Die CEDAW (Commission on the Elimination of Discrimination Against Women) legte 1947 zusammen mit der CSW (Commission on the Status of Women) den Grundstein für die Rechte der Frauen. Zuvor wurden die Rechte der Frau als Teil der Menschenrechte gesehen, da diese die Gleichheit aller Menschen postulierte. Zwischen 1947 und 1973 wurde deutlich, dass Frauen trotz Einführung der Menschenrechte nicht gleichwertig behandelt wurden. Deshalb wurde eine Frauenrechtskonvention, die CEDAW, in die Wege geleitet. Diese Frauenrechtserklärung ist die Basis für die Rechte einer jeden Frau.
Da die CEDAW eine globale Konvention ist, besteht die Schwierigkeit darin, die Rechte in die lokalen Gebiete zu vermitteln. Die Vermittler dieser Rechte sind NGO’s (non-governmental organisations) und andere Frauenrechtsorganisationen. Dafür leistet die Rechtsethnologie ihren Beitrag. Ein Bereich der Rechtsethnologie befasst sich mit der Durchführung des gelungenen Vernacularization-Prozess, um die globalen Rechte in die lokalen Gesellschaften einzufügen und dabei die kulturellen und traditionellen Bedeutungssysteme mit einzubauen.
Es gibt jedoch gegenüber Frauenrechten immer wieder Widerstände, denn Frauenrechte können traditionelle Vorstellungen einer Gesellschaft verändern und werden oft mit der Modernisierung und Globalisierung in Verbindung gebracht. Das Ziel dieser Arbeit ist es, drei Beispiele von Widerständen gegenüber Frauenrechten aufzuzeigen. Diese sind:
1. Widerstand durch eine „failed vernacularization“. Wenn globale Rechte in einen lokalen Kontext eingebettet werden, können Schwierigkeiten auftreten. Damit eine Vernacularization erfolgreich ist, müssen folgende Faktoren beachtet werden: Hierzu gehört Tradition, die gewählten Überlieferungsmethoden, die Arbeit der Organisationen, die Ziele der Organisationen, etc. Die 2. Art eines Widerstandes sind Gegenbewegungen. Werden Frauenrechte eingeführt, gibt es immer wieder Gruppierungen, welche sich durch die zunehmenden Rechte der Frauen und die damit verbundene zunehmende Macht in der Gesellschaft unterdrückt fühlen und die Antwort darauf ist, dass sie eine Gegenbewegungen starten um ihre Macht, ihr Ansehen und ihren Status nicht zu verlieren. Die 3. Art ist ein Widerstand, welcher oft zum Scheitern der Einführung von Frauenrechten führt. Es ist die Kultur einer Gesellschaft. Wenn eine Gesellschaft eine sehr stark verankerte Kultur und Tradition hat und ...
Inhaltsverzeichnis
2 EINLEITUNG
3 EINFÜHRUNG IN DIE FRAUENRECHTE
3.1 „ALLGEMEINE MENSCHENRECHTSERKLÄRUNG“ UND DIE „CEDAW“
3.2 FRAUENRECHTE IN DER RECHTSETHNOLOGIE
3.2.1 BESONDERHEITEN DER FRAUENRECHTE GEGENÜBER DEN MENSCHENRECHTEN
3.2.2 BEZIEHUNGEN GLOBAL – LOKAL
3.2.3 MODERNISIERUNG, SOZIOKULTURELLER WANDEL UND GESCHLECHTERBEZIEHUNGEN
3.2.4 „GENDER“ UND RECHTSPLUARLISMUS
4 DREI ARTEN DES WIDERSTANDES GEGENÜBER FRAUENRECHTEN
4.1 MISSLUNGENE „VERNACULARIZATION“
4.1.1 VERNACULARIZATION
4.1.2 FAKTOREN DES SCHEITERNS EINER VERNACULARIZATION
4.2 GEGENBEWEGUNG
4.3 TRADITION UND KULTUR
AUSBLICK AUF DIE FRAUENRECHTSTHEMATIK IN DER RECHTSETHNOLOGIE
4.4 VERNACULARIZATION
4.5 GENDER MAINSTREAMING
5 FAZIT
6 LITERATURLISTE
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die lokalen Aushandlungsprozesse und Widerstände bei der Implementierung globaler Frauenrechte. Dabei wird analysiert, wie Rechtsethnologen als Vermittler zwischen internationalen Konventionen wie der CEDAW und den spezifischen soziokulturellen Gegebenheiten vor Ort fungieren, um die Lücke zwischen globalem Anspruch und lokaler Realität zu überbrücken.
- Prozess der "Vernacularization" globaler Frauenrechte in lokale Kontexte.
- Die Rolle der Rechtsethnologie bei der Vermittlung zwischen globalen Standards und Traditionen.
- Analyse dreier Widerstandsformen: gescheiterte Vernacularization, Gegenbewegungen und kulturelle Barrieren.
- Rechtspluralismus und die Bedeutung von Gender in traditionellen Rechtssystemen.
- Einfluss von Modernisierung und Globalisierung auf Geschlechterbeziehungen.
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Vernacularization
Mit dem Begriff Vernacularization wird ein Prozess der Annahme von Rechten beschrieben, der folgendermassen abläuft:
„ Their adaption depends on the process of vernacularization: the translation of ideas and practices developed in cosmopolitan centers such as United Nations conferences in New York and Geneva into terms appropriate for local contexts.“ (Levit und Merry 2008: 2)
Der Ablauf einer Vernacularization besteht aus vier Schritten (Levitt und Merry 2008: 12):
1. Inhalt der Nachricht: NGO’s gehen von dem global values package of women’s human rights aus. Dies meint, dass es ein globales Frauenrechtspaket gibt, in welchem die Werte und Rechte der Frauen geregelt sind.
2. Adaption dieser Nachricht: Sie wählen jene Rechte aus, welche sie in die lokalen Gebiete verbreiten möchten. Dabei beachten sie die bereits vorhandenen sozialen Ideologien.
3. Wahl der Kommunikationsmittel: Die NGO’s wählen die Mittel und Technologien, durch welche sie ihre Rechte in die lokalen Bereiche bringen möchten. Dies können traditionelle Methoden wie Drachenfliegen oder Strassenspiele oder modernere wie Telefonhotlines oder das Internet sein.
4. Intervention der Organisation: Die Organisationen setzen sich für die Menschen vor Ort ein und sind ein Hilfsmittel, wenn z.B. einen Brief an eine Gericht geschrieben werden möchte oder eine Anwalt benötigt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
2 EINLEITUNG: Die Einleitung stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Vermittlung globaler Frauenrechte in lokale Kontexte und identifiziert die drei Hauptarten von Widerständen als Analysegegenstand.
3 EINFÜHRUNG IN DIE FRAUENRECHTE: Dieses Kapitel erläutert die Genese der Frauenrechte, insbesondere durch die CEDAW, und definiert das Aufgabenfeld der Rechtsethnologie im Hinblick auf Rechtspluralismus und kulturelle Anpassung.
4 DREI ARTEN DES WIDERSTANDES GEGENÜBER FRAUENRECHTEN: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die Hindernisse bei der Implementierung von Frauenrechten durch unzureichende Übersetzungsprozesse, aktive Gegenbewegungen und tief verwurzelte kulturelle sowie traditionelle Normen.
AUSBLICK AUF DIE FRAUENRECHTSTHEMATIK IN DER RECHTSETHNOLOGIE: Der Ausblick diskutiert die zukünftige Bedeutung der Rechtsethnologie bei der weiteren Verbreitung von Frauenrechten unter besonderer Berücksichtigung der Konzepte "Vernacularization" und "Gender mainstreaming".
5 FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass Frauenrechte zwar als Menschenrechte gelten, ihre Umsetzung jedoch untrennbar mit den lokalen Bedeutungssystemen verbunden ist, was eine kulturangepasste Vermittlungsarbeit zwingend erforderlich macht.
6 LITERATURLISTE: Die Literaturliste führt alle verwendeten Quellen auf, die für die theoretische Fundierung der Arbeit und die Fallbeispiele herangezogen wurden.
Schlüsselwörter
Frauenrechte, Rechtsethnologie, Vernacularization, CEDAW, Menschenrechte, Rechtspluralismus, Widerstand, Gegenbewegung, Tradition, Kultur, Gender, Modernisierung, Globalisierung, Lokale Aushandlung, Geschlechterrollen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den komplexen Prozessen der Implementierung globaler Frauenrechte in lokale Gesellschaften und den daraus resultierenden Widerständen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die rechtsethnologische Perspektive auf Frauenrechte, das Konzept der "Vernacularization" sowie die Untersuchung von Widerstandsformen wie Gegenbewegungen und kulturellen Normen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum die Einführung universeller Frauenrechte oft auf Widerstand stößt und welche Rolle die Rechtsethnologie dabei spielt, diese Rechte kulturell angemessen zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer rechtsethnologischen Literaturanalyse, die verschiedene Fallstudien und theoretische Konzepte zur Transnationalisierung von Rechten miteinander verknüpft.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert drei spezifische Widerstandsformen: das Scheitern der Vernacularization, organisierte Gegenbewegungen (wie die VAM in Vanuatu) und den Einfluss traditioneller Kultur (Beispiel Indien).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist maßgeblich geprägt durch Begriffe wie Vernacularization, Rechtspluralismus, Frauenrechte und Rechtsethnologie.
Warum gelten die Dorfgerichte in Papua-Neuguinea als hybride Institutionen?
Da sie sowohl auf traditionellen Bräuchen basieren als auch nationale Rechtsnormen integrieren, was Frauen neue Möglichkeiten der Streitschlichtung eröffnet, die zuvor nicht existierten.
Inwiefern beeinflusst das kulturelle Umfeld die Durchsetzung von Frauenrechten?
Kulturelle Systeme, wie sie etwa im indischen Kontext beschrieben werden, können so stark sein, dass Frauen ihre eigenen Bedürfnisse zugunsten familiärer oder traditioneller Rollenerwartungen unterdrücken, selbst wenn sie theoretisch Rechte hätten.
- Arbeit zitieren
- Lisa Imhof (Autor:in), 2010, Lokale Aushandlungsprozesse bei der Einführung von „Women’s Rights“ als Gegenstand der Rechtsethnologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173177