Korrelationen zwischen dem Strategiewechsel der Palästinensischen Befreiungsorganisation bei den Geheimverhandlungen von Oslo 1993 und konstruktivistischen Theorieansätzen


Seminararbeit, 2009

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorbedingungen der Geheimverhandlungen
2.1 Ende des Ost-West-Konfliktes
2.2 Golfkrieg 1990/1991
2.3 Finanz- und Legitimationskrise der PLO nach dem Golfkrieg
2.4 Faktoren bezüglich des Zustandekommens der Geheimverhandlungen

3. Stationen des Friedensprozesses - Befunde des Strategiewechsels
3.1 Declaration of Principles on Interim Self-Government Arrangements
3.2 Agreement on the Gaza Strip and the Jericho Area

4. Die Geheimverhandlungen im Spiegel konstruktivistischer Theorieansätze

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Frieden in Nahost - wann denn? Die Erfüllung im Dann ist an die Erfüllung im Jetzt mit geheimnisvollen Stricken gebunden.“1

In Bezug auf die bereits 1932 formulierte Aussage Martin Buders können innerhalb der Wissen- schaft äquivalente Meinungen zur Struktur des Nahostkonfliktes konstatiert werden.2 Analytisch betrachtet besteht zwischen Israel und Palästina sowohl ein „territorialisierter Nationalitätenkonflikt“3, als auch eine Interessen- und Wertekontroverse. In erst genannter Di- mension der Auseinandersetzungen herrscht ein gewaltförmiger Zusammenstoß zweier ethnisch verschiedenartiger Gruppen vor, in der zweiten Sphäre kollidieren materielle Forderungen und Mentalitäten. Insbesondere die jeweilige Herkunft, kodifizierte religiöse Normen und kulturelle Identitäten bilden Kernpunkte in Bezug auf bestehende Gegensätze im Nahen Osten. Dabei ste- hen dem politischen Sicherheitsdilemma, wonach die Sicherheit nur noch miteinander und nicht mehr gegeneinander realisierbar ist, weit reichende Forderungen der Parteien gegenüber. Trotz allen lediglich skizziert dargestellten Konfliktherden, gelang es unter Mitarbeit internationaler Akteure, die Region zumindest rudimentär zu befrieden. In der gegenseitigen Anerkennung zwi- schen Israel und der PLO, sowie dem Gaza-Jericho-Abkommen wurden auf dem Wege der Ge- heimverhandlungen von Oslo nicht zu erwartende Kompromisse geschlossen.

Das genaue Thema der Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob signifikante Zusammenhän- ge zwischen dem Strategiewechsel der Palästinensischen Befreiungsorganisation bei den Ge- heimverhandlungen von Oslo 1993 und konstruktivistischen Theorieansätzen bestehen. Methodisch wird dabei zunächst eine vorgeschichtliche Basis gelegt. Auf diesem Wege soll das zunächst monumental wirkende Thema auf oben genannte Abkommen eingegrenzt, wie auch kontextualisiert werden, um primär-erkennbare Bezüge zu den strategischen Positionswechseln der PLO herstellen zu können. Darauf basierend werden im nächsten Schritt Grundaussagen des Konstruktivismus in Bezug auf internationale Verhandlungsmechanismen dargestellt.

Im Folgenden werden beide Untersuchungsstränge zusammengeführt, um etwaige Verbindungen zum einen zu erkennen, zum anderen abstrakt zu einem abschließenden Urteil weiterführen zu können.

Abgeschlossen wird die Arbeit durch eine gewissenhafte Bewertung bisher gewonnener Erkenntnisse. Diese kommt zu dem Schluss, dass Korrelationen zwischen dem Strategiewechsel der Palästinensischen Befreiungsorganisation bei den Geheimverhandlungen von Oslo 1993 und konstruktivistischen Theorieansätzen bestehen.

