Tax Risk Accounting


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Berücksichtigung von unsicheren Steuerpositionen nach ED/2009/2
2.1 Anwendungsbereich der Neuregelung des ED
2.2 Begriffliche Grundlagen
2.3 Neuregelungen des ED/2009/2
2.3 1 Ansatz von unsicheren Steuerpositionen
2.3.2 Bewertung von unsicheren Steuerpositionen
2.3.3 Angabepflichten bezüglich unsicherer Steuerpositionen
2.4 Kritische Würdigung der Neuregelungen

3. Vergleich zur Bilanzierung von Steuerrisiken nach FIN 48
3.1 Anwendungsbereich der FIN 48
3.2 Ansatz von unsicheren Steuerpositionen
3.3 Bewertung von unsicheren Steuerpositionen

4. Darstellung unsicherer Steuerpositionen im Jahresabschluss

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Rechtsquellenverzeichnis

Richtlinien

Richtlinienvorschlag

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Das International Accounting Standards Board (IASB) hat am 31. März 2009 einen neuen Standardentwurf zur Bilanzierung von Ertragsteuern veröffentlicht (Exposure Draft ED/2009/2 „ Income Tax “), welcher in Zukunft den bestehenden IAS 12 ersetzen soll. Dieser Entwurf wurde in Kooperation mit dem US-amerikanischen Standardsetter Financial Accounting Standards Board (FASB) entwickelt und ist ein Teil des von beiden Rechnungslegungsgremien gemeinsam verfolgten Konvergenzprojektes zur Beseitigung von Differenzen zwischen IFRS und US- GAAP. Mit dem Exposure Draft ED/2009/2 wird angestrebt die Vorschriften zur Bilanzierung von Ertragssteuern in IFRS und US-GAAP zu harmonisieren, um damit die Unklarheiten bei der Anwendung des IAS 12 zu beseitigen und zur Vereinfachung der Bilanzierungsvorschriften für Ertragssteuern beizutragen.

Der Exposure Draft umfasst zahlreiche Änderungen und Neuregelungen zum Ansatz und zur Bewertung von Ertragssteuern, jedoch das Augenmerk dieser Arbeit richtet sich vor allem auf die Regelungen zur Berücksichtigung unsicherer Steuerpositionen (uncertain tax positions), die erstmals mit dem neuen Standard aufgenommen wurden, um die bislang bestehende Regelungslücke zu schliessen. Die Aufgabe der vorliegenden Arbeit besteht darin, die neuen Regelungen ausführlich darzustellen und zu analysieren. Insbesondere sollen im Rahmen dieser Arbeit die Fragen geklärt werden, inwieweit die vom IASB veröffentlichte Neuregelung die Problematik sachgerechter Abbildung unsicherer Steuerpositionen aufgreift und welche Konsequenzen und Auswirkungen sich für die Unternehmen bei der Anwendung ergeben können. Nicht zuletzt ist von Bedeutung die Frage, inwieweit die Neugelungen zur angestrebten Konvergenz beitragen können. Zur Erfüllung dieser Aufgabe erfolgt in dem zweiten Kapitel zuerst die Analyse der Neuregelungen. Der Fokus liegt auf der Hervorhebung der Ansatz- und Bewertungskonzeptionen unsicherer Steuerpositionen, auf welche näher eingegangen wird, um abschließend eine kritische Reflektion dieser neuen Regelungen durchführen zu können. Das anschließende dritte Kapitel ist den Vorschriften nach US-GAAP (FIN 48) gewidmet, um eine vergleichende Analyse der Änderungen vorzunehmen. Das vierte Kapitel befasst sich mit der Darstellung unsicherer Steuerpositionen im Jahresabschluss. Abschließend erfolgt eine explizite Zusammenfassung der gewonnenen Ergebnisse.

