Unterrichtsstunde zu "Dead Poets Society"

Keating’s Pritchard Poetry Lesson – What does the protagonists‘ behavior tell us about their characters?


Unterrichtsentwurf, 2011
16 Seiten, Note: 11

Leseprobe

1. Lerngruppe

1.1 Beschreibung der Lerngruppe

Die Klasse wird von mir seit Beginn des aktuellen Halbjahres eigenverantwortlich mit drei Wochenstunden im Fach Englisch unterrichtet. Die Lerngruppe setzt sich aus zwölf Schülern und zehn Schülerinnen[1] zusammen und wird im Klassenverband unterrichtet.

Die SuS sind dem Fach Englisch gegenüber aufgeschlossen und arbeiten meist interessiert an den zu behandelnden Themen und Inhalten. Die SuS verhalten sich mir gegenüber aufge-schlossen, höflich und kooperativ. Grundsätzlich herrscht eine angenehme und konstruktive Arbeitsatmosphäre.

Die Qualität und Quantität der mündlichen Beteiligung variiert stark. Zwei besonders leistungsstarke Schülerinnen heben sich durch ihre stets zielführenden und kritischen Beiträge deutlich vom Rest der Klasse ab. Zwei weitere SuS beteiligen sich ebenfalls sehr regelmäßig, wobei es der Schülerin noch schwer fällt, sich auch kritisch zu äußern, während der Schüler bei vielen Themen grundsätzlich kritische Beiträge und Gegenargumente liefert. Daneben sind zwei SuS im oberen Mittelfeld anzusiedeln. Durch diese sechs SuS scheinen sich besonders die elf stilleren SuS im mittleren bis unteren Mittelfeld zurückzunehmen, obwohl ihre Beiträge auch konstruktiv für den Fortgang des Unterrichts sein könnten. Deshalb ist es mir besonders in Phasen der Erarbeitung wichtig, dass sich alle SuS aktiv am Unterrichtsgeschehen beteiligen. Durch Partner- und Gruppenarbeitsphasen können sich alle SuS gleich stark beteiligen und bekommen die Möglichkeit ihre Beiträge zu integrieren (Konsequenz 1). Vier SuS erbringen mangelhafte Leistungen, indem sie sich nur nach Aufforderung am Unterrichtsgeschehen beteiligen und teilweise keine zielführenden Antworten geben. Zwei von ihnen erscheinen unregelmäßig zum Unterricht.

Die SuS sind es gewohnt, in Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit zu arbeiten. Weiterhin haben sie verschiedene Methoden der Ergebnispräsentation kennen gelernt und erprobt, so zum Beispiel die Präsentation mit Hilfe von Karten und Postern. Um den leistungsschwächeren SuS weitere Beteiligungsräume zu schaffen, werden Vorentlastungen geschaffen, indem z. B. Texte als Hausaufgabe vorbereitend gelesen werden (Konsequenz 2).

1.2 Lernvoraussetzungen – Lernausgangslage und Lernstand

Die Novellisierung des Films von N. H. Kleinbaum[2] wurde von den SuS vor Beginn der Be-sprechung des Werks als Ganzschrift gelesen. Zum Einstieg wurde der Klasse das erste Kapitel der DVD[3] präsentiert, das als filmische Exposition fungiert, indem es Welton Academy als Schauplatz der Handlung darstellt, die Protagonisten einführt - u.a. Mr Keating, Neil Perry und Todd Anderson - und Konflikt/Thematik andeutet, indem die Zuschauer die erste Auseinander-setzung zwischen Neil und seinem Vater beobachten. Die Filmpräsentation wurde immer wieder angehalten und Fragen gestellt, sodass u.a. sichergestellt werden konnte, dass die SuS sowohl die „vier Säulen“ der Welton Academy (tradition, honor, discipline, excellence) als auch die Verball-hornung durch die Schüler (Hell-ton: travesty, horror, decadence, excrement) nennen und die Namen der Protagonisten den verschiedenen Schauspielern zuordnen können. Im Anschluss wurde die Szene in Neils/Todds Zimmer erneut gezeigt, sodass die SuS mit Hilfe der Methode Think!-Pair!-Share! erste Informationen über die verschiedenen Figuren sammeln konnten.

