6. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Rolle der Schule und der Bundeswehr (vertreten durch den Jugendoffizier) bei der Friedenserziehung. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der ethischen Legitimation dieser Institutionen in der Friedenserziehung und prüft kritisch, inwieweit die Bundeswehr die Arbeit der Jugendoffiziere zur Imagepflege im Rahmen ihrer Öffentlichkeitsarbeit nutzt.
- Grundlagen der Friedensforschung und Friedenserziehung
- Strukturen und rechtliche Rahmenbedingungen der politischen Bildung in der Schule
- Historische und aktuelle Entwicklung der Institution Jugendoffizier
- Analyse der Zusammenarbeit anhand konkreter Praxisbeispiele (Unterrichtsbesuch und Simulation POL&IS)
- Abgrenzung zwischen politischer Bildungsarbeit und werblicher Öffentlichkeitsarbeit
Auszug aus dem Buch
Die Institutionen Schule und Jugendoffizier in der Erziehung zum Frieden: Vorstellung der beiden Institutionen
Im folgenden Kapitel werden zwei Institutionen vorgestellt, die im Rahmen einer politischen Bildung Friedenserziehung durchführen: Die Schule auf der einen Seite als Träger des staatlichen Bildungsauftrages und die Bundeswehr auf der anderen Seite, die durch ihre Jugendoffiziere unter anderem in Schulen auftritt, um dort durch sicherheitspolitische Expertenvorträge oder das Angebot eines Planspiels die Institution Schule unterstützt. Einleitend wird definiert, was Institutionen sind, im Anschluss daran werden die Schule und die Jugendoffizier detailliert vorgestellt.
3.1. Der Institutionenbegriff
Als Institutionen werden komplexe soziale Gebilde und Organisationen bezeichnet, die das menschliche Zusammenleben im Hinblick auf Handlungs- und Beziehungsebene dauerhaft strukturieren. Der Begriff Institution erstreckt sich auf drei unterschiedliche Sachverhalte: Erstens werden korporative Gebilde damit beschrieben. Diese sozialen Systeme haben unterschiedlich stark ausdifferenzierte Organisationsformen. Sie treten in Form von Staaten, Kirchen, Unternehmen, Gewerkschaften, Verbänden, Universitäten etc. auf. Zweitens erfüllen Institutionen die Regelung des sozialen Austausches, indem Normen durch die Individuen anerkannt und eingehalten werden. Sprache, Geld, Recht, Eigentum, Handel, Liebe etc. sind Manifestationsformen dieser Normen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Friedensforschung und Darlegung der zentralen Fragestellung sowie des Aufbaus der Arbeit.
2. Friedenserziehung als Konsequenz der Friedensforschung: Theoretische Herleitung des Zusammenhangs zwischen Friedensforschung und der Erziehung zum Frieden sowie Darstellung zentraler Begrifflichkeiten.
3. Die Institutionen Schule und Jugendoffizier in der Erziehung zum Frieden: Vorstellung der beiden Institutionen: Definition von Institutionen und detaillierte Vorstellung der Rollen von Schule und Bundeswehr (Jugendoffizier) in diesem Kontext.
4. Das Zusammenwirken von Schule und Jugendoffizier: Empirische Analyse der Zusammenarbeit anhand eines Expertenbesuchs im Unterricht und der Anwendung des Planspiels POL&IS.
5. Der Jugendoffizier: Politische Bildung als effiziente Öffentlichkeitsarbeit: Kritische Auseinandersetzung mit der ethischen Legitimation der Institutionen und der Unterscheidung zwischen politischer Bildung und Öffentlichkeitsarbeit/Werbung.
6. Zusammenfassung und Ausblick: Resümee der zentralen Ergebnisse und Formulierung potenzieller Forschungsansätze für zukünftige Studien.
Schlüsselwörter
Friedenserziehung, Friedensforschung, Bundeswehr, Jugendoffizier, Schule, politische Bildung, Sicherheitspolitik, POL&IS, Öffentlichkeitsarbeit, Herrschaftslegitimation, Kriegsbegriff, Friedensbegriff, Demokratieerziehung, Institutionen, Konfliktlösung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Engagement der Institutionen Schule und Bundeswehr (durch den Jugendoffizier) im Bereich der Friedenserziehung in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Friedensforschung, die politische Bildung im Schulunterricht, die Geschichte und Ausbildung des Jugendoffiziers sowie die Anwendung sicherheitspolitischer Methoden wie Vorträge und Simulationen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist die ethische Legitimation der Akteure Schule und Jugendoffizier in der Friedenserziehung sowie die kritische Reflexion, ob die Arbeit als genuine politische Bildung oder als Imagepflege der Bundeswehr einzustufen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Herleitung (Literaturanalyse) kombiniert mit empirischen Anteilen, insbesondere Beobachtungen eines Schulbesuchs und Auswertungen von Interviews mit Lehrern und Jugendoffizieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen, stellt die Institutionen Schule und Jugendoffizier vor, untersucht deren Zusammenwirken in der Praxis und hinterfragt die ethische Legitimität dieses Engagements.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Friedenserziehung, Jugendoffizier, Sicherheitspolitik, politische Bildung, Öffentlichkeitsarbeit und die Simulation POL&IS.
Wie unterscheidet sich der Jugendoffizier-Einsatz am Gymnasium von anderen Schulformen?
Die Arbeit stellt fest, dass an Gymnasien eher sicherheitspolitische Zusammenhänge diskutiert werden, während an Haupt- und Realschulen häufiger strukturierende Informationen über die Institution Bundeswehr im Vordergrund stehen.
Was ist das pädagogische Potenzial der Simulation POL&IS?
Das Planspiel gilt als nachhaltiges Instrument zur Vermittlung von internationalen Zusammenhängen, da die Teilnehmer spielerisch Verantwortung übernehmen und die Komplexität politischer Entscheidungsfindung erfahren.
Gibt es offizielle Kontrollmöglichkeiten für die Qualität der Jugendarbeit?
Offizielle externe Evaluationen gibt es kaum. Die Qualitätssicherung findet primär durch interne Meldungen zur Öffentlichkeitsarbeit und den Jahresbericht statt.
- Quote paper
- Dipl.-Staatswiss. (Univ.) Martin Thiem (Author), 2006, Schule und Jugendoffizier - Die Bedeutung des Jugendoffiziers für die Erziehung zum Frieden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173150