2. Vorbedingungen des Friedensprozesses

2.1 Ende des Ost-West-Konfliktes

Der Friedensprozess im Nahen Osten kennzeichnet eine Periode in den israelisch-arabischen Be- ziehungen, in der die am Nahostkonflikt beteiligten Parteien seit 1991 in direkten Gesprächen eine Lösung suchten.4 Den späteren Verhandlungen vorgelagert sind zahlreiche Konfliktmuster, die sich kreisförmig um den Grundkonflikt zwischen Israel und Palästina ansiedeln und sich zum Territorialkonflikt zwischen Israel und den arabischen Staaten ausweiten.5 Global überlagert werden die Auseinandersetzungen durch den Ost-West-Konflikt, welcher von den USA und der UdSSR im Sinne eines „Mediums der Rivalität“ konditioniert wird.6 Im Zuge damaliger Lager- mentalitäten und Blockbildungsmechanismen schlossen sich beide Großmächte7 jeweils anderen Staaten im Nahen Osten an. Auf der einen Seite unterstützten die USA Interessen Israels, auf der anderen Seite präferierte die UdSSR eine Zusammenarbeit mit den Palästinensern und arabischen Staaten, insbesondere Syrien.

Einen Wandel erfährt diese Dimension aufgrund der neu geformten Staatsführung der UdSSR seit 1985. Das „neue Denken im nationalen Interesse“8 wandte sich unter immensen innenpoliti- schen Druck vom universal-weltpolitischen Anspruch der Breschnew-Ära ab und bevorzugte unter Gorbatschow eine Außenpolitik des Ausgleichs und der Verständigung mit den USA.9 Un- ter diesem Eindruck verflachte das sowjetische Interesse an der Konfliktregion des Nahen Ostens bis zum Ende des Ost-West-Konfliktes.10 Die daraus folgende Abkehr von bipolaren weltpoliti- schen Konstellationen führte zu einem Rückgang des weltpolitischen Interesses an der Region, sowie zu ideellen verfestigten Mustern, welche im Sinne von „Erblasten des Ost-West- Konfliktes“11 das weitere Vorgehen und Verhalten der Akteure prägten. Insbesondere die Massie- rung von Massenvernichtungswaffen und Destruktionspotentialen, das Vorhandensein der alten Sicherheitslogik, sowie die militärische und politische Dominanz der USA prägten die für den Friedensprozess immanenten Rahmenbedingungen.12

2.2 Golfkrieg 1990/1991

Trotz der Auflösung des „Eisernen Vorhangs“ ist nach Ende des Ost-West-Konfliktes keine sig- nifikante Konfliktbefriedung zwischen den Staaten im Nahen Osten erkennbar. Der mit dem Einmarsch der Iraker in Kuwait 1990 beginnende Golfkrieg führte sodann zur politischen Positi- onierung eines jeden Staates. Diesbezüglich war die politisch-militärische Strategie Saddam Hus- seins, mit dem Rückzug seiner Truppen aus Kuwait die Räumung der palästinensischen Gebiete durch Israel zu verbinden, von entscheidender Bedeutung in Bezug auf das Verhalten der Akteu- re.13

Auf Seiten der Palästinenser lassen sich nach der ersten Intifada14 Einstellungsbilder erkennen, die jegliche diplomatische und politische Bemühungen in Bezug auf den Friedensprozess aus- schließen.15 In Folge dessen erfährt die vorherrschende Bevorzugung einer militärischen Lösung durch das Vorgehen der Iraker in Kuwait neuen Nährboden.16 Die palästinensischen Hoffnungen auf eine Verbesserung ihrer ausweglos scheinenden Lage wurde jedoch durch den „Double Stan- dard“17 der USA im Keim erstickt. Die Präferenzen der Amerikaner bezogen sich gerade nicht auf die Beendigung der israelischen Besetzung, sondern primär auf die Forderung nach dem Rückzug der irakischen Truppen aus Kuwait. Realisiert wurde die gewünschte Beendigung der Auseinandersetzungen durch amerikanische Luftangriffe im Zeitraum zwischen Januar und Feb- ruar 1991. Dies stellte sogleich das Ende des Golfkrieges dar und bürgte mannigfaltige Nachwe- hen in Bezug auf den israelisch-palästinensischen Friedensprozess in sich.

[...]


1 Martin Buder, 1932, Zitiert in: Schmid, Claudia, Frieden auf Raten? Der Verhandlungsfrieden in Nahost, in: Jo- hannsen, Margret (Hrsg,) / Schmid, Claudia, Wege aus dem Labyrinth? Friedenssuche in Nahost., 1. Auflage, Baden- Baden 1997, S. 12.

2 Vgl. Johannsen, Margret, Der Nahostkonflikt, 1. Auflage, Wiesbaden 2006; Schmid, Claudia, Der Israel-Palästina- Konflikt und die Bedeutung des Vorderen Orients als sicherheitspolitische Region nach dem Ost-West-Konflikt, 1. Auflage, Baden-Baden 1993; Starke, Wafa´, Zur Strategie der PLO 1964 bis 1994. Zwischen bewaffneten Kampf und Diplomatie, zwischen Gesamtstaat und Teilstaat., Erlangen / Nürnberg 2000.