2. Berücksichtigung von unsicheren Steuerpositionen nach ED/2009/2

2.1 Anwendungsbereich der Neuregelungen des ED

Aufgrund der Tatsache, dass die IAS 12 keine konkreten Vorschriften zur Bilanzierung drohender Schulden aus Steuerrisiken enthält,1 hat IASB neue Regelungen vorgeschlagen, die in der Zukunft die Auswirkungen von Steuerrisiken auf die Steuerpositionen explizit regeln und die bis jetzt bestehende Regelungslücke schliessen werden müssen.2 Demzufolge regelt ED/2009/2 erstmalig die Abbildung von unsicheren Steuerpositionen (uncertain tax positions) im Hinblick auf deren Ansatz und der Bewertung.3 Darüber hinaus sollen gemäß ED.26 die Unsicherheiten, die sich aufgrund einer steuerlichen Außenprüfung von Finanzbehörden ergeben können, künftig bei der Ermittlung der tatsächlichen und latenten Steuern einer Berichtsperiode berücksichtigt werden.4 Dabei soll die Betonung des Substantivs „die Unsicherheit“ zum Ausdruck bringen, dass alle möglichen steuerlichen Mehr- und Minderbelastungen aufgrund einer steuerlichen Außenprüfung erfasst werden müssen.5

Generell gilt für alle bereits nach IFRS bilanzierende Unternehmen, dass die Anpassungen an den ED/2009/2 erstmals in der Eröffnungsbilanz der ersten Berichtsperiode, die nach der Veröffentlichung des Standards beginnt, ihre Anwendung finden.6 Die Unternehmen, die zu dem Zeitpunkt dabei sind, ihre Bilanzierung nach IFRS umzustellen, müssen die Vorschriften des neuen Standards rückwirkend anwenden.7 Die IFRS-Erstanwender sind ebenso verpflichtet die Regelungen des ED/2009/2 für die Berichtsperiode anzuwenden, die nach dem Veröffentlichungszeitpunkt des Standards beginnt.8

Der Anwendungszeitpunkt des neuen Standards ist noch nicht bestimmt, jedoch ist die Veröffentlichung des Standards für das erste Halbjahr 2010 vorgesehen,9 so dass frühestens im Geschäftsjahr 1.1.2012 mit der Erstanwendung zu rechnen ist.10

2.2 Begriffliche Grundlagen

Zur Entstehung von unsicheren Steuerpositionen kommt es dann, wenn aufgrund der Auslegung und der Anwendung von geltenden Gesetzen auf eine bestimmte Transaktion Unsicherheiten bestehen.11 Vor diesem Hintergrund sind die für Zwecke des Jahresabschlusses die von Unternehmen ermittelten Steuerbelastungen und Steuerentlastungen solange mit Unsicherheit behaftet, bis die angemessene Veranlagung endgültig wird.12 In diesem Zusammenhang werden von den Finanzbehörden ebenso die Ergebnisse künftiger Betriebsprüfungen einbezogen.13 Die Steuerrisiken in Folge einer noch nicht abgeschlossenen Betriebsprüfung sind generell mit den steuerlichen Mehrbelastungen verbunden, welche die Bilanzierung von Steuerrisiken unausweichlich machen.14

Die Unsicherheiten betreffen, in Bezug auf die den Finanzbehörden übermittelten Beträge, vor allem tatsächliche und latente Steuern.15 Daher ist es sinnvoll eine Unterscheidung hinsichtlich der Art des Risikos und des Sachverhaltes vorzunehmen, um bei der Ermittlung tatsächlicher und latenter Steuern die Unsicherheiten richtig zu berücksichtigen.16 Aus diesem Grund bietet sich eine Differenzierung in zeitbezogene und nicht-zeitbezogene unsichere Steuerpositionen an. Bei zeitbezogenen unsicheren Steuerpositionen existiert die Unsicherheit, wann ein Sachverhalt für steuerliche Zwecke geltend gemacht werden kann, während bei nicht-zeitbezogenen unsicheren Steuerpositionen unmittelbar die Steuerpflicht in Frage gestellt wird.17

2.3 Neuregelungen des ED/2009/2

In dem neuen Standardentwurf ist zwar keine exakte Definition des Begriffs „unsichere Steuerpositionen“ vorgesehen, dafür werden Vorschriften zur Berücksichtigung von unsicheren Steuerpositionen hinsichtlich der Ansatz- und Bewertungskonzeptionen vorgeschlagen18, die im Fokus der Analyse stehen werden.

