Die zeitgenössische deutsche Literatur ist stark von diesen Prozessen der Migration und Verflechtung der Kulturen beeinflusst. So gibt es in Deutschland heutzutage viele Autoren, die einen Migrationshintergrund besitzen, aber ihre Werke auf Deutsch verfassen. Es entstehen also interkulturelle „hybride“ Literaturformen, die von sogenannten „interkulturellen“ Autoren geprägt werden. Bei der Arbeit mit solchen Texten stellen sich viele Fragen: Welche Autoren werden als „interkulturell“ bezeichnet und welche Stellung nehmen sie innerhalb der deutschen Nationalliteratur ein? Und natürlich kommt die Frage nach der Rezeption solcher „interkultureller“ Literatur auf: Warum genießen also viele Autoren mit Migrationshintergrund eine besondere Aufmerksamkeit bei der deutschen Leserschaft, so wie beispielsweise der in dieser Arbeit behandelte Autor Wladimir Kaminer, der zu einem ‚Star’ der deutschen Literatur wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen: Konzepte zur Interkulturalität
2.1. Postkoloniale Ansätze der Hybridität
3. Hybridität bei Wladimir Kaminer (am Beispiel von seinem Buch Russendisko)
3.1. Wladimir Kaminers hybride Identität
3.2. Hybridität auf der sprachlichen und inhaltlichen Ebene
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die zeitgenössische interkulturelle Literatur anhand des Autors Wladimir Kaminer. Dabei wird analysiert, inwieweit postkoloniale Theorien und insbesondere das Konzept der Hybridität nach Homi Bhabha geeignet sind, um die hybride Identitätskonzeption und die Darstellung des multikulturellen Berlins in seinem Werk „Russendisko“ zu interpretieren.
- Interkulturelle Literaturwissenschaft und Paradigmenwechsel.
- Postkoloniale Alteritäts- und Hybriditätskonzepte.
- Wladimir Kaminer und das Genre der Pseudo-Biographie.
- Sprachliche und inhaltlich-motivische Hybridisierung in der Literatur.
- Die Rezeption von Migrationsliteratur in Gast- und Heimatländern.
Auszug aus dem Buch
3. Hybridität bei Wladimir Kaminer (am Beispiel von seinem Buch Russendisko)
Man kann Wladimir Kaminer als einen der erfolgreichsten zeitgenössischen Autoren Deutschlands bezeichnen. Am 17. Juli 1967 wurde er in Moskau als Sohn einer Lehrerin und eines Betriebswirts geboren. Er absolvierte eine Ausbildung zum Toningenieur für Theater und Rundfunk und war auch für eine gewisse Zeit in diesem Bereich tätig. Anschließend studierte er Dramaturgie am Moskauer Theaterinstitut. 1990 verlässt er die Sowjetunion und immigriert als jüdischer Kontingentflüchtling nach Deutschland. Seinen ersten Erfolg als Schriftsteller feierte er mit dem Erscheinen von Russendisko (2000), einer Sammlung von 50 Kurzgeschichten. Das Buch erschien in Verbindung mit seiner Tätigkeit als DJ im Kaffee „Burger“ in Berlin, wo er seine berühmte Disko mit „echter“ russischer Musik moderiert. Seine Bücher werden in andere Sprachen übersetzt und erscheinen auch im Audioformat. Unter anderem genießt er die Aufmerksamkeit der Press, es erscheint eine große Zahl von Artikeln über ihn im Internet und er gibt häufig Interviews für Fernsehen und Rundfunk. Darüber hinaus ist er seit kurzem auch zum Gegenstand der akademischen Diskussion geworden.
Die Werke von Wladimir Kaminer gehören im Großen und Ganzen zum Genre der Pseudo-Biographie, was ihm erlaubt, fiktive Momente mit autobiographischem Material zu verbinden und dadurch das Interesse des Lesers zu wecken. Der Erzähler seiner Bücher ist der Ich-Erzähler, der viele gemeinsame Züge mit dem Autor hat. Jedoch behauptet Wladimir Kaminer immerhin in Interviews, dass, was er schreibt, ausschließlich wahre Geschichten sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik interkultureller Literatur und Migrationsbewegungen ein und stellt die Forschungsfrage nach der Anwendbarkeit postkolonialer Hybriditätskonzepte auf die Werke Wladimir Kaminers.
2. Theoretische Grundlagen: Konzepte zur Interkulturalität: Dieses Kapitel erläutert die Entwicklung der interkulturellen Germanistik und diskutiert zentrale theoretische Ansätze wie Alterität sowie das Konzept der Transkulturalität.
2.1. Postkoloniale Ansätze der Hybridität: Hier wird das theoretische Fundament von Homi Bhabhas Hybriditätskonzept dargestellt, das als wesentliches Instrument für die literaturwissenschaftliche Analyse dient.
3. Hybridität bei Wladimir Kaminer (am Beispiel von seinem Buch Russendisko): Dieses Kapitel porträtiert den Autor Wladimir Kaminer und beleuchtet die Entstehung sowie die erzählerische Besonderheit seines Werkes „Russendisko“.
3.1. Wladimir Kaminers hybride Identität: Hier werden die akademische Rezeption des Autors und die spezielle Problematik der jüdisch-russischen Migrationserfahrung in Berlin analysiert.
3.2. Hybridität auf der sprachlichen und inhaltlichen Ebene: Dieser Abschnitt untersucht die sprachliche Gestaltung und die inhaltlichen Russlandbilder in Kaminers Texten vor dem Hintergrund des von Bhabha definierten „dritten Raums“.
4. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass Hybridität ein fruchtbares, wenn auch nicht vollkommen kohärentes Analyseinstrument für Kaminers Texte darstellt.
Schlüsselwörter
Interkulturalität, Hybridität, Wladimir Kaminer, Russendisko, Postkolonialismus, Identität, Migration, Alterität, Transkulturalität, Pseudo-Biographie, Literaturwissenschaft, Berlin, Dritter Raum, Migrationsliteratur, Akkulturation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die moderne interkulturelle deutsche Literatur am konkreten Beispiel des Autors Wladimir Kaminer und seines Buches „Russendisko“.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Begriffe der Interkulturalität und Hybridität, die Analyse von Identitätskonzepten bei Migranten sowie die literarische Auseinandersetzung mit der Migration nach Deutschland.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Ziel ist es, die Eignung postkolonialer theoretischer Ansätze, speziell des Hybriditätskonzepts nach Homi Bhabha, für die Interpretation von Kaminers Texten zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die theoretische Konzepte der Interkulturalität mit einer inhaltlichen und strukturellen Untersuchung des literarischen Werks verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, ein Porträt des Autors sowie die spezifische Analyse von Kaminers Identität und der Hybridität seiner Texte auf sprachlicher und inhaltlicher Ebene.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Hybridität, Interkulturalität, Identität, Postkolonialismus und Migrationserfahrung definiert.
Inwiefern spielt das Thema Judentum eine Rolle bei Kaminer?
Das Judentum spielt laut der Arbeit eine Nebenrolle; Kaminer nutzt seine jüdische Herkunft zwar als biografischen Zugang, stellt sie in seinem literarischen Werk jedoch nicht explizit in den Vordergrund.
Warum wird Kaminers Literatur als „hybrid“ bezeichnet?
Die Bezeichnung resultiert aus der Grenzgängerposition des Autors, der als Migrant in verschiedenen kulturellen und sprachlichen Welten agiert und diese im literarischen „dritten Raum“ verwebt.
- Arbeit zitieren
- Ievgeniia Bogomolova (Karashchuk) (Autor:in), 2010, Hybridität bei Wladimir Kaminer am Beispiel seiner "Russendisko", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173431