Goethes Italienreise

1786-1788


Facharbeit (Schule), 2009

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung

1. Goethe und der Verlauf der Italienreise
1.1. Biographie Goethes
1.2. Gründe für die plötzliche Reise
1.3. Etappen der Reise

2. Werke während dieser Reise
2.1. Iphigenie auf Tauris
2.2. Gedichte in dieser Zeit
2.3. Italienisches Reisetagebuch

3. Auswirkungen der Italienreise
3.1. Faust - Erster Teil
3.2. Veränderungen auf Goethe

Anmerkungen

Quellenverzeichnis

Unter dem Vorwand man hätte ihn niemals freiwillig gehen lassen, "stahl er sich aus dem Karlsbad weg", so geht seine Flucht aus seinem vorigen Leben aus dem Tagebucheintrag von Johann Wolfgang von Goethe hervor. Diese Flucht wurde zu einer zweijährigen Reise, die ihn durch ganz Italien führte. Zudem stellte Italien zu diesem Zeitpunkt ein ideales Reiseziel für die Dichter Deutschlands dar. Vielleicht war es für Goethe aber auch eine Art Selbstfindungstripp, denn er selbst sagte über sich: "ich wäre rein zu Grunde gegangen und zu allem unfähig gewesen". In Italien wollte er eine neue Inspiration finden, die ihn später anregen sollte. Dabei diente ihm als Ziel die Hauptstadt Italiens: Rom. (1)

1. Goethe und der Verlauf der Italienreise

1.1.Biographie Goethes

Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28.8.1749 in Frankfurt/Main geboren und wuchs in wohlhabenden Verhältnissen auf. Sein Vater war ein gebildeter und angesehener Mann und führte sein Leben nach strengen Grundsätzen. Seine Mutter war dagegen eine frohe heitere Frau mit viel Phantasie und Humor. Und beide Eigenschaften seiner Eltern hatte ihr Sohn anscheinend geerbt. Als 15jähriger bewarb er sich bereits um die Aufnahme in die "Arcadische Gesellschaft in Philandria". 1765 studierte Goethe Jura in Leipzig und legte danach in Straßburg seine Lizentiatprüfung ab. In Straßburg begeisterte er sich unter dem Einfluss von Johann Gottfried Herder unter anderem auch für Homer, Pindar, Shakespeare, für die gotische Baukunst und für das Volkslied. Mit der Urfassung des "Faust" und des "Götz von Berlichingen" sowie durch seine Sesenheimer Lyrik an Frederike Brion ("Willkommen und Abschied", "Mailied") wurde er zum führenden Dichter des "Sturm und Drang". Nach Frankfurt zurückgekehrt, war er als Rechtsanwalt tätig. Weltruhm trug ihm auch der Briefroman "Die Leiden des jungen Werther" ein, der nach einer Praktikantenzeit in Wetzlar (1772) entstand, als er von der Liebe zu Charlotte Buff ("Lotte") erfasst wurde. In Wetzlar gehörte Goethe logenartigen Gesellschaften an wie der "Rittertafel" oder dem "Orden des Überganges". 1775 berief Karl August, der Herzog von Sachsen-Weimar, Goethe jedoch nach Weimar. Dort gewann Goethe von Jahr zu Jahr an Einfluss auf den Fürsten und gehörte bereits 1776 zum Geheimen Rat.

Am 7.Januar 1780 kehrten Goethe und Karl August von ihrer zweiten Schweizer Reise zurück, auf der beide den Entschluss fassten, sich in den Freimaurerbund aufnehmen zu lassen.

Am 23.Juni 1781 wurde Goethe von der Universität Jena zum Gesellen befördert und bereits am 11.Februar 1783 wurde Goethe in den Illuminaten-Orden aufgenommen. Dieser wurde 1776 gegründet und sollte nach dem Vorbild des Jesuitenordens eine geheime Weisheitsschule sein, "in der die besten jungen Akademiker unbehindert von den traditionellen Fesseln alles lernen sollten, was die Priester von den Lehrstühlen verbannt hatten".(2) Dort führte Goethe den Ordensnahmen "Abaris" und erlangte rasch höheres Ansehen, indem er sich an Verhandlungen und Entscheidungen des Ordens beteiligte.