Da die Kapitel der Ganzschrift lediglich nummeriert sind, haben die SuS zur leichteren Orientierung den einzelnen Kapitel Überschriften gegeben. Dieses produktionsorientierte Verfahren lässt die SuS sich nicht nur sehr intensiv mit einer Textstelle auseinandersetzen, sondern es fördert auch das Konzentrieren auf die Kernaussage eines Kapitels[4].

In der vorangegangen Stunde wurde das zweite Kapitel der DVD[5] präsentiert, in dessen Zentrum die erste Unterrichtsstunde des neuen Englischlehrers Keating steht. Anhand dieses Kapitels beschäftigte sich die Lerngruppe in Partnerarbeit mit kinematografischen Techniken wie Symbolismus, Sympathielenkung, Atmosphäre, Montage und Vorausdeutung. Anschließend wurde u.a. erarbeitet, dass Keating im Kontrast zu den anderen Lehrern, die sich durch Strenge und das Einfordern harter Arbeit und eiserner Disziplin auszeichnen, dargestellt wird (Sympathielenkung) und die eigenartige, fast schon gespenstische Atmosphäre in der Ehrenhalle Keatings unkonventionelle Methoden unterstreicht. Als vorbereitende Hausaufgabe zur heutigen dritten Stunde der Unterrichtseinheit sollten die SuS das Ende des 5. Kapitels (S. 26 – 29) nochmals lesen. Da in der letzten Stunde jedoch neun SuS nicht anwesend waren (vgl. Fußnote 5), konnte diese Hausaufgabe nicht von allen erledigt werden. Des Weiteren konnte auch die für die heutige Stunde relevante Gruppeneinteilung noch nicht erfolgen.

2. Didaktische Überlegungen

2.1 Didaktische Begründung des Themas

Eine Umfrage zu Beginn des Halbjahres ergab, dass die Lerngruppe gerne eine weitere Lektüre[6] behandeln würde und zwei SuS regten an, den Roman Dead Poets Society zu lesen. Laut hessischem Lehrplan[7] sollen beim Umgang mit Texten und Medien literarische Texte und Filme/Filmsequenzen behandelt werden, sodass sich hier die Kombination des Romans mit dem Film anbot, zumal es sich bei dem Roman um eine Novellisierung des Films handelt. Die SuS haben den Roman vor dem Einstieg in die Unterrichtseinheit vollständig gelesen (vgl. 1.2). Alternativ hätte man auch die chronologische Lektüre wählen können. Ich habe mich jedoch bewusst dagegen entschieden, da vier SuS, die zu den leistungsstärkeren SuS gehören, den Film bereits kennen und sich Langeweile einstellen kann, „wenn der Text schon bekannt ist oder die SuS weit vorausgelesen haben“[8], und ich gerade den leistungsschwächeren SuS durch Vorentlastungen Beteiligungsräume schaffen möchte (vgl. Konsequenz 2). Die Vorgehensweise der Vorauslektüre bot sich dazu an, alle SuS auf denselben Kenntnisstand zu bringen, andererseits gibt dieses Verfahren vor allem leistungsschwächeren SuS die Möglichkeit „in eigenem Tempo“[9] zu lesen (vgl. Konsequenz 2). Zudem bleibt der Spannungsbogen bis zum Ende der Lektüre erhalten[10]. Darin liegt aber auch gleichzeitig ein Nachteil dieses Verfahrens, denn bei der Besprechung im Unterricht ist die Spannung bereits verbraucht. Deshalb versuche ich „das Faszinosum des Films auszunutzen“[11] und so den Spannungsbogen trotz Vorauslektüre aufrechtzuerhalten. Jedoch ist auch hierbei zu bedenken, dass SuS durch zu intensive Beschäftigung mit dem Film ebenfalls ‚übersättigt‘ werden, mit der gleichen Folge, dass sich Langeweile und Desinteresse einstellen könnten. Meines Erachtens überwiegen jedoch deutlich die Argumente für den Einsatz des Films im Unterricht, sodass die Arbeit mit dem Film in der vorliegenden Unterrichtseinheit im Vordergrund steht. Der Film bietet authentisches Sprach-material und eröffnet den SuS als audio-visuelles Medium die Möglichkeit ihre kommunikativen Fertigkeiten im Bereich Hör-/Sehverstehen zu vertiefen. Mit Hilfe formaler Filmanalyse erhalten die SuS „Einblicke in kinematografische Techniken“[12] und sehen und erfahren welche Funktionen und ästhetische Wirkung Kameraperspektiven, Landschaftsaufnahmen und Montage haben und welche atmosphärische Stimmung damit hervorgerufen wird. Auf diese Weise steigern die SuS ihre film literacy. Damit wird der Forderung des Lehrplans nachgekommen, dass der Englischunterricht der gymnasialen Oberstufe einen Beitrag zur Medienerziehung leisten soll, indem die „Wahrnehmungsfähigkeit für spezifische Strukturen medialer Vermittlung (Bildsprache, Kameraführung)“[13] gefördert wird.

Die Behandlung des Romans und Films bietet sich auch aufgrund der Thematik an, da existentielle Fragen aufgeworfen werden, die unmittelbar an die Lebenswelt der SuS anknüpfen, sodass dem Kursthema Young People Exploring the World[14] Rechnung getragen werden kann. Die SuS der 11e kommen nicht aus der gehobenen Mittel-/Oberschicht eines Amerikas der Fünfzigerjahre, die Themen sind jedoch zeitlos und somit stets aktuell. So werden zum Beispiel „Selbstfindung, menschliche Verantwortung, Integrität, Sexualität, peer group pressure, Leben und Sterben, erfülltes und verfehltes Leben, Realismus und Idealismus“[15] und die Frage nach dem Sinn des Lebens angesprochen. Die SuS sind in etwa im Alter der Protagonisten, sodass Identifikationsangebote entstehen, die zusätzlich von der emotional ergreifenden und charakter-zentrierten Handlung[16] getragen werden.

[...]


[1] Im Folgenden mit „SuS“ abgekürzt.

[2] Die Unterrichtseinheit bezieht sich auf folgende Ausgabe: Kleinbaum, N. H.: Dead Poets Society. Stuttgart: Klett English Editions 2005.

[3] Weir, Peter: Dead Poets Society. Touchstone Pictures 1989. (Minuten 00:00 – 09:16).

[4] Zudem wird der Forderung des hessischen Lehrplans Rechnung getragen, dass den SuS im Umgang mit Texten und Medien das Finden von Überschriften verfügbar gemacht werden soll. Vgl. Hessisches Kultusministerium (Hrsg.): Lehrplan Englisch. Gymnasialer Bildungsgang. Jahrgangsstufen 5 G bis 9 G und gymnasiale Oberstufe. Wiesbaden 2010. S. 52.

[5] Weir, Minuten 9:17 – 20:09.

[6] In der Einführungsphase 1 haben die SuS J.D. Salingers Catcher in the Rye gelesen.

[7] Lehrplan, S. 52.

[8] Haß, Frank: Fachdidaktik Englisch – Tradition, Innovation, Praxis. Stuttgart: Klett 2009. S. 150.

[9] ebd.

[10] vgl. ebd.

[11] Thaler, Engelbert: Dead Poets Society. Einfach Englisch: Unterrichtsmodell. Hrsg. Hans Kröger. Paderborn: Schöningh 2003. S. 12.

[12] ebd.

[13] Lehrplan, S. 8.

[14] Lehrplan, S. 48.

[15] Thaler, S. 10.

[16] vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Unterrichtsstunde zu "Dead Poets Society"
Untertitel
Keating’s Pritchard Poetry Lesson – What does the protagonists‘ behavior tell us about their characters?
Hochschule
Studienseminar für Gymnasien in Offenbach
Note
11
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V173637
ISBN (eBook)
9783640938278
ISBN (Buch)
9783640938346
Dateigröße
721 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dead Poets Society, Keating, Pritchard Poetry Lesson, Welton, Neil Perry, Todd Anderson, Charlie Dalton;, Knox Overstreet, Peter Weir, N. H. Kleinbaum, E-Phase
Arbeit zitieren
Sarah Müller (Autor), 2011, Unterrichtsstunde zu "Dead Poets Society", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173637

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Unterrichtsstunde zu "Dead Poets Society"


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden