Der Weg der Bekennenden Kirche von ihren Anfängen bis zur Barmer Theologischen Erklärung


Hausarbeit, 2003
10 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Nationalsozialismus und die evangelische Kirche bis 1933

3. Die Deutschen Christen

4. Die Anfänge der Bekennenden Kirche

5. Die Bekenntnissynode von Barmen

6. Die Barmer Theologische Erklärung

7. Das Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der folgenden Arbeit soll die Entstehung der Bekennenden Kirche von ihren Anfängen bis zur Barmer Theologischen Erklärung der Bekenntnissynode von Barmen dargestellt werden.

Die Zeit der dreißiger und vierziger Jahre war nicht so einseitig, wie man versucht ist, darzustellen: Einerseits das Böse, Hitler, der ein unmenschliches Regime führte und menschenverachtend handelte, andererseits der Widerstand der evangelischen Christen, also die Bekennende Kirche. Die Wirklichkeit sah anders aus: Den Kritikern und Widerständlern stand die große Gruppe von Hitler begeisterter Menschen gegenüber. Der Widerstand existierte, aber auch die Vielen mehr, die das Aufkommen des Dritten Reiches begrüßten. Je tiefer man in die Geschichte eintaucht, desto mehr verwischen die Grenzen zwischen den Parteien.

Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, kann die folgende Auseinandersetzung mit der Geschichte der Bekennenden Kirche in vielen Punkten nur vereinfacht dargestellt werden. Trotz ihrer Kürze soll ein Eindruck dieser Zeit möglich werden.

„Die Bekennende Kirche: Wie sie wurden was sie waren“

soll als Arbeitsauftrag und Motto über dieser Arbeit stehen.

2. Der Nationalsozialismus und die evangelische Kirche bis 1933

Nach ihrem Wahlerfolg 1930 gehörte es zur Propaganda der NSDAP, dass prominente Nationalsozialisten öffentlich ihre Verbindung zur Kirche demonstrierten. Uniformierte SA-Gruppen besuchten geschlossen den Gottesdienst. Joseph Goebbels wurde 1931 in einer evangelischen Kirche im Beisein Hitlers getraut. Hitler ließ sich in Bildbänden als Kirchgänger darstellen. Die eigentliche Haltung Hitlers zum Christentum war aber eine andere, was in Gesprächen mit Rauschning immer wieder deutlich wurde[1]. Doch die NSDAP betonte ihre kirchenfreundliche Haltung, was von vielen Christen als Wirken Gottes begrüßt wurde. Es gab einige Pfarrer, die für die NSDAP kämpften. Dies hängt auch damit zusammen, dass andere zur Wahl stehende Gruppen eher kommunistisch und sozialistisch geprägt waren und somit von den Christen als kirchenfeindlich eingestuft wurden. Die Gruppe der „Religiösen Sozialisten“ durchschaute allerdings mit als Erste die Unvereinbarkeit von Hitlers Überzeugungen und dem Christentum. Schon früh lehnten sie die nationalsozialistische Bewegung ab. In den Augen vieler Christen waren sie aber als Sozialisten unglaubwürdig, was sie ohnmächtig bleiben ließ. Eine andere Gruppierung gegen die Ideologien Hitlers stellten die Schüler Karl Barths dar. Der Schweizer Theologieprofessor lehrte in Bonn und lehnte, wie seine Schüler, die das Dritte Reich aus theologischen Gründen ab. In dem 1932 veröffentlichten Werk „Die Kirche und das Dritte Reich –Fragen und Forderungen deutscher Theologen“, werden die Spannungen deutlich, der die Kirche ausgesetzt war. „Von 43 Autoren [dieses Buches] lehnten nahezu die Hälfte den Nationalsozialismus ab, ein Drittel blieb unentschieden und etwas über ein Viertel begrüßte ihn.“[2]

Ursache dieser Zerrissenheit ist sicherlich auch darin zu finden, dass die evangelische Kirche im Deutschland der dreißiger Jahre von nicht weniger als 28 Landeskirchen gebildet wurde. Diese waren zwar in einem Bund zusammengeschlossen, agierten aber trotzdem selbständig. Die Unterschiede zwischen der großen Gruppe von lutherischen, der dagegen kleineren Gruppe von reformierten und unierten Landeskirchen war eines von vielen Hindernissen auf dem Weg zu einer einheitlichen Stellungnahme. Insgesamt war die Haltung eine für den Nationalsozialismus, wenn auch Fragen und gemäßigte Warnungen zu hören waren.

Da die evangelischen Kirche eine Gemeindekirche und keine Bischofskirche ist, gab und gibt es keine „eine Stimme“, auf die gehört werden muss. Da nur Jesus Christus Haupt der Kirche ist und über diese verfügen kann, kann in der evangelischen Kirche niemand kurzfristig über richtig und falsch entscheiden. Diese Freiheit bedeutet, wie an der Geschichte des Dritten Reiches erkennbar, eine große Gefahr, aber ebenso, in der gleichen Zeit zu beobachten, eine besondere Kraft.

3. Die Deutschen Christen

Die propagierte kirchenfreundliche Haltung war nur ein Weg der NSDAP, ihr Ziel zu erreichen, auch die Macht in der evangelischen Kirche an sich zu reißen. In den Kirchenwahlen im Herbst 1932 sahen die Nationalsozialisten ihre Stunde gekommen und stellten eine eigene Liste auf. So wurde eine Glaubensbewegung gegründet, deren ursprünglicher Name „Evangelische Nationalsozialisten“ von Hitler selbst in „Deutsche Christen“ (DC) geändert wurde, um wenigsten dem Anschein nach die Neutralität zu wahren. Leiter dieser Organisation war Joachim Hossenfelder. Die Richtlinien der Deutschen Christen waren nationalsozialistisch durchdrungen:

„Wir kämpfen für einen Zusammenschluß der (...) 29 [sic] Kirchen zu einer Evangelischen Reichskirche (...).

(...) wir fordern aber auch Schutz des Volkes vor den Untüchtigen und Minderwertigen.

(...) In der Judenmission sehen wir (...) das Eingangstor fremden Blutes in unseren deutschen Volkskörper.“[3]

Durch die Unterstützung der Partei wurde ein Erfolg der Deutschen Christen bei den Wahlen und eine darauf folgende Änderung der Struktur der Evangelischen Kirche möglich: Dem lockeren Kirchenbund der 28 Landeskirchen wurde der Wehrkreispfarrer Ludwig Müller als „Bevollmächtigter für die Angelegenheiten der evangelischen Kirchen“ vorangestellt. Nachdem der von den Leitern der Landeskirchen bestellte Reichsbischof Friedrich von Bodelschwingh durch politischen Druck auf die betreffenden Leiter aus dem Weg geräumt wurde, konnte Müllers Macht ausgebaut werden. Die neugeschaffene Reichskirche nannte sich Deutsche Evangelische Kirche (DEK). Durch starke Manipulation der folgenden Neuwahlen in der DEK konnten die Deutschen Christen die Herrschaft in der Reichskirche sowie den meisten Landeskirchen antreten. Einzig Württemberg, Bayern und Hannover blieben in der Hand der kirchlichen Opposition. Eine Nationalsynode am 27. September 1933 wählte Ludwig Müller zum Reichsbischof.

Mit der katholischen Kirche schloss Hitler im Juli 1933 ein Konkordat, in dem ihre Rechte im zukünftigen Staat gesichert wurden. Dafür erkannte der Vatikan rückhaltlos das neue Regime an. Die völlige Gleichschaltung, also die Durchsetzung nationalsozialistischer Grundzüge auch in der evangelischen Kirche, schien nur noch eine Frage der Zeit.

[...]


[1] vgl. Walther Hofer (Hg), 1982, S. 120f

[2] Röhm Thierfelder, 1981, S. 10

[3] Röhm, Thierfelder 1981, S.25

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Der Weg der Bekennenden Kirche von ihren Anfängen bis zur Barmer Theologischen Erklärung
Autor
Jahr
2003
Seiten
10
Katalognummer
V173588
ISBN (eBook)
9783640938452
ISBN (Buch)
9783640938407
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Drittes reich, nazi, deutsche christen, hitler, bekennende Kirche, bekenntnis, bte, theologische, erklärung, Confessio, Karl Barth, elberfeld, barmer, barmen, nsdap, religiöse, sozialisten, DC, Reichskirche, Bodelschwingh, Ludwig müller, antisemitismus, pfarrernotbund, Maulkorberlass, Niemöller, Hans Asmussen, schisma, DEK
Arbeit zitieren
Dipl. Religionspädagogin Nathalie Abel-Klaiber (Autor), 2003, Der Weg der Bekennenden Kirche von ihren Anfängen bis zur Barmer Theologischen Erklärung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173588

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