2.3.1 Ansatz von unsicheren Steuerpositionen

IAS 12 enthält keine speziellen Regelungen zur Abbildung von Steuerunsicherheiten, verweist jedoch auf die Vorschriften des IAS 37 (Rückstellungen, Eventualschulden und Eventualforderungen)19 und regelt lediglich, dass die tatsächlichen Ertragsteuern, sofern diese noch nicht bezahlt wurden, als Schuld anzusetzen sind.20 Im Gegensatz zu IAS 12 befasst sich ED.26 explizit mit diesem Themenkomplex und schreibt ein unbedingtes Ansatzgebot vor.21

In Anlehnung an die Prinzipien des Liability-Projektes sind die unsicheren Steuerpositionen stets bei der Bilanzierung der tatsächlichen und latenten Steuern einer Berichtsperiode zu berücksichtigen.22 Dabei werden die steuerlichen Risiken bei IASB nach dem liability-approach abgebildet.23 Aufgrund der bestehenden Verpflichtung der Unternehmen, Steuern an den Fiskus zu zahlen, ist von der Unsicherheit nicht die Verpflichtung selbst betroffen, sondern lediglich die Höhe dieser Verpflichtung.24 Gemäß ED/2009/2 sollen bei der Ermittlung der Steuerpositionen alle Steuerrisiken unabhängig von der subjektiven Einschätzung der Eintrittswahrscheinlichkeit des Risikos einbezogen werden.25 Infolgedessen soll die Eintrittswahrscheinlichkeit als Aspekt der Bewertung und nicht des Ansatzprozesses betrachtet werden, weil es keine Ansatzschwelle wie bei dem More- likely- than- not -Kriterium besteht.26

2.3.2 Bewertung von unsicheren Steuerpositionen

Gemäß IAS 12.46 sind tatsächliche Steuerschulden mit dem Betrag zu bemessen, in dessen Höhe eine Zahlung an die Finanzbehörden erwartet wird.27 Der vorgeschlagene Standardentwurf schreibt neue Vorschriften zur Bewertung von Steuerrisiken vor, dabei folgt man weniger den Vorgaben aus FIN 48, sondern vielmehr stehen die Regelungen mit dem im Juni 2005 veröffentlichen Standardentwurf IAS 37 im Einklang.28

Da der Standardentwurf keine Angaben bezüglich des Verpflichtungscharakters und der Art des Risikos enthält, bietet sich die Möglichkeit, die unsicheren Steuerpositionen in zeitbezogene und nicht-zeitbezogene zu unterteilen, um letztendlich den Grad der Aggregation zu bestimmen und die gebildeten einheitlichen Gruppen gemäß ED. 26 zu bewerten.29

Bei der Bewertung der laufenden und latenten Steuern ist davon auszugehen, dass alle möglichen erwarteten Ausprägungen aus einer Betriebsprüfung ins Kalkül gezogen werden müssen.30 Dabei schlägt ED.26 als Bewertungsmethode ein einstufiges Verfahren (one-step-approach) vor,31 demnach sollen die latenten Steuern auf Grundlage einer Erwartungswertmethode (probability-weighted average amount of all the possible outcomes) bestimmt werden.32 Das bedeutet, dass die laufenden und latenten Steuern mit dem wahrscheinlichkeitsgewichteten Durchschnitt der erwarteten einzelnen Ergebnisse bewertet werden.33 In diesem Zusammenhang soll zuerst jedem steuerlichen Ergebnis die jeweilige Eintrittswahrscheinlichkeit zugeordnet werden.34 Die Summe der mit diesen Wahrscheinlichkeiten gewichteten Ergebnisse ergibt einen Betrag, welcher als laufende und gegebenenfalls latente Steuer zu bilanzieren ist.35

[...]