3 Diner, Dan, Endogene Konfliktverursachung im Vorderen Orient und die Funktion globaler Einmischung, in: Kriegsursachen, Friedensanalysen, Band 71, Frankfurt a. M. 1987, S. 308-333.

4 Johannsen, Margret, Der Nahostkonflikt, 1. Auflage, Wiesbaden 2006, S. 36.

5 Vgl. Schmid, Claudia, Frieden auf Raten? Der Verhandlungsfrieden in Nahost, in: Johannsen, Margret (Hrsg,) / Schmid, Claudia, Wege aus dem Labyrinth? Friedenssuche in Nahost., 1. Auflage, Baden-Baden 1997, S. 12-42.

6 Schmid, Claudia, Der Israel-Palästina-Konflikt und die Bedeutung des Vorderen Orients als sicherheitspolitische Region nach dem Ost-West-Konflikt, 1. Auflage, Baden-Baden 1993, S. 46.

7 Hierbei ist zu beachten, dass die ehemalige UdSSR ihren Status einer Großmacht in der Politikwissenschaft erst ab 1962, frühestens jedoch ab 1956 zugesprochen bekam.

8 Jahn, Egbert, Die Außenpolitik Russlands, in: Knapp, Manfred / Krell, Gert (Hrsg.), Einführung in die Internationale Politik, 4. Auflage, München [u.a.] Oldenbourg, S. 266.

9 Vgl. ebd, S. 250-285.

10 Auf alle Faktoren, die zum Ende des Ost-West-Konfliktes führen, kann aufgrund des vorgegebenen Rahmens der Arbeit nicht eingegangen werden.

11 Schmid, Claudia, Frieden auf Raten? Der Verhandlungsfrieden in Nahost, in: Johannsen, Margret (Hrsg,) / Schmid, Claudia, Wege aus dem Labyrinth? Friedenssuche in Nahost., 1. Auflage, Baden-Baden 1997, S. 15.

12 Vgl. ebd, S. 12-16.

13 Vgl. Starke, Wafa´, Zur Strategie der PLO 1964 bis 1994. Zwischen bewaffneten Kampf und Diplomatie, zwischen Gesamtstaat und Teilstaat., Erlangen / Nürnberg 2000, S. 155-161.

14 „Intifada“, wörtlich übersetzt „Abschütteln“, bezeichnet die mehrjährigen Auseinandersetzungen zwischen Israel und Palästina von 1987 bis 1993.

15 Ebd, S. 158.

16 Allerdings darf die Hinwendung der Palästinenser nicht im Sinne einer Unterstützung der Kuwait-Invasion interpretiert werden, was weit reichende Fehlperzeptionen und außenpolitische Konsequenzen zur Folge hätte. Vgl. Ortlieb, Sylvia, Palästinensische Identität und Ethnizität: Genese und Entwicklung des Selbstverständnisses der Palästinenser, Köln 1995, S. 192-198, insb. S. 194.

17 Starke, Wafa´, Zur Strategie der PLO 1964 bis 1994. Zwischen bewaffneten Kampf und Diplomatie, zwischen Gesamtstaat und Teilstaat., Erlangen / Nürnberg 2000, S. 158.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Korrelationen zwischen dem Strategiewechsel der Palästinensischen Befreiungsorganisation bei den Geheimverhandlungen von Oslo 1993 und konstruktivistischen Theorieansätzen
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Internationale Beziehungen
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V173615
ISBN (eBook)
9783640938582
ISBN (Buch)
9783640938735
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nah-Ost-Konflik, PLO, Israel, Palästina, Theorie, IB-Theorie, Konstruktivismus, Golfkrieg, Geheimverhandlung
Arbeit zitieren
Torsten Biedermann (Autor:in), 2009, Korrelationen zwischen dem Strategiewechsel der Palästinensischen Befreiungsorganisation bei den Geheimverhandlungen von Oslo 1993 und konstruktivistischen Theorieansätzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173615

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Korrelationen zwischen dem Strategiewechsel der Palästinensischen Befreiungsorganisation bei den Geheimverhandlungen von Oslo 1993 und konstruktivistischen Theorieansätzen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden