In dieser Masterarbeit wird die Darstellung der Hexenfigur im zeitgenössischen Horrorfilm untersucht. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Hexen als Figuren des „Dazwischen“ inszeniert werden und welche gesellschaftlichen, kulturellen und geschlechtsspezifischen Bedeutungen ihnen dabei zugeschrieben werden. Die Arbeit zeigt, dass die Hexenfiguren der untersuchten Filme nicht als von Natur aus böse dargestellt werden, sondern vielmehr als Produkte von Ausgrenzung, Gewalt, sozialer Kontrolle und gesellschaftlichen Machtstrukturen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ordnungen, Epistemen und ihr Kippen: Die Hexe als Störfigur zwischen den Systemen
3. The Witch
3.1. Puritanische Familie vs. Das „Böse“: Filmprotagonistin als Projektionsfläche religiöser Taboos und Ängste
3.2. Wald und Hexe aus dem Wald: Die andere Ordnung
3.3. Schwarzer Philip als Figur des Teufels - Teufelspakt als Vollziehung der Hexentransformation
3.4. Blut als das Zeichen des „Anderen“
4. Carrie
4.1. Geburt des “Monstrums”
4.2. Schule vs. Mutter: Produktion der Hexe
4.3. Blut
4.3.1. Menstruationsblut als Initialpunkt der Monstrosität
4.3.2. Schulball: Schweineblut als Auslöser der Metamorphose
4.4. Der Schrank: Ort der Bestrafung und Gefangenschaft
4.5. Spiegelbilder: Die Konfrontation mit dem „inneren Bösen“
5. The Autopsy of Jane Doe
5.1. Die untote Hexe vs. Der Wissenschaftliche Raum: Kollision der Ordnungen
5.2. Das Autopsiemesser als Instrument und Verortung wissenschaftlicher Gewalt
5.3. Untote Hexenaugen: Der beobachtende unheimliche Blick
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Figur der Hexe in den Horrorfilmen The Witch, Carrie und The Autopsy of Jane Doe als ambivalente Störfigur, die gesellschaftliche Normen und Machtverhältnisse infrage stellt. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die Hexenfigur als monströs-feminines "Anderes" konstruiert wird, das sich herrschenden Ordnungen entzieht.
- Analyse der Hexenfigur als Spiegel gesellschaftlicher Machtstrukturen.
- Untersuchung der Konstruktion des "Anderen" und der "monströsen Weiblichkeit".
- Theoretische Verknüpfung von Horrorfilm-Ästhetik mit psychoanalytischen und kulturtheoretischen Konzepten.
- Erforschung von Symboliken wie Blut, Wald und wissenschaftlicher Gewalt als Marker der Grenzüberschreitung.
- Diskussion der Transformation der Protagonistinnen in patriarchalen Kontexten.
Auszug aus dem Buch
Die paradoxe Position der Hexe
Besonders prägnant ist dabei ihre paradoxe Position: Die Hexe ist „anders“, und doch gehört sie dazu. Sie ist keine fremde Kreatur, sondern in der Regel als Frau konzipiert – als Teil der Gemeinschaft, der Familie, des sozialen Gefüges. Die Hexe verkörpert somit eine Form des Anderen, das nicht eindeutig außerhalb verortet werden kann, sondern sich in einem Zwischenraum bewegt: zwischen Zugehörigkeit und Ausschluss, Normalität und Abweichung, Menschlichem und Unheimlichem. Diese ambivalente Verortung einer Hexenfigur bietet darüber hinaus ein starkes Potenzial für die Untersuchung von solchen Phänomenen wie Machtstrukturen, Geschlecht, Körper und sozialer Ordnung.
Gerade der Horrorfilm erweist sich ein besonders geeigneter medialer Rahmen, um die ambivalenten Eigenschaften der Hexenfigur zu untersuchen. Als Genre ist der Horrorfilm in besonderer Weise darauf ausgerichtet, gesellschaftlich tabuisierte Themen sichtbar zu machen und zu problematisieren. Der Horrorfilm spielt mit den Grenzen des Sag- und Zeigbaren; Das Unbehagen und das Verdrängte wird nicht nur audiovisuell präsentiert, sondern durch beim Zuschauer ausgelöste Emotionen gezielt erfahrbar gemacht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die kulturgeschichtliche Bedeutung der Hexenfigur und den theoretischen Fokus der Arbeit auf das Konzept des "Anderen".
2. Ordnungen, Epistemen und ihr Kippen: Die Hexe als Störfigur zwischen den Systemen: Erörterung wie Hexenfiguren in den gewählten Filmen bestehende epistemische Systeme durch ihre Grenzüberschreitung destabilisieren.
3. The Witch: Analyse der puritanischen Lebenswelt und der Transformation der Protagonistin Thomasin zur Hexe als Akt der Befreiung von patriarchal-religiöser Unterdrückung.
4. Carrie: Untersuchung der Verbindung von religiösem Fanatismus und körperlicher Gewalt bei der Transformation von Carrie zur monströsen Figur.
5. The Autopsy of Jane Doe: Analyse der Kollision zwischen rational-wissenschaftlicher Obduktionslogik und dem Übernatürlichen am Beispiel der untoten Hexe Jane Doe.
6. Fazit: Synthese der Ergebnisse, wonach die Hexe im modernen Horrorfilm als vielschichtiges Symbol für gesellschaftliche Konflikte fungiert.
Schlüsselwörter
Hexe, Horrorfilm, monströs-feminine, Anderes, Machtstrukturen, Gender, Körper, Abjekt, puritanische Ordnung, Transformation, Tabu, Grenzüberschreitung, patriarchale Kontrolle, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Masterarbeit analysiert die Darstellung der Hexe in Horrorfilmen der 2010er Jahre und untersucht deren Funktion als Symbol für gesellschaftliche und machtkritische Dynamiken.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit fokussiert auf Machtstrukturen, geschlechtsspezifische Rollenbilder, die Konstruktion von Monstrosität sowie den Zusammenhang zwischen Körperlichkeit und sozialer Normierung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie aktuelle Horrorfilme die Hexenfigur nutzen, um tabuisierte gesellschaftliche Konflikte sichtbar zu machen und bestehende Ordnungsvorstellungen zu problematisieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine kulturwissenschaftliche und filmtheoretische Analyse, ergänzt durch psychoanalytische Konzepte von Theoretikern wie Julia Kristeva, Michel Foucault und Mary Douglas.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Filmanalysen, in denen spezifische Szenen hinsichtlich ihrer symbolischen Bedeutung für die Transformation zur Hexenfigur detailliert untersucht werden.
Welche Schlüsselbegriffe sind für die Arbeit essenziell?
Zentrale Begriffe sind das "Abjekte", das "monströs-Feminine", die "puritanische Ordnung" sowie der Körper als Ort der Einschreibung von Macht und Gewalt.
Wie unterscheidet sich die Darstellung in "Carrie" (2013) vom Original?
Die Autorin hebt hervor, dass die Neuverfilmung durch die explizite Darstellung der Geburtsszene einen stärkeren Fokus auf die Markierung von Andersartigkeit und Ausstoßung legt.
Warum wird "Jane Doe" als untote Hexe bezeichnet?
Die Analyse zeigt auf, dass Jane Doe eine historische Gewaltgeschichte verkörpert, die den wissenschaftlich-rationalen Zugriff destabilisiert und den Obduzenten als Akteurin entgegensteht.
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- Anonym (Author), 2025, "Somewhere in Between". Die Hexe in Horrorfilmen der 2010er, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1736781