Dadurch fühlte sich Goethe jedoch schon bald als Dichter eingeengt und entzog sich seinen amtlichen Verpflichtungen 1786-88 durch eine Italien-Reise. Diese längere Reise eröffnete ihm den Zugang zur antiken Kultur und seine "klassischen" Dramen entstanden. Der "Egmont" wurde abgeschlossen, "Iphigenie auf Tauris" verfasst, "Torquato Tasso" sowie die "Römischen Elegien" entworfen.

Nach seiner Rückkehr aus Italien lernte Goethe 1788 Christiane Vulpius kennen, die er erst nach langem Zusammenleben 1806 heiratete. Sie gebar ihm mehrere Kinder, von denen aber nur sein Sohn August am Leben blieb. In dieser Zeit entstanden die "Metamorphose der Pflanzen" und die ersten Arbeiten zur "Farbenlehre". Weitere Reisen und die Französische Revolution brachten so viel Unruhe in Goethes Leben, dass er vorerst die Einsamkeit suchte. Erst die Freundschaft mit Schiller seit 1794 gab ihm neuen Ansporn. Schiller arbeitete an seinen späten Dramen, währenddessen Goethe seinem Erziehungsroman "Wilhelm Meister" die Endfassung gibt. 1797 erscheint "Hermann und Dorothea". Seine Hauptarbeit aber war der "Faust", dessen erster Teil 1806 beendet wurde. 1815 veranlasste Goethe die Aufnahme seines Sohnes in den Freimaurer-bund und aus seiner eigenen Lebesnrückschau gingen in dieser Zeit "Dichtung und Wahrheit" und die "Italienische Reise" hervor. Doch sein dichterisches Spätwerk ist "Faust II". Als Goethe am 22.3.1832 in Weimar starb, war damit auch die Zeit der deutschen Klassik, die "Goethe-Zeit" vorbei.(3)

1.2. Gründe für die plötzliche Reise

Die Reise Goethes war eine Art Flucht. Die Arbeit in Weimar als Minister hatte seine literarische Kreativität blockiert. Italien war schon seit seiner Kindheit ein Traum gewesen und er hoffte, dass das klassische Italien der griechisch-römischen Kultur zu seiner künstlerischen Wiedergeburt führen würde. Um nun wenigstens zeitweilig seinen eigenen Weg zu gehen beschloss Goethe, den Herzog um einen unbestimmten Urlaub zu bitten. Diese Bitte wurde genehmigt und Goethe konnte sich nach seiner 10jährigen Bindung an den Herzogshof endlich mit seinen wahren Intersessensgebieten beschäftigen. Ähnlich wie schon bei seiner Abreise aus Wetzlar 1772 brach Goethe Hals über Kopf auf. Nicht einmal gegenüber seinen nähesten Freunden oder Verwandten erwähnte er seinen kurz bevorstehenden Abschied. Tatsache ist aber, dass die Reise trotz allem perfekt geplant war.

Goethe folgte mit seiner Flucht den Spuren seines Vaters. Dieser hatte bereits 1740 eine Reise nach Venedig unternommen und war damals mit einigen römischen Antiquitäten zurückgekehrt. Er hatte dem kleinen Goethe das Modell einer Gondel mitgebracht und im ganzen Haus römische Stiche aufgehängt. Es soll sogar eine Landkarte in Goethes Zimmer gehangen haben, auf der man die Route der Reise seines Vaters von 1740 verfolgen konnte. Auf diese Art und Weise wurde die Sehnsucht nach Italien schon von Kindesbeinen an geweckt. Doch neben der Italiensucht war wohl auch die Unzufriedenheit mit seiner bisherigen Tätigkeit in der Weimarer Staatsverwaltung ein Motiv für seinen Entschluss, vor allem die drückenden höfischen und dienstlichen Verpflichtungen. Sein bisheriges Leben war ihm scheinbar zu eng geworden, auch die Gesellschaft und die Menschen in seiner nächsten Nähe. Es schien ihm als würde sich nichts verändern, nichts weiter entwickeln. Er verspürte nur noch einen Drang nach Freiheit, nach neuen Eindrücken oder vielleicht auch nach neuen Aufgaben. Er selbst sagte: "Nur da ich jedermann mit Leib und Seele in Norden gefesselt [...] sah, konnte ich mich entschließen, [...] den Mittelpunkt zu suchen, nach dem mich ein unwiderstehliches Bedürfnis hinzog. Ja, die letzten Jahre wurde es eine Art von Krankheit, von der mich nur der Anblick und die Gegenwart heilen konnte. [...] Die Begierde dieses Land zu sehen, war überreif."(4)

Die Sehnsucht nach Italien war in Goethe jedoch auf zweierlei Weise geweckt worden. Je mehr Goethe selbst ein Ideal menschlichen Verhaltens zu finden versuchte, desto mehr begann er sich für Winkelmanns Ideal "edle Einfalt und stille Größe"(5) zu interessieren und desto größere Hoffnung setzte er auf Italien. Denn die italienische Kultur erlebte zu dem Zeitpunkt seiner Reise einen Höhepunkt. Er war also bestrebt die Lebensformen des Volkes zu erkunden und ihre spezifischen Bedingungen zu begreifen. So brach er nun im September 1786 nach Italien zu einer sogenannten Erholungs- und Bildungsreise auf, ohne seine Umgebung zu informieren und um seinen Wunsch Italien kennen zu lernen zu verwirklichen. Und somit rechtfertigte Goethe seinen Ausbruch: "Hätt`ich nicht den Entschluss gefaßt, den ich jetzt ausführe, so wär`ich rein zugrunde gegangen und zu allem unfähig gewesen.".(6)

1.3. Etappen der Reise

Am 3.September 1786 stahl sich Goethe früh morgens aus Karlsbad weg, um sich auf seine erste Reise nach Italien als Maler Müller - oder in mancher Literatur auch Maler Möller genannt - zu begeben. Seine Reise ähnelt dem äußeren Anschein nach zwar eher einer Flucht als einem geplanten Unternehmen, jedoch hat Goethe seine Reise über mehrere Jahre hinweg gründlich geplant und das nur mit Hilfe eines einzigen Mitwissenden, seinem Diener Philipp Seidel.

In großer Eile reiste der damals 37jährige über Regensburg, München, Mittenwald, Innsbruck, den Brenner, Bozen, Trient, Malcesine und legte erstmals in Verona und Vicenza jeweils mehrtägige Pausen ein. Weiter ging es dann nach Venedig, wo Goethe sich länger als zwei Wochen aufhielt. Über Ferrara und Cento gelangte er nach Bologna und setzte nach einer abermals mehrtägigen Pause die Reise - nur durch Übernachtungen unterbrochen - bis zu seinem Hauptziel nach Rom fort. Sein Ziel zu erreichen war ihm so dringend, dass er in Florenz nur drei Stunden verweilte und sogar komplett auf eine Besichtigung Perudias verzichtete. Dazu vermerkte er in seinem 'Reise-Tagebuch', was er während der gesamten Italienreise anfertigte, er habe Perudia aus Zufall und Schuld nicht gesehen. Denn die Toskana war für Goethe nur ein Durchreiseort und nicht ein Reiseziel.

Hier noch einmal alle einzelnen Stationen im Überblick:(7)

- Karlsbad, 3.September 1786
- Regensburg, 4.September 1786
- München, 5.September 1786
- Mittenwald, 7.September 1786
- Innsbruck, 10.September 1786
- Verona, 14. bis 19.September 1786
- Venedig, 28.September bis 14.Oktober 1786
- Florenz, 23.Oktober 1786
- Rom, 29.Oktober 1786 bis 22.Februar 1787
- Neapel, 25.Februar bis 29.März 1787
- Rom, 6.Juni 1787 bis 24.April 1788
- Rückkehr nach Deutschland
- Weimar, 18.Juni 1788

An Hand der "Historisch-kritischen Nachrichten aus Italien", die ihm ein Reiseführer vermittelte, (8)suchte Goethe die klassischen Stätten auf. Darin wird auch der Renaissancebaumeister Andrea Palladio genannt. Goethe suchte alle seine Bauten auf, in Vicenza wie auch in Venedig. Die aus der antiken Baukunst entwickelten Auffassungen Palladios verhalfen ihm zu einem ersten Verständnis antiker Architektur. Dazu hatte Goethe in Verona schon das Amphitheater gesehen und einige antike Grabmäler.(9)

In Rom wohnte Goethe bei dem Maler Johann Heinrich Tischbein, mit dem er schon seit 1781 in Verbindung stand. Tischbein führte ihn durch die Stadt und zeigte ihm viele Sehenswürdigkeiten wie die Sankt Peter Kathedrale oder die päpstliche Gemäldegalerie. Außerdem wurde Goethe in den Kreis der deutschsprachigen Künstler in Rom eingeführt und machte unter anderem die Bekanntschaft mit dem Dichter Karl Philipp Moritz.(10)

Im Februar 1787 reiste Tischbein nach Neapel und Goethe begleitete ihn dort hin. Hier nimmt Goethe Zeichenunterricht bei dem Landschaftsmaler Jacob Philipp Hackert. Goethe durchwanderte sogar das Kraterbecken der Sulfatara und bestieg den Vesuv.(11) Schon seit seiner Ankunft in Verona beobachtete Goethe besonders das einfache Volk. Auch in Venedig interessierte er sich besonders auf Plätzen und Märkten für die Gebärden des Volkes und jetzt in Neapel war er überzeugt, das Volk sei "so natürlich, daß man mit ihm natürlich werden könne".(12)

Am 19.März 1787 segelte Goethe von Neapel nach Palermo, um Sizilien kennenzulernen. Diese Exkursion dauerte fast sieben Wochen und nebenbei unterhielt er einen Zeichner und Reiseführer namens Kniep. An den Tempeln von Segesta und Agrigent versuchte Goethe sein Verständnis der antiken Architektur auszubilden und erfasste dadurch sogar die Urform der klassischen Architektur.(13) Nachdem er die Küstenregion der Insel durchreist, das Innere Sizilien gesehen und den Ätna bestiegen hatte, versuchte er, "den Gesang der Odyssee, in dem Odysseus auf der Insel der Phäaken landet und Nausikaa, der Tochter des Königs Alkinoos, begegnet, dramatisch zu gestalten. Im Drama "Nausikaa", in dem Antike und Gegenwart durch Sage und Landschaft verbunden werden sollten, wollte Goethe den Ertrag seiner Sizilienreise finden. Aber das Werk blieb Fragment, nachdem Goethe die Insel verlassen hatte."(14)

Als Goethe nach Rom zurückgekehrt war bewährten sich seine naturwissenschaftlichen Studien ebenso wie sein Studium der antiken Kunstdenkmäler. Intensiv beschäftigte sich Goethe jetzt mit seinen nach Italien mitgenommenen Dichtungen, formte sie um und arbeitete sie aus. Neben der Beschäftigung mit antiker Bildhauerkunst und der Malerei arbeitete er auch an seinen literarischen Projekten "Iphigenie", "Egmont", "Tasso" und "Faust" weiter. 1786 konnte "Iphigenie auf Tauris" in Versform fertiggestellt werden, 1788 dann "Egmont". Jetzt verstand Goethe auch den römischen Karneval, mit dem er im Jahr zuvor noch gar nichts hatte anfangen können: "Es mußte mir bald auffallen, daß dieses Volksfest wie ein anderes wiederkehrendes Leben und Weben seinen entschiedenen Verlauf hatte, [...] wo jeder Zuschauer und Teilnehmer mit freiem Gesicht oder unter der Maske [...] nur einen geringen Raum vor und neben sich übersieht, [...] mehr aufgehalten wird als willig stille steht, nur eifriger dahin zu gelangen sucht, wo es besser und froher zugeht, und dann auch da wieder in die Enge kommt und zuletzt verdrängt wird."(15)

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Goethes Italienreise
Untertitel
1786-1788
Hochschule
Clemens-Winkler-Gymnasium, Aue
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V173443
ISBN (eBook)
9783640947461
ISBN (Buch)
9783640947799
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Goethe, Italien, Goethes Italienreise, Iphigenie auf Tauris, Faust, Rom
Arbeit zitieren
B.Sc. (Bachelor of Science) Sarah Dorst (Autor), 2009, Goethes Italienreise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173443

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