1 Vgl. Von Eitzen/Dahlke, Bilanzierung, 2008, S. 125.

2 Vgl. Simlacher/Schurbohm-Ebneth, Änderungen, 2009, S. 394.

3 Vgl. Beychs/Fuchs, Vorschläge, 2009, S. 641.

4 Vgl. Senger/Brune/Hoehne, Übersicht, 2009, S. 294.

5 Vgl. Simlacher/Schurbohm-Ebneth, Änderungen, 2009, S. 394.

6 Vgl. Benzel/Linzbach, Vorschriften, 2009, S. 407; ED.50.

7 Vgl. Ernst & Young, Standardentwurf, 2009, S. 16 (Internetquelle).

8 Vgl. Benzel/Linzbach, Vorschriften, 2009, S. 408.

9 Vgl. Jehle, Neuregelungen, 2009, S. 159.

10 Vgl. Loitz, Änderungen, 2009, S. 2005.

11 Vgl. Ernst & Young, Standardentwurf, 2009, S. 15 (Internetquelle).

12 Vgl. Jehle, Neuregelungen, 2009, S. 156.

13 Vgl. Fischer, Standardentwurf, 2009, S. 144.

14 Vgl. Simlacher/Schurbohm-Ebneth, Änderungen, 2009, S. 394.

15 Vgl. Beychs/Fuchs, Vorschläge, 2009, S. 641.

16 Vgl. Benzel/Linzbach, Vorschriften, 2009, S. 403.

17 Ebenda, S. 403.

18 Vgl. Kessler/Scholz-Görlach, Unterschiede, 2009, S. 288.

19 Vgl. Ernst & Young, Standardentwurf, 2009, S. 16 (Internetquelle).

20 Vgl. Pellens/Fülbier/Gassen/Sellhorn, Rechnungslegung, 2008, S. 215; Barthélemy/Willen, Handbuch, 2003, S. 177.

21 Vgl. Benzel/Linzbach, Vorschriften, 2009, S. 407.

22 Vgl. Kessler/Scholz-Görlach, Unterschiede, 2009, S. 288; Benzel/Linzbach, Vorschriften, 2009, S. 402.

23 Vgl. Benzel/Linzbach, Vorschriften, 2009, S. 402; Kessler/Scholz-Görlach, Unterschiede, 2009, S. 288.

24 Vgl. Benzel/Linzbach, Vorschriften, 2009, S. 402.

25 Vgl. Dahlke, Standardentwurf, 2009, S. 1463; Benzel/Linzbach, Vorschriften, 2009, S. 407.

26 Vgl. Jehle, Neuregelungen, 2009, S. 156.

27 Vgl. IAS 12; Pellens/Fülbier/Gassen/Sellhorn, Rechnungslegung, 2008, S. 216; Barthélemy/Willen, Handbuch, 2003, S. 177.

28 Vgl. Dahlke, Standardentwurf, 2009, S. 1463; Jehle, Neuregelungen, 2009, S. 157; ED.BC58.

29 Vgl. Benzel/Linzbach, Vorschriften, 2009, S. 403.

30 Vgl. DRSC, Income, 2009, S. 22 (Internetquelle).

31 Vgl. Jehle, Neuregelungen, 2009, S. 156.

32 Vgl. Kessler/Scholz-Görlach, Unterschiede, 2009, S. 288; Dahlke, Standardentwurf, 2009, S. 1464; Mazars, Bilanzierung, 2009, S. 3 (Internetquelle).

33 Vgl. DRSC, Income, 2009, S. 21 (Internetquelle); Mazars, Bilanzierung, 2009, S. 3 (Internetquelle).

34 Vgl. Fischer, Standardentwurf, 2009, S. 144; ED.26.

35 Vgl. Beychs/Fuchs, Vorschläge, 2009, S. 641; Senger/Brune/Hoehne, Übersicht, 2009, S. 294.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Tax Risk Accounting
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V173594
ISBN (eBook)
9783640938483
ISBN (Buch)
9783640940837
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tax Risk Accounting, Income Tax, Exposure Draft ED/2009/2, FIN 48, Bilanzierung von Ertragssteuern
Arbeit zitieren
Julia Lira-Mayer (Autor), 2009, Tax Risk Accounting, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173594

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